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Diplomarbeit, 2006, 559 Seiten
Autor: Tobias Schilling
Fach: Medien / Kommunikation - Medienökonomie, -management
Details
Tags: Blick, Tellerrand, Qualtätsmanagements, Regionalredaktionen, Regionalzeitungen
Jahr: 2006
Seiten: 559
Note: 1,5
Literaturverzeichnis: ~ 66 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-06349-4
Dateigröße: 3362 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Die Regionalzeitungen befinden sich auf Heimatkurs. Das Lokale und das Regionale sind für den Leser wichtig. Hier liegt die Kernkompetenz der regionalen Tageszeitung. Die Arbeit zeigt, wie zwei Tageszeitungen in Sachsen und Sachsen-Anhalt, regionale und lokale Informationen durch ein gezieltes Redaktionsmanagement verstärkt ins Blatt heben wollen. SIe zeigt auch, welche Fehler dabei passieren können und zeigt Handlungsempfehlungen für Redaktionen auf.
Textauszug (computergeneriert)
Blick über den Tellerrand
Qualitätsmanagement in Regionalredaktionen von Regionalzeitungen
Eine vergleichende Untersuchung der Strukturen von
Sächsischer Zeitung
und
Mitteldeutscher Zeitung
Diplomarbeit
zur Erlangung des akademischen Grades
,,Diplom-Journalist"
am
Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft
der Universität Leipzig
Abteilung Allgemeine und Spezielle Journalistik
von: Tobias Schilling
25.08.2006
für Mary
Ein herzliches Dankeschön gilt Herrn Professor Dr. Michael Haller, der der Idee
der Arbeit stets wohlwollend gegenüberstand und mir seine hilfreichen
Anmerkungen selbst aus dem Urlaub zukommen ließ. Ebenfalls danke ich Herrn
Torsten Kleditzsch, stellvertretender Chefredakteur der
Mitteldeutschen Zeitung
und Herrn Thomas Bärsch, geschäftsführender Chefredakteur der
Sächsischen
Zeitung
für ihre Offenheit gegenüber dem Thema und die Unterstützung bei der
Umsetzung. Weiter sei auch den Chefredakteuren, Regionalchefs, Lokalchefs und
Redakteuren gedankt, die langwierige Interviews, kniffelige Fragebögen und eine
einwöchige Beobachtung über sich ergehen ließen.
Ich danke außerdem meiner lieben Frau Marilyn, die viel Zeit in die Korrektur der
Arbeit investierte und lange Zeit auf meine physische und auch psychische
Anwesenheit verzichten musste.
Tobias Schilling
Leipzig, den 25. August 2006
2
Inhalt
1.
Einleitung 7
2.
Forschungskontext, Forschungsansatz und -design 8
2.1.
Forschungskontext 8
2.1.1.
Theoretischer Bezugsrahmen 8
2.1.1.1.
Demokratietheoretische Anforderungen an den Journalismus 8
2.1.1.2.
Die Redaktionsforschung: Von Mr. Gates zur Systemperspektive 10
2.1.1.3.
Verortung des Problemfeldes ,,Redaktionsmanagement" im System
der Massenmedien 10
2.1.2.
Redaktionsmanagement 11
2.1.2.1.
Definition Redaktionsmanagement 11
2.1.2.2.
Dimensionen / Funktionen des Redaktionsmanagements 12
2.1.2.2.1. Qualitätsmanagement 13
2.1.2.2.2. Redaktionsorganisation 21
2.1.2.2.3. Personalmanagement 26
2.1.2.2.4. Kommunikationsmanagement 31
2.1.2.2.5. Kostenmanagement 33
2.1.2.2.6. Redaktionelles Marketing 35
2.1.2.3.
Zusammenfassung: Anforderungen an ein modernes
Redaktionsmanagement 40
2.1.3.
Regionalisierung bei regionalen Tageszeitungen 41
2.1.3.1.
Definition der Region 41
2.1.3.2.
Regionalisierung und ihre Folgen 43
2.1.3.3.
Definition Regionalredaktion 46
2.1.3.4.
Regionale Berichterstattung 46
2.1.4.
Veröffentlichungen zum Thema der Arbeit 47
2.2.
Forschungsansatz und Thesenbildung 48
2.2.1.
