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Thesis (M.A.), 2001, 105 Pages
Author: Carsten Böhmert
Subject: German Studies - Miscellaneous
Details
Tags: Jugendsprache, Soziolinguistik, Pragmatik, Sprachwissenschaft, Technokultur, Szene, House, Stil, Postmoderne, Individualisierung, Sampling, Dekontextualisierung
Year: 2001
Pages: 105
Grade: sehr gut
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-15618-9
ISBN (Book): 978-3-638-72651-1
File size: 826 KB
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Abstract
„Die goldenen Techno-Zeiten sind vorbei“, ist im Discoführer für Deutschland zu lesen. Doch „Techno“ ist noch immer einer der innovativsten Bereiche der deutschen Jugend- und Populärkultur. Das Phänomen Techno ist nach anfänglicher Zurückhaltung der Wissenschaft inzwischen aus nahezu allen Perspektiven analysiert und erklärt worden. Lediglich im sprachwissenschaftlichen Bereich finden sich bisher keine ausführlichen Untersuchungen, die sich ausschließlich mit Techno befassen. Das mag daran liegen, daß zu Technomusik für gewöhnlich nicht gesungen wird und es folglich auch keine interpretierbaren Texte gibt. Diese Erscheinung wird von den Feuilletons auch kulturpessimistisch als Inhaltslosigkeit und „Sprachverweigerung" ausgelegt. Dennoch widmet sich diese Arbeit der Technokultur und ihrem Umgang mit Sprache, denn ganz ohne Sprache kommt auch diese Jugendkultur nicht aus. Wichtige Begriffe und Redewendungen der Technoszene werden katalogisiert, ihre Bedeutung erklärt und ihre Verwendungsweise erläutert. Es wird gezeigt, wie Sprache im Kontext von Techno mit technospezifischen Mitteln als Sprachspiel verwendet wird und welche Folgen sich daraus ergeben. Die angewandte Methodik vereint Elemente der Soziolinguistik, der Jugendsprachforschung und der Cultural Studies. Diese Arbeit ist eine Systematisierung der übereinstimmenden Elemente von kultureller und sprachlicher Praxis. Die Prämisse ist, daß diese Praktiken in einem Wechselverhältnis zueinander stehen. In Hinblick auf Techno als Lebensstil und Kommunikationsform werden die Begrifflichkeiten, Werte und Verhaltensweisen der Technokultur eingehend erläutert. Das Prinzip des Samplings wird als ein durchgängig angewandtes, die Kommunikationsform Techno charakterisierendes Verfahren herausgestellt. Es wird gezeigt, daß Techno nicht inhaltslos ist, sondern mit Inhalten anders umgeht, als andere kulturelle Phänomene.
Excerpt (computer-generated)
Deutsche Philologie
Techno – eine neue Kommunikationsform
Hausarbeit
zur Erlangung des Magistergrades
der Philosophischen Fakultät
zu Münster, Westfalen
vorgelegt von
Carsten Böhmert
aus Köln
2001
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
1 Einleitung ... 1
1.1 Einführung in das Thema ... 1
1.2 Ziele der Arbeit ... 2
1.3 Methodik ... 3
2 Jugendsprache ... 5
2.1 Der Jugendbegriff ... 5
2.2 Begriffsklärung Jugendsprache ... 6
2.3 Jugendsprache und Standardsprache ... 7
