Autor: Astrid Koch
Fach: Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen
Details
Institution/Hochschule: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (Germanistisches Institut - Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literatur)
Tags: Aufklärung, Empfindsamkeit, Laclos, Rolle der Frau, Briefroman, Gefährliche Liebschaften
Jahr: 2002
Seiten: 39
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 382 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-15002-6
Textauszug (computergeneriert)
Gefährliche Liebschaften - Zur Rolle der Frau
unter besonderer Berücksichtigung der Form des Briefromans
von Astrid Koch
Inhalt
1 Einleitung 5
2 Struktur 6
2.1 Exkurs: Brief 7
2.2 Briefroman 9
3 Frauen und ihre Rolle in der Gesellschaft 14
3.1 Frauen im 18. Jahrhundert 16
3.1.1 Mme de Merteuil 19
3.1.2 Frau von Tourvel 23
4 Der Kampf der Geschlechter 28
5 Resümee 34
6 Literaturverzeichnis 38
1 Einleitung
Die Liebe war und ist von jeher ein literarisches Sujet. Freude, Verwirrung und Katastrophe liegen dabei oft nah aneinander. Denn nicht nur Verehrung und Hingabe an einen anderen Menschen kennzeichnet die Liebe, sondern sie kann auch "Kriegsschauplatz" sein, erfüllt von Manipulation, Machtansprüchen und Betrug.
Choderlos de Laclos´ Roman Gefährliche Liebschaften widmet sich diesem Thema. Dabei wird gezeigt, wie nah die Pole von Liebe und Hass, positiv und negativ, Schein und Sein aneinander liegen können. Laclos zeichnet das Bild einer selbstbestimmten Frau, der Mme de Merteuil, die ein grausames Spiel um Liebe und Intrige spinnt. Sie benutzt Beziehungen, um die Beteiligten manipulieren und zerstören zu können.
Dies ist für eine Frau im ausgehenden 18. Jahrhundert sehr ungewöhnlich. Welches Frauenbild wird hier entworfen? Welche Lebensentwürfe haben die Frauen in den Gefährlichen Liebschaften und wie können sie sie verwirklichen? Diesen Fragen soll in meiner Arbeit nachgegangen werden. Dabei wird auch auf die sozialen Verhältnisse und die Rolle der Frau im Ancien Régime einzugehen sein.
Besonderen Wert werde ich auf den Kontrast zwischen den beiden weiblichen Hauptfiguren, Mme de Merteuil und Frau von Tourvel, legen. Auf der einen Seite die kühle Ratio der Mme de Merteuil, die großes psychologisches Geschick beweist und durch ihren klaren, aber skrupellosen Verstand Menschen zerstört. Auf der anderen Seite die empfindsame Frau von Tourvel, gefühlvoll und feinsinnig, die an das Gute im Menschen glaubt. Zwischen ihnen der Vicomte de Valmont, der einst der Liebhaber Mme de Merteuils war und Frau von Tourvel zu seiner Geliebten machen möchte.
Sie alle verbindet das Schreiben von Briefen und sie alle "verschreiben" sich der Liebe. Welchen Einfluss nehmen die Briefe und das Schreiben selbiger? Was erreicht Laclos durch das einsetzen dieses Mittels? Auch darauf werde ich im Folgenden eingehen.
Das Thema "Kampf der Geschlechter", Egoismus und Zerstörungswille, das Ringen um Macht und Anerkennung unter dem Deckmantel der Liebe ist heute noch so aktuell wie damals. Faszinierend sind das psychologische Geschick und die Menschenkenntnis, mit denen Laclos einige seiner Figuren ausstattet. Dies macht den Roman spannend und auch heute noch aktuell und lesenswert.
Formale Anmerkung:
Im Textlauf werde ich für den Titel "Gefährliche Liebschaften" die Abkürzung "GL" und für "Brief" die Abkürzung "B" verwenden.
2 Struktur
Das Auffälligste an den Gefährlichen Liebschaften ist sicherlich ihre Form - der Roman ist in Briefform geschrieben mit einem vorangestellten Vorwort des Verfassers. Die Protagonisten stehen in Korrespondenz zueinander, durch das Wechseln der Briefpartner ergeben sich verschiedene Beziehungskonstellationen oder auch Beziehungsgeflechte. Dies repräsentiert auch die gesellschaftlichen Beziehungen in denen die Personen stehen, worauf ich später noch eingehen werde.
Um die Bedeutung des Briefes und des Briefschreibens im Roman verstehen zu können, möchte ich jedoch zunächst die Bedeutung des Briefes/Briefschreibens im 18. Jahrhundert darstellen.
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