Erkenntnisinteresse und Forschungsfragen 48
2.2.2.
Bildung von Forschungsthesen 49
2.3.
Forschungsdesign 50
2.3.1.
Wahl und Planung der Forschungstechnik 50
2.3.1.1.
Befragung 50
2.3.1.2.
Beobachtung 51
2.3.1.3.
Inhaltsanalytische Häufigkeitenzählung 52
2.3.2.
Gegenstand und Zeitraum der Untersuchung 53
3
3.
SZ und MZ im Kontext der Situation von Regionalzeitungen in
den neuen Bundesländern 54
3.1.
Regionalzeitungen in Ostdeutschland 54
3.2.
Sächsische Zeitung 55
3.3.
Mitteldeutsche Zeitung 55
4.
Auswertung und Interpretation 56
4.1.
Vergleich der Regionalisierungskonzepte von Mitteldeutscher und
Sächsischer Zeitung 56
4.1.1.
Zusammenfassende Darstellung der Befunde 56
4.2.
Vergleich der Grundeinstellungen der einzelnen Redaktionsebenen
nach Grundsatz des Total-Quality-Management (TQM) 62
4.2.1.
Mitteldeutsche Zeitung (Zusammenfassende Darstellung der
Befunde) 62
4.2.2.
Sächsische Zeitung (Zusammenfassende Darstellung der Befunde)
68
4.2.3.
Fazit 73
4.3.
Praktische Umsetzung der Konzepte von Mitteldeutscher und
Sächsischer Zeitung 74
4.3.1.
Ergebnisse der Redaktionsbeobachtung 74
4.3.1.1.
Beobachtete Tätigkeiten 74
4.3.1.1.1. Tätigkeiten der Leiter von Regionalredaktionen: Vergleich zwischen den
Zeitungen 74
4.3.1.1.2. Tätigkeiten der Regionalredakteure: Vergleich zwischen den Zeitungen 76
4.3.1.1.3. Zeitaufwand für Tätigkeiten der Redaktionsebenen: Zeitungsinterner Vergleich.. 79
4.3.1.1.4. Zusammenfassende Darstellung der Befunde 81
4.3.1.2.
Beobachtetes Qualitätsmanagement 82
4.3.1.2.1. Redaktionskonferenzen 82
4.3.1.2.2. Abnahme und Korrektur der Beiträge 85
4.3.1.2.3. Zusammenfassung 86
4.3.2.
Ergebnisse der Themenprotokollierung 87
4.3.2.1.
Redaktionsinterne Quellen der Themen / Beiträge der einzelnen
Redaktionsebenen 87
4.3.2.2.
Geplante Platzierung der Themen / Beiträge der einzelnen
Redaktionsebenen 89
4.3.2.3.
Zusammenfassung 91
4.3.3.
Ergebnisse der Inhaltsanalyse 92
4.3.3.1.
Geografischer und regionaler Blickwinkel 92
4.3.3.1.1. Regionale Beiträge im Mantel 93
4.3.3.1.2. Regionale Beiträge im Lokalteil 97
4.3.3.1.3. Regionaler Charakter einzelner Seiten 100
4.3.3.2.
Lage regionaler und lokaler Beiträge im Gebiet geografischen
Leserinteresses 102
4.3.3.2.1. Lokalausgabe Meißen, Sächsische Zeitung 103
4.3.3.2.2. Lokalausgabe Riesa, Sächsische Zeitung 104
4.3.3.2.3. Lokalausgabe Dessau, Mitteldeutsche Zeitung 105
4.3.3.2.4. Lokalausgabe Bernburg, Mitteldeutsche Zeitung 106
4
4.3.3.3.
Aktualität einzelner Seiten im Vergleich 106
4.3.3.4.
Umfang regionaler und lokaler Beiträge 108
4.3.3.4.1. Umfang regionaler und lokaler Beiträge im Mantel 109
4.3.3.4.2. Umfang regionaler und lokaler Beiträge im Lokalteil 111
4.3.3.5.
Zusammenfassung 112
5.
Konzepte, Einstellungen und die praktische Umsetzung 115
5.1.
Sächsische Zeitung 115
5.2.
Mitteldeutsche Zeitung 117
5.3.
Einschätzung 119
6.
Fazit 120
6.1.
