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Diploma Thesis, 2004, 89 Pages
Author: Diplom Berufspädagoge Dirk Murmann
Subject: Nursing / Foster Care Management / Social Services
Details
Tags: Einarbeitung, Pflege
Year: 2004
Pages: 89
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 60 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-06720-1
ISBN (Book): 978-3-638-95362-7
File size: 350 KB
Literaturgestützte Arbeit, die als Grundlage für die Erstellung von Einarbeitungskonzepten in der Pflege dienen soll. Es wurden alle deutschen Veröffentlichungen zu dem Thema und verschiedene Amerikanische Forschungsbeiträge berücksichtigt.
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Abstract
Inhalt des Buches: Viele deutsche Veröffentlichungen zum Thema 'Einarbeitung in der ambulanten Pflege' beschränken sich auf Einarbeitungschecklisten, die eine reibungslose Einarbeitung nicht sicherstellen können. Demgegenüber wird in der anglo-amerikanischen Pflegewissenschaft schon seit vielen Jahren zum Thema: "Employee Orientation in Home Care" geforscht. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die bisher umfangreichste Studie zur Einarbeitung in "Home Care" aus den USA stammt. Teri Murray weist darin auf die Folgen defizitärer Einarbeitung hin. Ein häufiges Problem stellt die vermeidbare Kündigung innerhalb der Probezeit dar. Zu einer Kündigung wird es dann kommen, wenn die Überforderung Überhand nimmt, bevor die positiven Aspekte der Arbeit in der ambulanten Pflege ihre Wirkung entfalten können. Das Ziel des Buches ist es, Pflegekräften den Übergang vom Krankenhaus in die ambulante Pflege zu erleichtern. Dazu gehört, ihnen über mögliche Anfangsschwierigkeiten hinweg zu helfen und ihnen die Erfolgserlebnisse bei der Arbeit in der ambulanten Pflege zugänglich zu machen. Durch die Berücksichtigung der zukunftsweisenden Amerikanischen Literatur wird das Buch dauerhaft aktuell bleiben. Adressaten: Besonders geeignet ist das Buch für die Leitungen von ambulanten Pflegediensten bzw. deren Qualitätsmanagementbeauftragten. Auch Mentoren und neue Mitarbeiter in ambulanten Pflegediensten werden von der Lektüre profitieren. Darüber hinaus richtet es sich an Studenten von Pflegestudiengängen und kann zur Unterrichtsvorbereitung an Krankenpflegeschulen verwendet werden.
Excerpt (computer-generated)
Einarbeitung in der ambulanten Pflege
Diplomarbeit zur Erlangung des Grades
Diplom Berufspädagoge (FH)
Dirk Murmann
Katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen
Abteilung Köln
Fachbereich Gesundheitswesen
Studiengang Pflegepädagogik
28. Juni 2004
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1
Einleitung
4
2
Veröffentlichungen zum Thema
`Einarbeitung in der ambulanten Pflege′
7
2.1
Deutsche Veröffentlichungen bis 1995 im zeitlichen Kontext
7
2.1.1
Die Ursprünge der Gemeindepflege
7
2.1.2
Das Modell `Sozialstation′ und private Pflegedienste
8
2.1.3
Kurzexkurs: Die Fachweiterbildung
für die Gemeindekrankenpflege
9
2.1.4
Veröffentlichungen zum Thema
`Einarbeitung in der ambulanten Pflege′
10
2.2
Deutsche Veröffentlichungen von 1995 - 2004 im zeitlichen Kontext
12
2.2.1
Das Pflegeversicherungsgesetz und seine Folgen
12
2.2.2
Das Qualitätssicherungsgesetz
15
2.2.3
Die aktuelle Situation der
ambulanten Pflege in Deutschland
16
2.2.4
Veröffentlichungen zum Thema
`Einarbeitung in der ambulanten Pflege′
17
