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Alte Menschen gestern und heute - Zum Wandel der Altersbilder

Termpaper, 2005, 42 Pages
Author: Jessica Polzyn
Subject: Sociology - Age and Aging

Details

Event: Hauptseminar
Institution/College: University of Augsburg
Tags: Alte, Menschen, Wandel, Altersbilder, Hauptseminar
Category: Termpaper
Year: 2005
Pages: 42
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 16  Entries
Language: German
Archive No.: V71654
ISBN (E-book): 978-3-638-63366-6

File size: 199 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Augsburg / Phil. – Soz. Fakultät
Hauptseminar: „Soziologie der Lebensalter und Lebensphasen“
6. Semester, SS 2005

Alte Menschen gestern und heute - Zum Wandel der Altersbilder

von: Jessica Polzyn

 


Inhaltsverzeichnis

I. Hinführung zum Thema 3

1. Grundlegendes zur Altersphase 4
2. Was ist das „Alter“ – eine oder mehrere Lebensphasen? 7
3. Die Differenzierung der Lebensphase Alter 9
4. Soziale Kriterien zur Abgrenzung der Lebensphase Alter 14

II. Alternsbeschreibungen im historischen Wandel 16

1. Die stratifizierte (Schichten-) Gesellschaft und ihre Lebensaltersstufen 17

1.1 Alternsverläufe in Hochkulturen 18
1.2 Altersstufenmodelle in Hochkulturen 23

2. Die funktional differenzierte Gesellschaft 29

III. Der demographische Wandel: Zur Entwicklung von Altersstrukturen und Altersgruppen 33

IV. Schlussbemerkung 37

Literaturverzeichnis 41

 




I. Hinführung zum Thema

Wenn ich über alte Menschen in unserer Gesellschaft nachdenke, gehen mir viele Fragen durch den Kopf. Wie ist es, wenn ich selbst einmal alt bin? Werde ich von der Gesellschaft ausgegrenzt werden und was fange ich mit der ganzen freien Zeit an, wenn ich nicht mehr erwerbstätig bin? Werde ich überhaupt bis zu meinem Renteneintritt Arbeit haben und wird es später überhaupt noch Rente geben?
Bis ich einmal alt sein werde, vergehen noch viele Jahre. Doch ab wann ist man denn eigentlich alt? Wer bestimmt, ab wann ich zu den „Alten“ gehöre und was ist, wenn ich mich dann noch gar nicht alt fühle?
All diese Fragen werden sich im Laufe meines Lebens irgendwann von selbst beantworten, doch aus soziologischer Sicht, möchte ich schon heute wissen, was später auf mich zukommt, wie die Situation von alten Menschen früher ausgesehen hat und wie sich die aktuelle Altersproblematik heute darstellt. Auf einige meiner Überlegungen, die ich mir im Vorfeld gemacht habe, sollen im Folgenden Antworten gefunden werden.

Ich habe meine Arbeit an diesen Leitfragen orientiert und in drei thematische Abschnitte untergliedert.

Zunächst einmal sollen grundlegende Merkmale des Alters in unserer heutigen Gesellschaft geklärt werden, wie zum Beispiel:
Was verstehen wir heute unter „Alter“? Ist Alter ein modernes Phänomen? Was charakterisiert alte Menschen und sprechen wir nun von einer oder mehrerer Phasen im Alter?
Der zweite Teil meiner Arbeit orientiert sich am historischen Wandel von Alternsbeschreibungen. Ich werde also genauer herausarbeiten wie sich die Altersfrage historisch entwickelt hat.
Sind früher wirklich nur wenige Menschen alt geworden? Sind Ruhestand und wohlfahrtstaatliche Einrichtungen moderne Erfindungen und waren auch in früheren Gesellschaften schon verschiedene Lebenssituationen älterer und alter Menschen sichtbar? Wie sah die Stellung von alten Menschen in der stratifizierten, also geschichteten Gesellschaften aus, wie in der funktional differenzierten Gesellschaft und welche Aussagen lassen sich über die Alternsverläufe zu verschiedenen historischen Zeiten machen. Hier werde ich einige der bekanntesten Altersstufenmodelle in Hochkulturen vorstellen, um deutlich zu machen, wie sich das Verständnis von Alter bis in unsere heutige Zeit verändert hat. Natürlich muss jeder Mensch altern, aber nicht nur der Zeitraum, der ihm zugestanden wird, kann variieren, auch die gesellschaftliche Deutung dieser biologischen Veränderung differiert.
Im dritten Teil meiner Arbeit möchte ich einen Blick in die Zukunft wagen. Anhand von Prognosen des Statistischen Bundesamtes, werde ich die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland bis zum Jahr 2050 nachskizzieren, immer unter dem Gesichtspunkt der Altersentwicklung.

