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Autor: Christian Vögtlin
Fach: Wirtschaft - Personal und Organisation
Details
Institution/Hochschule: Universität Konstanz
Tags: Politische, Prozesse, Lernen, Mikropolitik, Lernen, Management, Wandels
Jahr: 2006
Seiten: 22
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 17 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 185 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-60684-4
ISBN (Buch): 978-3-638-67266-5
In einer sich schnell wandelnden Umwelt wurde organisationales Lernen schon seit längerem als ein Wettbewerbsvorteil der Zukunft erkannt. Damit dieser Wettbewerbsvorteil aber auch zum Tragen kommt, muss die Organisation lernen fördern. Dabei wurden die zum Organisationsalltag gehörenden politischen Prozesse und Machtspiele bisher oft als störend idendifiziert. Ziel dieses Artikels ist es zu zeigen,in welchem Maße diese Prozesse durchaus in der Lage sind, organisationales Lernen zu fördern.
Zusammenfassung / Abstract
In einer immer komplexer werdenden und sich schnell wandelnden Umwelt wurde organisationales Lernen schon seit längerem als ein Wettbewerbsvorteil der Zukunft erkannt. Damit dieser Wettbewerbsvorteil aber auch zum Tragen kommt, muss die Organisation lernen fördern. Dabei wurden die zum Organisationsalltag gehörenden politischen Prozesse bisher in der Literatur zum organisationalem Lernen nicht ausreichend berücksichtigt. Und falls sie berücksichtigt wurden, dann wurden sie als störende Komponente identifiziert, die es zu minimieren gilt. „Organizational politics thus remains a relatively neglected and somewhat marginal field“ (Burgonye/ Jackson 1997:58). Organisationale Politik wurde nur als störendes Beiwerk zum normalen Organisationsalltag gesehen, in dem Entscheidungen Idealerweise nach rationalen Gesichtspunkten getroffen werden sollten und Machtbeziehungen zwischen den Akteuren keine Rolle spielen sollten. Ziel dieses Artikels ist es, auf diese politischen Prozesse aufmerksam zu machen und zu zeigen, in welchem Maße sie durchaus in der Lage sind, organisationales Lernen zu fördern. Auf der anderen Seite soll auch berücksichtigt werden, wie es gelingt, durch mikropolitisches Taktieren den Prozess des Lernens in Organisationen zu hindern. Die Methode um dieses Ziel zu erreichen ist eine kritische Untersuchung von ausgewählten Konzepten organisationalen Lernens. Sie werden auf ihre Sichtweise von kollektiven Lernprozessen in Verbindung mit politischen Taktiken der Akteure untersucht. Dort wo die Sichtweise zu undifferenziert ist, sollen weitere Überlegungen ansetzen. Die Vor- und Nachteile politischer Prozesse im Hinblick auf organisationales Lernen sollen dann herausgearbeitet und in konkrete Gestaltungsmöglichkeiten umgesetzt werden.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Konstanz Fachbereich
Politik- und Verwaltungswissenschaft
Lehrstuhl für Management
Seminar: Management des Wandels
Politische Prozesse und organisationales Lernen
- Wie Mikropolitk organisationales Lernen fördern kann -
Christian Vögtlin
07.03.06
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung - 1 -
2. Mikropolitik - 2 -
3. Organisationales Lernen - 4 -
4. Konzepte des organisationalen Lernens - 6 -
4.1. Argyris und Schön (1978): A Theory of Action Perspective - 7 -
4.2. Coopey und Burgoyne (2000): Politics and Organizational Learning - 8 -
4.3. Senge (1990): The Fifth Discipline - 10 -
5. Gestaltungsempfehlungen - 13 -
5.1 Ergebnisse aus den Konzepten - 13 -
5.2 Instrumente - 15 -
6. Zusammenfassung - 17 -
7. Literaturverzeichnis - 19 -
1. Einleitung
In einer immer komplexer werdenden und sich schnell wandelnden Umwelt wurde organisationales Lernen schon seit längerem als ein Wettbewerbsvorteil der Zukunft erkannt1. Damit dieser Wettbewerbsvorteil aber auch zum Tragen kommt, muss die Organisation lernen fördern. Dabei wurden die zum Organisationsalltag gehörenden politischen Prozesse bisher in der Literatur zum organisationalem Lernen nicht ausreichend berücksichtigt. Und falls sie berücksichtigt wurden, dann wurden sie als störende Komponente identifiziert, die es zu minimieren gilt2. „Organizational politics thus remains a relatively neglected and somewhat marginal field“ (Burgonye/ Jackson 1997:58). Organisationale Politik wurde nur als störendes Beiwerk zum normalen Organisationsalltag gesehen3, in dem Entscheidungen Idealerweise nach rationalen Gesichtspunkten getroffen werden sollten und Machtbeziehungen zwischen den Akteuren keine Rolle spielen sollten.
