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Die Auswirkungen der Fussball- Weltmeisterschaft 2006 auf die Volkswirtschaft Deutschlands

Subtitle: ... und am Ende gewinnen immer die Deutschen

Scientific Study, 2006, 31 Pages
Author: Christian Hilscher
Subject: Economics / Business: Political Economics

Details

Category: Scientific Study
Year: 2006
Pages: 31
Grade: 8,0
Bibliography: ~ 20  Entries
Language: German
Archive No.: V68999
ISBN (E-book): 978-3-638-61231-9
ISBN (Book): 978-3-638-67314-3
File size: 313 KB
Notes :
Niederländisches Notensystem Qualität der Arbeit nachweislich zertifiziert.


Abstract

„Fußball ist ein Spiel, bei dem 22 Mann 90 Minuten einem Ball hinterherlaufen, und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“ (Gary Lineker) Es ist Mittwoch, der 04. Juli 2006 um 23:00 Uhr: Die zweite Spiel-Hälfte der Verlängerung neigt sich dem Ende, die Zuschauer vor dem heimischen Fernseher, auf den zahlreichen Public-Viewing-Plätzen und die wenigen Glücklichen, die sich in dem Besitz einer Karte befinden, erwarten das Elfmeterschießen. Nichts kann die deutsche Mannschaft jetzt noch stoppen. Das Elfmeterschießen kennt nur einen Sieger: Deutschland. Das wissen auch die Italiener spätestens seit dem Elfmeterkrimi der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Argentinien. In dieser trügerischen Gewissheit des sicheren Sieges geschieht das Unmögliche. In der 122. Spielminute erzielt Fabio Grosso mit einer Bogenlampe in die linke Ecke unhaltbar für Lehmann das 1:0 für Italien – mitten in das Herz einer ganzen Fußballnation. Totenstille im Stadion, Totenstille in ganz Deutschland. Das 2:0 für Italien durch Alessandro del Piero zwei Minuten später begräbt auch die letzten Hoffnungsschimmer der noch verbliebenen Optimisten. Das Spiel ist aus. Und mit diesem Spiel endet der Traum des wiederholten Titelgewinns im eigenen Land. Mit berauschendem Fußball eroberte die deutsche Mannschaft während des Turniers die Herzen einer ganzen Nation. Die Euphorie während des Turniers war einzigartig, nur der Gewinn des Weltmeisterschaftstitels hätte diese unvergessliche Stimmung noch steigern können. Doch Gary Lineker sollte zum Entsetzen aller deutschen Fans Unrecht behalten. Am Ende gewannen nicht die Deutschen... ...oder doch? „Fußball is’ auf’m Platz“ (Sepp Herberger) und „Wirtschaft findet in der Wirtschaft statt“ (Günter Rexrodt). Auch wenn der Titelgewinn im eigenen Land nunmehr unwiderruflich verloren ist. Besteht nicht doch die Möglichkeit, dass (die Volkswirtschaft) Deutschland(s) durch die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006TM (an Wachstum) gewinnen konnte? Die vorliegende Untersuchung verfolgt im Wesentlichen drei Ziele. Zum einen analysiert diese Untersuchung solche Einflussfaktoren, die durch die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006TM induziert werden und sich auf das volkswirtschaftliche Wachstum auswirken. Zum anderen wird das Wirtschaftswachstum unter günstigen und ungünstigen Rahmenbedingungen mit Hilfe der Kosten-Nutzen-Analyse nach Kurscheidt quantifiziert. Abschließend erfolgt die Bewertung dieser Ergebnisse hinsichtlich deren Qualität.