Bestätigung oder Widerlegung der Forschungsthesen 120
6.2.
Qualitätsziel / Strategische Qualitätsplanung 123
6.3.
Qualitätsumsetzung / Konkretion 123
6.4.
Qualitätskontrolle / Evaluation 126
6.5.
Empfehlungen 127
Literaturverzeichnis 129
Verwendete Abkürzungen 134
5
Verzeichnis der Abbildungen
Schaubild 1: Zusammenhang von redaktionellem Marketing, publizistischer
Qualitätssicherung und Redaktionsmanagement 36
Schaubild 2: Integriertes Verlagsmarketing 39
Schaubild 3: Tätigkeiten der Regionalchefs nach Zeitaufwand 75
Schaubild 4: Tätigkeiten der Regionalredakteure nach Zeitaufwand 77
Schaubild 5: Tätigkeiten der Producer (SZ) nach Zeitaufwand 78
Schaubild 6: Zeitaufwand für Tätigkeiten nach Redaktionsebene (SZ) 79
Schaubild 7: Zeitaufwand für Tätigkeiten nach Redaktionsebene (MZ) 80
Schaubild 8: Themenursprung nach Redaktionsebenen der SZ 87
Schaubild 9: Themenursprung nach Redaktionsebene der MZ 88
Schaubild 10: SZ: Geplante Platzierung von Themen nach Redaktionsebene... 90
Schaubild 11: MZ: Geplante Platzierung von Themen nach Redaktionsebene 91
Schaubild 12: SZ-Meißen: Geografischer Blickwinkel im Mantel nach Zeitpunkt
93
Schaubild 13: SZ-Riesa: Geografischer Blickwinkel im Mantel nach Zeitpunkt94
Schaubild 14: MZ-Dessau: Geograf. Blickwinkel im Mantel nach Zeitpunkt... 95
Schaubild 15: MZ-Bernburg: Geograf. Blickwinkel im Mantel nach Zeitpunkt96
Schaubild 16: SZ-Meißen: Geograf. Blickwinkel im Lokalteil nach Zeitpunkt 97
Schaubild 17: SZ-Riesa: Geografischer Blickwinkel im Lokalteil nach Zeitpunkt
98
Schaubild 18: MZ-Dessau: Geograf. Blickwinkel im Lokalteil nach Zeitpunkt 99
Schaubild 19: MZ-Bernburg: Geograf. Blickwinkel im Lokalteil nach Zeitpunkt
100
Schaubild 20: SZ: Regionaler Charakter ausgewählter Seitentitel nach Zeitpunkt
101
Schaubild 21: MZ: Regionaler Charakter einzelner Seitentitel mit
Regionalredaktion 102
Schaubild 22: SZ-Meißen: Lage regionaler und lokaler Beiträge im Gebiet
geografischen Leserinteresses (definiert durch Chefredaktion) 103
Schaubild 23: SZ-Riesa: Lage regionaler und lokaler Beiträge im Gebiet
geografischen
Leserinteresses (definiert durch Chefredaktion) 104
Schaubild 24: MZ-Dessau: Lage regionaler und lokaler Beiträge im Gebiet
geografischen
Leserinteresses (definiert durch Chefredaktion) 105
Schaubild 25: MZ-Bernburg: Lage regionaler und lokaler Beiträge im Gebiet
geografischen Leserinteresse (definiert durch Chefredaktion) 106
Schaubild 26: SZ: Aktualität einzelner Seitentitel mit Regionalredaktion 107
Schaubild 27: MZ: Aktualität einzelner Seitentitel mit Regionalredaktion 108
Schaubild 28: SZ: Umfang intraregionaler, interregionaler und lokaler Beiträge im
Mantel nach Zeitpunkt 109
Schaubild 29: MZ: Umfang intraregionaler, interregionaler und lokaler Beiträge
im Mantel nach Zeitpunkt 110
Schaubild 30: SZ: Umfang intraregionaler und interregionaler Beiträge im
Lokalteil nach Zeitpunkt 111
Schaubild 31: MZ: Umfang intraregionaler und interregionaler Beiträge im
Lokalteil nach Zeitpunkt 112
6
1. Einleitung
,,Vom Verlags- und Redaktionsmanagement der Zeitungen wird es beispielsweise
abhängen, welche Rolle künftig diese gedruckten Medien spielen werden, wie sich
ihre Marktanteile entwickeln und ob sie ihre Märkte verteidigen oder gar
ausweiten können." (Mast 1999: 8)
,,Print unter Druck" hieß es bereits 1993.1 Das veränderte Rezeptionsverhalten der
Leser, die sinkenden Medienbudgets der Kunden und die folglich stetig
abnehmenden Auflagenzahlen drängten und drängen die Zeitungsverlagen zu
einem verstärkten Innovationskurs. Die Zeitungskrise Anfang des neuen
Jahrtausends verschärfte diesen Druck zudem noch einmal drastisch. Um sich
gerade im intermediären Wettbewerb behaupten zu können, definierten viele
Zeitungsverlage ihre ,,Rolle" neu und besannen sich auf ihre Kernkompetenz: Die
regionale und lokale Berichterstattung. Gleichzeitig versuchte man vielerorts, die
Qualität der Berichterstattung durch die unterschiedlichsten Instrumente zu heben.
