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Subtitle: Mindestlohn als arbeitsmarktpolitische Maßnahme
Scholary Paper (Seminar), 2007, 20 Pages
Author: Sebastian Schuster
Subject: Economics / Business: Economic Policy
Details
Institution/College: University of Göttingen
Tags: Contra, Mindestlohn, Wirtschaftspolitik
Year: 2007
Pages: 20
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 19 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-03125-7
ISBN (Book): 978-3-638-93039-0
File size: 450 KB
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Abstract
In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit dem Mindestlohn und seinen Auswirkungen auf die Beschäftigung. Unter einem gesetzlichen Mindestlohn wird im Allgemeinen verstanden, dass es einen Lohn pro Stunde oder aber auch pro Monat gibt, der gesetzlich vorgeschrieben jedem Arbeitnehmer mindestens gezahlt werden muss. Die Einführung eines Mindestlohns steht seit einiger Zeit im öffentlichen Fokus, da einige Politiker sich erhoffen, dadurch die Lohnsituation für gering qualifizierte Arbeitskräfte, im Niedriglohnsektor, zu verbessern und sie davor zu bewahren, trotz Arbeit in Armut zu leben. Nach Definition der OECD beginnt der Niedriglohnsektor unterhalb eines Lohnes von zwei Dritteln des Durchschnittslohns. „Working Poor“, wie man diese Situation im englischsprachigen Raum nennt, ist ein Phänomen, was auch in Deutschland immer mehr an Bedeutung gewinnt. Wer in der öffentlichen Diskussion eine Position bezieht, die Pro-Mindestlohn ist, der kann nicht umhin, seine Absicht zu bekunden mit Hilfe des gesetzlichen Mindestlohns diesen Trend zu stoppen. Die Befürworter des Mindestlohns verweisen an dieser Stelle auch immer darauf, dass in fast allen anderen europäischen Staaten gesetzliche Mindestlöhne existieren. „Wir wollen Löhne, die das eigene Auskommen sichern. Jeder muss von seiner Hände Arbeit auch leben können. Deshalb braucht Deutschland einen gesetzlichen Mindestlohn.“ , so steht es mittlerweile schon fest im SPD Parteiprogramm verankert. [...] Um die Wirkungsweise eines Mindestlohns zu erklären werde ich zunächst verschiedene theoretische Modelle vorstellen und erklären, wie ein Mindestlohn jeweils auf die Beschäftigung wirken könnte. Im nächsten Abschnitt werden die Erfahrungen mit Mindestlöhnen, die im Ausland bereits gemacht wurden betrachtet und die empirische Relevanz der Mindestlöhne für die Arbeitsmärkte und deren Entwicklung beurteilt. Darauf folgend werden mögliche Erscheinungsbilder und Alternativen des Mindestlohns in Deutschland mit ihren Chancen und Risiken aufgezeigt. Abschließend wird ein Fazit des Mindestlohns als arbeitsmarktpolitische Maßnahme gezogen. Die zuvor gewonnen Erkenntnisse werden hier abschließend aufgearbeitet und mögliche Implikationen abgeleitet
Excerpt (computer-generated)
Seminar zur Allgemeinen Wirtschaftspolitik im WS 2007/2008
,,Beschäftigung und Inflation"
Pro und Contra Mindestlohn als arbeitsmarktpolitische Maßnahme
Sebastian Schuster
Abgabedatum: 22.10.2007
Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS I
1. EINFÜHRUNG 1
2. THEORETISCHE ERKLÄRUNG 2
2.1 Einfaches neoklassisches Arbeitsmarktmodell 2
2.2 Keynesianisches Arbeitsmarktmodell 4
2.3 Monopson auf dem Arbeitsmarkt 5
2.3.1 Traditioneller monopsonistischer Ansatz 5
2.3.2 Alternative Erklärungen für monopsonistische Strukturen 7
3. BEOBACHTUNGEN IM AUSLAND 8
3.1 Beobachtungen in den USA 9
3.2 Großbritanniens Erfahrungen 9
3.3 Betrachtungen in Frankreich 10
4. MÖGLICHE AUSGESTALTUNG IN DEUTSCHLAND 11
5. PROGNOSEN 13
5.1 Pro Mindestlohn 13
5.2 Contra Mindestlohn 13
6. FAZIT 14
LITERATURVERZEICHNIS 16
1
1. Einführung
In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit dem Mindestlohn und seinen Auswirkungen auf die
Beschäftigung.
