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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 17 Pages
Author: Mathias Koch
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Institution/College: University of Münster (Germanistik)
Tags: Brünhild, Wandlung, Königin, Nibelungenlied
Year: 2007
Pages: 17
Grade: 2,7
Bibliography: ~ 12 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-89597-2
File size: 151 KB
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Abstract
1. Einleitung Die Rolle der Frau ist in vielen mittelalterlichen Heldenliedern sehr ähnlich. Ihre Rolle ist meist passiv. Die Frau scheint als Auslöser für die verschiedenen Abenteuer des Helden zu fungieren oder dient als schmückendes Beiwerk. Ein Beispiel ist Konrad Flecks „Flore und Blanscheflur“. Hier reist Flore nach dem Verkauf von Blanscheflur in den Orient um sie zu befreien. Der Frau selbst wird meist keine aktive Handlung zuteil mit der sie ihre Lage verbessern könnte. Kriemhild und Brünhild dagegen, die weiblichen Protagonisten im Nibelungenlied, scheinen nicht in diese stereotype Frauenrolle zu passen. Ihre Handlungen und Charakterzüge sind wesentlich für die Entwicklung und das Ende des Nibelungenliedes. Zu Beginn erscheint Kriemhild als höfische, angepasste und passive Hofdame. Sie verwandelt sich dann aber im zweiten Teil in eine mörderische Intrigantin, die durch ihr Handeln das Schicksal der Burgunder besiegelt. Sie lockt Gunther und sein Gefolge an Etzels Hof und dort in eine tödliche Falle. Im Gegensatz zu Kriemhild erfährt Brünhild in ihrem Charakter eine entgegengesetzte Wandlung. Sie hat im ersten Teil einen aktiven Part, scheint aber im Verlauf der Aventiuren eine Charakterveränderung zu einer passiveren Rolle zu durchleben. Um dies mit Bestimmtheit sagen zu können, muss Brünhilds Charakter jedoch genauer untersucht werden.
Excerpt (computer-generated)
Westfälische Wilhelms-Universität, SS 2007
Seminar: Das Nibelungenlied
Brünhild - Wandlung einer Königin
von
Mathias Koch
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung... 3
2. Brünhilds Auftreten in Island... 4
3. Brünhilds Auftreten in Worms... 8
4. Königinnenstreit... 12
5. Fazit... 15
6. Literaturverzeichnis... 16
1. Einleitung
Die Rolle der Frau ist in vielen mittelalterlichen Heldenliedern sehr ähnlich. Ihre Rolle ist meist passiv. Die Frau scheint als Auslöser für die verschiedenen Abenteuer des Helden zu fungieren oder dient als schmückendes Beiwerk. Ein Beispiel ist Konrad Flecks „Flore und Blanscheflur“. Hier reist Flore nach dem Verkauf von Blanscheflur in den Orient um sie zu befreien. Der Frau selbst wird meist keine aktive Handlung zuteil mit der sie ihre Lage verbessern könnte.
Kriemhild und Brünhild dagegen, die weiblichen Protagonisten im Nibelungenlied, scheinen nicht in diese stereotype Frauenrolle zu passen. Ihre Handlungen und Charakterzüge sind wesentlich für die Entwicklung und das Ende des Nibelungenliedes. Zu Beginn erscheint Kriemhild als höfische, angepasste und passive Hofdame. Sie verwandelt sich dann aber im zweiten Teil in eine mörderische Intrigantin, die durch ihr Handeln das Schicksal der Burgunder besiegelt. Sie lockt Gunther und sein Gefolge an Etzels Hof und dort in eine tödliche Falle. Im Gegensatz zu Kriemhild erfährt Brünhild in ihrem Charakter eine entgegengesetzte Wandlung. Sie hat im ersten Teil einen aktiven Part, scheint aber im Verlauf der Aventiuren eine Charakterveränderung zu einer passiveren Rolle zu durchleben. Um dies mit Bestimmtheit sagen zu können, muss Brünhilds Charakter jedoch genauer untersucht werden.
2. Brünhilds Auftreten in Island
Brünhild wird in der sechsten Aventiure des Nibelungenlieds eingeführt:
Ez was ein küneginne gesezzen über sê,
ir gelîche enheine man wesse ninder mê.
Diu was unmâzen sc(?)ne, vil michel was ir kraft.
Sie scôz mit snellen degenen umbe mínné den scaft.1
Schon hier ist der Unterschied zwischen dem mittelalterlichen stereotypen Frauenbild und Brünhild zu erkennen. Brünhild ist eine allein herrschende Königin über Island. Eine Frau in Herrscherposition war zu der Zeit etwas Ungewöhnliches. Brünhild wird als unbeschreiblich schön beschrieben. Aber, dass zusammen mit ihrer Schönheit auch noch ihre Kraft2 besonders erwähnt wird, ist sehr untypisch für ein weibliches Charakterbild in den zeitgenössischen Heldenepen. Brünhild misst ihre Kraft im Wettkampf sogar mit den stärksten männlichen Kämpfern. Sie macht aber noch einen weitaus größeren Schritt über die bestehenden Regeln hinaus: Brünhild missachtet die Konventionen der damaligen Zeit, in der Frauen ihren Ehemann nicht selbst wählen können. Sie setzt selbst fest, unter welchen Bedingungen sie einer Hochzeit zustimmt. Erst wenn es einem Bewerber gelingt sie im Dreikampf zu schlagen, wird sie in eine Heirat einwilligen. Scheitert der Bewerber, wird er mitsamt seiner Gefolgschaft hingerichtet:
swer ir minne gerte, der muose âne wanc
driu spil an gewinnen der frouwen wol geborn.3
Der von Brünhild festgesetzte Dreikampf entspricht nicht der höfischen Vorstellung von Minne und verstößt gegen die übliche Art, um eine Frau zu werben4. Brünhild erlangt durch ihre eigenen Regeln aber auch den Ruf einer grausamen Herrscherin. Viele der Bewerber hat sie bereits getötet.
Gebrast im an dem einen, er hete daz houbet sîn verloren.
Des het diu juncfrouwe unmâzen vil getân.5
[...]
1 Nibelungenlied, Strophe 326.
2 Nibelungenlied, Strophe 326.
3 Nibelungenlied, Strophe 327.
4 Schulze, Das Nibelungenlied, S. 186.
5 Nibelungenlied, Strophe 327 und 328.
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