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Termpaper, 2007, 22 Pages
Author: Christine Mewes
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Institution/College: University of Siegen
Tags: Figur, Cundry, Wolfram, Eschenbachs, Parzival, Grenzgängerinnen, Peripherien, Welt, Literatur, Mittelalters
Year: 2007
Pages: 22
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 19 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-90886-3
ISBN (Book): 978-3-638-90888-7
File size: 252 KB
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Abstract
Wolfram von Eschenbachs Roman „Parzival“ enthält eine Fülle schillernder Persönlichkeiten und Figurenkonzeptionen. Eine der vielleicht Exotischsten ist die Figur der surziere Cundry. Unverhofft taucht sie im sechsten Buch des Romans auf, verflucht den Helden Parzival und verschwindet nach ihrem kurzen Auftritt für lange Zeit. Erst im elften Buch er-scheint sie wieder persönlich, bittet Parzival um Vergebung und spricht dessen Berufung zum Gralskönig aus. In der Zwischenzeit erfährt der Leser, dass sie die Klausnerin Sigune mit Nahrung versorgt , Kontakt zu den eingeschlossenen Frauen auf Schastel marveile hält und wir erfahren durch ihren Bruder Malcreatüre von ihrer Herkunft. All dies würde Cundry vielleicht noch nicht zur außergewöhnlichen Frauenfigur ma-chen. Das Besondere an ihr ist ihre außergewöhnliche Hässlichkeit, ihr Äußeres, das halb aus Mensch, halb aus Tier besteht und die Art ihres rabiaten Auftretens, das schlichtweg nicht zu einer Frau von Stand zu passen scheint. Eben diese Exotik ist es, welche die Forschung zu ausführlichen Spekulationen und Interpretationen bezüglich ihrer Funktion im „Parzival“ gereizt hat. Unter Literaturwissenschaftlern umstritten, kommen ihr die unterschiedlichsten Namen und Attribute zu. Joachim Bumke bezeichnet sie als „Gralsbotin.“ Diesen Titel greift Ralph Breyer auf, diskutiert, ob er ihr ohne weiteres zusteht, und kommt zu dem Schluss, dass die Figur „bei ihrem ersten, spektakulären Auftritt weniger, beim zweiten mehr als eine Botin“ ist. Für Helmut Brall ist sie das „Zerrbild einer Frau“ , „eine zoologisch gemilderte Inkarnation des kosmologischen Alptraums“ Herzeloydes, gar „eine von männlichen Triebwünschen mißhandelte Ruine von Weiblichkeit.“ Ich möchte im Folgenden diskutieren, ob und wie wichtig die Hässlichkeit der Cundry-Figur für ihre Konzeption und ihre Funktion im „Parzival“ ist. Des Weiteren möchte ich erarbeiten, was ihre besondere Hybridität ausmacht und in welchem Zusammenhang die einzelnen Aspekte ihres hybriden Wesens mit dem Romanhelden stehen.
Excerpt (computer-generated)
Universität Siegen
Hauptseminar:
Grenzgängerinnen:
Die Peripherien höfischer Welt in der epischen Literatur des hohen Mittelalters
WS 2006 / 2007
ein magt gein triuwen wol gelobt
Zur Figur der surziere Cundry in Wolfram von Eschenbachs „Parzival“
Hausarbeit von:
Christine Mewes
3. Semester, BA
Kernfach: Literary, Cultural an Media Studies
Ergänzungsfach: Language and Communication
1. Inhalt 2
2. Einleitung 3
3. ein magt gein tiuwen wol gelobt, wan daz ir zuht was vertobt 5
4. Cundry, die Grenzgängerin 10
5. Cundry als komplementäre Figur zu Parzival 14
6. Die Funktion der Cundry-Figur im Romangeschehen 17
7. Fazit 20
8. Bibliographie 21
Quellen 21
Forschung 21
2. Einleitung
Wolfram von Eschenbachs Roman „Parzival“ enthält eine Fülle schillernder Persönlichkeiten und Figurenkonzeptionen. Eine der vielleicht Exotischsten ist die Figur der surziere1 Cundry.
