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Subtitle: Ausprägung des Christentums in Kenia
Scholarly Research Paper, 2006, 21 Pages
Author: Thomas Szczepanek
Subject: Ethics
Details
Tags: Fundamentalistisches, Christentum
Year: 2006
Pages: 21
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 13 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-62662-0
ISBN (Book): 978-3-638-82704-1
File size: 168 KB
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Abstract
Durch die terroristischen Anschläge des 11. September wurde jede Art von Fundamentalismus zu Terrorismus stigmatisiert, wobei die Medien eine erhebliche Rolle spielen. So lenkte beispielsweise die Weihnachtsausgabe des Spiegelmagazins 2003 mit seinem Artikel ‚Für Gott in aller Welt’ das öffentliche Bewusstsein auf christlichen Fundamentalismus, wobei jedoch die Unterscheidung zwischen Terrorismus und Fundamentalismus meist ungenügend geschieht . Im deutschsprachigen Raum bezeichnen sich daher nur wenige Christen als fundamentalistisch, da sie sonst sofort als Terroristen stigmatisiert werden, auch wenn z.B. die evangelikale Bewegung durchaus als fundamentalistisch beschrieben werden könnte. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ging man davon aus, dass die Welt immer christlicher würde. Theologen träumten von einem ‚corpus christianum’, also einem christlichen Staat. Doch in unserer modernen westlichen Welt wird die christlich geprägte abendländische Kultur immer mehr durch eine Vielzahl der Kulturen ersetzt. Unsere Gesellschaft wird von einem multikulturellen Pluralismus geprägt, also durch ein gleichberechtigtes Nebeneinander verschiedener Kulturen in einem Staat (Koexistenz und Toleranz). Zu den Hauptmerkmalen einer pluralistischen Gesellschaft gehören der Individualismus, der Relativismus oder Wahrheitspluralismus und die Konkurrenz und der Wettbewerb zwischen den Religionen. Um das Phänomen des christlichen Fundamentalismus in Afrika verstehen und ethisch bewerten zu können, werde ich zunächst den Begriff definieren und die fundamentalistische Bewegung in der westlichen Welt am Beispiel der USA darstellen. Danach wird die Entstehung des Fundamentalismus in Afrika durch die Christianisierung erklärt und in einem kurzen Exkurs auf deutsche Missionsarbeit in Afrika eingegangen. Diese Darstellungen zur Ursache und Bewegung des Fundamentalismus bildet die Grundlage für eine abschließende Bewertung des christlich-fundamentalistischen Phänomens.
Excerpt (computer-generated)
‚Fundamentalistisches’ Christentum
Ausprägung des Christentums in Kenia/ Afrika
von: Thomas Szczepanek
1. Einführung: 3
2. Begriffsklärung Fundamentalismus: 4
2.1. Allgemeines Verständnis: 5
2.2. Geschichtlicher Kontext 5
2.3. Definition: 7
2.4. Fundamentalistische Glaubensmerkmale 8
3. Christlicher Fundamentalismus in den USA 9
4. Geschichte des Christentums in Afrika und die hiermit einhergehende Fundamentalisierung: 11
5. Deutsche Missionsarbeit in Afrika heute: 15
6. Ethische Bewertung des ‚fundamentalistischen’ Glaubens: 16
6.1. Positives: 16
6.2. Negatives 18
7. Zusammenfassung und Beurteilung 19
8. Literaturverzeichnis: 21
1. Einführung:
Eine der prägendsten Erfahrungen, die ich während meines Fremdpraktikums in einem Straßenkinderprojekt in Kisumu, der drittgrößten Stadt Kenias, machte, war die tiefgreifende Religiosität der Afrikaner. All die Jugendlichen – die Hälfte der kenianischen Bevölkerung ist unter 18 Jahre alt1 – die die Straßen bevölkern, die Erwachsenenwelt, aber auch die Straßenkinder sind streng gläubig. Für mich als Deutscher, der zwar getauft ist und manchmal zu Weihnachten einen Gottesdienst besucht, war dies eine komplett neue Welt. Mit meinem Anleiter besuchte ich mehrmals Gospel-Gottesdienste in kleinen Wellblech-Slum-Kirchen und wurde da mit Freude willkommen geheißen. Da der Gottesdienst extra für mich zweisprachig in Kiswahili und Englisch gehalten wurde, konnte ich den Predigten folgen, die Mithilfe von großen Verstärkern und Mikrofonen gehalten wurden. Diese erinnerten mich zwar ein wenig an eine Gehirnwäsche, aber ich bewunderte auch die Lebhaftigkeit und Intensität mit welcher der Gottesdienst gehalten wurde und die Gläubigen mit dem Gesagten mitgingen.
