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Fritz Langs Metropolis - Konstruktionen des Organischen

Bachelorarbeit, 2006, 16 Seiten
Autor: Frank Dersch
Fach: Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Details

Veranstaltung: Kurs Körperrepräsentationen
Institution/Hochschule: Universität Konstanz
Tags: Fritz, Langs, Metropolis, Konstruktionen, Organischen, Kurs, Körperrepräsentationen
Kategorie: Bachelorarbeit
Jahr: 2006
Seiten: 16
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 12  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V72506
ISBN (E-Book): 978-3-638-63261-4
ISBN (Buch): 978-3-638-79414-5
Dateigröße: 133 KB
Anmerkungen :
Fritz Langs negative Utopie "Metropolis" speist sich aus holistischen Körperdiskursen des 19. Jahrhunderts. Die Arbeit zeigt anhand der Filmästhetik auf, wie die Stadt als ganzheitlicher Körper erscheint und somit der Film eine rückwärtsgewandte Komponente enthält, die der allgemein anerkannten futuristischen entgegensteht.


Zusammenfassung / Abstract

In Fritz Langs Metropolis spielt die gefilmte Stadt nicht nur eine nachrangige, dekorative Rolle, sondern greift immer wieder aktiv in den Filmdiskurs ein und wird zum Thema desselben. Die bewusste Inszenierung der Stadt geht über eine bloße Repräsentation der Stadt im Film hinaus und erweist sich somit als „filmische Stadt“, die zusätzlich zur dramatischen Funktion durch eine spezifische ästhetische Konstruktion gekennzeichnet ist. Aus diesem Grund wurde die filmische Stadt in Metropolis auch immer wieder auf ihren architektonischen Aufbau und Stil hin ausgeleuchtet und in Bezug zur Narration gesetzt. Die Architektur der Oberstadt sowie die technisierte und funktionalisierte Lebensweise der Bewohner von Metropolis galten als deutliche Indizien für die Thematisierung einer potenziellen modernen Lebensform im Film. Trotz aller futuristisch anmutenden Anzeichen trägt der Film nicht nur in ideologiekritischer Hinsicht antimoderne Züge. Der Schock der Moderne wird in Metropolis nicht nur ideologisch durch die messianische Figur des Mittlers abgemildert, sondern auch durch die ästhetische Konstruktion der Stadt. Vordergründig stellt die vertikale Strukturierung und Hierarchisierung der Stadt die Bedingung für die Visualisierung der negativen Phänomene der Moderne dar. Auf den zweiten Blick jedoch präsentiert sich der Aufbau der Stadt als organischer Körper mit interferierenden Teilen, die gemeinsam eine abgeschlossene Totalität bilden. Die ästhetische Konstruktion bedingt eine Strukturierung der Stadt, innerhalb derer die vormoderne Konzeption des Organischen ihren Ausdruck findet. Somit relativieren sich die futuristischen Ansätze in Metropolis zugunsten einer architektonisch strukturierten Rückbesinnung auf das Organische. Die filmische Stadt wird somit einerseits zur Bedingung des Schreckens der Moderne und gleichzeitig mit dem Ende des Films durch eine kleine Modifikation zur scheinbaren Aufhebung des Schreckens, obwohl die Möglichkeit dieser Abmilderung schon von Anfang an in der Struktur der Stadt angelegt ist.


Textauszug (computergeneriert)

Universität Konstanz, Fachbereich Literaturwissenschaft
Sommersemester 2006, 4. Semester
Kurs Körperrepräsentationen

Fritz Langs Metropolis - Konstruktionen des Organischen

von: Frank Dersch

 


Inhaltsverzeichnis

1. Metropolis – progressiv oder retrospektiv?  3

2. Konstruktionen des Organischen  5

3. Die Perfektion des Organismus 13

4. Bibliographie  15

Quelle:  15
Forschungsliteratur:  15




 

