Subtitle: Anfänge, Hauptvertreter und Grenzen eines kultur- und literaturtheoretischen Konzepts
Termpaper, 2007, 16 Pages
Author: Nadine Seidel
Subject: Romance Languages - French, Miscellaneous
Details
Institution/College: University of Leipzig (Institut für Romanistik)
Tags: Négritude, Hauptseminar, Dimensionen, Francophonie
Year: 2007
Pages: 16
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 18 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-01255-3
ISBN (Book): 978-3-638-91651-6
File size: 120 KB
18 Einträge im Literaturverzeichnis, davon 11 Online-Quellen.
Other users also were interested in the following titles:
Abstract
Wenn man vom Suffix –(i)tude ausgeht, durch das Abstrakta aus Adjektiven abgeleitet werden, die Zustände oder Eigenschaften beschreiben, heißt Négritude nichts anderes als Schwarzheit, Schwarzsein. Die Négritude als kultur- und literaturtheoretisches Konzept wiederum thematisiert die Probleme und Besonderheiten, die dieses Schwarzsein ausmachen. Für Césaire bedeutete die Négritude „ la simple reconnaissance du fait d’être noir, et l’acceptation de ce fait, de notre destin de Noir, de notre histoire et de notre culture. " Andere sehen darin einen Sammelbegriff für „schwarze Literatur“ , wobei dies kritisch betrachtet werden muss, wenn damit eine Einheit jeglicher schwarzer Poesie gemeint sein soll. Wie HEINRICHS in „Sprich deine eigene Sprache, Afrika!“ feststellt, divergiert allein schon der Stellenwert, den Literatur in den einzelnen afrikanischen Gesellschaften einnimmt. Während manche Länder, wie der Senegal oder auch die Antillen, über eine sehr hohe Autorendichte, Gattungs- und Stilvielfalt verfügen, spielt Literatur in anderen Gegenden nur eine sehr geringe Rolle. Im Laufe der Jahrzehnte wurde der Begriff der Négritude für einen personengebundenen Kult und eine Ideologie politisch verwertet und seine Schöpfer selbst, vor allem Aimé Césaire, der ihn als erster prägte, begannen sich zu distanzieren. Nichtsdestotrotz bleibt unumstritten, wie wichtig die Bewegung für die Entwicklung des Selbstbewusstseins Afrikas war, auch wenn sie in sich nicht einheitlich war und ihre Hauptvertreter selbst unterschiedliche Auffassungen davon hatten. Auch für die schwarzafrikanische Literatur im Allgemeinen stellt die Négritude einen wichtigen Reibungspunkt dar, denn unabhängig davon, ob die Autoren Fürsprecher oder Gegner dieses Konzepts waren, so haben sich doch zumindest alle damit auseinandergesetzt, um zu einem eigenen Selbstverständnis zu gelangen. Der Négritude kommt also vielmehr eine initiatorische als eine programmatische Bedeutung zu und ihre Begründer sahen in ihr nicht mehr und nicht weniger als ein spontanes Projekt mit dem dringenden Ziel einer Selbstbewusstwerdung.
Excerpt (computer-generated)
Universität Leipzig
Institut für Romanistik
HS: Dimensions politiques et culturelles de la Francophonie
Datum: 30.07.2007
La Négritude
Anfänge, Hauptvertreter und Grenzen eines
kultur- und literaturtheoretischen Konzepts
Nadine Seidel
Inhalt
1. Einleitung und Aufbau der Arbeit 3
2. Die Entstehung der Négritude 4
3. Hauptvertreter 6
3.1. Aimé Césaire 6
3.2. Léopold Sédar Senghor 8
3.3 Léon-Gontran
Damas 9
4. Problemfelder,
Grenzen
und
Weiterentwicklungen der Négritude 11
Literaturverzeichnis 14
2
1.
