Philosophie und ihre Geschichte als Thema der neueren Kinder- und Jugendliteratur

E-Book Cover: ()
Flash Player und JavaScript werden für eine verbesserte Ansicht des Dokuments benötigt. Bitte installieren Sie den Flash Player und aktivieren Sie Javascript.

Install Flash Player

Details

Titel: Philosophie und ihre Geschichte als Thema der neueren Kinder- und Jugendliteratur
Autor: Mag. Petra Vera Rüppel
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Institution/Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main (Institut für Jugendbuchforschung)
Kategorie: Magisterarbeit
Jahr: 2003
Seiten: 108
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 45  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 451 KB
Archivnummer: V69028
ISBN (E-Book): 978-3-638-59523-0
ISBN (Buch): 978-3-638-67316-7

Zusammenfassung / Abstract

Als Sofie ihre Welt philosophisch interessierten Rezipienten zugänglich machte, markierte sie eine Trendwende in der Kinder- und Jugendliteratur. Philosophische Ideen und ihre Entwicklungsgeschichte bewiesen ihre Tauglichkeit und Daseinsberechtigung auf einem Terrain, das bislang als besonders schwer zu erobern galt; der abstrakt-theoretische Charakter von philosophischen Theorien schien nahezu unvereinbar mit den traditionellen kinder- und jugendliterarischen Darstellungsformen: Wie sollte die komplizierte philosophische Fachterminologie in eine für Kinder verständliche Sprache übersetzt werden? War es nicht unmöglich, die Philosophiegeschichte in literarischer Form für den kindlichen Rezipienten aufzubereiten, ohne sie ihrer Komplexität zu berauben? Und konnte man überhaupt davon ausgehen, dass von Seiten der jungen Leserschaft Interesse an philosophischen Problemstellungen bestand? In der vorliegenden Arbeit wird nach einer systematischen Einführung in die historischen Hintergründe der Kinderphilosophie sowie in ihre Theorie und Praxis unter Berücksichtigung von philosophiedidaktischen und heuristischen Aspekten gezeigt, auf welche Art philosophisches Gedankengut in der neueren Kinder- und Jugendliteratur transportiert wird und inwieweit es die Realität des kindlichen respektive jugendlichen Rezipienten zu durchdringen vermag. Dies erfolgt am Beispiel von drei ausgewählten Kinder- und Jugendbüchern, die das Thema auf unterschiedliche Weise gestalten: Jostein Gaarders im Jahre 1993 in Deutschland erschienenes Erfolgswerk „Sofies Welt“ stellt den Ausgangspunkt der Untersuchungen dar, gefolgt von Vittorio Hösles und Nora K.s 1996 publiziertem philosophischen Briefwechsel „Das Café der toten Philosophen“; den Abschluss bildet Stephen Laws erstmals 2002 im deutschsprachigen Raum veröffentlichtes Werk „Philosophie – Abenteuer Denken“.

Textauszug (computergeneriert)

Johann Wolfgang Goethe-Universität
Institut für Jugendbuchforschung

Abschlussarbeit
zur Erlangung der Magistra Artium
im Fachbereich Neuere Philologien

Philosophie und ihre Geschichte als Thema der neueren Kinder- und Jugendliteratur

Petra Vera Rüppel

 

Inhaltsverzeichnis


Einleitung ... 4

1 Geschichte der Kinderphilosophie ... 5

1.1 Begriffsklärung ... 6
1.2 Kindheitsbilder. Mythisches Denken und Transzendenzerfahrungen ... 7
1.3 Kinderphilosophie in Theorie und Praxis ... 8
1.3.1 Kontroverse Diskussion der Kinderphilosophie in den zwanziger Jahren ... 8
1.3.2 Tendenzen der Kinderphilosophie nach dem Zweiten Weltkrieg ... 10
1.4 Systematisierung der Positionen und Modelle ... 13

2 Philosophieren mit Kindern ... 14

2.1 Ziele und Perspektiven der Kinderphilosophie ... 14
2.2 Grundlagen der philosophischen Gesprächsführung mit Kindern ... 16
2.3 Das sokratische Gespräch ... 18

3 Philosophie als Thema von Kinder- und Jugendliteratur ... 20

3.1 Formale und inhaltliche Charakteristika ... 21
3.2 Philosophie in der Kinder- und Jugendliteratur vor „Sofies Welt“ ... 23