2.3
Perspektiven der ambulanten Pflege in Deutschland nach 2004
19
2.3.1
Das neue Krankenpflegegesetz
19
2.3.2
Die Diagnosis Related Groups (DRG)
19
2.4
Zwischenfazit
20
3
Bildungstheoretische Grundlagen
21
3.1
Kompetenzbegriffe
21
3.2
Kompetenzentwicklung in der Pflege
24
3.2.1
Supervision
26
3.2.2
Coaching
29
3.2.3
Mentoring
31
4
Handlungsfeldspezifische Belastungen,
Anforderungen und Kompetenzen
43
4.1
Belastungen in der ambulanten Pflege
44
4.1.1
Belastungsbewältigung in der ambulanten Pflege
48
4.2
Anforderungen in der ambulanten Pflege
51
4.3
Anforderungen im amerikanischen `Home Care′ - Sektor
55
4.4
Kompetenzen in der ambulanten Pflege
64
5
Unterstützungsangebote für neue Mitarbeiter
in der ambulanten Pflege
67
5.1
Unterstützungsangebote durch die Leitung
67
5.1.1
Vorbereitung auf die Einarbeitung
eines neuen Mitarbeiters
67
5.1.2
Durchführung der Einarbeitung
74
5.2
Unterstützungsangebote durch den Mentor
76
5.2.1
Vorbereitung auf die Einarbeitung
eines neuen Mitarbeiters
77
5.2.2
Durchführung der Einarbeitung
78
6
Zusammenfassung und Ausblick
79
7
Abbildungsverzeichnis
82
8
Abkürzungsverzeichnis
83
9
Literaturverzeichnis
84
Vorwort
Nach meiner ersten Woche als Krankenpfleger in der ambulanten Pflege, war ich fest
entschlossen dieses Arbeitsfeld so schnell wie möglich wieder zu verlassen. Heute
ist die ambulante Pflege für mich das pflegepraktische Handlungsfeld, dass mir die
größte Chance auf berufliche Selbstverwirklichung ermöglicht. Der berufsbegleitende
Studienprozess an der KFH NW hat mir die Möglichkeit eröffnet das ambulante
Handlungsfeld theoriegestützt zu deuten. Für die kontinuierliche Unterstützung
während des gesamten Studienprozesses möchte ich Frau Inge Hartmann danken.
Meiner Familie und meinen Freunden danke ich für die materielle und soziale
Unterstützung.
All praises due to the most high.
Horrem, im Juni 2004
Dirk Murmann
Kapitel 1
Einleitung
4
1
Einleitung
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, (1.) Gesundheits- und Krankenschwestern bzw.
Gesundheits- und Krankenpflegern den Übergang vom Krankenhaus in die ambulante
Pflege zu erleichtern. Es sollen Vorschläge erarbeitet werden, wie (2.) Führungskräfte
und Mentoren die Einarbeitung von Mitarbeitern1 gestalten können, die (3.) wenig
Erfahrung mit der Arbeit in der ambulanten Pflege haben.
Mit dieser Zielformulierung gehen verschiedene Festlegungen einher.
Erstens
bezieht
sich diese Arbeit auf examinierte Pflegepersonen, die ihre Ausbildung im Krankenhaus
absolviert haben.
Zweitens
richten sich die Vorschläge zur Einarbeitung nicht direkt
an die neuen Mitarbeiter, sondern an die einarbeitenden Personen.
Drittens
betreffen
die Vorschläge solche Pflegepersonen2, die bisher nur im Rahmen der Ausbildung
Erfahrungen mit der ambulanten Pflege gesammelt haben. Zur Begründung dieser
Festlegungen werden Forschungsergebnisse aus der Fachliteratur und persönliche
Erfahrungswerte des Autors herangezogen.
Zu 1.
Die Überlegungen der vorliegenden Arbeit beziehen sich speziell auf Gesundheits-
und Krankenschwestern bzw. Gesundheits- und Krankenpfleger, weil gezielte
Vorschläge zur Einarbeitung in der ambulanten Pflege nur bei einer Eingrenzung
des Adressatenkreises möglich sind. Zunehmende Adressatenheterogenität müsste
eine abnehmende Spezifität der Vorschläge nach sich ziehen, die vom Autor der
vorliegenden Arbeit nicht gewünscht wird.