2.4 Rückblick auf die deutsche Jugendsprachforschung ... 8
2.5 Merkmale von Jugendsprache ... 11
3 Technokultur ... 13
3.1 Musikalische Bestimmung ... 14
3.2 Geschichte ... 15
3.2.1 Geräusche und elektronische Klänge ... 15
3.2.2 Namensgebung House und Techno ... 16
3.2.3 Die Entwicklung in Europa ... 19
3.3 Zentrale Begrifflichkeiten ... 22
3.3.1 Der Warm-Up ... 22
3.3.2 Die Location ... 22
3.3.3 Der Rave ... 23
3.3.4 Der Chillout ... 25
3.3.5 Die Afterhour ... 26
3.3.6 Der Track ... 26
3.4 Discjockey-Musik ... 27
3.5 Autorbegriff und Kunstwerk ... 28
3.6 Lebensstil Techno ... 30
3.6.1 Tanz ... 30
3.6.2 Selbstverständnis ... 32
3.6.3 Musikstile ... 33
3.6.4 Mode ... 34
3.6.5 Körperlichkeit ... 36
3.6.6 Die Droge Ecstasy ... 37
3.6.7 Magazine und Fanzines ... 38
3.6.8 Flyer ... 40
3.7 Mentalitätsmuster der Technokultur ... 43
3.7.1 Technophilie ... 43
3.7.2 Mißbrauch der Geräte ... 46
3.7.3 Zukunftsorientierung ... 46
3.7.4 Kommunikation durch Konsum ... 48
3.7.5 Kollektivität vs. Egozentrizität ... 49
3.7.6 Spaß ... 50
3.7.7 Globalität, Lokalität – Glokalisierung ... 51
3.8 Das Prinzip Sampling ... 53
4 Kommunikationsform Techno ... 56
4.1 Der kommunikative Rahmen ... 56
4.2 Analyse von Musik-Charts ... 58
4.2.1 Vorgehensweise ... 58
4.2.2 Sprache und Mentalitätsmuster ... 60
4.3 Kommunikation in Medien ... 65
4.3.1 Tonträger ... 65
4.3.2 Musikrezensionen ... 66
4.3.3 Die Sprache in Fanzines ... 67
4.3.4 Externe Medien über Techno ... 71
4.3.5 Techno in Literatur und Dichtung ... 73
4.4 Merkmale von Technokommunikation ... 74
4.4.1 Sprachspiel ... 74
4.4.2 Sprachsampling ... 76
4.4.3 Kommunikation in Netzwerken ... 77
4.4.4 Zentrierung um wenige Themen ... 77
4.4.5 Anonymität des Autors ... 78
4.4.6 Slogans ... 79
4.4.7 Inhaltslosigkeit ... 80
4.5 Techno – eine sprachlose Kultur ... 80
5 Zusammenfassung ... 83
6 Literaturverzeichnis ... 86
7 Anhang ... 94
A Korpus Technocharts ... 94
B Bootlegging ... 96
C Flyer ... 97
D Anonymität der Künstler ... 98
E Raveline ... 99
F Visualisierung ... 100
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung
CD Compact Disc
DJ Discjockey
E Ecstasy
EBM Electronic Body Music
engl. englisch
et. al. et alii
etc. et cetera
frz. französisch
griech. Griechisch
z.B. zum Beispiel
1 Einleitung
1.1 Einführung in das Thema
„Die goldenen Techno-Zeiten sind vorbei“1, ist im Discoführer für Deutschland zu lesen. Doch im Jahr 2001 ist „Techno“2 noch immer einer der innovativsten Bereiche der deutschen Jugend- und Popkultur. In den letzten zehn Jahren hat sich Techno in Deutschland in vielfältiger Form präsentiert, wobei deutlich wurde, daß er mehr als ein kurzlebiger Trend ist. Inzwischen begegnet Techno vielen Menschen in ihrem Alltag, ohne daß es ihnen sonderlich auffällt. Im Radio und im Supermarkt läuft Technomusik. Die Fernsehsender unterlegen Vorschauen und Trailer des Abendprogramms mit Technomusik; Marketing-Konzepte von Internetfirmen und seriösen Banken bedienen sich ästhetischer Elemente der Technokultur.