Und nicht zu vergessen: Die Kosten für die redaktionelle Arbeit sollten ebenfalls
den ökonomischen Rahmenbedingungen angepasst werden. Diese Trias an Zielen
lässt sich nicht schnell mal im Redaktionsalltag umsetzen, sondern bedarf eines
durchdachten Redaktions- und damit letztlich auch Qualitätsmanagements. Es ist
daher Claudia Mast in ihrer oben zitierten Ansicht beizupflichten, dass die
Ausgestaltung des Redaktionsmanagements wesentlich über Zukunft der Verlage
mitentscheiden wird.
Die vorliegende Arbeit widmet sich dabei den Wegen, die zwei Regionalzeitungen
in den neuen Bundesländern in ihrem Redaktionsmanagement eingeschlagen
haben, um eben diese drei Ziele in die Praxis umzusetzen. Die im Süden Sachsen-
Anhalts verbreitete
Mitteldeutsche Zeitung
und die überwiegend in Ostsachsen
beheimatete
Sächsische Zeitung
versuchen mit der zusätzlichen Produktions- und
Hierarchieebene einer
REGIONALREDAKTION
ihre Kernkompetenz der
regional-lokalen Berichterstattung auszubauen, folglich die Bindung der Leser an
das Blatt zu stärken und ihre eigene Zukunft zu sichern. Mit dieser Arbeit sollen
diese ,,Wege" systematisch ,,bewandert" und auch in Bezug auf ihren Erfolg
miteinander verglichen werden.
1 ,,Print unter Durck" lautete der Titel der Analyse des Verlagsmanagements von österreichischen
und deutschen Zeitungen von Ingrid Neverla und Ingeborg Susie Walch aus dem Jahre 1993.
7
2. Forschungskontext, Forschungsansatz und -design
2.1. Forschungskontext
2.1.1. Theoretischer Bezugsrahmen
2.1.1.1.
Demokratietheoretische Anforderungen an den Journalismus
Den theoretischen Bezugsrahmen für vorliegende Arbeit liefern vor allem
demokratietheoretische Anforderungen an den Journalismus. Denn auch den
regionalen Medien und darin inbegriffen den lokalen Medien kommt die
Aufgabe der Vermittlung von Politik und Ermöglichung von Partizipation zu.
Lokale und regionale Medien nehmen in diesem Kontext verschiedene
Funktionen wahr. JONSCHER attestiert den lokalen Medien diesbezüglich eine
,,demokratietheoretische Legitimation"2 (JONSCHER 1995: 124). So stellen sie
zum einen Öffentlichkeit her, die als Informationsbasis der Partizipation von
Bürgern am öffentlichen Geschehen dient
(Informationsfunktion)
und schaffen
ein Gemeinschaftsbewusstsein unter den Bürgern
(Integrationsfunktion)
.
Zudem stellen sie gegenüber staatlichen Behörden und Parteien einen kritischen
und kontrollierenden Beobachter dar
(Kritik- und Kontrollfunktion)
.
Außerdem sorgen sie für kommunalpolitische und soziale Phantasie
(Impulsfunktion)
,
Unterhaltung
(Unterhaltungsfunktion)
(Vgl.
