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Untertitel: Eine Systemanalyse
Hausarbeit, 1992, 47 Seiten
Autor: Diplom-Pädagoge Ralf-Peter Nungäßer
Fach: Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Details
Institution/Hochschule: Fachhochschule Frankfurt am Main (Fachbereich Sozialpädagogik)
Tags: Alkoholwirkungen, Familie, Adoleszenz, Projekt, Sucht, Drogen
Jahr: 1992
Seiten: 47
Literaturverzeichnis: ~ 68 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-01879-1
ISBN (Buch): 978-3-638-91997-5
Dateigröße: 205 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Nach üblichen Statistiken (Blaues Kreuz, 1987) sind in der Bundesrepublik Deutschland 1,8 Millionen, also etwa drei Prozent aller Bundesbürger, alkoholabhängig. Da aber die meisten Alkoholiker nicht alleine leben, sondern Familie haben, sind 4 bis 5 Millionen Angehörige unmittelbar vom Alkoholismus betroffen. Alkoholabhängigkeit tritt meist im mittleren Lebensalter auf, zu einer Zeit in der Kinder aufwachsen und erzogen werden, was auf das Ausmaß des Problems für die beteiligten Kinder bzw. Jugendlichen hindeuten soll. Während in der Literatur hauptsächlich auf die Auswirkungen alkoholauffälliger Familien auf die Entwicklung im Kindesalter eingegangen wird, fehlen für den Bereich des Jugendalters jedoch zuverlässige Untersuchungen. Ziel meiner Arbeit ist es daher, verstärkt auf die betroffenen Jugendlichen einzugehen und von ihnen selbst zu erfahren, wie sie versucht haben mit der elterlichen Sucht umzugehen. Zunächst werden jedoch die für mein Thema relevanten Ausgangspunkte und Problemstellungen besprochen bzw. Definitionen zur Hauptthematik festgelegt. In der familientherapeutischen Literatur zu Suchtproblemen wird heute weitgehend davon ausgegangen, daß Abhängigkeit nicht nur ein individuelles Problem, sondern immer auch ein Familienproblem darstellt. Daher soll im Rahmen dieser Arbeit die Alkoholismusfamilie nach systemischen Gesichtspunkten betrachtet werden. Anschließend werden die Auswirkungen des Alkoholmißbrauchs besprochen, wobei zwischen den Auswirkungen auf die Familie als Ganzes und den Auswirkungen auf die Kinder unterschieden wird. Die in diesem Kapitel beschriebenen Folgen für die Kinder können, wegen der fehlenden Unterscheidung in der vorhandenen Fachliteratur, zumindest auch für das frühe Jugendalter gelten. Bevor ich dann näher auf die Entwicklung Jugendlicher in alkoholbelasteten Familien eingehe, soll anhand des Entwicklungsaufgabenkonzeptes von DREHER & DREHER (1985a) aufgezeigt werden, welche Aufgaben und Erwartungen für die Adoleszenz geltend gemacht werden. Wenn auch die von ihnen aufgestellten Entwicklungsaufgaben als Gebrauchsanleitung für das Erreichen eines Entwicklungszieles mißverstanden werden können, haben sie dennoch einige ‚Meilensteine’ für den Entwicklungsabschnitt Adoleszenz zusammengetragen. Nach den dargestellten Entwicklungsaufgaben wird der Frage nachgegangen, inwiefern Jugendliche aus alkoholbelasteten Familien in ihrer Entwicklung beeinflußt werden. Dieser Beitrag kann nur einen skizzenhaften Einblick geben, da wie bereits erwähnt, wissenschaftlich fundierte Ergebnisse zu diesem Aspekt weitgehend fehlen. Eine Kategorienentwicklung zur Erstellung eines Interviewleitfaden soll erste Hinweise für die Durchführung einer möglichen empirischen Untersuchung im Feld Familie geben, die auf die Erfahrungen Jugendlicher in einem alkoholbelasteten Familiensystem abzielen und aufzeigen, wie diese Erfahrungen wahrgenommen und verarbeitet werden. Dieser Interviewleitfaden kann als Vorlage für weiterführende empirische Forschungsarbeiten dienen. Anhand dieses teilstrukturierten Gesprächsleitfadens ist es möglich empirisch in Erhebungsstudien die folgenden Schwerpunktthemen herauszuarbeiten: • Wahrnehmung der elterlichen Alkoholprobleme; • Auswirkungen der elterlichen Alkoholprobleme; • Bewältigungsversuche der ganzen Familie.
