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Untertitel: Erklärungsansätze für das Phänomen Fernsehserie als Zuschauermagnet
Seminararbeit, 2003, 44 Seiten
Autor: Sabine Buchholz
Fach: Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Details
Institution/Hochschule: Universität Siegen (FB 3: Literatur-, Sprach- und Medienwissenschaften)
Tags: Alle, Tage, Faszination, Fernsehserie, Geschichte, Medien
Jahr: 2003
Seiten: 44
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 45 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-90605-0
ISBN (Buch): 978-3-638-90615-9
Dateigröße: 273 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Ziel dieser Arbeit ist es, die Tatsache zu hinterfragen, warum die Fernsehserie in den 70er und 80er Jahren zur „Zuschauerfavoritin“ avancieren konnte, seither ihre Beliebtheit immer weiter anstieg und sie immer mehr Sendeplätze besetzte bzw. noch heute besetzt. Zu beantwortende Fragen werden beispielsweise folgende sein: Wie kommt es, dass Serien so wichtig für den menschlichen Alltag sind, dass Zuschauer ihren Tagesrhythmus nach dem Programmablauf gestalten, ja, eine regelrechte Sucht nach Serienangeboten entwickeln? Wie ist es möglich, dass Fernsehen zu „Gebrauchsgegenstände[n] für den Alltag“ geworden sind, dass sie „als Teil des menschlichen Modernisierungsprozesses verstanden werden [können]“? [...]
Textauszug (computergeneriert)
Universität Siegen, SS 2003
Veranstaltung: „Geschichte der Medien“
′Alle Tage wieder ...′: Faszination Fernsehserie
Erklärungsansätze für das Phänomen Fernsehserie als Zuschauermagnet
von
Sabine Buchholz
Gliederung
I. Einführung und Ziel der Arbeit... 3
II. Die Fernsehserie... 5
A. Geschichte der Serie – Ursprünge und Entwicklung... 5
B. Gattungsübersicht... 8
1. Mehrere Differenzierungsansätze... 8
2. Merkmale der Endlosserie... 11
III. Faszination der Zuschauer: Warum so viele einschalten... 13
A. Leichte Unterhaltungskost... 13
B. Suche nach Sicherheit – Die Attraktivität des Identischen... 16
C. Suggestion der Wirklichkeit – Parallelität zum Alltag und Identifikationsmöglichkeiten... 17
D. Flucht aus dem Alltag – Eskapismus... 20
E. Ritualisierung und Kult... 23
F. Lebenshilfe... 25
G. Triebbefriedigung... 26
IV. Serielle Produktionsvorteile: „Faszination“ Serie auf Seiten der Hersteller... 29
A. Einfachheit... 29
B. Geringe Kosten, hohe (Werbe-)Einnahmen: Die Frage des Geldes... 31
C. Vom Zuschauerfang zur Publikumstreue... 34
D. Fangemeinden und weitere Einnahmequellen... 37
V. Zusammenfassendes Fazit... 39
VI. Anhang: Bibliographie... 42
I. Einführung und Ziel der Arbeit
Fernsehen ist mittlerweile ein wichtiger, nicht mehr wegzudenkender Bestandteil des Alltags, vor allem der Feierabendgestaltung. Jedem Menschen ist gesetzlich ein Fernseher zugesichert, Fernsehen ist die häufigste allabendliche Beschäftigung des Durchschnittsbürgers, jeder verbringt täglich im Schnitt mehr als 160 Minuten, also fast drei Stunden, vor dem Apparat.1 Fernsehen ist zum Leitmedium geworden.2 Diese „Fernseh- Manie“ hat das Medium zu einem florierenden Markt gemacht, auf dem enorme Geldsummen hin und her geschoben, gewonnen oder aber auch verloren werden können. So ist es nur verständlich, dass schon vor langer Zeit ein möglichst sicheres Konzept gesucht wurde, das sozusagen ein Zuschauergarant sein und die besten Quoten garantieren sollte. Ein Format musste her, das die Massen fesselte und nicht mehr losließ, etwas, das dauerhaft zum Zuschauen anregte, Einnahmen versprach und die Ausgaben gering hielt. Die Fernsehmacher suchten, experimentierten – und fanden das erfolgreichste Fernsehformat aller Zeiten: die Fernsehserie. Ob jung oder alt, ob Mann oder Frau – jeder deutsche Normalbürger kann, wenn er danach gefragt wird, sicherlich mehr als zehn Fernsehserien aus dem Stehgreif nennen. Die Spannbreite reicht von Marienhof über Columbo, Alf und Mickymaus bis hin zu Praxis Bülowbogen und Gute Zeiten schlechte Zeiten, kurz GZSZ3 genannt. Fernsehserien haben sich an die Spitze der medialen Beliebtheitsskala gesetzt – und das trotz den allgemein bekannten Vorwürfen, den trivialen ‚Kunstwerken’ mangele es an Qualität,4 es fehle ihnen alles, „was den Charme von Einzelwerken ausmacht“,5 und ihre Wirkung sei tendenziell negativ6 sowie entgegen dem „Vorurteil der simplen Durchschaubarkeit“.7
