Scholary Paper (Seminar), 2001, 17 Pages
Author: Daniel Reichelt
Subject: Law - Miscellaneous
Details
Tags: Satire
Year: 2001
Pages: 17
Grade: 12 Punkte
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-15617-2
File size: 150 KB
Diese Arbeit steht methodisch und thematisch eher den Literaturwissenschaften und der ästhetischen Theorie als den Rechtswissenschaften nahe. Dennoch kann sie auch für Juristen von Interesse sein, die sich mit Geschichte, ästhetischer und moralischer Legitimation von Satire auseinandersetzen wollen. 275 KB
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Excerpt (computer-generated)
Seminar: Schutz persönlicher Entfaltung
und geistigen Eigentums im Zivilrecht,
Juristische Fakultät der Europa-Universität
Viadrina Frankfurt (Oder),
SS 2001
Seminararbeit:
Darf Satire wirklich alles?
Daniel Reichelt
4. FS Kulturwissenschaften
Inhalt
I. Begriffsbestimmung ... 3
II. Geschichte der Satire ... 4
III. Merkmale der Satire sowie innerhalb satirischer Texte wirksame Kategorien und Spannungsverhältnisse ... 8
IV. Darf Satire wirklich alles? Mögliche Ansätze zur Beantwortung der Frage ... 10
V. Schlussbemerkung ... 15
Literaturverzeichnis ... 17
“Dieser Text ist nicht ernst zu nehmen.
Er ist eine Satire.
Dieser Text ist verdammt ernst zu nehmen.
Er ist eine Satire.“1
I. Begriffsbestimmung
Der Satire-Begriff geht nach heute vorherrschender Meinung auf die lateinische lanx satura, eine mit verschiedenen Früchten gefüllte Opferschale, zurück. Weitere Herleitungen, besonders während der Spätantike und der Renaissance, nahmen den griechischen Satyr (ein legendäres Mischwesen aus Mensch und Bock) bzw. das griechische Satyrspiel als Quelle für den Begriff an, was angesichts der humoristischen und parodistischen Züge dieses Vorläufers der antiken Tragödie auch durchaus berechtigt erscheint, allerdings seit der Aufklärung als widerlegt gilt. Bis in die frühe Neuzeit hinein war “Satire“ die Bezeichnung einer speziellen literarischen Gattung, nämlich der Römischen Verssatire (siehe II.)2 Um 200 v.Chr. wurde der Begriff “Satura“ von Ennius für sein “Allerlei“ gemischter Gedichte (ohne eigentlichen satirischen Inhalt) verwandt und von Lucilian (siehe II.), der als Erfinder der Satire gilt, übernommen. Erst nach und nach begann sich der Begriff aufzuweichen und bezeichnet heute vor allem eine die Gattungen und Einzelkünste übergreifende Verfahrensweise, die genauer zu definieren sich die Philologie bisher jedoch sträubt. Die Disparität der Erscheinungsformen von Satire macht eine Abgrenzung zu anderen Kunstformen, die nicht dogmatisch sein will, schwierig und würde die Satireforschung eher behindern als voranbringen, zumal sich die Satire längst auch andere Medien wie Bild und Film erobert hat und “das Satirische“ oft nur ein Gestaltungselement unter vielen innerhalb eines Kunstwerkes ist. Im weitesten Sinne wird Satire als Spott oder humoristische Kritik eines bestimmten Sachverhaltes aufgefasst; zu den wichtigsten satirischen Gestaltungsmitteln gehören Negativität, Ironie, Nachahmung und Wiederholung, Verfremdung und Indirektheit. Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit sondern soll den Charakter der Satire nur grob umreißen. Eine detailliertere Darstellung wird im III. Abschnitt versucht werden.
II. Geschichte der Satire
Die Literaturgeschichte unterscheidet einen griechischen und einen römischen Zweig der antiken Satire. Begründer des ersten, der menippeischen oder varronischen Satire ist der Kyniker Menippos (3.Jh. v.Chr.), dessen mit Versen vermischte Form der Prosasatire im 1.Jh. v.Chr. von dem römischen Gelehrten Varro aufgegriffen wurde. Lukian (2.Jh. n.Chr.), der zu ihrem einflussreichsten Meister wurde, Seneca und Petron stehen ebenfalls in der Tradition der Menippea. Weitaus bedeutsamer und bekannter war in Antike und Mittelalter jedoch die auf Lucilian (2.Jh. v.Chr.) zurückgehende Verssatire, auch lucilische Satire genannt. Deren bedeutendste Vetreter im alten Rom waren Horaz (1.Jh. v.Chr.), Persius (1.Jh. n.Chr.) und Iuvenal (um 100 n.Chr.) Sie gelten als die drei Klassiker der Satire und waren durch das ganze Mittelalter hindurch bekannt, wobei Horaz einen gemäßigten, humorvollen Stil vertritt, zu dem Iuvenals beißende Gesellschaftskritik, die am ehesten der heutigen Vorstellung von Satire entspricht, oft in Opposition gesetzt wurde. Satirische Elemente finden sich auch in den Tierfabeln des Phaedrus und den Epigrammen Martials (beide 1.Jh. n.Chr.)
Das Mittelalter hat in seinen großen höfischen Epen keinen Platz für satirische Elemente. Diese finden sich vor allem im Tierepos (Heinrich von Glîchesaere: “Fvchs Reinhart“, um 1200), in der hauptsächlich an Iuvenal orientierten Ständesatire Heinrich von Melks, Heinrich Wittenwîlwers (um 1400) u.a., in der Sangspruchdichtung Walthers von der Vogelweide (um 1200) und den Liedern Neidharts von Reuental (Zeitgenosse Walthers). Offenkundig ist jedoch, dass Satire im MA sehr viel vermittelter als in der römischen Antike auftritt und ein historisches Gattungsbewusstsein als Satire weitgehend fehlt.
[...]
1 Wedel, 10.
2 Quintilians berühmte Doktrin “satura tota nostra est“ arbeitete der lange Zeit gültigen Einengung des Satirebegriffs auf die römischen Verssatiren, wie sie Horaz, Persius und Iuvenal verfassten, vor (Quintilian, Institutio oratoria, X 1, 93, zitiert nach Wenzelburger, 408).
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