Excerpt (computer-generated)

Die Auswirkungen der FIFA Fußball
Weltmeisterschaft 2006TM auf die Volkswirtschaft Deutschlands
- ... und am Ende gewinnen immer die Deutschen

von: Christian Hilscher

 


Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung 2

Vorwort 3

1 Einführung 5

2 Charakterisierung der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006TM 7

3 Grundlagen der Analyse 8

3.1 Die Methode der Kosten-Nutzen-Analyse nach Kurscheidt 8
3.2 Induzierte Effekte durch die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006TM – die Abgrenzungsproblematik der Einflussfaktoren 9

3.2.1 Die Stadioninvestitionen 10
3.2.2 Öffentliche Investitionen 11
3.2.3 Tourismusausgaben 12
3.2.4 Das Nettoergebnis der Stadienbetreibung 13

4 Daten und Dynamik der Kosten-Nutzen-Analyse 14

5 Empirische Befunde 17

6 Bewertung und Einordnung der Ergebnisse 19

7 Kritische Würdigung 20

Literatur- und Quellenverzeichnis 22

Tabellenverzeichnis 24
Abbildungsverzeichnis 25
Verzeichnis der Anhänge 26




 

Zusammenfassung

Am 04. Juli 2006 um 23:02 sind auch die letzten Hoffnungen auf einen Finaleinzug der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006TM zunichte gemacht. Deutschland verliert das Halbfinale gegen Italien, kurze Zeit später wird Italien Fußball-Weltmeister. Der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft ist verloren, doch möglicherweise konnte Deutschland beim volkswirtschaftlichen Wachstum einen Gewinn –durch die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006TM bewirkt – verzeichnen. Um die Auswirkungen dieser Sportgroßveranstaltung bemessen zu können, müssen zunächst durch die FIFA Fußball- Weltmeisterschaft 2006TM bewirkte Einflussfaktoren bekannt sein. Im Anschluss an die Quantifizierung der Auswirkungen werden die Ergebnisse abschließend hinsichtlich ihrer Qualität bewertet.
FIFA Fußball-WeltmeisterschaftenTM gehören neben den Olympischen Spielen zu den Sport- Mega-Events. Als solcher ist die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006TM Magnet eines internationalen Publikums. Ein wesentlicher Unterschied zu den Olympischen Spielen ist das hervorstechende Merkmal, dass die sozio-ökonomischen Auswirkungen sich nicht alleine auf einen regionalen Raum, sondern auf das gesamte Bundesgebiet beziehen. Mit dem Wissen um die Charakteristika dieses Mega-Sport-Events können Einflussfaktoren definiert werden, die durch die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006TM induziert werden und sich auf die Volkswirtschaft Deutschlands auswirken. Für diese Untersuchung werden die Stadioninvestitionen in alle 16 Bewerberstadien, die öffentlichen Investitionen, die Ausgaben ausländischer Touristen und die Nutzenrückflüsse bzw. Betriebskosten aller 16 Bewerberstadien identifiziert.
Die Berücksichtigung aller 16 Bewerberstadien ist eine wesentliche Differenz im Vergleich zu der Analyse nach Kurscheidt. Dadurch ergeben sich erhöhte Stadioninvestitionen und erhöhte Nettoergebnisse der Stadionbetreibung. Weiterhin ist ein signifikanter Unterschied zu der Kurscheidt’schen Analyse die Berücksichtigung „echter“ öffentlicher Investitionen. Bei den Ausgaben ausländischer Touristen sind innerhalb beider Untersuchungen ähnliche Ergebnisse vorhanden. Auswirkungen auf die deutsche Volkswirtschaft werden durch die Multiplikatorwirkungen sowohl auf die Tourismusausgaben als auch auf sämtliche Investitionen verstärkt. Der wirtschaftlichen Erfolg des OK’s war zum Zeitpunkt dieser Untersuchung bereits bekannt und musste im Gegensatz zu Kurscheidt nicht prognostiziert werden. Zwei Rechengrößen erfassen die wirtschaftlichen Auswirkungen der FIFA Fußball- Weltmeisterschaft 2006TM. Der diskontierte Nettonutzen und die Nettogegenwartswerte. Auffällig beim Vergleich der Nettonutzen sind die erheblichen Unterschiede zu den Ergebnissen von Kurscheidt. Die Nettogegenwartswerte beschreiben unter günstigen Rahmenbedingungen einen nachhaltigen Wohlfahrtszuwachs von knapp 5,5 Mrd. € in 2015, unter ungünstigen Rahmenbedingungen jedoch volkswirtschaftliche Verluste von insgesamt mehr als 2,2 Mrd. € bis zum Jahr 2015. Ergebnisse anderer Studien erlauben die Unterstellung günstiger Annahmen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung unter der Restriktion günstiger Rahmenbedingungen können als absolut valide bezeichnet werden. Die Variablen Zeit und Mittel, veranlassen zu kritischen Auseinandersetzung mit dieser Untersuchung. Ebenso lässt sich die Abgrenzungsproblematik und die subjektive Erfassung der Einflussfaktoren nicht eindeutig lösen. Die Wahl des Zeitpunktes der Untersuchung kann mithin als durchaus frühzeitig betrachtet werden.