Zu 2.
Der neue Mitarbeiter muss sich während der Einarbeitung mit zahlreichen Strukturen
und Prozessen auseinandersetzen, die ihm unbekannt sind. Ein Ziel der strukturierten
Einarbeitung sollte es sein, den neuen Mitarbeiter dosiert mit der sich daraus
ergebenden Informationsflut zu konfrontieren. Die Fraktionierung der Informationen
sollte von der Leitung und dem Mentor geleistet werden. Deshalb richten sich die
Vorschläge zur Einarbeitung an die Führungskraft und an den Mentor des neuen
Mitarbeiters.
1 Immer wenn in der vorliegenden Arbeit das Wort ,,Mitarbeiter" verwendet wird, sind damit sowohl männliche als
auch weibliche Arbeitnehmer gemeint.
2 In der vorliegenden Arbeit werden Gesundheits- und Krankenschwestern bzw. Gesundheits- und
Krankenpfleger auch als ,,Pflegepersonen" bezeichnet. Die Begriffe ,,Pflegeperson" und ,,Pflegekraft" werden
synonym verwendet.
Kapitel 1
Einleitung
5
Zu 3.
Die Vorschläge zur Einarbeitung betreffen die in der ambulanten Pflege unerfahrenen
Pflegepersonen, weil besonders diese neuen Mitarbeiter Unterstützung brauchen. Wer
bereits in einem anderen Pflegedienst ambulant gearbeitet hat wird einige seiner
Erfahrungen auf den neuen Arbeitsplatz übertragen können und es deshalb leichter
haben.
Des weiteren wird die Absicht verfolgt, Vorschläge zu formulieren, die eine Chance
auf Umsetzung in den verschiedenen Organisationsformen3 der ambulanten Pflege
haben. Bei realistischer Betrachtung wird die Leitung eines Pflegedienstes4 nur solche
Vorschläge umsetzen, mit denen sich eine kosteneffizientere Arbeitsleistung der neuen
Mitarbeiter erreichen lässt. Um in allen Organisationsformen der ambulanten Pflege
anwendbar zu sein, sollten die Vorschläge also kostengünstig und ergebnisorientiert
sein.
Die bisherigen deutschen Veröffentlichungen zum Thema `Einarbeitung in der
ambulanten Pflege′ beziehen sich überwiegend auf Einarbeitungschecklisten im
Rahmen des Qualitätsmanagements. Demgegenüber wird in der anglo-amerikanischen
Pflegewissenschaft schon seit über zehn Jahren zum Thema: `Employee Orientation in
Home Care`5 geforscht. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die bisher umfang-
reichste qualitative Studie zur Einarbeitung in `Home Care`6 aus den USA stammt.7
Teri Murray weist darin auf die Folgen defizitärer Einarbeitung und auf die verhält-
nismäßig kurze Einarbeitungszeit in `Home Care` hin8:
,,A survey of home health care nurses found that staff felt unprepared
after 6 months of employment in their new role. The nurses indicated
their intentions to leave the agencies because of feeling overwhelmed.
3 Anbieter ambulanter Pflegeleistungen in privater und öffentlicher Trägerschaft sowie Sozialstationen
4 In der vorliegenden Arbeit werden alle ambulanten Anbieter professioneller Pflegeleistungen als Pflegedienste
bezeichnet.
5 Sinngemäße Übersetzung ins Deutsche: Einarbeitung in der ambulanten Pflege
6 ,,In den USA wird unter `Home Care′ mehr als nur `Versorgung zuhause` verstanden. `Home Care′ umfasst
gleichermaßen Krankheitsprävention, Gesundheitsförderung und auf einzelne Krankheitsepisoden bezogene
Dienstleistungen für die Patienten in deren häuslichen Umfeld." (Helvie, Carl O.: Die häusliche Versorgung
Schwerkranker in den USA. In: Schaeffer, Doris; Ewers, Michael (Hg): Ambulant vor stationär. Perspektiven für
eine integrierte ambulante Pflege Schwerkranker. Bern 2002, S. 147.)