Unverhofft taucht sie im sechsten Buch des Romans auf, verflucht den Helden Parzival2 und verschwindet nach ihrem kurzen Auftritt für lange Zeit. Erst im elften Buch erscheint sie wieder persönlich, bittet Parzival um Vergebung und spricht dessen Berufung zum Gralskönig aus.3 In der Zwischenzeit erfährt der Leser, dass sie die Klausnerin Sigune mit Nahrung versorgt4, Kontakt zu den eingeschlossenen Frauen auf Schastel marveile hält5 und wir erfahren durch ihren Bruder Malcreatüre von ihrer Herkunft.6
All dies würde Cundry vielleicht noch nicht zur außergewöhnlichen Frauenfigur machen. Das Besondere an ihr ist ihre außergewöhnliche Hässlichkeit, ihr Äußeres, das halb aus Mensch, halb aus Tier besteht und die Art ihres rabiaten Auftretens, das schlichtweg nicht zu einer Frau von Stand zu passen scheint. Eben diese Exotik ist es, welche die Forschung zu ausführlichen Spekulationen und Interpretationen bezüglich ihrer Funktion im „Parzival“ gereizt hat.
Unter Literaturwissenschaftlern umstritten, kommen ihr die unterschiedlichsten Namen und Attribute zu. Joachim Bumke bezeichnet sie als „Gralsbotin.“7 Diesen Titel greift Ralph Breyer auf, diskutiert, ob er ihr ohne weiteres zusteht, und kommt zu dem Schluss, dass die Figur „bei ihrem ersten, spektakulären Auftritt weniger, beim zweiten mehr als eine Botin“8 ist.
Für Helmut Brall ist sie das „Zerrbild einer Frau“9, „eine zoologisch gemilderte Inkarnation des kosmologischen Alptraums“10 Herzeloydes, gar „eine von männlichen Triebwünschen mißhandelte Ruine von Weiblichkeit.“11
Ich möchte im Folgenden diskutieren, ob und wie wichtig die Hässlichkeit der Cundry- Figur für ihre Konzeption und ihre Funktion im „Parzival“ ist. Des Weiteren möchte ich erarbeiten, was ihre besondere Hybridität ausmacht und in welchem Zusammenhang die einzelnen Aspekte ihres hybriden Wesens mit dem Romanhelden stehen.
Dabei werde ich mich ausschließlich auf die Romanvorlage Wolfram von Eschenbachs beziehen und Figurenkonzeptionen von Chrétien de Troyes und der Kundry in der Wagner-Oper „Parsifal“ außer Acht lassen.
Ich benutze als Romanvorlage die Ausgabe von Karl Lachmann (Band 1 und 2). Zum Begriff des Hybriden gibt es, bezogen auf die Figur der Cundry, bislang keine spezifischen wissenschaftlichen Untersuchungen. Was die sonstige Forschungsliteratur betrifft, beschäftige ich mich mit Aufsätzen von Gert Kaiser, Ralph Breyer, Gabriele Raudszus, Andreas Kraß, Helmut Brall, Maria E. Müller, Ingrid Hahn, Michael Dallapiazza, Dorothea Böhland, Elisabeth Schmidt, Joachim Bumke, Evelyn M. Jacobson, Monika Schausten und Ingrid Kasten. Zur Klärung des Schönheitsbegriffs im Mittelalter greife ich außerdem auf Ausführungen Umberto Ecos zurück.
Ich werde im Folgenden zunächst auf das Gesamterscheinungsbild der Cundry und die Bedeutung ihrer Exotik eingehen. Anschließend werde ich die Einzelaspekte ihres hybriden Wesens erläutern und diskutieren, inwiefern man sie als Komplementärfigur zum Romanhelden Parzival sehen kann. Abschließend werde ich anhand meiner Thesen die Funktion der Figur zusammenfassen.
[....]
1 Wolfram von Eschenbach: Parzival. Stuttgart 1981, Band 1, V. 312, 27
2 Ebd., V. 312, 1 – 318, 30
3 Ebd., V. 778, 14 – 783, 30
4 Ebd., V. 438, 29 – 439, 8
5 Ebd., V. 579, 23 – 580, 1
6 Ebd., V. 517, 11 – 520, 2
7 Joachim Bumke: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage, Stuttgart 2004, S. 76
8 Ralph Breyer: Cundrî, die Gralsbotin? in: Zeitschrift für Germanistik V-1, 1996, S. 61-75, hier S. 61
9 Helmut Brall: Imagination des Fremden. Zu Formen und Dynamik kultureller Indentitätsfindung in der höfischen Dichtung, in: An den Grenzen höfischer Kultur. Anfechtungen der Lebensordnung in der deutschen Erzähldichtung des hohen Mittelalters, hg. v. Gert Kaiser, München 1991, S. 115-165, hier S. 158
10 Ebd., S. 159
11 Ebd. S. 159
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