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Freiwilligenarbeit im Dritten Sektor - Motive und Determinanten der Freiwilligenarbeit

Termpaper, 2006, 25 Pages
Author: Dipl. Verw. Wiss. Ralph Wenzl
Subject: Politics - International Politics - Topic: International Organisations

Details

Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 25
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 44  Entries
Language: German
Archive No.: V85272
ISBN (E-book): 978-3-638-02027-5
ISBN (Book): 978-3-638-92301-9
File size: 159 KB

Abstract

Ich möchte in meiner Arbeit die Motive und Determinanten von Freiwilligenarbeit aufzeigen, um danach in einem empirischen Modell erste Indizien zu finden, welcher Erklärungsansatz am ehesten empirische Evidenz zu haben scheint. Die Arbeit besteht aus zwei Blöcken: Im ersten Abschnitt werde ich unterschiedliche theoretische Motive und Determinanten darstellen. Daraus werden in einem zweiten Schritt vier Thesen abgeleitet, die anhand eines empirischen Modells getestet werden sollen. Der dritte Abschnitt beinhaltet die Auswertung der Ergebnisse. Die Unterteilung zwischen Motiven und Determinanten mag nicht immer trennscharf sein. Die grundsätzliche Überlegung ist, dass es Eigenschaften von Personen oder der Umwelt gibt, die die Wahrscheinlichkeit von Freiwilliger Arbeit erhöhen, ohne ein persönliches Motiv darzustellen. Um die Trennschärfe zu verdeutlichen kann man die Determinanten als extrinsische Motivation bezeichnen. Im Gegensatz dazu sind die Motive als zu intrinsische Motivation aufzufassen.


Excerpt (computer-generated)

Universität Konstanz

Fachbereich Politik- und Verwaltungswissenschaften

Ralph Wenzl:

Freiwilligenarbeit im Dritten Sektor

Motive und Determinanten der Freiwilligenarbeit

Eingereicht als Hausarbeit im Kurs : Non-Profit-Organisationen


Inhaltsverzeichnis

Seite

1. Einleitung

1

2. Motive

2

2.1 Nicht-ökonomische Motive

2

2.1.1 Altruismus

3

2.1.2 Selbstverwirklichung

4

2.1.3 Sozialer Eigennutz / Soziale Normerfüllung

5

2.2 Ökonomische Motive

6

2.3 Motive nach Tätigkeitsfeld

7

3. Determinanten

8

3.1 Status

8

3.2 Ethnische Herkunft

9

3.3 Alter und Geschlecht

9

3.4 Religion

10

3.5 Gesellschaftliche Determinanten

10

4. Empirisches Modell

11

4.1 Abgeleitete Hypothesen

10

4.2 Regressionsdiagnostik

12

4.3. Ergebnisse des Modells

15

5. Literaturliste

17

6. Abbildungsverzeichnis

21

7. Datensatz

22


1. Einleitung

In fast allen Definitionen von Non- Profit- Organisationen (Badelt 2002:9,

Zimmer/Priller 2004:87, Brose 2000:141, Wex 2004:174, Definition des Johns

Hopkins Comparative Nonprofit Sector-Projects) ist Freiwilligenarbeit ein

Kennzeichen dieses Organisationstyps. Sie stellt zudem einen sehr wichtigen Beitrag

zur Erhaltung von Non- Profit- Unternehmen (im Folgenden: NPOs) darstellt.

Gleichzeitig besteht in der Definition von Freiwilligenarbeit in der ,,scientific

community" weitgehend Einigkeit im Vergleich zu anderen Begriffsbestimmungen.1

Diese geteilte Definition möchte ich übernehmen: Freiwilligenarbeit ist durch das

Fehlen direkter monetärer Gegenleistung von normaler Arbeit abgegrenzt.2 In der

Literatur finden sich neben dem Begriff der Freiwilligenarbeit auch Begriffe wie

freiwilliges Engagement oder Ehrenamt. Da sich die Definitionen gleichen, sollen

diese Begriffe im Folgenden synonym verwendet werden. Im Zuge der Hausarbeit

möchte ich eine weitgefasste Definition von NPOs verwenden. Im Gegensatz zu der

weitverbreiteten Definition des Johns Hopkins Comparative Nonprofit Sector-

Projects sollen auch kirchliche Organisationen und Parteien hinzugezählt werden.