7 Murray, Teri A.: From Outside the Walls: A Qualitative Study of Nurses Who Recently Changed From Hospital
Based Practice to Home Health Care Nursing. In: The Journal of Continuing Education in Nursing Volume 29,
Number 2, March / April 1998, S. 55 - 60.
8 Alle Zitate aus der anglo-amerikanischen Literatur werden vom Autor der vorliegenden Arbeit, sinngemäß ins
Deutsche übersetzt.
Kapitel 1
Einleitung
6
[...] Learning a specialty in a 2-week time frame within any other practice
area of nursing would be considered impossible."9
In der vorliegenden Arbeit wird u.a. zu klären sein, inwieweit sich die amerikanischen
Forschungsergebnisse auf die deutschen Verhältnisse übertragen lassen.
Die Vorschläge zur Einarbeitung in der ambulanten Pflege werden im Kapitel
,,Unterstützungsangebote für neue Mitarbeiter in der ambulanten Pflege" vorgestellt.
Diese Vorschläge werden als theoretisches Gerüst eines Einarbeitungskonzeptes für
die ambulante Pflege dienen. Das Einarbeitungskonzept soll durch die Vorschläge
grundgelegt werden, wird selber aber nicht Teil der Diplomarbeit sein. Die Arbeit
endet deshalb mit einem vorsichtigen Ausblick auf das geplante Einarbeitungskonzept
für die ambulante Pflege.
9 Sinngemäße Übersetzung ins Deutsche: ,,Durch eine Befragung ambulante Pflegekräfte konnte herausgefunden
werden, dass sich das Personal noch 6 Monate nach Einstellung schlecht auf die neue Rolle vorbereitet fühlte.
Pflegepersonen signalisierten, dass sie wegen der Überforderung eine Kündigung in Betracht ziehen würden. [...]
In jedem anderen Fachgebiet der Pflege wäre eine zweiwöchige Einarbeitungszeit undenkbar." (Ders., ebenda, S.
57.)
Kapitel 2
Veröffentlichungen zum Thema `Einarbeitung in der ambulanten Pflege′
7
2
Veröffentlichungen zum Thema
`Einarbeitung in der ambulanten Pflege′
Bei der Vorbereitung auf die vorliegende Arbeit wurden sieben deutsche Veröffent-
lichungen zum Thema `Einarbeitung in der ambulanten Pflege′ recherchiert. Um auf
den bisherigen Veröffentlichungen aufbauen zu können, werden sie in diesem Kapitel
vorgestellt. Dabei wird es darum gehen zu entscheiden, welche Aspekte der
Veröffentlichungen in das geplante Einarbeitungskonzepts für die ambulante Pflege
einfließen sollten. Um diese Entscheidungen treffen zu können muss u.a. ermittelt
werden, welche Aspekte der Veröffentlichungen an den zeitgeschichtlichen Kontext
ihrer Entstehung gebunden sind. Stark zeitkontextgebundene Aspekte sollten eher
nicht in ein zukunftsorientiertes Einarbeitungskonzept einfließen. Bei der Erarbeitung
des Einarbeitungskonzeptes könnten hingegen solche Aspekte berücksichtigt werden,
die sich auf zukünftige Einarbeitungsbedingungen beziehen oder wenig zeitkontext-
gebunden sind.
2.1
Deutsche Veröffentlichungen bis 1995
im zeitlichen Kontext
Um dem oben formulierten Anspruch gerecht werden zu können, werden zunächst
einige Entwicklungsschritte der ambulanten Pflege skizziert und einzelne Veröffentli-
chungen inhaltlich beschrieben. An jede einzelne Beschreibung wird sich ein Urteil
darüber anschließen, ob die jeweilige Veröffentlichung zur Erarbeitung des geplanten
Einarbeitungskonzepts beitragen könnte bzw. sollte.