Ziel dieser Arbeit ist es, die Tatsache zu hinterfragen, warum Serien in den 70er und 80er Jahren zur „Zuschauerfavoritin“ avancieren konnten, seither ihre Beliebtheit immer weiter anstieg und sie immer mehr Sendeplätze besetzten bzw. noch heute besetzen.8 Zu beantwortende Fragen werden beispielsweise folgende sein: Wie kommt es, dass Serien so wichtig für den menschlichen Alltag sind, dass Zuschauer9 ihren Tagesrhythmus nach dem Programmablauf gestalten, ja, eine regelrechte Sucht nach Serienangeboten entwickeln? Wie ist es möglich, dass Fernsehen zu „Gebrauchsgegenstände[n] für den Alltag“10 geworden sind, dass sie „als Teil des menschlichen Modernisierungsprozesses verstanden werden [können]“?11
Des Weiteren möchte ich auch einen Blick auf die Seite der Produzenten werfen und die Vorteile, die das Serienprinzip ihnen bietet, herausarbeiten. Selbstverständlich muss vorab eine Art Definition der Seriengattung angefertigt werden. Eine Übersicht hinsichtlich der Gattungsmerkmale wird hier ebenso zu erstellen sein wie eine Annäherung an verschiedene Untergliederungsansätze, die im Laufe der Zeit bezüglich des enorm weitgreifenden Oberbegriffs ‚Serie’ gemacht worden sind. Zunächst einmal soll jedoch ein kurzer geschichtlicher Rückblick eine Übersicht darüber geben, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass die Serie bzw. das Format des Seriellen, des sich Wiederholenden heute als das Prinzip der gesamten Fernsehens angesehen wird.12
II. Die Fernsehserie – Eine allgemeine Vorstellung
II.A Geschichte der Serie – Ursprünge und Entwicklung
Die Geschichte der Serienproduktion ist weitaus älter als das Fernsehen, sofern man sie nicht ausschließlich als fernsehtheoretische Kategorie, sondern als generelles Formprinzip des Erzählens begreift. Dann beginnt mediale Seriennutung nämlich schon im Mittelalter mit dem Vertrieb der Bibel.13 Medienproduktionen, die seriell erzählen, sind daher in keinster Weise eine Erfindung des Fernsehens. Günther Giesenfeld hebt hervor, dass schon die Geschichten von Tausend und einer Nacht die Verzögerungs- sowie sogar die Cliffhanger-Technik verwendeten.14 Das Prinzip der heutigen Endlosserie, welches sich durch eine sukzessive, immer wieder unterbrochene Darbietung der Handlung auszeichnet, wurde bereits in vielen anderen Medien genutzt. Hierzu gehören sowohl Theater (zum Beispiel wurde in der Bühnenkunst der Commedia dell’arte im 16. Jahrhundert stets mit identischen Charakteren auf Wanderbühnen gearbeitet)15 als auch die Schriftmedien. Letztere nutzten das Prinzip etwa in der Kalendergeschichte,16 in ködernden Fortsetzungs- und Lieferungsromanen,17 in periodischer Nachrichtenverbreitung. Zeitungen haben in ihrer Machart diverse Eigenarten des Seriellen: Ihr Aufbau und ihre Aufmachung ist immer gleich, sie erscheinen zur selben Zeit am selben Ort, sie verfolgen die lineare Entwicklung aktueller Ereignisse und ziehen den Leser so in ihren ‚Bann’ der immerwährenden Kontinuität. In der Literatur gibt es beispielsweise schon lange Zeit serielle Jugendbücher wie die Fünf Freunde, deren Abenteuer später auch als Hörspiele veröffentlicht wurden. Auch das frühe Kino zeigte gerne Serienhelden, die immer wieder neue Abenteuer zu bestehen hatten. Von 1907-1914 liefen beispielsweise 376 Filme über den Westernhelden Broncho Bill in den Kinos.18 ‚Radio-daytime-serial’ sind die Vorläufer der Endlos-Fernsehserien. Sie wurden schon in den 20ern eingeführt und erlangten schnell große Popularität. Es ist der Verdienst des werbeengagierten Waschmittelherstellers Protector & Gamble, dass ‚Radio Serials’ in ‚Soap Operas’ umbenannt wurden.19 Die Radio-Soap verliert erst mit dem Beginn der Geschichte der Fernsehserie nach und nach an Bedeutung. Letztere beginnt in den USA um einiges früher als in Europa, und zwar direkt zu Beginn des Fernsehens ab 1939.20 In Deutschland wurden die ersten Serien in den 50ern gesendet. Hierzu gehörten neben Kriminalserien insbesondere die Schöllermanns, welche das Fundament der langlaufenden Familienserie darstellen.21 Von diesem Ursprung ausgehend periodisiert Knut Hickethier die fernsehgeschichtlichen Dekaden seit 1950 folgendermaßen: Die 50er Jahre nennt er das Jahrzehnt der Schöllermanns, die 60er das Bonanza- Jahrzehnt, die 70er das Jahrzehnt der sozialkritischen Serien (wie Acht Stunden sind kein Tag) und die 80er das Dallas-Jahrzehnt.22 Martin Jurga ergänzt diese Darstellung bezüglich der 90er Jahre, welche er als „Jahrzehnt der ‚Daily-soaps’“23 bezeichnet. Weitere wichtige Stationen in der Geschichte der deutschen Fernsehserie stellen die Jahre 1985 (Beginn der Endlosserie Lindenstraße sowie der Schwarzwaldklinik) und 1992 (GZSZ wird die erste deutsche ‚Daily-Soap’) dar.24
[...]