Weiterhin sollen für NPOs aber die Merkmale des Forschungsprojekts der Johns

Hopkins University gelten: Privatheit, Gemeinnützigkeit, Selbstverwaltung,

Organisation, Ehrenamtlichkeit.

Der Grund für diese weitgefasste Definition liegt darin, dass sonst wichtige Motive

nicht in ihrer Ganzheit aufgeführt werden können.

Ich möchte in meiner Arbeit die Motive und Determinanten von Freiwilligenarbeit

aufzeigen, um danach in einem empirischen Modell erste Indizien zu finden, welcher

Erklärungsansatz am ehesten empirische Evidenz zu haben scheint.

Die Arbeit besteht aus zwei Blöcken: Im ersten Abschnitt werde ich unterschiedliche

theoretische Motive und Determinanten darstellen. Daraus werden in einem zweiten

Schritt vier Thesen abgeleitet, die anhand eines empirischen Modells getestet

werden sollen. Der dritte Abschnitt beinhaltet die Auswertung der Ergebnisse.

Die Unterteilung zwischen Motiven und Determinanten mag nicht immer trennscharf

sein. Die grundsätzliche Überlegung ist, dass es Eigenschaften von Personen oder

1 Im begrenzten Rahmen der Arbeit erscheint es nicht zweckdienlich, Freiwilligenarbeit weiter zu unterteilen.

Cnaan et al. (1996) liefert eine solche Systematisierung.

2 Vgl. Badelt (1988), Gretschmann / Schulz (1988), The Volunteering Unit (1995:3), Werther / Berman

(2001:111)

1


der Umwelt gibt, die die Wahrscheinlichkeit von Freiwilliger Arbeit erhöhen, ohne ein

persönliches Motiv darzustellen.

Um die Trennschärfe zu verdeutlichen kann man die Determinanten als extrinsische

Motivation bezeichnen. Im Gegensatz dazu sind die Motive als zu intrinsische

Motivation aufzufassen.

2. Motive

In der einschlägigen Literatur (Horch 1992:40ff.) finden sich verschiedene, teils auch

konkurrierende Erklärungsansätze zur Erklärung von Freiwilligenarbeit.

Es lassen sich zwei Erklärungsstränge identifizieren:

Auf der einen Seite stehen Autoren, die Freiwilligenarbeit durch altruistische und

soziale Beweggründen erklären. Dem gegenüber stehen Autoren, meist aus

ökonomischen Denkschulen, die Anreize als Erklärungsgrund für freiwilligen Einsatz

postulieren.3 Stebbins (1996:213) formuliert diese zwei Erklärungsstränge

folgendermaßen:

,,.[...] helping others (volunteer as altruism) and the

other is helping oneself (volunteer as self-interestedness)"

Im Folgenden werde ich versuchen, die verschiedenen Erklärungsansätze in zwei

Ansätzen theoretisch zusammenzufassen. Auf der einen Seite möchte ich nicht-

ökonomische Motive (Altruismus / Selbstverwirklichung / Sozialer Eigennutz bzw.

soziale Normerfüllung) zusammenfassen, auf der anderen Seite die ökonomischen

Motive. Klar ist, dass die individuelle Motivation zu freiwilligem Engagement zumeist

aus einem Motivbündel, und nicht aus einem einzelnen Motiv besteht.

2.1 Nicht-ökonomische Motive

Nicht-ökonomische Motive für Freiwilligenarbeit anzunehmen liegt nahe, da keine

direkte ökonomische Gegenleistung erfolgt. Es kann zwischen selbstlosem Einsatz,

3 Vgl. Osborne (1998:10)

2


moderne Selbstverwirklichung und dem Ziel der Erfüllung gesellschaftlicher Normen

unterschieden werden. Die beiden letzten Motive weißen im Gegensatz zu dem Motiv

des Altruismus eine Gemeinsamkeit auf. Beide Antriebsquellen liefern den

Freiwilligen einen Gegenwert ihrer Leistungen. Bei der Selbstverwirklichung wird Zeit

gegen Sinn getauscht, bei der Erfüllung von Normen Zeit gegen Anerkennung.

