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Subtitle: Die verschiedenen Sichtweisen auf die Problematik und mögliche Konsequenzen für die Praxis
Scholary Paper (Seminar), 2007, 32 Pages
Author: Susanne Wolff
Subject: Social Pedagogy / Social Work
Details
Institution/College: University of Applied Sciences North Rhine-Westphalia Aachen
Tags: Kinder, Eltern, Hauptdiplomseminar
Year: 2007
Pages: 32
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 27 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-87628-5
ISBN (Book): 978-3-638-87643-8
File size: 215 KB
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Abstract
In der Bundesrepublik Deutschland gibt es ca. 500.000 Kinder, deren Eltern an einer Schizophrenie oder Depression erkrankt sind, 40.000 Eltern sind drogenabhängig und 2,65 Millionen Kinder leben mit Eltern zusammen, die eine alkoholbezogene Störung haben. Nicht nur die Eltern leiden hier, sondern auch die Kinder. Viele Kinder werden von ihren Eltern „vernachlässigt oder sogar psychisch und/oder physisch misshandelt“, sie müssen Verantwortung übernehmen für die sie noch viel zu jung sind, werden häufig sozial ausgegrenzt und kaum unterstützt. Mit dieser Arbeit beschäftige ich mich damit, wie es den Kindern von psychisch kranken Eltern geht, was sich in ihrem Leben durch die Krankheit ändert, welche Themen sie beschäftigen und welche Hilfestellungen sie benötigen, welche Hilfe wir als Sozialarbeiter und –pädagogen an dieser Stelle leisten können und worauf geachtet werden muss.
Excerpt (computer-generated)
Katholische Fachhochschule Nordrheinwestfahlen – Abteilung Aachen
Studienschwerpunkt IV – Interdisziplinäres Projektseminar
-Hausarbeit zum Fachvortrag- „Kinder psychisch kranker Eltern“
Aachen, den 03. Juli 2007
Kinder psychisch kranker Eltern
Die verschiedenen Sichtweisen auf die Problematik und mögliche Konsequenzen für die Praxis
von
Susanne Wolff
Inhalt
1 Einleitung... 3
2 Stand der Forschung... 4
2.1 „high-risk“ - Forschung... 4
2.2 Resilienzforschung... 6
2.3 Vulnerabilitätsforschung... 7
2.4 Fazit zur Forschung... 8
3 Perspektive der Eltern... 8
3.1 Daten und Einstieg... 8
3.2 Untersuchung... 9
3.3 Ergebnisse... 9
3.4 Gefühle der Eltern... 10
4 Perspektiven der Kinder... 11
4.1 Einstieg... 11
4.2 Untersuchung... 11
4.3 Ergebnisse... 11
4.3.1 Wahrnehmung und Erleben der Krankheit... 11
4.3.2 Gefühle und Gedanken... 12
4.3.3 Auswirkungen auf das Familienleben... 14
4.3.5 Subjektive Krankheitstheorien der Kinder... 15
4.3.6 Besuchskontakte... 15
4.3.7 Informationsquellen der Kinder... 16
4.3.8 Bewältigungsstrategien... 16
4.3.9 Hilfsangebote... 18
4.4 Konsequenzen für die Praxis... 19
4.4.1 Informationsvermittlung und Aufklärung... 19
4.4.2 Formen der Einbeziehung in die Behandlung... 21
4.4.3 Möglichkeiten der Förderung und Stärkung sozialer Ressourcen... 22
5 Perspektiven der Experten... 24
5.1 Einstieg... 24
5.2 Untersuchung... 24
5.3 Ergebnisse... 25
5.3.1 Ambivalente Haltung der Experten zu Kooperation... 25
5.3.2 Erfahrungen mit den Kooperationsbeziehungen und Konfliktlinien... 25
5.3.3 Vorstellungen zu internen Strukturveränderungen... 26
5.3.4 Interinstitutionelle Voraussetzungen für eine Kooperation... 27
6 Fazit... 27
7 Schlusswort... 29
8 Literaturliste...31
1 Einleitung
Dies ist die Hausarbeit zu dem gleichnamigen Fachvortrag, den ich am 17. Oktober 2006 im interdisziplinären Projektseminar zum Praxissemester bei Frau Prof. Dr. Ute Antonia Lammel gehalten habe.