4 „Sofies Welt“. Betrachtung eines modernen Klassikers ... 25

4.1 Das Erfolgswerk ... 25
4.1.1 Entstehungshintergrund ... 26
4.2 Intention des Autors ... 27
4.3 Skizzierung des Inhalts ... 29
4.4 Darstellung der Philosophiegeschichte ... 30
4.4.1 Formal-sprachliche Aspekte des philosophiehistorischen Teils ... 30
4.4.2 Der sokratische Dialog. Methodisches ... 33
4.4.3 Selektion der Philosophiegeschichte ... 38
4.5 Betrachtung der belletristischen Rahmenhandlung aus kinderphilosophischer Sicht ... 40
4.5.1 Formale und strukturelle Aspekte ... 40
4.5.2 Sprachliche Besonderheiten ... 43
4.5.2 Von Berkeley und märchenhaften Wesen. Bewusstseinsebenen ... 44
4.5.3 Nutzen des Philosophiekurses. Hat Gaarder sein Ziel erreicht? ... 48

5 Kaffeeklatsch mit Machiavelli. Vittorio Hösles „Café der toten Philosophen“ ... 54

5.1 Entstehungsgeschichte ... 54
5.2 Motivation und Zielbestimmung ... 55
5.3 Hösles Methodik. Heuristische und didaktische Aspekte des philosophischen Diskurses ... 58
5.3.1 Methodische Grundprinzipien ... 58
5.3.2 Das Café als phantastisch-philosophische Institution ... 60
5.3.3 Philosophieren mit Nora. Zum Lehrer-Schüler-Verhältnis ... 62
5.3.4 Die Macht der Suggestion: Von Schutzphilosophen und anderen Heiligen ... 69
5.3.5 Mac, Tom und das Trio Infernale. Hösles Darstellung der Philosophiegeschichte ... 77
5.3.6 Schlussbetrachtung ... 84

6 „Philosophie – Abenteuer Denken“. Expedition ins Gedankenreich ... 85

6.1 Große Fragen, keine Antworten: Laws Absichten und Grundprinzipien ... 86
6.2 Das Baukastenprinzip. Form und Struktur der acht Abenteuer ... 86
6.3 „Was meinst du?“ – Laws philosophiedidaktische Strategie ... 89
6.3.1 Invasion vom Mars: Science Fiction als Element der Wissensvermittlung ... 93
6.4 Die „Buh-Hurra-Theorie“. Philosophische Probleme und ihre Entwicklung ... 95
6.5 Resümee eines Abenteuertrips ... 100

7 Schluss ... 101

Literaturverzeichnis ... 106

 

 

Einleitung

Als Sofie ihre Welt philosophisch interessierten Rezipienten zugänglich machte, markierte sie eine Trendwende in der Kinder- und Jugendliteratur: Philosophische Ideen und ihre Entwicklungsgeschichte bewiesen ihre Tauglichkeit und Daseinsberechtigung auf einem Terrain, das bislang als besonders schwer zu erobern galt; der abstrakt-theoretische Charakter von philosophischen Theorien schien nahezu unvereinbar mit den traditionellen kinder- und jugendliterarischen Darstellungsformen: Wie sollte die komplizierte philosophische Fachterminologie in eine für Kinder verständliche Sprache übersetzt werden? War es nicht unmöglich, die Philosophiegeschichte in literarischer Form für den kindlichen Rezipienten aufzubereiten, ohne sie ihrer Komplexität zu berauben? Und konnte man überhaupt davon ausgehen, dass von Seiten der jungen Leserschaft Interesse an philosophischen Problemstellungen bestand?

Dass Kindern eine natürliche Disposition zum Philosophieren eigen ist, wusste man bereits in der Antike; seither haben sich zahlreiche Wissenschaftler mit dem Thema Kinder und Philosophie kritisch auseinandergesetzt und eigene Theorien über das Philosophieren mit Kindern sowie über Philosophie für Kinder formuliert.

In folgenden Ausführungen soll nun nach einer systematischen Einführung in die historischen Hintergründe der Kinderphilosophie sowie in ihre Theorie und Praxis unter Berücksichtigung von philosophiedidaktischen und heuristischen Aspekten gezeigt werden, auf welche Art philosophisches Gedankengut in der neueren Kinder- und Jugendliteratur transportiert wird und inwieweit es die Realität des kindlichen respektive jugendlichen Rezipienten zu durchdringen vermag.

Dies möchte ich am Exempel von drei ausgewählten Kinder- und Jugendbüchern demonstrieren, die das Thema „Philosophie und ihre Geschichte“ auf unterschiedliche Weise gestalten: Jostein Gaarders im Jahre 1993 in Deutschland erschienenes Erfolgswerk „Sofies Welt“ stellt den Ausgangspunkt meiner Untersuchungen dar, gefolgt von Vittorio Hösles und Nora K.s 1996 publiziertem philosophischen Briefwechsel „Das Café der toten Philosophen“; den Abschluss bildet Stephen Laws erstmals 2002 im deutschsprachigen Raum veröffentlichtes Werk „Philosophie – Abenteuer Denken“.