1. Metropolis – progressiv oder retrospektiv?

In Fritz Langs Metropolis spielt die gefilmte Stadt nicht nur eine nachrangige, dekorative Rolle, sondern greift immer wieder aktiv in den Filmdiskurs ein und wird zum Thema desselben. Die bewusste Inszenierung der Stadt geht über eine bloße Repräsentation der Stadt im Film hinaus und erweist sich somit als „filmische Stadt“, die zusätzlich zur dramatischen Funktion durch eine spezifische ästhetische Konstruktion gekennzeichnet ist.1 Aus diesem Grund wurde die filmische Stadt in Metropolis auch immer wieder auf ihren architektonischen Aufbau und Stil hin ausgeleuchtet und in Bezug zur Narration gesetzt.2 Die Architektur der Oberstadt sowie die technisierte und funktionalisierte Lebensweise der Bewohner von Metropolis, die privilegierten Kinder der Machthaber einmal ausgeschlossen, galten als deutliche Indizien für die Thematisierung einer potenziellen modernen Lebensform im Film. Trotz aller futuristisch anmutenden Anzeichen trägt der Film nicht nur in ideologiekritischer Hinsicht3 antimoderne Züge. Der Schock der Moderne, der sich durch eine zunehmende Ausdifferenzierung der Lebensbereiche, Entfremdung von der Arbeit, Vermassung und Urbanisierung sowie Mediatisierung der Gesellschaft einstellt, wird in Metropolis nicht nur ideologisch durch die messianische Figur des Mittlers4 abgemildert, sondern auch durch die ästhetische Konstruktion der Stadt. Vordergründig stellt die vertikale Strukturierung und Hierarchisierung der Stadt die Bedingung für die Visualisierung der negativen Phänomene der Moderne dar. Auf den zweiten Blick jedoch präsentiert sich der Aufbau der Stadt als organischer Körper mit interferierenden Teilen, die gemeinsam eine abgeschlossene Totalität bilden. Dass die Gesamtheit der filmischen Stadt durchaus anthropomorphe Züge tragen kann, schuldet sich nicht nur der Tatsache, dass die Stadt „à la fois un contenant et un contenu, un lieu et un moteur de l’action“5 darstellt. Erst die ästhetische Konstruktion bedingt eine Strukturierung der Stadt, innerhalb derer die vormoderne Konzeption des Organischen6 ihren Ausdruck findet. Somit relativieren sich die futuristischen Ansätze in Metropolis zugunsten einer architektonisch strukturierten Rückbesinnung auf das Organische:

Auf den Schrecken eines mechanistischen Weltbildes, der zweckhaften Entäußerung des Menschen, auf die zerstörerische Kraft des Teilens und Trennens, die Gefahr der Zerstückelung des Körperganzen und des Seelenhaushaltes antwortet die Konstruktion eines sich selbst als Zeck setzenden Organismus im Kunstwerk und im Kunstwerk menschlichen Zusammenlebens, dem Staat.7

Die filmische Stadt wird somit einerseits zur Bedingung des Schreckens der Moderne und gleichzeitig mit dem Ende des Films durch eine kleine Modifikation zur scheinbaren Aufhebung des Schreckens, obwohl die Möglichkeit dieser Abmilderung schon von Anfang an in der Struktur der Stadt angelegt ist.

2. Konstruktionen des Organischen

Das Bedürfnis nach einem organischen Zusammenhalt innerhalb einer als modern gezeigten Welt drückt sich im Aufbau der Stadt aus. Das holistische Konzept des Organischen, das in der Moderne auseinander fällt8, aktualisiert sich in der vertikalen Schichtung, den historischen Implikationen der einzelnen Schichten als auch in der filmischen Inszenierung der Stadt. Dabei ist es nicht unerheblich, dass die organische Organisation ein autoritär geprägtes Machtdispositiv nach sich zieht, welches sich deutlich in der vertikalen Hierarchie von Metropolis manifestiert. Die unterste Ebene, die gleichzeitig das Fundament der Stadt bildet, bleibt jedoch von diesem Machtdispositiv größtenteils ausgeklammert. Aus diesem Grund dienen die Katakomben tief unter der Erde den Arbeitern als geistig-spiritueller Zufluchtsort, an dem die weltliche Herrschaft von Joh Fredersen durch die spirituelle Macht der christlichen Maria abgelöst wird.

[...]


1 Vgl. Guntram Vogt: Die Stadt im Kino. Deutsche Spielfilme 1900-2000, Marburg 2001, S. 26.

2 Vgl. Wolfgang Jacobsen, Werner Sudendorf: Metropolis. Jahrzehnte voraus - Jahrtausende zurück, in: Dies. (Hgg.): Metropolis. Ein filmisches Laboratorium der modernen Architektur, Stuttgart, London 2000, S. 8-39 oder Andreas Huyssen: The Vamp and the Machine: Technology and Sexuality in Fritz Lang’s Metropolis, in: New German Critique, Nr. 24/25, 1981/82, S, 221-237.

3 R.L. Rutsky: The Mediation of Technology and Gender: Metropolis, Nazism, Modernism, in: New German Critique, Nr. 60, 1993, S. 3-32. Rutsky diskutiert die proto-faschistischen Anzeichen in Metropolis.

4 Vgl. ebd. S. 6.

5 Abdelkader Benali: La fourmilière imaginaire, Metropolis ou la ville à visage humain, in : Espace et sociétés No. 86. Ville et cinéma, Paris 1996, S. 48.

6 Klaus R. Scherpe: Zur Faszination des Organischen. Eine Vorbemerkung, in: H. Eggert, E. Schütz, P. Sprengel (Hgg.): Faszination des Organischen. Konjunkturen einer Kategorie der Moderne, München 1995, S. 7-11.

7 Ebd. S. 9.

8 Vor allem in Deutschland verweigerte sich der geisteswissenschaftliche Diskurs dieser Tatsache noch in den 20er Jahren, um den Verlust an Ganzheit in der Moderne zu kompensieren. Vgl. ebd. S. 10.


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