Um den Einstieg in das Thema zu erleichtern, möchte ich mit einer Erinnerung der heute 41jährigen Nea Riss anfangen. Sie war ungefähr drei Jahre alt, als ihre Mutter an einer bipolaren Psychose erkrankte. Als ihr Vater die Familie verließ war sie acht. „ … Diese Situation war die Hölle, aus der sie und wir Kinder nicht entkommen konnten. Ich wandte meine ganze Kraft auf, um meiner Mutter zu helfen. Tagelang saß ich an ihrem Bett, während sie redete oder weinte. Die Gardinen waren verschlossen und ich hielt ihre Hand. Irgendwann kam sie dann doch in eine Klinik, in der ich sie besuchte. Ich trat an ihr Bett und erschrak. Ihre Haut war gelb und wie aus Wachs. Sie atmete schwer. Ihre Arme waren fixiert. Eine Infusion war gelegt worden. Ich dachte, sie müsse sterben. […] Meine Mutter war eingesperrt. Ich wütete, weinte und fragte mich, warum man ihr das antat. Warum machten sie meine Mutter krank?...“1.
So wir ihr geht es auch heute vielen anderen Kindern, deren Mutter oder Vater an einer psychischen Störung2 leiden. In der Bundesrepublik Deutschland gibt es ca. 500.000 Kinder, deren Eltern an einer Schizophrenie oder Depression erkrankt sind, 40.000 Eltern sind drogenabhängig und 2,65 Millionen Kinder leben mit Eltern zusammen, die eine alkoholbezogene Störung haben3.
Nicht nur die Eltern leiden hier, sondern auch die Kinder. Viele Kinder werden von ihren Eltern „vernachlässigt oder sogar psychisch und/oder physisch misshandelt“4, sie müssen Verantwortung übernehmen für die sie noch viel zu jung sind, werden häufig sozial ausgegrenzt und kaum unterstützt. Mit dieser Hausarbeit beschäftige ich mich damit, wie es den Kindern von psychisch kranken Eltern geht, was sich in ihrem Leben durch die Krankheit ändert, welche Themen sie beschäftigen und welche Hilfestellungen sie benötigen, welche Hilfe wir als Sozialarbeiter und –pädagogen an dieser Stelle leisten können und worauf geachtet werden muss.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass nicht nur die Kinder von psychisch Kranken Hilfe brauchen, sondern auch die Patienten in ihrer Funktion als Eltern. Was angeboten werden muss, um ihnen das „Eltern-Sein“ zu ermöglichen, wie ein Entzug des Sorgerechts verhindert werden kann und welche Perspektiven es gibt, sind wichtige Punkte, die in dieser Hausarbeit näher betrachtet werden. Albert Lenz hat 2005 eine Studie zu diesem Thema veröffentlicht5, in der er die wesentlichen Fragen beantwortet. Seine Ergebnisse basieren auf vielen leitfragengestützten Interviews mit den betroffenen Kindern und Jugendlichen und deren Eltern. Sie ist die bisher einzige Studie, die direkt bei den Kindern ansetzt, während andere nur auf Aussagen von bereits erwachsenen Kindern psychisch Kranker zurückgreifen. Aus diesem Grund habe ich mich in dieser Arbeit hauptsächlich mit Albert Lenz’ Ergebnissen, die sich mit denen anderer Autoren im Wesentlichen decken, beschäftigt.
2 Stand der Forschung6
Die aktuelle Forschung in diesem Gebiet teilt sich im Groben in drei Richtungen: die „high-risk“-Forschung, die Resilienzforschung und die Vulnerabilitätsforschung.