Hinsichtlich der Altersangaben ist lediglich Jostein Gaarders für „Erwachsene ab vierzehn Jahren“1 konzipierter Roman als Jugendbuch einzustufen, während Stephen Laws Buch kindlichen Rezipienten ab zwölf Jahren empfohlen wird und der Briefwechsel zwischen Vittorio Hösle und Nora K. gemäß dem Untertitel und ohne eine weitere altersmäßige Eingrenzung schlichtweg für „Kinder und Erwachsene“ bestimmt ist.


1 Geschichte der Kinderphilosophie

Die sogenannte Kinderphilosophie wurde in philosophischen Fachkreisen wiederholt als unwissenschaftlich oder unphilosophisch kritisiert, da sie meist eindimensional als kindgerecht-simplifizierende Diskussion der Philosophiegeschichte verstanden und somit aufgrund der mangelnden kognitiven und argumentativen Fähigkeiten der kindlichen Gesprächspartner als ineffektiv und schlichtweg überflüssig bewertet wurde2.
Im Gegensatz zu dieser Annahme besteht die primäre Aufgabe von Kinderphilosophie jedoch nicht im pseudowissenschaftlichen Diskurs komplexer philosophischer Theorien, sondern darin, Kinder methodisch geübt zur kritischen Reflexion über philosophisch relevante Fragen anzuleiten.

Dementsprechend hat sich die Kinderphilosophie ungeachtet aller meist einseitiger und unsachlicher Kritik in den vergangenen zwei Jahrzehnten weltweit etabliert und wird insbesondere seit den neunziger Jahren mit wachsendem Interesse zur Kenntnis genommen – zum einen, da der schulische Philosophieunterricht seither zunehmend an Bedeutung gewinnt und sich somit die Frage nach einer sinnvollen inhaltlichen und methodischen Gestaltung des Unterrichts stellt, zum anderen aufgrund einer Vielzahl von Publikationen, die sich mit der kindlichen Disposition zum Philosophieren befassen und eigene kinderphilosophische sowie didaktischmethodische Ansätze enthalten3.

Im Folgenden werden nun nach einer vorangehenden definitorischen Eingrenzung des Begriffs „Kinderphilosophie“ jene unterschiedlichen Positionen und Theorien, eingebettet in ihren jeweiligen historischen und gesellschaftspolitischen Kontext, vorgestellt, erläutert und schließlich systematisch zusammengefasst.


1.1 Begriffsklärung

Der Begriff „Kinderphilosophie“ wurde von Karl Jaspers in seiner 1953 erschienenen „Einführung in die Philosophie“ geprägt4 und markiert in Analogie zur „Kinderpsychologie“ einen eigenständigen Teilbereich der allgemeinen Philosophie.

Matthew Lipman, amerikanischer Philosophieprofessor und neben Gareth B. Matthews bedeutendster Vertreter der Kinderphilosophie seit den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, präferiert hingegen die Formulierung „Philosophie für Kinder“ („Philosophy for children“), die allerdings nach Meinung einiger seiner Forschungskollegen das potentielle und von ihm keineswegs intendierte Missverständnis birgt, Philosophie werde aus der Arroganz der Erwachsenen- und Gelehrtenperspektive heraus kindgerecht aufbereitet und praktiziert.
Jene Kritiker wie beispielsweise Ekkehard Martens oder Gareth B. Matthews bezeichnen aus diesem Grunde ihr Wirken als „Philosophieren mit Kindern“ im Sinne der dialogisch-pragmatischen Philosophiedidaktik5.

Des Weiteren kann unter dem Begriff „Kinderphilosophie“ eine Philosophie über Kinder respektive eine Philosophie der Kindheit verstanden werden, deren Gegenstand die Kindheit als autonome Lebensphase bildet.

 

[...]


1 Gaarder, Jostein. „Philosophie für alle“. JuLit 10/1993, S. 20.
2 Vgl. Dressler, Stephan. „Kinderphilosophie als Philosophieren mit Kindern“. AnSchUB 3/1995, S. 14.
3 Vgl. ebd., S. 14/15.
4 Vgl. Jaspers, Karl. Einführung in die Philosophie, S. 12.
5 Vgl. Martens, Ekkehard. Sich im Denken orientieren, S. 11.

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/69028/