Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 26 Pages
Author: Thomas Koneczny
Subject: History - Early and Ancient History
Details
Institution/College: Dresden Technical University (Insitut für Geschichte)
Tags: Reformen, Krise, Republik, Diktatur, Sulla
Year: 2007
Pages: 26
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 16 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-87132-7
ISBN (Book): 978-3-638-87137-2
File size: 201 KB
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Abstract
Obwohl es in der römischen Republik bereits im Vorfeld der Diktatur Sullas häufiger zu Reformen gekommen war, stellten die sullanischen Veränderungen eine Besonderheit dar. Die ergriffenen Maßnahmen sind nicht nur von den eigenen Erfahrungen des Diktators im Laufe seiner politischen Karriere geprägt, sondern vielmehr von unvorstellbarer Härte in der Durchsetzung und einer beeindruckenden Systematik. Einer Systematik die in ihrer Gänze die Effektivität des sullanischen aristokratischen Staates steigern sollte. Die aber auch der Gefahr ausgesetzt war, bei entscheidenden Veränderungen oder Reorganisation der sullanischen Verhältnisse, wie ein Kartenhaus zusammenzufallen.
Excerpt (computer-generated)
Technische Universität Dresden, Philosophische Fakultät
Institut für Geschichte, Lehrstuhl für Alte Geschichte
Hauptseminar: „Krise der römischen Republik“
SoSe 2007
Die Reformen Sullas
von
Thomas Koneczny
GLIEDERUNG
1. EINLEITUNG... 3
2. DIE KRISE DER RÖMISCHEN REPUBLIK ALS VORRAUSSETZUNG FÜR DIE REFORMANSÄTZE SULLAS... 5
3. DIE „LEGES CORNELIAE“- WIEDERHERSTELLUNG DER SENATSHERRSCHAFT.... 8
3.1. DIE PROSKRIPTIONEN... 9
3.2. DIE REFORMIERUNG DER MAGISTRATUR... 11
3.3. DIE NEUBILDUNG DES SENATS... 14
3.4. DIE REFORMIERUNG DES GERICHTSWESENS... 16
3.5. DIE NEUORDNUNG DER PROVINZVERWALTUNG... 18
3.6. DIE VERÄNDERUNG DER PRIESTERWAHLMODALITÄTEN... 20
4. WIRKUNG UND NACHHALTIGKEIT DER REFORMEN... 21
5. FAZIT... 23
6. QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS... 26
1. Einleitung
Obwohl es in der römischen Republik bereits im Vorfeld der Diktatur Sullas häufiger zu Reformen gekommen war, stellten die sullanischen Veränderungen eine Besonderheit dar. Die ergriffenen Maßnahmen sind nicht nur von den eigenen Erfahrungen des Diktators im Laufe seiner politischen Karriere geprägt, sondern vielmehr von unvorstellbarer Härte in der Durchsetzung und einer beeindruckenden Systematik. Einer Systematik die in ihrer Gänze die Effektivität des sullanischen aristokratischen Staates steigern sollte. Die aber auch der Gefahr ausgesetzt war, bei entscheidenden Veränderungen oder Reorganisation der sullanischen Verhältnisse, wie ein Kartenhaus zusammenzufallen.
Sulla versetzte die Menschen auch noch nach seinem Tod in Angst und Schrecken. Dazu trugen die Überlieferung der antiken Quellen und die Beschäftigung mit der Thematik Sulla bis in die Neueste Geschichte bei. Untrennbar ist die Diktatur des Optimaten Sullas mit dem Begriff der Proskriptionen verbunden. Die Analyse der antiken Quellen ergab deshalb auch die Überschattung der militärischen, politischen sowie verfassungsrechtlichen Maßnahmen durch moralische Kriterien.
Diese Arbeit kann die Verfolgung und Ermordung der politischen Gegner durch die sullanischen Proskriptionslisten zwar nicht Außeracht lassen, es wurde aber versucht den inhaltlichen Schwerpunkt auf die eigentlichen verfassungsrechtlichen Veränderungen des Diktators zu legen. Es soll in dieser Arbeit der Fragestellung nachgegangen werden, welche einzelnen Reformmaßnahmen Sulla veranlasste und wie deren Bedeutung für die Verfassung des römischen Staates war.
Als Quellen dienten die Überlieferungen der römischen Geschichtsschreiber Appian von Alexandria und Sallust, sowie der griechische Schriftsteller Plutarch. Besonders durch Appian können die Ereignisse der sullanischen Diktatur recht gut nachgezeichnet werden. In seinem Werk über die Römische Geschichte stellte er in seinem ersten Buch „Die Bürgerkriege“ die Ereignisse von den Reformen der Gracchen (133 v. Chr.) bis zur Abdankung Sullas (78 v. Chr.) dar.1 In sachlichem Zusammenhang schilderte Appian unter einem gemeinsamen Oberthema die Ereignisse im angegebenen Zeitraum. Der Geschichtsschreiber schrieb dieses, und die folgenden 23 Werke, aus der Perspektive des 2. Jahrhunderts n. Chr. und konnte so die sullanischen Maßnahmen auch in ihrer Bedeutung für die weitere römische Geschichte einordnen. So vermochten die Reformen es nicht, trotz der angewandten Brutalität, den inneren und äußeren Frieden des Reiches auf Dauer herzustellen. Vielmehr zogen sie heftige kriegerische Auseinandersetzungen nach sich.