Vorwort

Dieser Bericht entstand im Rahmen des Moduls: Individual Topics. Die Themenwahl des Berichts war den Studierenden freigestellt und lediglich dadurch eingeschränkt, dass das Thema einen Bezug zum Studiengang aufzuweisen hat. Dadurch wurde ich in die glückliche Position versetzt, ein Thema zu wählen, mit dem ich mich identifizieren kann. Eine gerade vergangene FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006TM hat ganz Deutschland begeistert. Nie zuvor habe ich solch eine euphorische Stimmung erleben dürfen, nie zuvor hat Deutschland seinen Nationalstolz so offen gelebt wie während der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006TM. Auch wenn Deutschland eine schmerzliche Halbfinalniederlage gegen Italien hinnehmen musste – ich selber war zu dem Zeitpunkt des Ausscheidens in den Dortmunder Westfalenhallen – hat Deutschland dennoch durch diesen Event profitiert. Sei es durch den neu entdeckten Nationalstolz oder durch den Imagegewinn einer ganzen Nation.
Dieser Bericht versucht die Frage zu beantworten, ob die Volkswirtschaft Deutschland durch die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006TM auch zu den Gewinnern gezählt werden kann. Ich hoffe, Sie haben beim Lesen dieses Berichts genauso viel Spaß, wie es mir Spaß bereitet hat, das Thema zu bearbeiten und oben genannte Frage zu beantworten. Mein besonderer Dank gilt der deutschen Fußballnationalmannschaft für eine tolle Turnierleistung, für die Initialzündung oben beschriebener Stimmung und für die Beeinflussung meinerseits hinsichtlich der Themenwahl. Ich habe eine Motivation wiederentdeckt, die ich lange Zeit vermisst habe. Christian Hilscher Straelen, 15. November 2006

1 Einführung

„Fußball ist ein Spiel, bei dem 22 Mann 90 Minuten einem Ball hinterherlaufen, und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“1

