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Das Internet als Datenerhebungsquelle: Der Nonresponse-Fehler und Möglichkeiten seiner Reduktion

Scholary Paper (Seminar), 2007, 25 Pages
Author: Felix Depner
Subject: Psychology - Methods

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2007
Pages: 25
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 31  Entries
Language: German
Archive No.: V87317
ISBN (E-book): 978-3-638-03098-4
ISBN (Book): 978-3-638-92858-8
File size: 184 KB

Abstract

Das Internet hat sich in den letzten Jahren zu einem beliebten Informations- und Kommunikationsmedium entwickelt und einen enormen Zuwachs an Nutzern aufgewiesen. So hatten zum Beispiel in Deutschland im Jahr 2005 laut Statistischem Bundesamt 94% der Unternehmen und 62% der privaten Haushalte einen Internetzugang. 54% aller Personen zwischen 16 und 74 Jahren haben das Internet dabei regelmäßig – das heißt mindestens ein Mal pro Woche – genutzt. Diese Zahlen lassen das Internet für viele Forschungsdisziplinen immer interessanter werden, da Daten so schnell, global und kostengünstig gewonnen werden können. Das Internet als neue Quelle des Informationsgewinns nimmt dabei verschiedene Formen an, die ihre eigenen Vor- und Nachteile mit sich bringen. Während die Vorteile, wie zum Beispiel die hohen Einsparungen, meist schnell auf der Hand liegen, nimmt sich die Forschung erst allmählich der verschiedenen Probleme und deren möglichen Lösungen an, die das Internet zur Folge hat. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem spezifischen Problem der Antwortverweigerung, der auch als Nonresponse-Fehler bezeichnet wird, und mit den Möglichkeiten seiner Reduktion. Der erste Teil der Arbeit gibt einen allgemeinen Überblick über das Medium Internet als neue Möglichkeit der Datenerhebung. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Realisation von Fragebogenuntersuchungen im Internet und den Vorteilen und Fehlerquellen, die das Internet darbietet. Der zweite Teil greift den Nonresponse-Fehler als besonderes Problem heraus und erläutert dessen Ursachen und Folgen. Im dritten Teil soll dargestellt werden, wie man den Nonresponse-Fehler reduzieren kann. Dies soll anhand von verschiedenen Möglichkeiten und Techniken beschrieben und analysiert werden.


Excerpt (computer-generated)

Das Internet als Datenerhebungsquelle:

Der Nonresponse- Fehler und Möglichkeiten

seiner Reduktion

Seminararbeit im Rahmen des Schwerpunktseminars ,,Befragung und Befragtenverhalten"

im Herbstsemester 2006/2007

Lehrstuhl für Methoden der empirischen Sozialforschung.


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung - 3 -

2. Das Internet als Datenerhebungsquelle - 3 -

2.1 Realisation von Fragebogenuntersuchungen im Internet - 3 -

2.2. Vorteile von internetbasierten Befragungen - 6 -

2.3 Fehlerquellen - 8 -

3. Der Non-Response Fehler - 10 -

3.1 Definition von Nonresponse - 10 -

3.2 Formen des Nonresponse bei Web-Befragungen - 11 -

3.3. Gründe für Response - 12 -

3.4 Gründe für Nonresponse - 12 -

4. Möglichkeiten zur Reduktion des Nonresponse-Fehlers - 15 -

4.1 Incentives - 16 -

4.2. Themenstellung und Personalisierung der Ansprache - 17 -

4.3. Rekrutierungsstrategien - 17 -

4.4 Anonymität und Hinweise zum Datenschutz - 18 -

4.5 Die High-Hurdle Technik - 19 -

5. Fazit und Ausblick - 20 -

Literaturverzeichnis - 22 -

- 2 -


1. Einleitung

Das Internet hat sich in den letzten Jahren zu einem beliebten Informations- und

Kommunikationsmedium entwickelt und einen enormen Zuwachs an Nutzern aufgewiesen.