Auch die Schriften von Plutarch2 waren für die Beantwortung der Fragestellung dieser Arbeit von Bedeutung. So konnten den Biographien über Sulla, Cicero, Pompeius, Caesar und Cato wichtige Informationen entnommen werden. Dasselbe galt für die Werke des Sallust.3 Die Eingrenzung des Themas auf die Reformen Sullas innerhalb der römischen Geschichte machte eine Benutzung des Werks „Römische Geschichte“ des bedeutenden deutschen Altertumswissenschaftler Theodor Mommsen unausweichlich.4 Eine Berufung auf den Literaturnobelpreisträger von 1902 war in den heute gängigen Beiträgen zur Thematik Sullas immer wieder zu beobachten. Auch wenn an mancher Stelle Mommsens Sympathie für den Diktator durchdrang, so zum Beispiel bei einem Vergleich Sullas mit dem amerikanischen Präsidenten George Washington5 oder der Bezeichnung Sullas als Don Juan der Politik6, so ist dieses Werk auch heute noch grundlegend, auch wenn seine Forschungen inzwischen mehr als 150 Jahre zurückliegen.
Die nunmehr hier vorliegende Arbeit setzt sich aus insgesamt drei inhaltlichen Kapiteln zusammen. Im Gliederungspunkt zwei wird nach Gründen für die sullanischen Reformen im Vorfeld der Diktatur gesucht und die Spaltung der römischen Nobilität thematisiert. Der sich daran anschließende Abschnitt beinhaltet die eigentlichen sullanischen Reformen in den Bereichen der Magistraturen, des Senats, der Provinzialverwaltung, der Gerichte und der Religion. Nachdem die sullanischen Maßnahmen aufgezeigt und in ihrer Bedeutung für die römische Verfassung untersucht wurden, soll der anschließende Gliederungspunkt die Nachhaltigkeit der Reformen untersuchen. Erst nach dem Fortfall der Bedrohung durch Sulla konnte sich herausstellen, ob die verfassungsrechtliche Neuordnung des römischen Staates von Dauerhaftigkeit beschieden war. Im fünften und letzten Gliederungspunkt werden die Ergebnisse aus den vorangegangenen Punkten noch einmal explizit herausgestellt, um auf dieser Grundlage zu einer Beantwortung der oben angeführten Fragestellung dieser Hauptseminararbeit zu gelangen.
2. Die Krise der römischen Republik als Vorraussetzung für die Reformansätze Sullas
Die Betrachtung der Reformen Sullas als geschlossenen Abschnitt der römischen Geschichte würde mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit zu einem Fehlurteil bezüglich der Bedeutung und der Methodik der Reformen führen. Aus diesem Grund wurde dieser Gliederungspunkt den eigentlichen Reformen vorangestellt um einen Einblick zu geben, in welchem geschichtlichen Umfeld die Maßnahmen Sullas angesiedelt werden müssen. Die staatliche Gemeinschaft in der römischen Republik bestand aus den Gruppen der Senatoren, den Ritter und dem römischen Volk. Vom sozialen Rang her, waren die Ritter diejenigen, welche sich von der Masse der römischen Bevölkerung am deutlichsten abhoben. Dies mag zuerst nicht einleuchtend erscheinen, sind doch die Senatoren diejenigen, die sich durch ihre politische Karriere einen Sitz im römischen Senat erkämpft hatten. Die Gründe sind im lex Claudia de nave senatorum von 218 v. Chr. zu suchen. Dieses Gesetz verbot den Senatoren die Ausübung von Handels- und Geldgeschäften. Dadurch wurden die Senatoren weitestgehend zu Großgrundbesitzern. Eine direkte Partizipation an der ständig fortdauernden Expansion Roms war ihnen dadurch verwehrt. Aus der ursprünglich geschlossenen Nobilität, bildeten sich die Gruppen der senatorischen Großgrundbesitzer und die reiche Gruppe der Ritter heraus. Die Ritter zeichneten sich, vor allem beeinflusst von ihren Geld- und Handelsgeschäften in den römischen Provinzen, durch ein besonderes wirtschaftliches Interesse aus.7 Die außenpolitischen Ereignisse schlugen so auf die römische Innenpolitik des zu betrachtenden Zeitraums nieder. Die zu bewältigenden militärischen Aufgaben Roms führten aber nicht nur zu einer Erweiterung des römischen Einflussgebietes, sondern auch zu einer Profilierung von Aristokraten und Feldherrn. Bestätigung findet diese These an Beispielen wie Publius Cornelius Scipio Africanus (Karthago), Lucius Cornelius Sulla (u. a. Mithridates) oder später auch Gaius Iulius Caesar (u. a. Gallien). Mit dieser außenpolitischen Profilierung waren meist Verletzungen der innenpolitischen Prinzipien des cursus honorum verbunden.8
[...]
1 Appian von Alexandria: Römische Geschichte, Zweiter Teil, Buch I, Die Bürgerkriege, übersetzt von Otto Veh, Stuttgart 1989.
2 Plutarch: Große Griechen und Römer, Band III- V, übersetzt von Konrat Ziegler, München 1955. sowie Ax, Wilhelm (Hrsg.+ Übers.): Plutarch: Römische Heldenleben, Stuttgart 1959.
3 Schoeck, Georg (Hrsg.):Sallust, Historische Schriften, Frankfurt/M. 1988.
4 Mommsen, Theodor: Römische Geschichte, Von der Schlacht bei Pydna bis auf Sullas Tod, Band II, Wien 1854.
5 Mommsen, 1854, S. 370.
6 Ebd., S. 375.
7 Bleicken, Jochen: Die Verfassung der Römischen Republik, München 1989, S. 60- 67.
8 Christ, Karl: Sulla- eine römische Karriere, München 2002, S. 13- 21.
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