2.1.1
Die Ursprünge der Gemeindepflege
,,Die Ursprünge der Gemeindepflege liegen in der Mitte des 19. Jahrhunderts [...]."10
Ursprünglich forderten Kirchengemeinden und Krankenhäuser bei der evangelischen
Diakonie Gemeindeschwestern an. Weil die Diakonie nach dem sogenannten Mutter-
hausprinzip organisiert war, wurden die Arbeitsverträge zwischen dem Mutterhaus
und dem Krankenhaus bzw. der Kirchengemeinde geschlossen. Gemäss des Mutter-
hausprinzips kehrten die Schwestern nach Ablauf der Verträge in ihr Mutterhaus
zurück. Weil teilweise auch katholische Pflegeorden dieses Organisationsprinzip
übernahmen, kam es zu einer besonders starken religiösen Bindung der
10 Moers, Martin: Ambulante Pflege in Deutschland auf dem Weg zur Gemeinwesenorientierung? In: Pflege
10/1997, S. 103.
Kapitel 2
Veröffentlichungen zum Thema "Einarbeitung in der ambulanten Pflege"
8
Gemeindepflege. Die Aufgabe der Gemeindeschwester bestand keineswegs nur in der
Pflege der Gemeindemitglieder, auch die seelsorgerische Tätigkeit gehörte zu ihrem
Aufgabenfeld.11
Nach dem zweiten Weltkrieg galten die organisatorisch relativ unabhängigen Mutter-
häuser als vom Nationalsozialismus unbelastet. Dieser Umstand führte zunächst zu
einem Fortbestehen des bewährten Mutterhausprinzips. ,,Für die Gemeindepflege der
Bundesrepublik Deutschland kann man damit grundsätzlich von einer Kontinuität der
Arbeit ausgehen."12 Seit den 50er Jahren nahm die Anzahl von Gemeindepflege-
stationen jedoch stetig ab. Zwischen 1961 und 1973 ging die Gesamtzahl der in der
Gemeindepflege Tätigen von 12.300 auf 8.900 zurück! Der Rückgang der kirchlichen
Gemeindepflege führte zu einer Versorgungslücke im ambulanten Pflegesektor. Als
erstes Bundesland führte Rheinland-Pfalz 1967 Gespräche mit den Wohlfahrtsver-
bänden, über die Bündelung kranken- und sozialpflegerischer Dienste. In diesem
Zusammenhang wurde erstmals das Modell `Sozialstation′ vorgelegt.13
2.1.2
Das Modell `Sozialstation′ und private Pflegedienste
Als Träger der Sozialstationen waren ausschließlich die Wohlfahrtsverbände vorge-
sehen. Ihre Aufgabe sollte es sein, die Pflegebedürftigen in ihren Familien zu fördern
und den ungezügelt wachsenden stationären Sektor zu entlasten. Der flächendeckende
Ausbau des Modells `Sozialstation′ und die Aufnahme von ambulanten Pflege-
leistungen in den Leistungskatalog der Krankenkassen veränderte den Charakter der
ambulanten Pflege grundlegend. Mitte der 80er Jahre wurden bundesweit etwa 1.600
Sozialstationen mit insgesamt 36.354 Beschäftigten gezählt und es stand nicht mehr die
karitativ-seelsorgerische Tätigkeit in der Gemeinde im Vordergrund.14
Um die krankenhausentlastende Krankenpflege gewährleisten zu können, stellten die
Sozialstationen überwiegend Krankenschwestern ein, die ihre Ausbildung in Kranken-
häusern absolviert hatten. Aufgrund der zunehmenden Zahl an sehr alten, chronisch
Kranken konnte jedoch trotz ständiger Personalausweitung der Pflegebedarf nicht
gedeckt werden. In diesem Zusammenhang kam die Vorstellung auf, dass die drei-
jährige Krankenpflegeausbildung im Krankenhaus nicht dem Anforderungsprofil der
Sozialstation gerecht wird. Martin Moers stellt dazu fest, dass die Fortsetzung einer im
Krankenhaus begonnenen Akutbehandlung andere Anforderungen an die
11 Vgl. ders., ebenda, S. 103.
12 Ders., ebenda, S. 104.
13 Vgl. ders., ebenda, S. 104.
14 Vgl. ders., ebenda, S. 104.
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