Ziel dieses Artikels ist es, auf diese politischen Prozesse aufmerksam zu machen und zu zeigen, in welchem Maße sie durchaus in der Lage sind, organisationales Lernen zu fördern. Auf der anderen Seite soll auch berücksichtigt werden, wie es gelingt, durch mikropolitisches Taktieren den Prozess des Lernens in Organisationen zu hindern. Die Methode um dieses Ziel zu erreichen ist eine kritische Untersuchung von ausgewählten Konzepten organisationalen Lernens. Sie werden auf ihre Sichtweise von kollektiven Lernprozessen in Verbindung mit politischen Taktiken der Akteure untersucht. Dort wo die Sichtweise zu undifferenziert ist, sollen weitere Überlegungen ansetzen. Die Vor- und Nachteile politischer Prozesse im Hinblick auf organisationales Lernen sollen dann herausgearbeitet und in konkrete Gestaltungsmöglichkeiten umgesetzt werden.
Der Artikel gliedert sich im Folgenden in eine Definition von Mikropolitik und politischen Prozessen4 (Kapitel 2). Anschließend wird versucht, eine allgemeine Definition von organisationalem Lernen zu geben (Kapitel 3). Im 4. Kapitel werden ausgewählte Konzepte des organisationalen Lernens daraufhin untersucht, wie sie politische Prozesse berücksichtigen. Es geht um eine kritische Betrachtung der Konzepte im Hinblick auf Mikropolitik und Macht. Dabei werden verschiedene Aspekte herausgearbeitet, die zeigen, wie politische Prozesse Lernen hindern oder fördern können. Die Ergebnisse werden im 5. Kapitel gegenübergestellt. Aus den Überlegungen werden konkrete Gestaltungsempfehlungen abgeleitet, die politische Prozesse so ausgestalten, dass sie organisationales Lernen fördern. Zum Schluss folgt eine Zusammenfassung der Untersuchungen (Kapitel 6).
2. Mikropolitik
Mikropolitik wird nach Ortmann und Küpper als „organisationale Innenpolitik“ (Ortmann 1992:18) verstanden. Es geht um politisches Handeln in Organisationen. Untersucht wird, wie nichtökonomische Entscheidungen um Macht und Ressourcen getroffen werden. Die Organisation wird als soziales System von Handlungen aufgefasst. Der Akteur bestimmt das organisationale Handeln. Überlegungen zur Strategie des Akteurs bilden die Grundlage zur Analyse von Organisationsphänomenen und sind Ausgangspunkt dieser theoretischen Sichtweise5. Neuberger (1995) unterscheidet acht Merkmale der Mikropolitik, die auch der im Rahmen dieser Arbeit verwendeten Definition zugrunde liegen sollen. Zu diesen Merkmalen gehören die Akteursperspektive und Handlungsorientierung, Interessendurchsetzung, Intersubjektivität, Macht, Dialektik der Interdependenz, Legitimation, Zeitlichkeit und Ambiguität6. In der Organisation als System koordinierter Handlungen ist die individuelle Person der Akteur, sein Verhalten determiniert die Handlungen, nicht die Zwänge des Systems. Politische Situationen kennzeichnen sich durch Interaktion verschiedener Akteure, die versuchen ihre Interessen durchzusetzen. Dabei entstehen je nach Situation verschiedene intersubjektive Beziehungen zwischen den handelnden Personen. Diese interpersonalen Beziehungen können den Ausgang des Geschehens verändern, da nicht mehr rationale Überlegungen im Zentrum stehen, sondern subjektive Einstellungen gegenüber anderen Personen die Entscheidung beeinflussen. Zentrales Merkmal der politischen Prozesse sind sodann Machtasymmetrien zwischen den Handelnden. Macht ist keine auf eine Person festgeschriebene Eigenschaft, sondern soziales Handeln, da eine Beziehung zwischen zwei Parteien immer Austausch und gegenseitige Anpassung voraussetzt7. Nicht berücksichtigt werden hier materielle Ressourcen, mit deren Hilfe ebenfalls Macht ausgeübt werden kann. Sie spielen hier keine Rolle, da nur Entscheidungssituationen untersucht werden, bei denen es zu Interaktionen, bzw. enger gefasst: zu Gesprächen kommt. Macht definiert sich nach Crozier/ Friedberg über die Kontrolle von Unsicherheitszonen (z.B. durch einen Informationsvorsprung oder Positionsmacht), durch die ein Akteur den Handlungsspielraum eines anderen Individuums einschränken kann und sich so einen Vorteil in der Verhandlungsbeziehung verschafft. Die Unsicherheitszone muss dabei einen Bezug zum Verhandlungsproblem, bzw. zur Tauschbeziehung haben um Relevanz zu erlangen.8
[...]
1 Probst/ Büchel 1998:3ff
2 Coopey 2000:869 f, Esterhazy-Smith 1999:5 f
3 Burgonye/ Jackson 1997:58
4 die Begriffe Mikropolitik und politische Prozesse werden in dieser Arbeit synonym verwendet. Mikropolitik ist „organisationale Innenpolitik“ (vgl. Definition Kapitel 2) und beschreibt die in der Organisation ablaufenden politischen Prozesse.
5 Crozier/ Friedberg 1993:39
6 Neuberger 1995:22
7 Crozier/ Friedberg 1993:39ff
8 Crozier/ Friedberg 1993:39ff
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