Unter einem gesetzlichen Mindestlohn wird im Allgemeinen verstanden, dass es einen Lohn
pro Stunde oder aber auch pro Monat gibt, der gesetzlich vorgeschrieben jedem Arbeitnehmer
mindestens gezahlt werden muss. Die Einführung eines Mindestlohns steht seit einiger Zeit
im öffentlichen Fokus, da einige Politiker sich erhoffen, dadurch die Lohnsituation für gering
qualifizierte Arbeitskräfte, im Niedriglohnsektor, zu verbessern und sie davor zu bewahren,
trotz Arbeit in Armut zu leben. Nach Definition der OECD beginnt der Niedriglohnsektor
unterhalb eines Lohnes von zwei Dritteln des Durchschnittslohns. ,,Working Poor", wie man
diese Situation im englischsprachigen Raum nennt, ist ein Phänomen, was auch in
Deutschland immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Wer in der öffentlichen Diskussion eine Position bezieht, die Pro-Mindestlohn ist, der kann
nicht umhin, seine Absicht zu bekunden mit Hilfe des gesetzlichen Mindestlohns diesen
Trend zu stoppen. Die Befürworter des Mindestlohns verweisen an dieser Stelle auch immer
darauf, dass in fast allen anderen europäischen Staaten gesetzliche Mindestlöhne existieren.
,,Wir wollen Löhne, die das eigene Auskommen sichern. Jeder muss von seiner Hände Arbeit
auch leben können. Deshalb braucht Deutschland einen gesetzlichen Mindestlohn."1, so steht
es mittlerweile schon fest im SPD Parteiprogramm verankert.
Die Mindestlohngegner führen als oberstes Argument meist die negative Wirkung auf die
Beschäftigung an. ,,Ein Mindestlohn in Deutschland ist schädlich. Er vernichtet
Arbeitsplätze."2 Diese Meinung vertritt auch der Präsident des Hamburgischen
Weltwirtschaftsinstituts und Professor an der Universität Hamburg, Thomas Straubhaar.
Um die Wirkungsweise eines Mindestlohns zu erklären werde ich zunächst verschiedene
theoretische Modelle vorstellen und erklären, wie ein Mindestlohn jeweils auf die
Beschäftigung wirken könnte. Im nächsten Abschnitt werden die Erfahrungen mit
Mindestlöhnen, die im Ausland bereits gemacht wurden betrachtet und die empirische
Relevanz der Mindestlöhne für die Arbeitsmärkte und deren Entwicklung beurteilt. Darauf
1 SPD Grundsatzprogramm, in http://eintreten.spd.de/servlet/PB/menu/1698787/index.html,
zugegriffen am 19.10.2007.
2 FAZ.net, in
http://www.faz.net/s/Rub6B15D93102534C72B5CF6E7956148562/Doc~E39299FDCB8DD
409B9A24348256026656~ATpl~Ecommon~Scontent.html, zugegriffen am 19.10.2007.
2
folgend werden mögliche Erscheinungsbilder und Alternativen des Mindestlohns in
Deutschland mit ihren Chancen und Risiken aufgezeigt.
Abschließend wird ein Fazit des Mindestlohns als arbeitsmarktpolitische Maßnahme gezogen.
Die zuvor gewonnen Erkenntnisse werden hier abschließend aufgearbeitet und mögliche
Implikationen abgeleitet.
2. Theoretische Erklärung
In diesem Abschnitt werden die einzelnen Arbeitsmarkttheorien vorgestellt, mit denen die
Wirkungen einer Mindestlohneinführung analysiert werden können. Es wird gezeigt, wie sich
in den einzelnen Modellen ein Gleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt bildet, oder wie es zur
Entstehung von Unterbeschäftigung kommt und welche Funktion der Lohn dabei erfüllt.