1. Grundlegendes zur Altersphase

Alter ist als Begriff inzwischen vielschichtiger und unbestimmter denn je. Er wird in sehr unterschiedlichen Kontexten benutzt und beinhaltet eine Vielzahl gesellschaftlicher und kultureller Deutungen. In unserer „Leistungsgesellschaft“ bedeutet der Begriff „Alter“ für viele Menschen eine Abgrenzung zur oder auch das Gegenteil von „Jugend“. Dabei wird der Altersbegriff von den verschiedenen Gesellschaftsmitgliedern sowohl positiv als auch negativ besetzt. Zum einen herrscht bei uns das negativ besetze Bild von Alter, als Phase der eingeschränkten Leistungsfähigkeit, des Nicht - mehr - mithalten - Könnens oder des Ausrangiert - Werdens. Andererseits versteht man Alter aber auch als Phase des Zurückblickens auf die erbrachte Lebensleistung, des verdienten Lebensabends und der „späten Freiheit“ (vgl. Rosenmayr 1978). In der Regel werden heute Merkmale menschlichen Daseins bereits nach der Lebensmitte mit „älter“ oder „alt“ gekennzeichnet. Als kulturelles Muster des Eintritts in die „Lebensphase Alter“ hat sich aber seit etwa 100 Jahren der Übergang in den Ruhestand, nach Beendigung des Erwerbslebens, herausgebildet. Begründet wurde die Lebensphase Alter durch sozialstaatliches Handeln. Hierzu zählten zunächst die Pensionssysteme der Beamten, zu Beginn der Bismarckschen Rentenversicherung, am Ende des 19. Jahrhunderts. Zu einer „Volksversicherung“, die der breiten Masse der Altersbevölkerung einen sozial gesicherten Ruhestand ermöglichte, kam es in der Bundesrepublik Deutschland allerdings erst Mitte des 20. Jahrhunderts, aber dazu weiter unten mehr.
Inzwischen gilt der Ruhestand als Bürgerrecht und somit als Bestandteil unserer Zivilisation. Seine heutige Bedeutsamkeit als eigenständige Lebensphase konnte das Alter erst durch die ausreichende finanzielle Absicherung und die völlige Abkehr von verpflichtender Erwerbsarbeit erlangen. Diese soziale Konstruktion ist auf den Idealtypus der „männlichen Normalbiographie“ zugeschnitten. Aber auch Hausfrauen und erwerbstätige Frauen, die über keine lückenlose Erwerbsbiographie verfügen, werden nach dem 60. bzw. 65. Lebensjahr als im „Ruhestandsalter“ befindlich normiert.
Allerdings bedeutet heute der Beginn des Ruhestands nicht mehr den klaren Einstieg in die Lebensphase Alter. Ruhestand wird als Definition für ältere Menschen kollektiv zunehmend widersprüchlich (Backes und Clemens 1998, S. 14), denn die berufliche Altersgrenze ist in den letzten Jahrzehnten immer weiter gefallen, durch zahlreiche Frühverrentungen, Vorruhestandsprogramme und zunehmende Arbeitslosigkeit älterer Menschen. Die mit der Rentenreform 1992 erfolgte Festlegung auf 65 Jahre als allgemeines Rentenzugangsalter hat den Trend zur Unübersichtlichkeit aufgehalten.
Der Übergang in den Ruhestand bleibt aber individuell ein wichtiges Ereignis in der Fremddeutung und Deutung des eigenen Alters.
Die Lebensphase Alter ist das Ergebnis gesellschaftlicher Dynamik und Entwicklungsgeschichte. Ihre soziale Differenzierung entwickelte sich zeitbezogen, klassen- und gesellschaftsspezifisch. Immer entsprechend der sich ändernden gesellschaftlichen Bedingungen wandelte sich auch die Lebensphase Alter. Mit den Jahren hat sich vor allem auch die innere Struktur der Lebensphase Alter verändert. Das Alter wird zunehmend multikulturell. Viele der ersten Generationen von Arbeitsimmigranten, die seit Anfang der 1960er Jahre nach Deutschland kamen, erreichen inzwischen immer häufiger das Ruhestandsalter und bleiben hier. Der bisher deutlich geringere Anteil älterer Ausländer an der Altersbevölkerung wird in den nächsten Jahrzehnten überproportional steigen und den quantitativen Abstand zu den deutschen Alten verkürzen (Backes und Clemens 1998, S. 17). Eine weitere strukturelle Veränderung der Lebensphase Alter betrifft vor allem die alten Frauen.
Bereits seit längerer Zeit sind sie in der Gruppe älterer und alter Menschen deutlich in der Überzahl. „Das Alter ist weiblich“, diese mittlerweile gängige Aussage stimmt zunächst, wenn quantitative Maßstäbe zugrunde gelegt werden. So sind zwei Drittel der Menschen im Alter über 60 Jahre Frauen, im Alter von über 75 Jahren sogar drei Viertel. Frauen bestimmen so auch in qualitativer Hinsicht die Altersphase: ob in den Einrichtungen und Angeboten der Altenhilfe, in der Pflege als Abhängige von ambulanten und stationären Einrichtungen oder als „arme Alte“, denn auf sie entfällt immer noch der größte Teil der Altersarmut.

2. Was ist das „Alter“ – eine oder mehrere Lebensphasen?

[...]


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