1 Vgl. Kai Petzke: Internet nach Fernsehen beliebtestes Medium in Deutschland. www.teltarif.de/arch/2002/kw48/s9383.html
2 Vgl. Lothar Mikos: Fernsehen im Erleben der Zuschauer. Vom lustvollen Umgang mit einem populären Medium. Berlin u.a.: Quintessenz 1994, S. 1.
3 Diese Abkürzung werde ich im Folgenden verwenden.
4 Vgl. Lothar Mikos, Fernsehen im Erleben der Zuschauer, S. 95
5 Werner Kließ: Forderungen an eine Ästhetik der Serie. In: Endlose Serien. Serialität in den Medien, Hg. Günther Giesenfeld. Hildesheim u.a.: Olms-Weidmann 1994, S. 170.
6 Vgl. beispielsweise Paul Felix Lazarsfeld und Robert King Merton: Massenkommunikation, Publikumsgeschmack und organisiertes Sozialverhalte. In: Film und Fernsehen, Hg. Manfred Brauneck, Bamberg 1980, S. 31. (Hier ist die Rede von einem „erschreckenden Mangel an ästhetischer Beurteilungsfähigkeit“, welcher durch den täglichen, mehrstündigen Konsum von Seifenopern ausgelöst werde.)
7 Uwe Boll: Die Gattung Serie und ihre Genres, Hg. Helmut Schanze, Aachen: Alano Verlag 1994 (Alano Medien Bd. 6), S.11.
8 Vgl. Boll, Die Gattung Serie und ihre Genres, S. 9.
9 Die maskulinen Formen stehen stets für beide Geschlechter.
10 Prisca Prugger: Wiederholung, Variation, Alltagsnähe. Zur Attraktivität der Sozialserie. In: Endlose Serien. Serialität in den Medien, Hg. Günther Giesenfeld. Hildesheim u.a.: Olms-Weidmann 1994, S. 90
11 Knut Hickethier: Die Fernsehserie und das Serielle des Programms. In: Endlose Serien. Serialität in den Medien, Hg. Günther Giesenfeld. Hildesheim u.a.: Olms-Weidmann 1994, S. 70.
12 Vgl. Harald Martenstein: Das hat Folgen. Deutschland und seine Fernsehserien. Reclam Verlag, Leipzig 1996, S. 10.
13 Vgl. Martenstein, Das hat Folgen, S. 9.
14 Vgl. Günther Giesenfeld: Serialität als Erzählstrategie in der Literatur. In: Endlose Geschichten. Serialität in den Medien, Hg. ebd. Hildesheim u.a.: Olms-Weidmann 1994, S. 6.
15 Ausführlich mit diesem Thema befasst sich Günter Hansen: Formen der Commedia dell’Arte in Deuschland. Emsdetten 1984.
16 Seit 1513, vgl. Ludwig Rohner: Kalendergeschichte und Kalender. Wiesbaden 1978.
17 Vgl. Boll, Die Gattung Serie und ihre Genres, S. 35.
18 Vgl. Boll, Die Gattung Serie und ihre Genres, S. 39.
19 Vgl. Martin Jurga: Fernsehtextualität und Rezeption. Westdeutscher Verlag, Opladen/Wiesbaden 1999, S. 100. Allein 1939 sponserte der Waschmittelkonzern 22 Seifenopern.
20 Vgl. ebd.
21 Vgl. Hickethier, Die Fernsehserie und das Serielle des Programms, S. 21.
22 Vgl. Knut Hickethier: Die Fernsehserie und das Serielle des Fernsehens. Kultur – Medien – Kommunikation. Lüneburg 1991, S. 21-27.
23 Jurga, Fernsehtextualität und Rezeption, S.115.
24 Vgl. Jurga, Fernsehtextualität und Rezeption, S. 116f.
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