Mein kenianischer Anleiter bezeichnete sich selbst als ein ‚fundamental Christian’, womit er seine tiefe christliche Überzeugung ausdrücken wollte und nicht etwa auf die gewaltsame Bekehrung Andersgläubiger abzielte. Ich erinnere mich noch gut an sein Lieblings-T-Shirt mit dem Aufdruck ‚Hardcore Christian’. Später auf einem Seminar über Projektmanagement in sozialen Einrichtungen, welches die anglikanische Kirche veranstaltete, begegneten mir viele Akademiker, die sich mit dem Zusatz, dass sie ‚born again’ oder ‚saved’ wären, vorstellten. Dies weckte in mir sofort die Assoziation an eine buddhistische Wiedergeburt und so fragte ich später nach, was es denn eigentlich mit der Wiedergeburt auf sich hätte, da es sich ja eigentlich um Christen handelte. Auf dieser Weise erfuhr ich erstmalig von ‚fundamentalistischen Christen’, die sich eben an einem Punkt ihres Lebens bewusst zu Jesus bekehrt haben und so als Christen ‚wiedergeboren’ oder ‚gerettet’ wurden. Dass es sich hier keinesfalls um Terroristen handelt, die man allgemein gerne als Fundamentalisten bezeichnet, wird später deutlich werden.
Das Schlagwort Fundamentalismus ist spätestens mit den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 auf das World Trade Center in New York in den medialen und allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Doch auch schon die Revolution im Iran und der Einflussgewinn der ‚christlichen Rechten’ in den USA rückt den Blick der Öffentlichkeit auf religiösen Fundamentalismus, der in diesen Fällen versuchte politische Macht zu übernehmen. Auch wenn Fundamentalisten in allen Religionsgemeinschaften nur eine Minderheit darstellen, haben sie doch den Anspruch die einzig wahren Vertreter ihres Glaubens zu sein.2
Durch die terroristischen Anschläge des 11. September wurde jede Art von Fundamentalismus zu Terrorismus stigmatisiert, wobei die Medien eine erhebliche Rolle spielen. So lenkte beispielsweise die Weihnachtsausgabe des Spiegelmagazins 2003 mit seinem Artikel ‚Für Gott in aller Welt’ das öffentliche Bewusstsein auf christlichen Fundamentalismus, wobei jedoch die Unterscheidung zwischen Terrorismus und Fundamentalismus meist ungenügend geschieht3. Im deutschsprachigen Raum bezeichnen sich daher nur wenige Christen als fundamentalistisch, da sie sonst sofort als Terroristen stigmatisiert werden, auch wenn z.B. die evangelikale Bewegung durchaus als fundamentalistisch beschrieben werden könnte.4
Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ging man davon aus, dass die Welt immer christlicher würde. Theologen träumten von einem ‚corpus christianum’, also einem christlichen Staat. Doch in unserer modernen westlichen Welt wird die christlich geprägte abendländische Kultur immer mehr durch eine Vielzahl der Kulturen ersetzt. Unsere Gesellschaft wird von einem multikulturellen Pluralismus geprägt, also durch ein gleichberechtigtes Nebeneinander verschiedener Kulturen in einem Staat (Koexistenz und Toleranz). Zu den Hauptmerkmalen einer pluralistischen Gesellschaft gehören der Individualismus, der Relativismus oder Wahrheitspluralismus und die Konkurrenz und der Wettbewerb zwischen den Religionen.5
Um das Phänomen des christlichen Fundamentalismus in Afrika verstehen und ethisch bewerten zu können, werde ich zunächst den Begriff definieren und die fundamentalistische Bewegung in der westlichen Welt am Beispiel der USA darstellen. Danach wird die Entstehung des Fundamentalismus in Afrika durch die Christianisierung erklärt und in einem kurzen Exkurs auf deutsche Missionsarbeit in Afrika eingegangen. Diese Darstellungen zur Ursache und Bewegung des Fundamentalismus bildet die Grundlage für eine abschließende Bewertung des christlichfundamentalistischen Phänomens.
2. Begriffsklärung Fundamentalismus:
Fundamentalistische Strömungen bezeichnen sich in Deutschland häufig mit synonym zu verstehenden Begriffen, wie Biblizisten, Evangelikale oder die Erweckungsbewegung um die Stigmatisierung des Begriffs Fundamentalismus zu umgehen, auch wenn dieser in seiner eigentlichen Bedeutung, wie im Folgenden deutlich werden wird, genau die Intuition ihrer Gemeinschaften beschreibt.
2.1. Allgemeines Verständnis:
[...]
1 Vgl. FACTBOOK 2006 (www.cia.gov).
2 Vgl. SIX/ RIESEBRODT/ HAAS 2005, S. 7.
3 Vgl. SPIEGEL 2003, S. 44ff.
4 Vgl. JAEGER/ PLETSCH 2003, S. 7/19.
5 Vgl. JAEGER/ PLETSCH 2003, S. 25-34.
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