Einleitung und Aufbau der Arbeit
Wenn man vom Suffix (i)tude ausgeht, durch das Abstrakta aus Adjektiven abgeleitet
werden, die Zustände oder Eigenschaften beschreiben, heißt Négritude nichts anderes als
Schwarzheit, Schwarzsein. Die Négritude als kultur- und literaturtheoretisches Konzept
wiederum thematisiert die Probleme und Besonderheiten, die dieses Schwarzsein ausmachen.
Für Césaire bedeutete die Négritude ,, la simple reconnaissance du fait d′être noir, et
l′acceptation de ce fait, de notre destin de Noir, de notre histoire et de notre culture. "1
Andere sehen darin einen Sammelbegriff für ,,schwarze Literatur" , wobei dies kritisch
betrachtet werden muss, wenn damit eine Einheit jeglicher schwarzer Poesie gemeint sein
soll. Wie HEINRICHS in ,,Sprich deine eigene Sprache, Afrika!" feststellt, divergiert allein
schon der Stellenwert, den Literatur in den einzelnen afrikanischen Gesellschaften einnimmt.
Während manche Länder, wie der Senegal oder auch die Antillen, über eine sehr hohe
Autorendichte, Gattungs- und Stilvielfalt verfügen, spielt Literatur in anderen Gegenden nur
eine sehr geringe Rolle.2
Im Laufe der Jahrzehnte wurde der Begriff der Négritude für einen personengebundenen Kult
und eine Ideologie politisch verwertet und seine Schöpfer selbst, vor allem Aimé Césaire, der
ihn als erster prägte, begannen sich zu distanzieren. Nichtsdestotrotz bleibt unumstritten, wie
wichtig die Bewegung für die Entwicklung des Selbstbewusstseins Afrikas war, auch wenn
sie in sich nicht einheitlich war und ihre Hauptvertreter selbst unterschiedliche Auffassungen
davon hatten. Auch für die schwarzafrikanische Literatur im Allgemeinen stellt die Négritude
einen wichtigen Reibungspunkt dar, denn unabhängig davon, ob die Autoren Fürsprecher oder
Gegner dieses Konzepts waren, so haben sich doch zumindest alle damit auseinandergesetzt,
um zu einem eigenen Selbstverständnis zu gelangen.3 Der Négritude kommt also vielmehr
eine initiatorische als eine programmatische Bedeutung zu und ihre Begründer sahen in ihr
nicht mehr und nicht weniger als ein spontanes Projekt mit dem dringenden Ziel einer
Selbstbewusstwerdung. 4.
Eine eindeutige Definition des Begriffes Négritude ist schwer und soll nicht Ziel dieser Arbeit
sein. Vielmehr geht es darum, die Anfänge der Bewegung nachzuvollziehen und ihr
1
http://www.ville-verson.fr/fr/negritude.htm (10.07.2007)
2
Heinrichs (1992: 71f.)
3
ebd (1992: 8f)
4
Vgl. ebd (1992: 195)
3
Hauptanliegen zu klären (Kapitel 2), aber auch die Grenzen aufzuzeigen, die letztlich zur
Ablösung der Négritude durch andere Konzepte führten (Kapitel 4). Da die Bewegung auf
großen Männern fußt, die sowohl literarisch als auch politisch tätig waren und ihre
persönlichen Auffassungen der Négritude auf beiden Ebenen darzustellen versuchten, sollen
diese im 3. Teil der Arbeit einzeln vorgestellt werden. Hierbei soll jeweils ein ausgewähltes
Gedicht helfen, die unterschiedlichen Begriffsdeutungen und Duktus der Autoren zu
verdeutlichen.
2.
Die Entstehung der Négritude
Der Begriff der Négritude steht für ein kultur- und literaturtheoretisches Konzept, das im
Zuge der Dekolonisation im Paris der 30er Jahre entstanden ist. Hier trafen schwarze,
frankophone Intellektuelle aus den ehemaligen Kolonien zusammen und gedachten mit Stolz
ihrer afrikanischen Wurzeln, allen voran der aus Martinique stammende Aimé Césaire, der
Senegalese Léopold Sédar Senghor und der aus Guayana stammende Léon-Gontran Damas.