2.1.1 Altruismus

Altruismus sei wie folgt definiert:

,, [...] dass Menschen sich in ihren Wahlentscheidungen

(u.a.) vom Wohlergehen anderer Menschen leiten lassen." 4

Dabei soll offen bleiben, inwieweit der Freiwillige sich von den Bedürfnissen des

Empfängers oder von seinen Vorstellungen von den Bedürfnissen des Empfängers

leiten lässt.5

Altruismus als Antrieb zur Freiwilligenarbeit wird in der Literatur6 häufig postuliert.

Eng verknüpft damit ist der Glaube an die Wirksamkeit und Gemeinwohlförderung:

,,[...] research shows that political and civic engagement

is related to feelings of efficacy and the belief

that participation in community activities leads to

worthwile outcomes."7

Der selbstlose Einsatz scheint auf den ersten Blick als Erklärungsgrund nahe zu

liegen, da die geleistete Arbeit nicht direkt ökonomisch belohnt wird. Altruismus als

Erklärungsfaktor scheint aber in den Hintergrund zu treten. Verknüpft mit christlicher

Religiosität scheint er zwar der frühere Hauptgrund freiwilliger Arbeit8 in

europäischen Gesellschaften zu sein, jedoch tritt dieser Motivationsgrund wegen der

durchdringenden Säkularisierung in den Hintergrund. Insofern wird von vielen

Autoren der Charakter von Selbstlosigkeit bei der Freiwilligenarbeit bestritten. Zwei

4 Zitiert nach Badelt (1985:57)

5 Collard (1978: 7ff.) unterscheidet analog dazu zwischen ,,commodity related-altruism" oder ,,utility-related-

altruism"

6 z. B. Badelt (1988), Collard (1978), Wardell et al. (2000:229)

7 Zitiert nach: Boris / Steuerle (1998:18)

8 Vgl. Wardell et al. (2000:229)

3


Argumente lassen sich dafür ins Feld führen: Altruismus als Beweggrund wird

verneint, da die Freiwilligen einen ökonomischen oder nicht-ökonomischen

Gegenstrom von Leistungen für ihre Tätigkeit beziehen. Und dieser Gegenstrom wird

häufig als Antriebsquelle gesehen.

Zum anderen werden sich Menschen nach der institutionellen Sichtweise von Mancur

Olson 9 nur dann gemeinsam zusammenschließen, wenn diesem Zusammenschluss,

dem Organisieren, ein Ziel, ein gewisser Zweck, erreicht werden kann. Sie tun dies

also zum Erreichen individueller und kollektiver Interessen und nicht aus

Selbstlosigkeit. Selbstlosigkeit wird vor allem dann keine Rolle spielen, wenn die

Motivationslage die eigene Betroffenheit darstellt. Dies dann als Altruismus zu

etikettieren, wie es Rauschenbach et al. (1992:236) tun ist falsch. Im Gegensatz zu

altruistischen Beweggründen steht die Selbstverwirklichung, die nicht aus

weltanschaulichen Gründen heraus erklärt werden kann. Vielmehr spielt das

persönliche Wohlempfinden eine große Rolle.

2.1.2 Selbstverwirklichung

Ein weiterer Erklärungsansatz10 zur Motivation der Freiwilligen geht von einem

Wandel der Motive aus. Standen früher altruistische Motive im Vordergrund, so geht

es heute um Selbstverwirklichung bzw. Sinnstiftung durch Freiwilligenarbeit. Nicht

nur deutschsprachige Autoren vertreten diese These, auch Untersuchungen in

anderen Industriestaaten kommen zum selben Ergebnis11. Die alten

Motivationsgründe bleiben zwar existent, werden aber von entfaltungsbezogenen

Motiven verdrängt, die im Kontext der modernen Spaß- und Freizeitgesellschaft

entstehen. Es wird argumentiert, dass die Individualisierung der Gesellschaft neue

Motive für Freiwilligenarbeit hervorbringt. Traditioneller Sinnstifter wie Familie,

Religion oder ein stabiles soziales Umfeld entfallen und werden unter anderem durch

das Ehrenamt ersetzt. Empirisch gestützt wird dies vor allem vom Freiwilligensurvey

1997:

9 Vgl. Olson (1965)

10 Vertreten vor allem von Helmut Klages, aber auch von anderen Autoren, wie z.Bsp. Ursula Mathieu oder

Heinze/ Strünck . Vgl Klages (2000), Heinze/Strünck (2000) und Mathieus Beitrag zu Politische Studien ­

Hanns Seidel Stiftung (1999)

11 Vgl. Ross (1990:20-27)

4



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