Es ist Mittwoch, der 04. Juli 2006, 23:00 Uhr: Die zweite Spiel-Hälfte der Verlängerung neigt sich dem Ende, die Zuschauer vor dem heimischen Fernseher, auf den zahlreichen Public- Viewing-Plätzen und die wenigen Glücklichen, die sich in dem Besitz einer Karte befinden, erwarten das Elfmeterschießen. Nichts kann die deutsche Mannschaft jetzt noch von dem Einzug ins Finale abhalten. Das Elfmeterschießen kennt nur einen Sieger: Deutschland. Das wissen die Italiener spätestens seit dem Elfmeterkrimi der deutschen Fußball- Nationalmannschaft gegen Argentinien.
In dieser trügerischen Gewissheit des sicheren Sieges geschieht das Unmögliche: in der 122. Spielminute erzielt Fabio Grosso mit einer Bogenlampe in die linke Ecke unhaltbar für Lehmann das 1:0 für Italien – mitten in das Herz einer ganzen Fußballnation. Totenstille im Stadion, Totenstille in ganz Deutschland – von den wenigen Tifosi abgesehen. Das 2:0 für Italien durch Alessandro del Piero zwei Minuten später begräbt auch die letzten Hoffnungsschimmer der noch verbliebenen Optimisten. Das Spiel ist aus. Und mit diesem Spiel endet der Traum des wiederholten Titelgewinns nach 1974 im eigenen Land. Mit berauschendem Fußball eroberte die deutsche Mannschaft während des Turniers die Herzen einer ganzen Nation. Die Euphorie während des Turniers war einzigartig, nur der Gewinn des Weltmeisterschaftstitels hätte diese unvergessliche und unvergleichliche Stimmung noch weiter steigern können. Doch Gary Lineker sollte zum Entsetzen aller Fans der deutschen Elf Unrecht behalten. Am Ende gewannen nicht die Deutschen...
... oder doch? „Fußball is’ auf’m Platz“2 und „Wirtschaft findet in der Wirtschaft statt“3. Auch wenn die Chance auf den Titel im eigenen Land nunmehr unwiderruflich verloren gegangen ist, stellt sich die Frage, inwieweit (die Volkswirtschaft) Deutschland durch die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006TM möglicherweise an Wachstum gewinnen konnte. Die vorliegende Untersuchung verfolgt im Wesentlichen drei Ziele: Zum einen analysiert diese Untersuchung solche Einflussfaktoren, die durch die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006TM induziert werden und sich auf das volkswirtschaftliche4 Wachstum auswirken. Zum anderen wird versucht, dass Wirtschaftswachstum unter günstigen und ungünstigen Rahmenbedingungen zu quantifizieren. Als drittes Ziel erfolgt die Bewertung der Ergebnisse hinsichtlich der Qualität.
„Statistik? Welche Statistik stimmt schon? Statistisch gesehen ist jeder vierte Mensch Chinese, aber hier spielt gar kein Chinese mit.“5 Dem Motto dieses Zitates folgend sind eine Vielzahl von Studien zu den volkswirtschaftlichen Auswirkungen der FIFA Fußball- Weltmeisterschaft 2006TM veröffentlicht worden. Die Aussagen über Auswirkungen der FI- FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006TM auf die Volkswirtschaft Deutschland sind in etwa so zahlreich wie die Studien selber.
Die hohe Anzahl an unterschiedlichen Ergebnissen hat im Wesentlichen drei Ursachen: Zunächst ist zu berücksichtigen, dass das Spektrum an Ergebnissen sich dadurch begründet, dass den jeweiligen Studien unterschiedliche Prognosemodelle zur Berechnung der gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen vorliegen, was sich letzten Endes in den benannten unterschiedlichen Ergebnissen manifestiert. Als zweite Ursache muss angeführt werden, dass durch die Subjektivität der Autoren die Fragestellung, welche Impulswirkung tatsächlich durch die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006TM hervorgerufen wird und welche Impulswirkung durch Substitutionseffekte wieder nivelliert wird, verschieden beantwortet wird. Und die dritte Ursache für die Vielzahl an Ergebnissen resultiert aus den Zeitpunkten der Untersuchung. Ein Großteil dieser Studien ist bereits im Vorfeld der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006TM erschienen. Dementsprechend können die durch die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006TM induzierten Wachstumsimpulse lediglich prognostiziert werden.

[...]


1 Frei nach Gary Lineker, ehem. engl. Fußball-Nationalspieler: „Football is a simple game; 22 men chase a ball for 90 minutes, and at the end the Germans always win”.

2 Sepp Herberger, ehem. Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft (1936-1942 und 1950-1964). Fußball- Weltmeister 1954.

3 Günter Rexrodt, Bundesminister für Wirtschaft von 1993 – 1998.

4 Wenn im Folgenden von wirtschaftlich, volkswirtschaftlich, gesamtwirtschaftlich ect. (...) die Rede ist, bezieht sich diese Aussage stets auf die Volkswirtschaft der Bundesrepublik Deutschland.

5 Werner Hansch bei der Kommentierung des Länderspiels Frankreich – Deutschland.


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