So hatten zum Beispiel in Deutschland im Jahr 2005 laut Statistischem Bundesamt 94% der

Unternehmen und 62% der privaten Haushalte einen Internetzugang. 54% aller Personen

zwischen 16 und 74 Jahren haben das Internet dabei regelmäßig ­ das heißt mindestens ein

Mal pro Woche ­ genutzt.1 Diese Zahlen lassen das Internet für viele Forschungsdisziplinen

immer interessanter werden, da Daten so schnell, global und kostengünstig gewonnen werden

können. Das Internet als neue Quelle des Informationsgewinns nimmt dabei verschiedene

Formen an, die ihre eigenen Vor- und Nachteile mit sich bringen. Während die Vorteile, wie

zum Beispiel die hohen Einsparungen, meist schnell auf der Hand liegen, nimmt sich die

Forschung erst allmählich der verschiedenen Probleme und deren möglichen Lösungen an, die

das Internet zur Folge hat. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem spezifischen

Problem der Antwortverweigerung, der auch als Nonresponse-Fehler bezeichnet wird, und

mit den Möglichkeiten seiner Reduktion.

Der erste Teil der Arbeit gibt einen allgemeinen Überblick über das Medium Internet als neue

Möglichkeit der Datenerhebung. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Realisation von

Fragebogenuntersuchungen im Internet und den Vorteilen und Fehlerquellen, die das Internet

darbietet. Der zweite Teil greift den Nonresponse-Fehler als besonderes Problem heraus und

erläutert dessen Ursachen und Folgen. Im dritten Teil soll dargestellt werden, wie man den

Nonresponse-Fehler reduzieren kann. Dies soll anhand von verschiedenen Möglichkeiten und

Techniken beschrieben und analysiert werden.

2. Das Internet als Datenerhebungsquelle

2.1 Realisation von Fragebogenuntersuchungen im Internet

Nach Batinic lassen sich internetbasierte Datenerhebungsverfahren in reaktive Verfahren und

in nicht-reaktive Verfahren untergliedern.2 Bei den reaktiven Verfahren ist eine aktive

Beteiligung des Benutzers notwendig. Bei den nichtreaktiven Verfahren wird das Verhalten

der Nutzer auf der Web Site beobachtet. Online-Umfragen gehören gemäß der

Kategorisierung zu den reaktiven Verfahren und können weiter in WWW- und E-Mail-

Befragungen unterteilt werden. Batinic & Bosnjak beziehen über E-Mail und WWW hinaus

auch Newsgroups als dritte Möglichkeit für die Durchführung von Online-Umfragen mit ein.

1 Vgl. Statistisches Bundesamt, 2006

2 Vgl. Batinic, 2001

- 3 -


Nicht reaktive Verfahren umfassen Angaben, die sich aus der Analyse der Logfiles3 und

Beobachtungen in virtuellen Welten wie beispielsweise der Internet Relay Chat4 ergeben. Im

Folgenden werden nur die Arten der Online-Umfrage per E-Mail, per NetNews und im World

Wide Web genauer beschrieben.

Bei einer

E-Mail- Befragung

wird ein Fragebogen an ausgewählte E-Mailadressen gesandt.

Der Empfänger soll den Fragebogen ausfüllen und dann auch per E-Mail zurücksenden.

Ergänzend kann eine Befragung auch erst per E-Mail angekündigt und um Teilnahme gebeten

werden. Erst wenn der Empfänger diese beantwortet, wird ihm dann der Fragebogen zugesandt.

Bei E-Mail Befragungen muss die Anonymität der Probanden aus datenschutzrechtlichen

Gründen gewährleistet sein. Dabei ist darauf zu achten das die angeschriebenen Adressen nicht

für alle Teilnehmer sichtbar werden.5 Diese Art der Befragung zeichnet sich im Vergleich zur

postalischen Befragung besonders durch ihre Schnelligkeit und Ökonomie aus. So ist es mittels

der Adressenverwaltung von E-Mail-Programmen möglich, einen Fragebogen gleichzeitig an

Tausende von E-Mail-Adressen zu senden, der innerhalb weniger Sekunden beim Adressaten im

Posteingang erscheint. Dies verspricht im Vergleich zur postalischen Befragung kürzere

Feldzeiten.6 Berücksichtigt werden muss bei E-Mail- Befragungen, dass die E-Mail vom

Empfänger unter Umständen als unerwünscht angesehen und gar nicht erst gelesen wird. Zudem

kommt es nicht selten vor, dass E-Mail-Adressen veraltet sind und vom Teilnehmer nicht mehr

abgerufen werden. So ergibt sich das Problem der Nicht-Erreichbarkeit von ausgewählten

Teilnehmern.