Textauszug (computergeneriert)
- H A U S A R B E I T -
A L K O H O L W I R K U N G E N
A U F D I E F A M I L I E U N D A D O L E S Z E N Z -
E i n e S y s t e m a n a l y s e
Verfasser: Ralf-Peter Nungäßer
Fachbereich: Sozialpädagogik
Studienprojekt ,,Sucht & Drogen"
Fachhochschule: Frankfurt am Main
Frankfurt am Main, den 12.06.1992
Inhalt
Inhalt 2
Vorwort 5
Einleitung 7
1.0 Definitionen 9
1.1 Alkoholismus 9
1.2
Die Familie als System 11
2.0
Der Alkoholismus im Familiensystem 13
2.1 Systemische
Betrachtung 13
2.1.1
Forschungsverlauf in den USA 13
2.1.2
Forschungsverlauf im deutschen Sprachraum 13
2.1.3
Aspekte für die Familienbehandlung 14
2.2 Auswirkungen 15
2.2.1
Auf die Familie als Ganzes 15
2.2.2
Auswirkungen auf die Kinder 19
3.0
Entwicklung im Jugendalter 23
4.0
Entwicklung Jugendlicher in alkoholbelasteten Familien 29
5.0
Kategorienentwicklung für die Erstellung eines Interviewleitfaden zu den Erfahrungen
Jugendlicher in alkoholbelasteten Familien 34
5.1
Wahrnehmung der elterlichen Alkoholprobleme 34
5.1.1 Zeitpunkt 34
5.1.2 Verlauf/Ereignis 35
5.1.3
Merkmale des Alkoholikers 35
5.1.4 Verständigung
mit
dem
anderen Elternteil 35
5.2
Auswirkungen der elterlichen Alkoholprobleme 36
5.2.1 Entwicklung 36
5.2.2
Anforderungen und Aufgaben 37
5.2.3
Verhalten gegenüber dem Alkoholiker 37
5.2.4
Verhalten gegenüber dem gesunden Elternteil 37
5.3 Bewältigungsversuche 38
5.3.1 Des
Jugendlichen 38
5.3.2
Bewältigungsversuche des Kranken 38
5.3.3
Bewältigungsversuche der Angehörigen 39
2
6.0 Schlußbemerkung 40
Literaturverzeichnis 41
Anhang 45
Abbildung 1: Entwicklungsaufgaben nach Havighurst unter live-span Perspektive 45
3
Alkohol ist kein Problemlöser,
Alkohol macht Krank!
Alkohol verbindet nicht,
Alkohol löst Beziehungen auf!
Alkohol macht keinen Mut,
Alkohol weckt Scham!
Ralf-Peter Nungäßer
4
Vorwort
Um mich auf wissenschaftlichem Niveau mit dem Thema Sucht und Drogen, hier speziell mit
Alkoholismus respektive Alkoholismus im Familiensystem zu beschäftigen dient mir der
Rahmen des von Dr. Volker Happel initiierten und fachlich betreuten Drogenprojektes an der
Fachhochschule Frankfurt am Main am Fachbereich Sozialpädagogik.
Innerhalb dieses Projektes wurde unter anderem ideologisch kontrovers darüber
diskutiert, welche Bedeutung dem sozialen Umfeld (neben der individuellen Prädisposition
und dem Suchtstoff als solches) bei der Entwicklung und dem Verlauf einer Suchterkrankung
beizumessen sei. Auch die Situation von Jugendlichen, besonders in alkoholbelasteten
Familien, wurde dabei angesprochen und festgestellt, daß es hierzu vor allem
wissenschaftliche Ergebnisse aus dem angloamerikanischen Raum gibt. Im deutschsprachigen
Raum ist dieses Feld noch Neuland.
Die Bereitschaft einiger Gruppenmitglieder ihre eigenen Erfahrungen, die sie in ihrer
Familie bezüglich des Alkoholmißbrauchs gemacht hatten, miteinfließen zu lassen, brachte
der Diskussion neue Perspektiven. Aufgrund von bisherigen literarischen Studien zum Thema
wurde deutlich, daß sie bereits als Kinder, ohne es zu wissen, an den Verhaltensmustern des
alkoholabhängigen Elternteils teilgehabt hatten. Erst als junge Erwachsene erkennen sie
bewußt die Folgen für ihre eigene Entwicklung und versuchen damit umzugehen.
