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Diplomarbeit, 2006, 103 Seiten
Autor: Lars Neumann
Fach: Soziologie - Medizin und Gesundheit
Details
Tags: Wild, Gezähmt, Veränderung, Vorstellungen
Jahr: 2006
Seiten: 103
Note: 1,35
Literaturverzeichnis: ~ 62 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-61687-4
Dateigröße: 404 KB
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Fach Soziologie
"Wild" oder "Gezähmt"? - Über die Veränderung gesellschaftlicher Vorstellungen vom Tode
Lars Neumann
Inhaltsverzeichnis
1 Fragestellung ... 4
2 Vorgehensweise ... 5
3 Einleitung ... 8
4 Über die Besonderheit menschlichen Lebens ... 10
4.1 Angewiesenheit und Abhängigkeit der Menschen ... 10
4.2 Die Wandelbarkeit menschlicher Gesellschaften ... 11
5 Der Wandel der Todesvorstellungen und Todesriten bei Philippe Ariès ... 12
5.1 Die Vertrautheit des Todes ... 13
5.2 Der „gezähmte“ Tod ... 14
5.2.1 Der Tod des Guillaume le Maréchal ... 16
5.3 Der plötzliche, schreckliche Tod ... 18
5.4 Der individuellere Tod ... 18
5.5 Der Tod in der Neuzeit ... 20
5.6 Der verwilderte Tod ... 23
6 Über den Wandel der Vorstellungen vom Tode im Denken von Forschern ... 25
6.1 Michel de Montaigne ... 26
6.2 Descartes ... 28
6.3 Gottfried Wilhelm Leibniz ... 29
6.4 Immanuel Kant ... 30
6.5 Sigmund Freud ... 31
6.6 Rolf Grimminger ... 33
6.7 Michel Foucault ... 34
6.8 Norbert Elias ... 37
7 Kindheit und Tod ... 42
7.1 Individuelle, psychologische Aspekte der Todesvorstellung beim Kind ... 42
7.2 Soziale und kulturelle Wandlungen von Kindheit und Tod ... 43
7.2.1 Kindheit und Tod im Mittelalter ... 44
7.2.2 Kindheit und Tod im pädagogischen Zeitalter am Beispiel von Kinderunglücksgeschichten ... 44
7.2.3 Kindheit und Tod in der modernen Zeit ... 49
8 Über den Wandel des Trauerverhaltens ... 51
8.1 Psychologische Aspekte der Trauer ... 51
8.2 Sozial – Kulturelle Aspekte der Trauer ... 53
9 Tod und Sterben in moderneren Gesellschaften ... 59
9.1 Arten des Todes und deren Verständniswandel ... 59
9.1.1 Der natürliche Tod ... 59
9.1.2 Der unnatürliche, gewaltsame Tod ... 60
9.2 Der Ort des Sterbens ... 60
9.3 Der Wandel des Krankheitsbegriffes ... 65
9.4 Die Bedeutung der Gesundheit ... 67
9.5 Die Tabuisierung des Todes ... 74
9.6 Exkurs: Die Suche nach Erregung im Leben der modernen Zeit ... 76
10 Über die Verwilderung und Zähmung des Todes ... 82
10.1 Verwilderung und Zähmung des Todes am Beispiel der Pest ... 87
11 Schlussbemerkungen ... 94
12 Literaturverzeichnis ... 98
1 Fragestellung
Ausgehend von den Begriffen „wild“ und „gezähmt“, die Philippe Ariès in seinen Studien zur Geschichte des Todes im Abendland gebrauchte, indem er feststellte, dass der vergangene mittelalterliche Tod „gezähmt“ und der heutige moderne Tod „wild“ sei, möchte ich zwei Themenschwerpunkten nachgehen.
Zum einen der Frage, wie sich die Vorstellungen vom und die Verhaltensweisen zum Tode vom frühen Mittelalter bis in die gegenwärtige Zeit im Raume Europas verändert haben. Damit einhergehend möchte ich mich mit dem Problem beschäftigen, wie und warum sich bestimmte Weltbilder und Denkstrukturen hin zur heutigen Zeit gewandelt haben und wie sich dadurch auch die Sichtweise zum eigenen Tod und dem Tod anderer Menschen umgeformt haben könnte.
Andererseits stelle ich mir die Frage, inwiefern die von Philippe Ariès benutzten Begrifflichkeiten „wild“ und „gezähmt“ mit anderen Forschungen vereinbar und vergleichbar sind und ob es möglicherweise sogar angemessenere Beschreibungsmöglichkeiten für die Vorstellungen und den Wandel des Umgangs mit dem Tod geben könnte.
2 Vorgehensweise
Um dem Wandel von Vorstellungen und Verhaltensweisen von Menschengruppen nachzugehen, ist es meiner Meinung nach erforderlich, zunächst einmal auf die Besonderheiten menschlichen Zusammenlebens einzugehen. Dabei erscheint es mir wichtig, zuallererst die Unterschiede zu nichtmenschlichen Lebewesen aufzuzeigen, um dann im nächsten Schritt Eigentümlichkeiten und Gemeinsamkeiten menschlicher Gruppen darzustellen.