Eine weitere Möglichkeit für Online Befragungen sind die Befragungen per

NetNews

. Als

NetNews oder auch Newsgroups werden Diskussionsforen im Internet bezeichnet, in denen

jeder Teilnehmer Beiträge veröffentlichen oder in die Beiträge anderer Teilnehmer einsehen

kann. Jede NetNews besitzt ein bestimmtes Thema, so dass der Interessierte die für ihn

relevanten NetNews beziehen und sich darüber mit anderen unterhalten oder informieren

kann. Auf diese Weise können Fragebögen in NetNews veröffentlicht werden, die dann von

den Teilnehmern heruntergeladen, ausgefüllt und per E-Mail zurückgesandt werden.

Alternativ dazu können in Newsgroups auch nur Hinweise auf eine Befragung im WWW

veröffentlicht werden. Hier gelten dieselben Gestaltungsregeln und -einschränkungen von

Fragebögen wie sie für reine E-Mail-Befragungen existieren.7 Da die Publikation eines

3 Logfiles sind automatisch generierte Protokolle auf einem Server, welche detaillierte Informationen über die

Zugriffe bzw. Hits auf einzelne Internetseiten enthält, wie u. a. Datum und Uhrzeit des Zugriffs, IP-Adresse,

Browser-Typ, etc

4 Der Internet Relay Chat bezeichnet ein rein textbasiertes Chat-System

5 Vgl. Batinic & Bosnjak, 2000

6 Vgl. Batinic & Bosnjak, 2000

7 Vgl. Batinic & Bosnjak, 2000

- 4 -


Fragebogens in nur einer Newsgroup in der Regel zu einem geringen Rücklauf an

ausgefüllten Fragebögen führt, ist eine Veröffentlichung in mehreren Gruppen gleichzeitig

empfehlenswert.8 Problematisch bei NetNews ist insbesondere, dass solche News eher von

denjenigen bezogen werden, die sich selbst mit Umfragen beschäftigen und daher eine zu

selektive Zielgruppe für die meisten Befragungen darstellen.9 Weitere Verzerrungen im

Antwortverhalten können dadurch entstehen, dass es noch vor Ablauf der Erhebungsphase zu

öffentlichen Diskussionen über den Fragebogen kommen kann, wodurch die nachfolgenden

Teilnehmer unkontrollierbar beeinflusst werden könnten.10

Schließlich gibt es noch die Möglichkeit der

Fragebogenerhebung über das World Wide Web

.

Im Vergleich zu Befragungen per E-Mail und Befragungen in Newsgroups bieten

Fragebogenerhebungen über das WWW zwar vielfältigere Möglichkeiten in ihrer Gestaltung,

Auswertung und Analyse, erfordern aber auch technische Fähigkeiten auf Seiten des

Untersuchungsleiters. WWW-Fragebögen werden in der Seitenbeschreibungssprache HTML11

erstellt und dann zentral auf einem Internet-Server abgelegt und mit einer eindeutigen Adresse,

der sogenannten URL12 verbunden. Über diese Netzadresse können die Teilnehmer dann zu der

Fragebogenseite gelangen. In Online-Fragebögen können nicht nur mediale Elemente, wie zum

Beispiel Bilder, Grafiken und Sounds eingefügt werden, sondern sie bieten den Befragten durch

ihre multimedialen Gestaltungsmöglichkeiten auch Vereinfachungen was ihre Handhabung

anbelangt.13 So ist es zum Beispiel möglich, den Teilnehmern selektierbare Antwortalternativen

anzubieten oder durch automatische Filterführungen die für sie irrelevanten Fragen gar nicht erst

anzuzeigen. Vereinfachungen auf Seiten der Untersuchungsleitung bietet dieses Verfahren

insbesondere durch die automatische Dokumentation der Daten. Die Antwortdaten können ohne

manuellen Mehraufwand sofort ausgewertet werden. Die Analyse ermöglicht dem

Untersuchungsleiter sowohl einen Überblick über den Ablauf der Teilnahme, als auch eine

