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Performativität im Theater

Subtitle: Am Beispiel von John Cages "Untitled Event" und Peter Handkes "Publikumsbeschimpfung"

Essay, 2003, 8 Pages
Author: Bettina Arzt
Subject: Cultural Studies

Details

Institution/College: University of Siegen
Tags: Performativität, Theater
Category: Essay
Year: 2003
Pages: 8
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 7  Entries
Language: German
Archive No.: V82200
ISBN (E-book): 978-3-638-88681-9

File size: 64 KB

Abstract

Zurückgehend auf den angelsächsischen Begriff „performance“, der sowohl „Aufführung“ bzw. „Vorstellung“ als auch „Leistung“ oder „Pflichterfüllung“ bedeuten kann, bestehen in der Kultur-, Medien- und Theaterwissenschaft noch immer definitorische Unklarheiten bezüglich des Ausdrucks „Performativität“, weshalb sich auch eine genaue Definition von performativer Theaterkunst als problematisch erweist. Im Folgenden werde ich dennoch versuchen, anhand zweier signifikanter Beispiele aus der Theatergeschichte das Phänomen der Performativität im Theater darzustellen.


Excerpt (computer-generated)

Performative Sprechakte
Sommersemester 2005
Ausarbeitung zum Referat vom 12.7.2005

Performativität im Theater

Am Beispiel von John Cages „Untitled Event“ (1952)
und Peter Handtkes „Publikumsbeschimpfung“ (1966)

von

Bettina Arzt

Universität Siegen

 

 

Inhalt:  2

1. „Performatives Theater“ Definitionsversuche  3

2. Die Entwicklung des performativen Theaters  3
2.1 Die „Performance Art“  4

3. John Cage: „Untitled Event“ (1952)  5

4. Peter Handtke „Publikumsbeschimpfung“ (1966)  7

5. Abschließende Betrachtung:  7

6. Bibliographie  8
Sekundärliteratur  8
Weiterführende Literatur  8

 

 

1. „Performatives Theater“: Definitionsversuche

Zurückgehend auf den angelsächsischen Begriff „performance“, der sowohl „Aufführung“ bzw. „Vorstellung“ als auch „Leistung“ oder „Pflichterfüllung“ bedeuten kann,1 bestehen in der Kultur-, Medien- und Theaterwissenschaft noch immer definitorische Unklarheiten bezüglich des Ausdrucks „Performativität“, weshalb sich auch eine genaue Definition von performativer Theaterkunst als problematisch erweist. Im Folgenden werde ich dennoch versuchen, anhand zweier signifikanter Beispiele aus der Theatergeschichte das Phänomen der Performativität im Theater darzustellen.

Das wohl signifikanteste Spezifikum des performativen Theaters ist seine Selbsreferentialität: Im Gegensatz zu traditionellen Theaterstücken, in welchen die dargestellten Handlungen stets eine semiotische bzw. referentielle Ebene aufweisen, also durch die Darbietung einer Handlung auf etwas anderes referiert wird, fokussiert sich das performative Theater auf die performative Ebene des Schauspiels: Das heißt, dass die Bedeutung des Dargestellten ausschließlich in der Handlung per se, d.h. in ihrem Vollzug und nicht in der Semiotik bzw. der Zeichenhaftigkeit der Aktionen, Personen, Kostüme und Kulissen liegt.

2. Die Entwicklung des performativen Theaters 

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts, im Kontext kultureller und sozialer Umstrukturierungen in Europa, proklamierte eine Reihe von künstlerischen Avantgardebewegungen (z. B. die Dadaisten oder Futuristen) eine revolutionäre, Theaterkunst, welche die bestehende Kluft zwischen Alltag und Kunst schließen sollte. Mit einer Theaterkunst, in welcher die performative Funktion die referentielle dominierte, stellten die Avantgardisten den bestehenden Kunst- und Kulturbegriff sowie das Modell der Guckkastenbühne mit ihrer fixierten Beobachterposition in Frage. Der Zuschauer sollte nicht länger nur Rezipient, sondern ein kreativ-aktiver Mitgestalter der Aufführung und konstituierende Instanz ihrer Bedeutung werden, und dies nicht nur innerhalb der typischen Theaterräume. Durch die Erschließung experimenteller Schauplätze wie alte Fabrikhallen, Straßen oder sogar Waldgebiete sollte die existierende Trennung von Kunst und Leben revidiert werden. Um diese Partizipation seitens der Rezipienten zu ermöglichen, strebten die Avantgardisten eine Transformation des Theaters in verschiedene Arten von „cultural performances“ an. Dieser Begriff ist auf den amerikanischen Ethnologen Milton Singer zurück zu führen, für den sich jede Kultur nicht durch feststehende Artekakte, wie z.B. Texte definierte, sondern die ihr Selbstverständnis durch bestimmte immer wieder durch- bzw. aufgeführte Riten, die „cultural performances“ manifestierte. Durch Singer wurde die gesellschaftliche Leitmetapher der „Kultur als Text“ weitestgehend von der Vorstellung der „Kultur als Performance“ abgelöst.2

Im Zuge des Futurismus in den erste beiden Jahrzehnten des 20.Jahrhunderts gestaltete sich die Befreiung des Theaterpublikums aus seiner Lethargie und seine Animation zur kreativen Mitgestaltung von Theaterstücken wie sie auch später in den 60er Jahren wieder gefordert wurde, auffallend radikal: Während der genannten „Serate“ oder „Happenings“, den typischen futuristischen Theaterabenden mit offenen Enden, welche man als Vorläufer der postmodernen „Performaces“ bezeichnet, animierten die futuristischen Theaterkünstler ihre Zuschauer durch teilweise sehr ausgefallene Mittel, wie z.B. Leim sowie Juck- und Niespulver auf der Theaterbestuhlung, zur regen Mitgestaltung der Aufführungen. 3

[....]


1 Langenscheidt Power Dictionary Englisch. Hrsg. Langenscheidt Redaktion. 2002. Langenscheidt KG, Berlin und München

2 Vgl. Fischer-Lichte: Theater seit den 60er Jahren Grenzgänge der Neoavantgarde. Tübingen: A. Francke Verlag 1998. S.19

3 Filippo Tommaso Marinetti beispielsweise, der Verfasser des Gründungsmanifests des Futurismus (erschienen 1909 in „Le Figaro“), betrachtet diese Mittel als legitime Instrumente, um gezielt die Aktivität des Publikums zu animieren.


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