Das augenfälligste Phänomen des Techno ist sicherlich die Berliner Loveparade, zu der sich jedes Jahr über eine Million Protagonisten dieser jugendlichen Praxis friedlich versammeln, um sich selbst und ihren Lebensstil zu feiern. Das Ausmaß dieser Veranstaltung beschreibt ein Augenzeuge:
„Es war die größte Party der Welt. Doppelt so viele Leute wie bei Woodstock, zehn mal mehr als beim Besuch des Papstes, mehr als bei der Wiedervereinigungsfeier, dreimal soviel los wie beim Gewinn der Europameisterschaft.“3
Kaum eine kulturelle Strömung der letzten Jahre konnte derart polarisieren wie Techno. Die Wirtschaft schwärmt von der hohen Kaufkraft des auf Konsum fixierten Technoklientels, Soziologen sehen in Techno ein Ende der klassenspezifischen Vergemeinschaftungen und die Medizin erforscht die Auswirkungen von Designerdrogen und lautstarker Musik auf die Körper jugendlicher Raver4. Kulturkritiker hingegen warnen vor Massenkultur, Kritiklosigkeit und Werteverfall. Politiker und Kirchen benutzen Techno, um ihr konservatives Image zu verbessern. So hieß die Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes am 1. Mai 1998 in Schwerin analog zur Loveparade Job-Parade und die evangelische Kirche versuchte zeitweise, mit Techno-Gottesdiensten Jugendliche an sich zu binden. Techno ist nach anfänglicher Zurückhaltung der Wissenschaft inzwischen aus nahezu allen Perspektiven analysiert und erklärt worden. Lediglich im sprachwissenschaftlichen Bereich finden sich bisher keine ausführlichen Untersuchungen, die sich ausschließlich mit Techno befassen. Das mag daran liegen, daß zu Technomusik für gewöhnlich nicht gesungen wird und es folglich auch keine interpretierbaren Texte gibt. Diese Erscheinung wird von den Feuilletons auch als Inhaltslosigkeit und „Sprachverweigerung“5 ausgelegt.
Dennoch widmet sich diese Arbeit der Technokultur und ihrem Umgang mit Sprache, denn ganz ohne Sprache kommt Techno nicht aus. Wichtige Begriffe und Redewendungen der Technoszene werden aufgeführt, ihre Bedeutung erklärt und ihre Verwendungsweise erläutert. Es wird gezeigt, wie Sprache im Kontext von Techno mit technospezifischen Mitteln verwendet wird und welche Folgen sich daraus ergeben.
Genau wie frühere Kulturphänomene läßt sich Techno als Spiegel, vielleicht sogar als Katalysator gesellschaftlicher Umwälzungen begreifen. Die Bruchstelle zu früheren Erscheinungen liegt darin, daß sich diese Erscheinung in erster Linie nicht als alternativer Protest gegen bestehende Verhältnisse versteht, sondern als Bestätigung der bestehenden Verhältnisse unter Betonung des individuellen Vergnügens.
1.2 Ziele der Arbeit
Diese Arbeit ist eine Systematisierung der übereinstimmenden Elemente von kultureller und sprachlicher Praxis. Die Prämisse ist, daß diese Praktiken in einem Wechselverhältnis zueinander stehen.
Da die Technokultur noch keine langen Traditionen aufweist, soll eine synchrone Bestandsaufnahme eines lebendigen, sich wandelnden Organismus erstellt werden. Ausgangspunkt dafür soll der Diskurs der Jugendsprachforschung sein, an den diese Arbeit anknüpfen will. Jugendsprachlich produktive Strukturen der Technokultur sollen als ein überregionales Phänomen beschrieben und erklärt werden. In Hinblick auf Techno als Lebensstil und Kommunikationsform sollen die Begrifflichkeiten, Werte und Verhaltensweisen der Technokultur eingehend erläutert werden. Das Prinzip des Samplings soll als ein durchgängig angewandtes, die Kommunikationsform Techno charakterisierendes Verfahren in Musik, Mode, Graphik und Kommunikation herausgestellt werden. Es soll gezeigt werden, daß Techno nicht inhaltslos ist, sondern mit Inhalten anders umgeht, als andere kulturelle Phänomene.
1.3 Methodik
Um die genannten Ziele erreichen zu können, ist es notwendig, Quellen einzubeziehen, die Einblicke in die kulturellen und sprachwissenschaftlich relevanten Zusammenhänge von Techno geben. Es gibt primäre Quellen, hauptsächlich sind diese Selbstdarstellungen der Szene, die in Form von Tonträgern, Büchern, Magazinen und Artikeln vorliegen. Kulturexterne, sekundäre Quellen wollen Techno aus einer Außenperspektive heraus systematisieren und verstehen. Diese finden sich in Tageszeitungen, Wochenmagazinen und wissenschaftlichen Untersuchungen über Techno.