Im Laufe meiner berufspraktischen Tätigkeit an einer Schule für Suchtgefährdete
Jugendliche und Erwachsene (Hermann-Hesse-Schule), die ihren Schulabschluß nachholen
wollen, sowie in der Fachstelle Prävention des Vereins Arbeits- und Erziehungshilfe in
Frankfurt am Main (VAE), die in Schulen hervorragende Aufklärungsarbeit zum Thema
Sucht und Drogen leisten, lernte ich weitere Jugendliche aus alkoholbelasteten Familien
kennen. Von ihnen konnte ich in therapeutischen Settings erfahren, wie schwer es für sie ist,
ihren Alltag zu bewältigen.
Diese durch berufserfahrene Sozialpädagogen theoretisch und fachlich begleiteten und
reflektierten Praktikumserfahrungen sowie die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit
dieser Professionserfahrung im o.g. Drogenprojekt boten mir die Grundlage für eine zunächst
nähere theoretische Untersuchung dieses Problemfeldes sowie für die Idee, das Thema auch
an anderer Stelle empirisch zu untersuchen. Die vorliegende Arbeit soll meine Ergebnisse
dokumentieren. Desweiteren dient diese Hausarbeit als wissenschaftliches Presetting zur
5
Hauptuntersuchung im Rahmen der Vorbereitung meiner empirischen Diplomarbeit zum
Thema mit dem voraussichtlichem Arbeitsthema: ,,Alkoholismus im Familiensystem -
Erfahrungen Jugendlicher in alkoholbelasteten Familien. Eine empirische Erhebungsstudie".
An dieser Stelle bedanke ich mich bei meinen Praktikumsstellen, die es mir
ermöglichten, einen Einblick in die Suchtthematik Alkoholismus zu bekommen.
Abschließend gilt mein besonderer Dank Herrn Prof. Dr. Hans-Volker Happel, Professor des
Projektes ,,Sucht & Drogen" im Fachbereich Sozialpädagogik der Fachhochschule Frankfurt
am Main, der mir durch seine Anregungen die Umsetzung dieser Arbeit ermöglichte.
Frankfurt am Main, Juni 1992, Ralf-Peter Nungäßer
6
Einleitung
Nach üblichen Statistiken (Blaues Kreuz, 1987) sind in der Bundesrepublik Deutschland 1,8
Millionen, also etwa drei Prozent aller Bundesbürger, alkoholabhängig. Da aber die meisten
Alkoholiker nicht alleine leben, sondern Familie haben, sind 4 bis 5 Millionen Angehörige
unmittelbar vom Alkoholismus betroffen.
Alkoholabhängigkeit tritt meist im mittleren Lebensalter auf, zu einer Zeit in der
Kinder aufwachsen und erzogen werden, was auf das Ausmaß des Problems für die
beteiligten Kinder bzw. Jugendlichen hindeuten soll.
Während in der Literatur hauptsächlich auf die Auswirkungen alkoholauffälliger
Familien auf die Entwicklung im Kindesalter eingegangen wird, fehlen für den Bereich des
Jugendalters jedoch zuverlässige Untersuchungen. Ziel meiner Arbeit ist es daher, verstärkt
auf die betroffenen Jugendlichen einzugehen und von ihnen selbst zu erfahren, wie sie
versucht haben mit der elterlichen Sucht umzugehen.
Zunächst werden jedoch die für mein Thema relevanten Ausgangspunkte und
Problemstellungen besprochen bzw. Definitionen zur Hauptthematik festgelegt. In der
familientherapeutischen Literatur zu Suchtproblemen wird heute weitgehend davon
ausgegangen, daß Abhängigkeit nicht nur ein individuelles Problem, sondern immer auch ein
Familienproblem darstellt. Daher soll im Rahmen dieser Arbeit die Alkoholismusfamilie nach
systemischen Gesichtspunkten betrachtet werden.
Anschließend werden die Auswirkungen des Alkoholmißbrauchs besprochen, wobei
zwischen den Auswirkungen auf die Familie als Ganzes und den Auswirkungen auf die
Kinder unterschieden wird. Die in diesem Kapitel beschriebenen Folgen für die Kinder
können, wegen der fehlenden Unterscheidung in der vorhandenen Fachliteratur, zumindest
auch für das frühe Jugendalter gelten. Bevor ich dann näher auf die Entwicklung Jugendlicher
in alkoholbelasteten Familien eingehe, soll anhand des Entwicklungsaufgabenkonzeptes von
DREHER & DREHER (1985a) aufgezeigt werden, welche Aufgaben und Erwartungen für
die Adoleszenz geltend gemacht werden. Wenn auch die von ihnen aufgestellten
Entwicklungsaufgaben als Gebrauchsanleitung für das Erreichen eines Entwicklungszieles
mißverstanden werden können, haben sie dennoch einige ,Meilensteine′ für den
Entwicklungsabschnitt Adoleszenz zusammengetragen.
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