Gleichzeitig soll natürlich die Einführung eines Mindestlohns und seine Folgen im jeweiligen
Modell dargestellt werden. Am Anfang steht ein vollkommener Arbeitsmarkt, ohne jedwede
Wettbewerbsbeschränkungen. Die anfänglichen, sehr restriktiven und gleichzeitig
unrealistischen Annahmen werden in der Folge immer weiter modifiziert, um so zu einem
realitätsnäheren Modell zu gelangen, welches die Wirkung von Mindestlöhnen möglichst
zutreffend beschreibt. Dass dies nicht immer eindeutig und einfach ist, wird sich im nächsten
Kapitel zeigen.
2.1 Einfaches neoklassisches Arbeitsmarktmodell
Beim Arbeitsmarktmodell nach Art des neoklassischen Standardmodells wird der
Arbeitsmarkt behandelt wie ein gewöhnlicher Faktormarkt. Die Annahmen, die für die
Gütermärkte getroffen wurden, werden auf den Arbeitsmarkt übertragen. Man geht von
vollkommener Konkurrenz aus, es gibt also keinerlei Wettbewerbsbeschränkungen oder
Marktzutrittsbarrieren. Die potentiellen Arbeitnehmer sind homogen, sie unterscheiden sich
weder in ihren Präferenzen, noch in ihren Fähigkeiten und Qualitäten. Arbeit und Freizeit sind
in diesem Modell Substitute. Es herrscht Markttransparenz, die Arbeitnehmer verfügen
demnach über vollkommene Information bezüglich der realen Lohnsätze und der eventuell
offenen Stellen. Darüber hinaus sind die Löhne völlig flexibel. Die Unternehmer sind
außerdem in der Lage, ihren gewinnmaximalen Output immer abzusetzen. Schließlich wird
3
angenommen, dass sich alle Marktteilnehmer ökonomisch rational verhalten, es wird also
vom ,,homo oeconomicus" ausgegangen.3
In diesem Modell sind die Arbeitsnachfrage sowie das Arbeitsangebot abhängig vom
Reallohn. Geht man, den Grundannahmen des neoklassischen Modells folgend, von einem
Gleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt aus, so gibt es keine Arbeitnehmer, die zu dem gültigen
Reallohn arbeiten wollen aber keine Anstellung finden. Genauso wenig gibt es
Arbeitsnachfrager, also Unternehmer, die bei diesem Lohnsatz noch Arbeitskräfte zur
Besetzung offener Stellen suchen.
Dieses Gleichgewicht ist langfristig
und stabil, es lässt sich in der
grafischen Darstellung in Abbildung
1 am Schnittpunkt zwischen der
Arbeitsangebotskurve und der
Arbeitsnachfragekurve ablesen. In
der Grafik in Punkt E. In der
neoklassischen Analyse des
Arbeitsmarktes gibt es immer nur
kurzfristige Arbeitslosigkeit. Da
nämlich aus dem Modell heraus
immer ein Gleichgewicht herrscht,
kann auch keine Arbeitslosigkeit vorliegen. Ist trotzdem ein Überschussangebot an Arbeit
vorhanden, muss dieses von einer exogenen Störung hervorgerufen worden sein, außerdem ist
diese Arbeitslosigkeit immer als sog. freiwillige Arbeitslosigkeit anzusehen. Die
Arbeitnehmer wollen zu dem herrschenden Lohn ihre Zeit lieber in Freizeit ,,investieren", als
in Arbeitszeit.
So würden auch ein Tariflohn und ganz besonders ein Mindestlohn als Störungen angesehen.
Die Lohnrigidität, die solch eine Begrenzung der Reallöhne nach unten darstellt, würde zu
einem Ungleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt führen. Liegt der Lohn, wie im Falle eines
Mindestlohns, über dem Gleichgewichtslohn (we), herrscht Arbeitslosigkeit. Liegt er unter
dem Gleichgewichtslohn, bleiben offene Stellen unbesetzt. Demzufolge müsste der ideale
Mindestlohn genau dem Gleichgewichtslohn entsprechen, wenn es nicht zu negativen
Effekten auf dem Arbeitsmarkt kommen soll. Diese Entsprechung führt aber die Einführung
eines Mindestlohns ad absurdum. Ergo bleibt festzuhalten, dass bei diesem
3 Vgl. Sesselmeier, (1997), S.47 ff..
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