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Faust und der Teufel - Figur, Rolle und Funktion des Mephistopheles in Faust I

Termpaper, 2000, 26 Pages
Author: Alexander Thiele
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Termpaper
Year: 2000
Pages: 26
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V7449
ISBN (E-book): 978-3-638-14710-1

File size: 227 KB
Notes :
Der Teufel als Held des Stücks: Sehr nah am Text rückt diese Arbeit Mephisto in den Focus. 184 KB



Excerpt (computer-generated)

Faust und der Teufel - Figur, Rolle und Funktion des Mephistopheles in Faust I

von Alexander Thiele


Inhalt

1 Einleitung 3

2 "Prolog auf Erden": Gelehrtentragödie 4

2.1 Mephistos erster Auftritt 5

3 Mephistos irdische Masken 6

4 Die Sprache Mephistos 9

4.1 Mephistos Ironie 11

5 Das Wesen des Teufels 15

5.1 Mephistos Selbstcharakteristik 17
5.2 Mephisto, der Kuppler 18

6 Mephisto und Faust - Teil und Ganzes 18

7 Drama der menschlichen Freiheit 20

8 Ausblick 22

Literatur


1 Einleitung

In Gesprächen mit Zeitgenossen wie Eckermann stellte Goethe immer wieder heraus, daß er den Mephisto als negatives Wesen, als "bösen Genius" mit einer entschieden negativen Richtung entworfen hat.
Dementsprechend wurde Mephisto von vielen Kommentatoren, die sich auf das Urteil Goethes berufen konnten, als einseitiger, nur böser Charakter gezeichnet. Mephisto wird, wie Günther Mahal feststellt, in der Forschung weniger Platz als seinem Wettpartner eingeräumt. Faust, dem als Namensgeber des Dramas schon eine exponierte Stellung zukommt, galt lange Zeit als die alles entscheidende, die Handlung vorantreibende Figur.
Viele Interpreten begnügten sich damit, Mephisto mit Synonymen der Charakterlosigkeit (teuflisch, listig, hinterhältig) gleichzusetzen und ihn als "notwendiges Übel" im Faustspiel zu betrachten. So wurde Mephisto eindeutig die Rolle des Antagonisten zugeteilt, der Faust verführen und ihn in den Abgrund reißen wollte.
Ich möchte mich in dieser Arbeit schwerpunktmäßig mit den Interpretationen der Teufelsfigur beschäftigen, die Mephisto als durchaus gebrochenes Geschöpf mit allzu menschlichen Zügen betrachten. Dabei werde ich mich zwischen den beiden Extremansichten - auf der einen Seite die oben angedeutete, auf der anderen Seite das eher vereinzelte Urteil von Germaine de Stael: "Der Teufel ist der Held des Stücks" , bewegen.
Mephisto ist vielmehr eine Figur, die durch ihre Boshaftigkeit, aber auch durch Ironie und ihre an vielen Stellen aufblitzende Weisheit das Drama ganz entscheidend prägt und bestimmt. In den Mittelpunkt dieser Arbeit werde ich Mephistos Maskenhaftigkeit und seine, teils erheiterndbelehrende, teils vernichtende Ironie stellen. Ich möchte versuchen, Mephistos Wesen und seine verschiedenen Erscheinungsformen anhand ausgewählter Szenen - vornehmlich dem Prolog im Himmel und der Szene Studierzimmer - zu charakterisieren und seine Funktion im Drama zu bestimmen. Inwiefern Mephisto auch eine tragische Figur mit durchaus selbstkritischen Ansätzen ist, bleibt im folgenden zu klären.
Mephisto darf aber nicht nur für sich betrachtet werden. Vielmehr muß sein Wirken in der wechselseitigen Beziehung zu Faust eingeordnet werden. Günther Mahal weist darauf hin, daß Mephisto und Faust zusammen gehören. Erst ihr Wechselspiel, das nicht auf ein Herr-Diener-Verhältnis reduziert werden darf, macht aus einem "desolate[m] Stubenhocker" und einem "namenlosen Teufelein" ein einzigartiges Gespann.
Sicherlich wäre es sinnvoll, Mephisto auf der Grundlage des gesamten Faustdramas zu betrachten, da seine Entwicklung im Ganzen gesehen aufschlußreicher als eine Teilanalyse ist. Ich möchte mich in dieser Arbeit jedoch auf den ersten Teil des >Faust< beschränken, da der gegebene Rahmen einer Gesamtbetrachtung nicht gerecht werden kann. Auf eine chronologische Herangehensweise muß weitestgehend verzichten werden.

2 "Prolog auf Erden": Gelehrtentragödie

Einleitend werde ich die Szenen >Nacht< und >Vor dem Tor< anreißen, da die sich dort abspielende >Gelehrtentragödie< meiner Meinung nach die Voraussetzung und den Nährboden für die Versuchung Fausts durch Mephisto darstellen. Faust, der im nächtlichen Eingangsmonolog Sinn und Zweck allen menschlichen Erkenntnisstrebens und der Wissenschaften anzweifelt und damit seine eigene Existenz in Frage stellt, wendet sich auf der Suche nach ganzheitlichen Anworten ("Wie alles sich zum Ganzen webt,..." V.447) an das Makrokosmoszeichen des Nostradamus (V.430-459). Er erkennt diese Naturschau aber als unbefriedigendes Schauspiel und richtet sein Flehen daraufhin an den Erdgeist. Fausts anfängliche Euphorie (V.477ff.) in Erwartung des Erdgeistes schlägt nach dessen Ankunft jedoch in ernüchternde Desillusioniertheit um. Der Erdgeist weist ihn ab mit den Worten: "Du gleichst dem Geist, den du begreifst,/ nicht mir"(V.512f) , und leitet somit indirekt auf Mephisto über. "Das >Nicht-Begreifen< dieser Gewalt ist die eigentliche Ursache jenes Paktes, den Faust mit Mephistopheles schließen wird, einem >Geist<, den er >begreift<".

[...]


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