Bestimmung der Rücklaufquote. Batinic sieht insbesondere im Bezug auf Befragungen im WWW

eine Bereicherung für die empirische Forschung.14 Es gibt jedoch auch Bedenken bezüglich der

Qualität der im Internet erhobenen Daten.15

8 Vgl. Batinic & Bosnjak, 2000

9 Vgl. Hauptmanns, 1999, S. 24

10 Vgl. Batinic & Bosnjak, 2000, S. 292

11HTML =Hypertext Markup Language. HTML ist eine Sprache bzw. Konvention zur Erstellung des

Grundgerüstes von Internetseiten

12 Uniform Resource Location oder auch eindeutige Darstellung einer Internetadresse

13 Vgl. Hauptmanns, 1999

14 Vgl. Batinic, 2001, S. 96

15 Vgl. Bandilla, 1999

- 5 -


2.2. Vorteile von internetbasierten Befragungen

Nach Batinic und Bosnjak erweitert das Internet die Einsatzmöglichkeiten des Computers um

den Aspekt der Kommunikationsvermittlung.16 In Anlehnung an Batinic und Bosnjak lassen

sich

die

Perspektiven

und

Innovationen

für

im

Internet

durchgeführte

Fragebogenuntersuchungen anhand sieben wesentlicher Merkmale verdeutlichen: 17

1.) Bei der

Asynchronität

sind die Fragebogenuntersuchungen nicht an eine bestimmte

Tages- oder Nachtzeit gebunden, da ein Online-Fragebogen sowohl im WWW, als

auch per E-Mail zu jeder Zeit abrufbereit ist.18 Die Probanden können also, ähnlich

wie bei schriftlichen Befragungen, den Zeitpunkt der Beantwortung des Fragebogens

selbst bestimmen.19

2.) Die

Alokalität

von Online-Befragungen bezeichnet die Unabhängigkeit des Ortes, da

über jeden Rechner mit entsprechendem Online-Zugang von jedem Ort dieser Welt

eine Verbindung zum Internet möglich ist. Online-Befragungen sind ebenfalls

unabhängig vom Ort der Untersuchungsteilnehmer und -leiter durchführbar. Sie

ermöglichen eine Rekrutierung der Teilnehmer ohne großen Aufwand.20

3.) Durch die Programmierung von Prozessabfolgen und Filtern wird bei der

Automatisierbarkeit

der Proband ohne weiteres zutun des Untersuchungsleiters durch

den internetbasierten Fragebogen geführt. Zudem können die eingegebenen Daten

direkt in einer Datenbank gespeichert und dadurch ausgewertet werden.21 Ebenso

vorteilhaft sind Möglichkeiten zur Randomisierung von Reihenfolgen in

Antwortlisten.22

4.) Ein weiterer Vorteil betrifft die

Dokumentation

. Darunter ist zu verstehen, dass bei

der Durchführung von Online-Umfragen automatisch Meta-Daten über den

Bearbeitungsprozess erhoben werden, wie beispielsweise Informationen über den

Zeitpunkt der Antwort, Dauer oder Unterbrechungen bei der Bearbeitung des

Fragebogens. Diese Meta-Daten werden über das Befragungssystem automatisiert

protokolliert. Somit ist der Aufbau gesonderter Dokumentationssysteme überflüssig.23

5.) Die

Flexibilität

zeichnet sich dadurch aus, dass im Vergleich zu klassischen

Methoden, wie zum Beispiel Papier und Bleistift- Befragungen, die multimedialen

16 Vgl. Batinic & Bosnjak, 2000, S. 287

17 Vgl. Batinic & Bosnjak, 2000, S. 311f

18 Vgl. Gadeib, 1999

19 Vgl. Batinic, 2001

20 Vgl. Gadeib, 1999

21 Vgl. Batinic, 2001

22 Vgl. Batinic & Bosnjak, 2000

23 Vgl. Batinic & Bosnjak, 2000

- 6 -



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