Damit standen sie im Gegensatz zu vielen anderen schwarzen Studenten, Künstlern oder
Wissenschaftlern, die sich nach Frankreich emigriert nun als Franzosen sahen und mit
Abstand oder gar Verachtung auf ihre eigene Herkunft und für sie nun im Glanze der
Großstadt primitiv erscheinenden Afrikaner herabblickten5. Angeregt durch die Harlem
Renaissance, eine künstlerische Bewegung afroamerikanischer Schriftsteller und Maler
zwischen 1920 und 1930, und Ethnologen wie Leo Frobenius6, der die afrikanische Kultur als
der europäischen gleichwertig ansah, was ungewöhnlich für seine Zeit war, entstand ein neues
Selbstbewusstsein, das bald durch die Zeitschrift ,,L′étudiant noir" öffentlich zum Ausdruck
gebracht werden sollte. Damas, Césaire, Senghor u.a. gründeten diese kulturell-literarisch
ausgerichtete Zeitschrift 1935 und legten damit den Grundstein für die Négritude. Senghor
beschrieb die Beweggründe später wie folgt:
,,Mit einigen anderen schwarzen Studenten verfielen wir in eine Art
panische Hoffnungslosigkeit. Der Horizont verschloss sich, keine Reform
war in Aussicht, und die Kolonisatoren rechtfertigten unsere politische und
wirtschaftliche Abhängigkeit mit der Theorie des unbeschriebenen Blattes.
Sie meinten, wir hätten bisher niemals etwas erfunden und erschaffen, nichts
geschrieben und geforscht, nicht gemalt, nicht gesungen. Um unsere eigene
und wirkliche Revolution zu beginnen, mussten wir unsere entliehenen
5
Eckert (2007:3)
6
Meyers Lexikon
4
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
Die Négritude - eine Antwort auf Kolonisation und Sklaverei
Author: Franziska HupeRomance Languages - French Studies, 2007 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Der 'New Negro' der Harlem Renaissance in den Gedichten Claude McKays
Author: Manuela PaulRomance Languages - Other Languages, 2006 Download as PDF-file for 7,99 EUR
Eine Chance für die mediatisierte Kinderwelt? Vom "Zuschauen" zum "Erleben" durch Theaterpädagogik
Author: Stefan KappenbergPedagogy - Media Pedagogy, 2001 Download as PDF-file for 14,99 EUR
Zu: Beaumarchais - "Le Mariage de Figaro"
Author: Sylvia HadjetianRomance Languages - French Literature, 2001 Download as PDF-file for 4,99 EUR
Einstellung gegenüber Outgroups: Die Theorie der Sozialen Identität
Author: Magister Artium (M.A.) Silvia AlpersPsychology - Social Psychology, 2000 Download as PDF-file for 4,99 EUR
Togo - von der deutschen zur französischen Kolonie
Author: Helene NägeleHistory - Empire, Imperialism, 2007 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Zu: "Les Lettres Portugaises" von Guilleragues
Author: Kai-Uwe HeinzRomance Languages - French Literature, 2000 Download as PDF-file for 8,99 EUR
Social criticism in Oscar Wilde´s Lady Windermere´s Fan
Author: Simone ConenEnglish Language and Literature Studies - Literature, 2000 Download as PDF-file for 8,99 EUR
Die politische Komponente der Frankophonie - Die Organisation internationale de la Francophonie
Author: Andreas LudwigPolitics - International Politics - Topic: International Organisations, 2008 Download as PDF-file for 17,99 EUR
Ausarbeitung zum Referat "Hypothesen zum Zweitspracherwerb"
Authors: Katrin Habersaat, Gaby HelmlingGerman - German as a Foreign Language / Second Language, 1999 Download as PDF-file for 5,99 EUR
This text can be quoted and accessed from this url: