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Mauritius Knauer und der Hundertjährige Kalender

Scholary Paper (Seminar), 2002, 26 Pages
Author: Patrick Müller
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2002
Pages: 26
Grade: sehr gut (1,0)
Language: German
Archive No.: V8251
ISBN (E-book): 978-3-638-15270-9
ISBN (Book): 978-3-638-64026-8
File size: 726 KB

Abstract

Seit jeher sind Menschen vom Gedanken fasziniert, zukünftige Ereignisse vorhersagen zu können. So ist die Wahrsagerei wohl so alt, wie die menschliche Reflexion über die eigene Existenz. Schon sehr früh versuchten die Menschen vor allem aus den Himmelskörpern und ihren Konstellationen Aufschlüsse über Künftiges zu erlangen. Das, was wir heute Astrologie nennen, entstand in vielen Kulturen wahrscheinlich isoliert und unabhängig, jedoch immer mit dem gleichen pragmatischen Hintergrund: Die alles umfassende ewige Weltordnung zu erkennen und daraus Prognosen abzuleiten. Das Calendarium Oeconomicum Practicum Perpetuum des Langheimer Abtes Mauritius Knauer vereint auf eindrucksvolle Weise Astrologie und Ökonomie. Diese Verbindung soll in diesem Text herausgearbeitet und dargestellt werden. Die Druck- und Rezeptionsgeschichte dieses Schriftstückes ist äußert beeindruckend und zugleich ein Stück abendländischer Kulturgeschichte. Denn durch einige Eingriffe findiger Verleger wurde Knauers Werk zu dem, was vor allem in früheren Jahrhunderten als Hundertjähriger Kalender in weiten Teilen der Welt bekannt und verbreitet wurde, und auch heute noch eine enorme Anziehungskraft ausübt.


Excerpt (computer-generated)

Otto-Friedrich Universität Bamberg
Neuere deutsche Literaturwissenschaft
PS: Kalender im Wandel der Jahrhunderte
SS 2001

Mauritius Knauer
und der
Hundertjährige Kalender

Patrick Müller
Semesterzahl: 04
Studiengang: LA GY
Fächerkombination: D/K

 

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Mauritius Knauer
1.1 Wichtige Lebensdaten
1.2 Promotor spiritualis
1.3 Wissenschaftliche Aktivitäten
1.4 Ökonomische Aktivitäten

2. Calendarium Oeconomicum Practicum Perpetuum
2.1 Aufbau
2.2 Astrologische Axiomatik
2.2.1 Das Weltbild
2.2.2 Die Planetenherrschaft
2.2.3 Der Sieben-Jahres-Zyklus
2.2.4 Bedingter Determinismus
2.3 Ökonomische Pragmatik

3. Der Hundertjährige Kalender
3.1 Handschriften
3.2 Druck
3.3 Rezeption und Ausgaben

Schlusswort

Literaturverzeichnis

 

Vorwort

Seit jeher sind Menschen vom Gedanken fasziniert, zukünftige Ereignisse vorhersagen zu können. So ist die Wahrsagerei wohl so alt, wie die menschliche Reflexion über die eigene Existenz.
Schon sehr früh versuchten die Menschen vor allem aus den Himmelskörpern und ihren Konstellationen Aufschlüsse über Künftiges zu erlangen. Das, was wir heute Astrologie nennen, entstand in vielen Kulturen wahrscheinlich isoliert und unabhängig, jedoch immer mit dem gleichen pragmatischen Hintergrund: die alles umfassende ewige Weltordnung zu erkennen und daraus Prognosen abzuleiten.
Von den Chaldäern gelangte diese „Wissenschaft“ in den hellenistischen Raum, und von da über die Zeitenwende hinweg auch ins christlich-abendländische Mittelalter. Weder christliche Dogmatik noch Aufklärung konnten den astrologischen Glauben ganz aus dem kollektiven Wissens- und Erfahrungsschatz der Menschheit verbannen.

Weil es der Kirche nicht gelang, die Astrologie vollständig zu kompensieren, arrangierte man sich im Mittelalter mit dem uralten Gedankengut, und so verwundert es nicht, dass auch Kirchenmänner und Wissenschaftler bis weit in die Neuzeit keine Bedenken hatten, sich astrologischen Gedankenguts zu bedienen. Das Calendarium Oeconomicum Practicum Perpetuum des Langheimer Abtes Mauritius Knauer vereint auf eindrucksvolle Weise Astrologie und Ökonomie. Diese Verbindung soll in dieser Arbeit herausgearbeitet und dargestellt werden. Die Druck- und Rezeptionsgeschichte dieses Schriftstückes ist äußert beeindruckend und zugleich ein Stück abendländischer Kulturgeschichte. Denn durch einige Eingriffe findiger Verleger wurde Knauers Werk zu dem, was vor allem in früheren Jahrhunderten als Hundertjähriger Kalender in weiten Teilen der Welt bekannt und verbreitet wurde, und auch heute noch eine enorme Anziehungskraft ausübt. Allerdings scheint es unerlässlich, am Beginn dieser Abhandlung zum besseren Verständnis dieses bedeutenden Werkes auch seinen vermeintlichen Urheber – zumindest aber den originären Ideengeber – etwas näher zu betrachten: den Langheimer Abt Mauritius Knauer, dessen Biographie großen Aufschluss über Gestalt und Intention des Werkes geben kann.

1. Mauritius Knauer – Abt, Hausvater und Wissenschaftler
1.1 Wichtige Lebensdaten

Auf die Gefahr hin, die Bezüge zwischen den einzelnen Ereignissen zu verlieren, sollen die wichtigsten Stationen im Leben des Mauritius Knauer der Übersichtlichkeit willen dennoch in chronologischer Reihenfolge angegeben werden.1

Geboren wurde der spätere Abt der oberfränkischen Zisterze Langheim mit größter Wahrscheinlichkeit wenige Tage vor dem 14. März 16132 in Weismain als Sohn der Eheleute Moritz und Barbara Knauer. Seine Abstammung von den wohlhabenden Familien Neydecker und Senft, und Nikolaus Eber, der mit Knauer verwandt war, und als Langheimer Mönch die Pfarrei Merkershausen in der Diözese Würzburg betreute, ermöglichten dem jungen Moritz ein Studium am Collegium Ernestinum in Bamberg, das er von 1628 bis 1629 besuchte.
Wohl aus Dankbarkeit zu seinem Gönner Eber entschied er sich 1630 für den Eintritt ins Zisterzienserkloster Langheim3.
Nachdem der 30jährige Krieg auch am Obermain angelangt war – im Februar 1632 plünderten 50 schwedische Reiter die Abtei – schickte Abt Eber seinen jüngsten Mönch Mauritius Knauer zusammen mit zwei Konventualen in die Zisterze Heiligenkreuz im Wienerwald.
Im Rahmen seines neunjährigen Aufenthalts in Österreich wurde Knauer 1636 in der Wiener Schottenkirche zum Diakon geweiht. Ende 1637 ließ sich der engagierte Diakon an der Universität Wien einschreiben, wo er aufgrund seiner Bamberger Studien rasch voran kam, und schon 1639 zum Magister promoviert wurde.

[...]

1 Die biographischen Angaben stützen sich dabei größtenteils auf JÄCK.
2 Dieses Datum gibt den Tauftermin an. Taufmatrikel aus jener Zeit zeigen, dass auch am 15. September 1614 ein „Mauritius“ der gleichen Eltern getauft wurde, jedoch erscheint das Vorjahr plausibler.
3 Das Kloster wurde 1132 von Bischof Otto dem Heiligen von Bamberg gleichzeitig mit dem Kloster Heilsbronn gegründet, 22 Jahre später vollendet, und von Mönchen aus Ebrach – der ältesten Zisterze Deutschlands – besiedelt. In einer „Defensio Specialis“ wurde es von Kaiser Friedrich Barbarossa geschützt und weitgehend von Zoll- und Zehntabgaben befreit. So wuchs Langheim zu einem wirtschaftlich blühenden Kloster heran, was auch der bedeutende Grundbesitz im nördlichen Rodungsland (i.e. Frankenwald) um Teuschnitz und Leugast verdeutlicht. Lange konnte die Zisterze ihre Sonderrechte wahren, doch nach und nach wurden die Privilegien von den Bamberger Fürstbischöfen beschnitten, und das Kloster in den Bamberger Staat eingegliedert. So hatte Langheim im 17. Jahrhundert allenfalls noch die Bedeutung eines Kammergutes der Fürstbischöfe.


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