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Weibliche Persönlichkeitsbildung, Liebe und Sexualität in der 'Geschichte des Fräuleins von Sternheim' und 'Mauprat'

Scholary Paper (Seminar), 2002, 16 Pages
Author: Alexandra Meier
Subject: German Studies - Comparative Literature

Details

Event: Proseminar: Bildungsgeschichte aus weiblicher Sicht
Institution/College: Saarland University (Komparatistik)
Tags: Sexualität, Bildung, Gewalt, Erziehung
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2002
Pages: 16
Grade: 2
Language: German
Archive No.: V8764
ISBN (E-book): 978-3-638-15654-7

File size: 173 KB


Excerpt (computer-generated)

Weibliche Persönlichkeitsbildung, Liebe und Sexualität
in der ′Geschichte des Fräuleins von Sternheim′ und ′Mauprat′

von Alexandra Meier


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung S.3

2. Sexualität im weiblichen Bildungsmodell
der Jahrhundertwende S.4

3. Fiktion oder Realität? Liebe
und Sexualität in den Romanen S.6

3.1 Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim S.6
3.2 Mauprat S.10

4. Schluss S.13

5. Literaturverzeichnis S.14

5.1 Quellen
5.2 Sekundärliteratur
5.2.1 Selbständig erschienene Publikationen
5.2.2 Unselbständig erschienene Publikationen

 

1. Einleitung:

"[...] von jungen Mädchen findet man′s entsetzlich, wenn sie ein Selbst sein wollen, sie dürfen überhaupt nichts sein, im besten Falle eine Wohnstubendekoration oder ein brauchbares Haustier, von tausend lächerlichen Vorurteilen eingeengt. Die geistige Ausbildung wird vollständig vernachlässigt, schändlich ist′s, dass man in ihrer Erziehung und Lebensweise immer versucht, ihre Sinnlichkeit zu reizen, um sie zu verheiraten, ‚damit sie ihren Beruf erfüllen′ - und dann vollständig im Haushalt und dergleichen versumpfen. [...]"

Der Ruf nach Gleichberechtigung von Mann und Frau war schon Ende des 19. Jahrhunderts zu hören, wenn auch selten so deutlich wie in diesem Brief von Franziska zu Reventlow an einen Freund. Inwiefern der Mangel an Gleichberechtigung auch die intimsten Bereiche des Lebens - Liebe und Sexualität - berührte und damit Einfluss auf das weibliche Bildungsmodell in Realität und Literatur nahm, soll in dieser Arbeit dargestellt werden. Zu diesem Zweck sollen die Romane "Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim" und "Mauprat" unter dem Gesichtspunkt der Sexualität beziehungsweise Liebe sowie der damit verknüpften Persönlichkeitsbildung untersucht werden.

Zunächst werde ich einen kurzen Abriss über die gesellschaftlichen Verhältnisse und Normen geben - hierbei soll des Umfangs wegen nur auf die Sexualität betreffende Vorgaben eingegangen werden - um danach auf die explizite Thematisierung der Sexualität in der "Geschichte des Fräuleins von Sternheim" und in "Mauprat" einzugehen. Hier soll insbesondere die Verbindung von Sexualität und Gewalt sowie ihr Stellenwert und ihr Bezug zum Bildungsmodell in der gesellschaftlichen Realität der Jahrhundertwende dargestellt werden.

2. Sexualität im weiblichen Bildungsmodell der Jahrhundertwende

Die gesellschaftliche Situation der Frau im 18. und 19. Jahrhundert ist grundsätzlich bestimmt von einer starken wirtschaftlichen Abhängigkeit. Die Frau ist auf eine enge Bindung an den Mann angewiesen, vor der Heirat sorgt ihr Vater, nach der Heirat ihr Mann für sie.
"Die Frau wechselt mit der Heirat nur den Herrn, an die Stelle des pater familias tritt der Ehemann, der nun seinerseits über die Lebensführung der Frau wacht, ihren Wohnsitz bestimmt, ihre Korrespondenz überwachen darf, die Alleinverwaltung ihrer Güter übernimmt etc."

Zusätzlich wird ihr oftmals sogar die Wahl des Ehemannes nicht selbst überlassen, üblich ist immer noch die Konvenienzehe, bei der die Eltern den Ehemann nach Herkunft und Besitztümern auswählen. Die Frau ist also in nahezu allen Bereichen ihres Lebens fremdbestimmt.

Diese Abhängigkeit wirkt natürlich auch auf das Erziehungs- und Bildungsmodell dieser Zeit ein und wird von diesem Modell wiederum begünstigt: Die Bildung der Frau rechtfertigt sich einzig und allein durch ihre Nützlichkeit. Sie ist nicht Selbstzweck, sondern dient dem Ziel, [...]


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