2.1 „high-risk“ - Forschung
Die „high-risk“-Forschung (deutsch: Risikoforschung) beschreibt Gruppen mit hohem Erkrankungsrisiko und sucht nach Unterscheidungsmerkmalen zu „normalen“ Vergleichsgruppen. Kinder psychisch kranker Eltern stehen unter einem bis zu dreifach höheren Risiko selbst eine psychische Störung zu entwickeln, was die folgenden Zahlen eindrucksvoll belegen: Remmschmidt und Mattejat haben 1994 in einer Studie festgestellt, dass ein Drittel aller Kinder, die in der Kinder- und Jugendpsychiatrie behandelt werden, mindestens einen psychisch kranken Elternteil haben7. Bereits zehn Jahre zuvor veröffentlichen Rutter und Quinton das Ergebnis einer vierjährigen Studie, aus der hervorgeht, dass 1/3 aller Kinder von psychisch kranken Eltern eine persistente kinderpsychiatrische Störung entwickeln, 1/3 vorübergehende Auffälligkeiten zeigt, jedoch auch 1/3 keinerlei Beeinträchtigungen davonträgt8. Die psychische Erkrankung der Eltern stellt eine belastende psychosoziale Entwicklungsbedingung für die Kinder dar. Die Auffälligkeiten der Kinder betreffen die kognitive Entwicklung, den Bereich der depressiven Störungen und aggressive, dissoziale und hyperkinetische Verhaltensstörungen, vor allem aber die soziale und emotionale Entwicklung.
Auch die Frage der genetischen Faktoren wird von der „high-risk“-Forschung untersucht. So wurde beispielsweise festgestellt, dass das lebenslange Erkrankungsrisiko für Schizophrenie, welches bei gesunden Eltern 1% beträgt, sich bei einem erkrankten Elternteil für die Kinder bereits verzehnfacht und bei 40% liegt, wenn beide Eltern daran erkrankt sind. Zwillingsstudien zu Schizophrenie ergeben eine 50 prozentige Übereinstimmung. Genetische Einflussfaktoren sind ebenfalls bei affektiven Psychosen nachgewiesen. Allerdings erklären die genetischen Faktoren nur zu einem Teil das erhöhte Risiko. Es gibt weitere, soziale Faktoren, die das Entstehen von Auffälligkeiten der betroffenen Kinder begünstigen, die so genannten „psychosozialen Risikofaktoren“. Dazu zählen im Wesentlichen:
• eheliche Konflikte/ Trennung der Eltern
• familiäre Disharmonien
• Störungen in der Eltern-Kind-Beziehung
• inadäquate soziale Unterstützung
• soziale Isolation
• eingeschränkte objektive Lebensbedingungen, wie Armut, finanzielle Probleme
oder enge Wohnverhältnisse.
Je mehr Faktoren vorhanden sind, desto höher ist das Risiko einzuschätzen, da sie sich wechselseitig verstärken. Zu dem ist festzustellen, dass jedes Kind anders reagiert. Alter und Entwicklungsstand des Kindes, sein Geschlecht, die Art der Krankheit und ob Mutter oder Vater erkrankt ist, sowie der Umgang in der Familie mit dieser Krankheit sind weitere entscheidende Einflussfaktoren.
2.2 Resilienzforschung
[...]
1 Nea Riss, „Wenn die Dämonen meiner Mutter nach mir greifen“, in: Katja Beeck (Hrsg.), „Ohne Netz und Boden“, Netz und Boden, Berlin 2004, S. 41f.
2 Eine Definition von psychischer Störung „…umfasst die Aspekte statistische Seltenheit, Verletzen von sozialen Normen, persönliches Leid, Beeinträchtigung der Lebensführung, unangemessenes Verhalten…“. Aus: Davison/ Neale, „Klinische Psychologie“, 6. Auflage, Beltz-Verlag, Weinheim 2002, S. 6.
3 Schirin Homeier, „Sonnige Traurigtage“, Mabuse, Frankfurt a. M. 2006, S. 112.
4 Katja Beeck, „Ohne Netz und Boden – Situation Kinder psychisch kranker Eltern“, Netz und Boden, Berlin 2004, S. 51.
5 Albert Lenz, „Kinder psychisch kranker Eltern“, Hogrefe-Verlag, Göttingen 2005.
6 Alle Daten in diesem Kapitel (soweit nicht anders gekennzeichnet): Lenz, „Kinder psychisch kranker Eltern“, Hogrefe-Verlag, Göttingen 2005.
7 Remschmidt & Mattejat, „Kinder psychotischer Eltern“, Hogrefe-Verlag, Göttingen 1994, S. 15.
8 Rutter & Quinton, „Parental psychiatric disorders: effects on children”, Psychological Medicine, 14, 1984, 853-880.
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