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Subtitle: Am Beispiel von Phèdre und La Princesse de Clèves
Termpaper, 2006, 26 Pages
Author: Jutta Schmitt
Subject: French - Literature, Works
Details
Tags: Konzepte, Liebe, Leidenschaft
Year: 2006
Pages: 26
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 6 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-83728-6
File size: 180 KB
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Abstract
Unumstritten handelt es sich bei den Werken Phèdre und La Princesse de Clèves um zwei der wichtigsten und literaturwissenschaftlich interessantesten Werke der französischen Klassik. In gewissem Sinne sind sie charakteristisch für den literarischen Geist ihrer Zeit und lassen zum Teil auch Rückschlüsse auf die Gesellschaftsstruktur im Frankreich des 17. Jahrhunderts zu. Allgemeine Strömungen und Tendenzen lassen sich an den verschiedensten Aspekten der beiden Werke verdeutlichen. Besonders interessant ist vor diesem Hintergrund die Analyse der Konzepte bezüglich Liebe und Leidenschaft in der französischen Klassik. Diese Konzepte werden im Folgenden einer genauen Betrachtung unterzogen. Primär liegt bei dieser eingehenden Analyse das Augenmerk auf der Frage, ob es gesellschaftliche Einflüsse, Strukturen und Theorien gibt, die die beiden Werke, exemplarisch für weite Teile der Literatur des 17. Jahrhunderts, -insbesondere im Bezug auf den Charakter von Liebe und Passion- nachhaltig beeinflusst haben. Wenn ja, wie manifestieren sich diese verschiedenen Einflüsse in den beiden so unterschiedlichen und doch in vielen Punkten vergleichbaren Werken? Dabei ist natürlich auch von besonderem Interesse zu untersuchen, ob beide Autoren dieselben Aspekte aufgreifen oder ähnliche Schwerpunkte setzen und gleichzeitig in welchem Maße und in welcher Form sie diese Aspekte und Schwerpunkte in ihren Texten verarbeiten. Ziel ist es die Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Bereich Liebe und Leidenschaft an einigen Hauptaspekten zu konkretisieren, dadurch die Komplexität dieser Thematik herauszuarbeiten und zugleich die praktische Verarbeitung von zeitgenössischen Strömungen zu verfolgen.
Excerpt (computer-generated)
Konzepte von Liebe und Leidenschaft
Am Beispiel von Phèdre und La Princesse de Clèves
von
Jutta Schmitt
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Einflüsse auf die Liebeskonzeption in Phèdre und La Princesse de Clèves 3
3. Liebe und Leidenschaft in La Princesse de Clèves 6
3.1 Charakter der Leidenschaft 6
3.2 Liebe und amour propre 8
3.2.1 Der aveu als Ausdruck der amour propre? 9
3.2.2 Der Verzicht als Ausdruck der amour propre? 10
3.2.3 amour prope als Motor „fremdgesteuerter“ Leidenschaft 12
4. Liebe und Leidenschaft in Phèdre 14
4.1 Charakter der Leidenschaft 14
4.2 Triebkräfte der Leidenschaft 15
4.2.1 Fremdbestimmte Leidenschaft 15
4.2.2 dieu-caché als Motor von Liebe und Passion 16
4.2.3 Die Rolle der amour propre in Phèdre 20
5. Schluss 23
6. Bibliographie 25
1. Einleitung
Unumstritten handelt es sich bei den Werken Phèdre und La Princesse de Clèves um zwei der wichtigsten und literaturwissenschaftlich interessantesten Werke der französischen Klassik. In gewissem Sinne sind sie charakteristisch für den literarischen Geist ihrer Zeit und lassen zum Teil auch Rückschlüsse auf die Gesellschaftsstruktur im Frankreich des 17. Jahrhunderts zu. Allgemeine Strömungen und Tendenzen lassen sich an den verschiedensten Aspekten der beiden Werke verdeutlichen.
Besonders interessant ist vor diesem Hintergrund die Analyse der Konzepte bezüglich Liebe und Leidenschaft in der französischen Klassik. Diese Konzepte werden im Folgenden einer genauen Betrachtung unterzogen. Primär liegt bei dieser eingehenden Analyse das Augenmerk auf der Frage, ob es gesellschaftliche Einflüsse, Strukturen und Theorien gibt, die die beiden Werke, exemplarisch für weite Teile der Literatur des 17. Jahrhunderts, - insbesondere im Bezug auf den Charakter von Liebe und Passion- nachhaltig beeinflusst haben.
Wenn ja, wie manifestieren sich diese verschiedenen Einflüsse in den beiden so unterschiedlichen und doch in vielen Punkten vergleichbaren Werken? Dabei ist natürlich auch von besonderem Interesse zu untersuchen, ob beide Autoren dieselben Aspekte aufgreifen oder ähnliche Schwerpunkte setzen und gleichzeitig in welchem Maße und in welcher Form sie diese Aspekte und Schwerpunkte in ihren Texten verarbeiten. Ziel ist es die Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Bereich Liebe und Leidenschaft an einigen Hauptaspekten zu konkretisieren, dadurch die Komplexität dieser Thematik herauszuarbeiten und zugleich die praktische Verarbeitung von zeitgenössischen Strömungen zu verfolgen.