Diese traditionelle Unterscheidung wird im Literaturverzeichnis jedoch nicht fortgeführt, da einige Werke, die einen Überblick über Techno geben wollen und damit eigentlich zur Sekundärliteratur zu rechnen sind, z.B. Localizer6, aufgrund ihrer technospezifischen Gestaltungsweisen wiederum als Quelle angesehen werden können. Eine Teilung in Quellen und Sekundärliteratur würde der Übersichtlichkeit schaden. Aus diesem Grund ist das Literaturverzeichnis vereinfachend rein alphabetisch angeordnet.
Darüber hinaus ist es notwendig, die Mechanismen der kulturellen Praxis Techno zu berücksichtigen, zu erleben und zu verstehen. Deshalb habe ich zur Vorbereitung auf diese Arbeit Orte technokultureller Praxis besucht und dort teilnehmend beobachtet. Weiterhin habe ich von Freunden und Bekannten, die aufgrund ihres Alters an Techno partizipiert haben oder noch immer Teil der Szene sind, Informationen erhalten.
Ich habe versucht, die Technokultur zu verstehen, um ihre Kommunikationen erklären zu können. Dabei gehe ich von der These aus, daß sich eine Jugendkultur durch Anwendung und Durchsetzung bestimmter Prinzipien, Interessen und Präferenzen entwickelt, die unter anderem auch in sprachlichen Verhaltensweisen zum Ausdruck kommen. Diese fallen in das Gebiet der Jugendsprachforschung, in deren Rahmen diese Arbeit einzuordnen ist.
In Anlehnung an die Subkulturanalysen im Centre for Contemporary Cultural Studies (CCCS)7 durch CLARKE ET. AL.8 und an die soziologischen Techno-Forschungen HITZLERS9 werden ethnographische Methoden zur Beschreibung der jugendlichen Teilkultur Techno verwendet. Die Cultural Studies sind vornehmlich im angelsächsischen Akademiebetrieb etabliert. Sie sind nicht als eine abgeschlossene Disziplin, sondern eher ein als in verschiedenen Disziplinen und über deren Grenzen hinaus praktizierter Forschungsstil zu begreifen. Weiterhin werden Methoden der Soziolinguistik10 verwendet, da eine rein sprachliche Untersuchung nur deskriptiv wäre und keine ausreichende Erklärung der Phänomene bieten würde.
Einige der verwendeten Texte sind ausschließlich oder ergänzend im Internet online abrufbar.11
[...]
1 Janke, K.; Niehues, S.: saturday night fever. Discoführer Deutschland. München. 1999. S. 66.
2 Im folgenden ohne Anführungszeichen.
3 Jürgen Laarmann. In: Frontpage. Nr.8. 1996. S.3.
4 Technospezifische Fachausdrücke werden wegen der besseren Lesbarkeit nur bei der ersten Erwähnung kursiv gekennzeichnet.
5 Bruckmaier, K.: Gibt es Mäuse auf dem Mars? In: Süddeutsche Zeitung. München. 11.04.1997. S.11.
6 Klanten, Robert (Hrsg.): Localizer 1.0 - the techno house book. Berlin. 1995.
7 Selbstdarstellung des CCCS In: Willis, P.: Spaß am Widerstand. Gegenkultur in der Arbeiterschule. Frankfurt/Main. 1979.
8 Vgl. Clarke, J. et. al. (Hrsg.): Jugendkultur als Widerstand. Milieus, Rituale, Provokationen. Frankfurt/Main. 1979.
9 Hitzler, R.: Der Pillen-Kick. Ekstasetechniken bei Techno-Events. In: Hirschauer, P. et. al. (Hrsg.): Neue Praxis. Zeitschrift für Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Sozialpolitik. Nr.4. Neuwied. 1997. S.357-363.
10 Vgl. Löffler, H.: Germanistische Soziolinguistik. Berlin. 1994.
11 Die Zitation von Internet-Quellen richtet sich nach Bleuel, Jens: Zitation von Internet-Quellen. Online im Internet abgerufen unter http://www.bleuel.com/ip-zit.pdf am 15.01.2001.
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