Bei meiner Durchsicht von Büchern über die Vorstellungswelten und Verhaltensweisen mittelalterlicher Menschen zum Tod fiel mir auf, dass sich fast alle Autoren auf das Werk von Philippe Ariès stützten, wenn es sich um Beschreibungen mittelalterlicher Szenen handelte. Aus diesem Grund werde ich im zweiten Abschnitt die Beschreibungen des Umgangs mit dem Tod im Mittelalter anhand Philippe Ariès´ Studien über die Geschichte des Todes im Abendland aufzeigen, jedoch auch schon kurz die Begriffe „wild“ und „gezähmt“ erläutern, wie Ariès sie verstand.
Das Nachdenken über den Tod ist verknüpft mit den Vorstellungen und erlernten Weltbildern der Zeit, in die Menschen hineingeboren worden sind. Anhand einiger Beispiele möchte ich eine Tendenz darstellen, wie sich das Denken um den Tod vom frühen Mittelalter bis in die heutige Zeit hinein gewandelt hat. Dies soll an Abhandlungen von bekannten Denkern und Forschern beschrieben werden; an de Montaigne, Descartes, Leibniz, Kant, Freud, Grimminger, Foucault sowie Norbert Elias.1
Kinder nahmen und nehmen den Tod und das Sterben bekannter und geliebter Menschen andersartig wahr als erwachsende Menschen. Ich werde im dritten Abschnitt „Kindheit und Tod“ zwei Aspekten nachgehen; zum einen den individuellen, psychologischen Todesvorstellungen beim Kind und auf der anderen Seite den sozial kulturellen Wandlungen im Umgang des Kindes mit dem Tod. In diesem zweiten Aspekt möchte ich versuchen, den Wandel der Bedeutung des Kindes für die Gesellschaft zu verknüpfen mit den veränderten Verhaltensweisen, die Kinder im Laufe der Jahrhunderte im Umgang mit Tod und Sterben erlernten.
Wie Menschen mit dem Tod umgingen und umgehen zeigt vieles über den jeweiligen Stand der Entwicklung der beobachtenden Gesellschaft auf. Im Abschnitt über die Veränderung des Trauerverhaltens wird versucht, zum einen diese Veränderung vom Mittelalter bis in die heutige Zeit hinein darzustellen, also eine soziologisch kulturelle Herangehensweise. Andererseits ist es jedoch auch von Vorteil, individuell psychologische Aspekte nicht zu vernachlässigen; was geschieht in den Menschen selbst, wenn eine geliebte Person gestorben ist.
Anschließend werde ich zum Umgang mit Tod und Sterben in den modernen Gesellschaften übergehen. Hierbei interessieren mich verschiedene Aspekte; zum Beispiel, in welche Arten des Todes heutzutage unterschieden wird. Diesen Wandel möchte ich ebenso aufzeigen wie die Veränderung des Orts des Sterbens; es scheint nicht schwer zu erraten, dass heutzutage im Vergleich zu früheren Zeiten ungleich mehr Menschen in Krankenhäusern oder aber Altenheimen sterben.
Krankheit ist nicht gleich Krankheit. Menschen in früheren Zeiten verstanden darunter etwas anderes, als heutige Wissenschaftler und Ärzte. Der Wandel des Krankheitsbegriffes und die Veränderung der Auffassungen erscheint mir wichtig, da dies, genauso wie die Akzentuierung auf die Gesundheit, Kennzeichen für andersartige Vorstellungen vom Tode sind.
Gesundheit hat in moderneren Gesellschaften einen höheren Stellenwert und ist positiv besetzt. Die Überakzentuierung der Gesundheit wird jedoch von vielen Forschern eher kritisch betrachtet, einige Thesen und Erläuterungen sind meines Erachtens sinnvoll, darzulegen.
Philippe Ariès spricht davon, dass der Tod in der modernen Zeit tabuisiert, zu einem verbotenen Objekt geworden sei. Unter Zuhilfenahme anderer Autoren, die sich ebenfalls mit der Verdrängung und Tabuisierung des Todes beschäftigt haben, möchte ich diese These darlegen und diskutieren.
In einem Exkurs wird es mir um die Suche nach Erregung im modernen Leben gehen. Ohne es vorwegzunehmen; durch vor allem in modernen Gesellschaften unterdrückte oder zurückgedrängte emotionale Regungen scheint es für Menschen weniger Nischen zu geben, in denen sie ihre Affekte und Gefühle sofort ausleben können, wie es zum Beispiel in früheren Zeiten der Fall war. Anhand der Beschreibung eines Fussballspiels werde ich versuchen, aufzuzeigen, dass es auch in der heutigen Zeit, zwar andere, aber ähnliche, Veranstaltungen und Aktivitäten gibt, die Erregendes bei Beteiligten und Zuschauern auszulösen imstande sind.
[...]
1 Ich habe diese herausgegriffen, um Veränderungen in Denkweisen zu veranschaulichen. Im Grunde hätten auch noch weitere Forscher hinzugezogen werden können, allerdings reicht dieser Umfang aus, um Grundtendenzen darzustellen.
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