2. Einflüsse auf die Liebeskonzeption in Phèdre und La Princesse de Clèves
Die Einflüsse, die sich in den Liebeskonzeptionen der beiden Werke manifestieren, sind ebenso unterschiedlich wie vielfältig und haben nicht nur diese beiden exemplarischen Oeuvres sondern einen Großteil der Literatur der französischen Klassik in hohem Maße geprägt. Im Vordergrund der Reflexionen des 17. Jahrhunderts stand die Frage der menschlichen Identität, woher der Mensch komme und was er sei. In Anlehnung an den Begriff der ,negativen Theologie’, die von der Entzogenheit Gottes, einem ,dieu-caché’ und der Vorstellung, der Mensch könne Gott nur in der Negation denken, ausgeht, entsteht der Begriff der ,negativen Anthropologie’. Die negative Anthropologie versteht den Menschen als ein ,moi-caché’, das sich selbst entzogen ist und kann in diesem Zusammenhang als eine Art Reflexionsbewegung1 verstanden werden, die sich dementsprechend auch in der Literatur niederschlägt. In diesem Zusammenhang können die Pensées von Pascal als „das erste Zeugnis einer ,klassischen Neubesinnung’ auf die Natur des Menschen, die im Zeichen der negativen Anthropologie steht“2 verstanden werden. Die Vorstellungen und Ansätze der negativen Anthropologie sowie der Einfluss Pascals müssen mit Sicherheit in die Ausgestaltung von Liebe und Leidenschaft in beiden Werken miteinbezogen werden.
Spricht man vom Einfluss Pascals auf die Werke von Racine und Mme de Lafayette, darf man auch den Jansenismus als Bewegung bei den Untersuchungen nicht außer Acht lassen, da Pascal ebenso wie seine beiden Zeitgenossen, Mme de Lafayette und Jean Racine, maßgeblich von der jansenistischen Weltanschauung geprägt waren. Der Jansenismus, als religiöse wie sittliche Reformbewegung des Katholizismus, begreift den Menschen nicht als frei, sondern als ein von der göttlichen Gnade abhängiges Wesen, das aus eigener Kraft keine Erlösung finden kann und von dem Fluch der Erbsünde nur durch Gottes Gnade befreit werden kann. Wobei Gott ein entzogener Gott, ein dieu-caché, ist, den man mit seinem Handeln auch nicht beeinflussen oder milde stimmen kann. Im 17. Jahrhundert bildete der Jansenismus damit eine Art Opposition zu der jesuitischen Lehre, wo man sich Erlösung durch gute Taten quasi erkaufen konnte. Gleichzeitig ist der Jansenismus eine anti-humanistische Bewegung, weil der Mensch hier nicht mehr als Gott ähnliches Wesen verstanden wird.3 Dieses jansenistische Ideengut beeinflusst das Konzept von Liebe und Leidenschaft in den beiden Werken maßgeblich, wie im Folgenden noch an diversen Beispielen herausgearbeitet wird. Besonders interessant für die sich anschließende Analyse der Liebeskonzeption in den beiden Werken, ist außerdem der Einfluss der negativen Anthropologie im Sinne La Rochefoucaulds, der sich ausgiebig mit der Thematik der menschlichen Natur und der Natur der amour propre also der Selbstliebe beschäftigt hat.
„Selbstliebe als Prinzip der La Rochefoucauldschen negativen
Anthropologie ist keine Liebe die ihr Objekt gefunden hätte und in ihm zur Ruhe
käme. Die Liebe des Subjekts zu sich selbst schafft keine Sättigung in der
Selbstentzogenheit, sondern eine Leere, ein Verlangen nach sich selbst, das sich
nur erfüllen kann, indem das Ich über sich selbst hinausdrängt, um so seiner selbst
inne zu werden. [...] Die Selbstliebe ist der Ursprung einer über sie selbst
hinausdrängenden Dynamik, doch entzieht dieser Ursprung sich jedem Zugriff. [...]
Die Dynamik des amour propre mündet schließlich in eine rastlose
Kreisbewegung, da sie nicht nur das Begehren, sondern zugleich die Objekte des
Begehrens in ihrer subjektiven Verklärung hervorbringt.“4
Als solche ist die Selbstliebe dem Individuum nicht bewusst und nie fassbar. Weiterhin ist evident, dass amour propre sinngemäß gleichzusetzen ist mit neuzeitlichen Begriffen wie ,das Unbewusste’, ,die Verdrängung’ oder vielleicht auch ,Triebhaftigkeit’, die ebenfalls nicht fassbar, dem Individuum entzogen und dynamisch sind. Dieses Verständnis von amour propre und der Einfluss der Rochefoucauldschen These auf die beiden literarischen Exempel wird in den folgenden Untersuchungen noch von großer Bedeutung sein. Obwohl natürlich noch viele weitere Einflüsse auf die Entstehung und die Ausgestaltung der beiden Werke einwirkten, können nicht alle Strömungen Eingang in diese Arbeit finden. Es sind jedoch die in diesem Abschnitt aufgeführten Aspekte, die grundlegend für alle weiteren Betrachtungen, das Liebeskonzept betreffend, sind.
3. Liebe und Leidenschaft in La Princesse de Clèves
3.1 Charakter der Leidenschaft
[...]
1 S.: Stierle, Karlheinz : Die Modernität der französischen Klassik. Negative Anthropologie und funktionaler Stil. In: Fritz Nies/Karlheinz Stierle (Hgg.): Französische Klassik. München 1985. S. 81-137, hier: S. 84.
2 Ebd.: S. 85.
3 Der große Herder. Freiburg 1957. Bd. 4. S. 1195.
4 Stierle, Karlheinz : Die Modernität der französischen Klassik. Negative Anthropologie und funktionaler Stil. In: Fritz Nies/Karlheinz Stierle (Hgg.): Französische Klassik. München 1985. S. 81-137, hier: S. 93.
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