WEISCHENBERG et al. 1994: 142)
sowie politische
Bildung und Erziehung
(Vgl. HUBER 1986: 130). ,,Die Qualität der Lokalberichterstattung ist
mitentscheidend dafür, inwieweit den Menschen eine demokratische
Mitgestaltung ihres persönlichen Lebensumfeldes ermöglicht wird"
(SCHNEIDER, et al, 2000: 15).
SCHNEIDER et. al gehen zudem davon aus, dass diese Vermittlungsleistung im
Sinne einer sozialen Orientierung zunehmend an Bedeutung gewinnt.3 Das liegt
unter anderem daran, dass viele Entscheidungen vor Ort also etwa im Kreis-
2 Jonscher (1995): 124; nach Jonscher nimmt die demokratietheoretische Legitimation auch
aufgrund eines Rückgangs der personalen Kommunikation zugunsten der
Massenkommunikation zu, die durch die zunehmende räumliche und zeitliche Trennung der
Kommunikationspartner verursacht wird. (Vgl. JONSCHER 1995: 16)
3 Eine detaillierte und anschauliche Darstellung der gesellschaftlichen und politischen
Funktionen von Massenmedien findet sich bei MÖHRING 2001: 17ff.
8
oder Gemeinderat - auf unterschiedlichen Wegen an Vorgaben und
Entscheidungen auf Ebene der Länder, des Bundes oder der Europäischen Union
gekoppelt sind beziehungsweise von diesen abhängen. Die Verlagerung von
Arbeitsplätzen ins Ausland, das Engagement ausländischer Unternehmer vor
der eigenen Haustür und seien es nur die billigen Brötchen aus der
tschechischen Bäckereifiliale um die Ecke. Die Globalisierung (und damit auch
ihre Schatten) findet nicht in irrealen Sphären statt, sondern betrifft die
Menschen direkt in ihrem Lebensumfeld.
Dabei sind nach Auffassung von SCHNEIDER et al. in den neuen Ländern die
politischen und gesellschaftlich-sozialen Funktionen lokaler Kommunikation in
ihrer Bedeutung noch höher einzuschätzen als in den alten Bundesländern (Vgl.
SCHNEIDER et al. 2000: 15). Dies liegt unter anderem an den weiter
notwendigen Sanierungs-, Infrastruktur- und sonstigen Investitionsmaßnahmen,
bei deren Entscheidung und Gestaltung ein aktiver demokratischer
Willensbildungsprozess notwendig ist. Außerdem verweisen SCHNEIDER et al.
darauf, dass es auch Jahre nach der deutschen Einheit an demokratischen
Traditionen des Gemeinwesens fehlt.
Orientierung und Integration sind daher die Schlüsselwörter, der Ansicht ist
auch HALLER (zitiert in: RÖPER et al. in DIE ZEIT Nr. 29 vom 11.07.1997).
Die Anordnung der Nachrichten auf der Zeitungsseite verschaffe dem Leser im
Wust der Informationen ein tägliches Weltbild, das Service-Angebot binde ihn
in das Ortsgeschehen ein. ,,`Wir lassen niemanden zurück´, dieser alte DDR-
Slogan sollte, so Haller, Konzept jeder Regionalzeitung sein" (RÖPER et al. in
DIE ZEIT Nr. 29 vom 11.07.1997).
Ein nicht von der Hand zu weisender Zusammenhang zwischen politischen und
gesellschaftlichen Veränderungen und der Vermittlungsfunktion lokaler und
regionaler Medien besteht zudem hinsichtlich der Gebietsreformen, die in den
Bundesländern der untersuchten Zeitungen im Zeitraum des Entstehens der
Arbeit diskutiert beziehungsweise umgesetzt wurden. Es wäre demnach ein
9
weiterer demokratietheoretischer Aspekt, wenn das Management der lokalen /
regionalen Redaktionen diese Veränderungen auch in seiner Struktur reflektiert.4
2.1.1.2. Die
Redaktionsforschung:
Von
Mr.
Gates
zur
Systemperspektive
Forschungen über Redaktionsmanagement stellen eine Teildisziplin der
Journalismusforschung dar. Das System ,,Journalismus" selbst befindet sich
nach RUSS-MOHL im Schnittpunkt der gesellschaftlichen Teilsystem
,,Wirtschaft", ,,Politik & Verwaltung" und Gesellschaft & Kultur"(Vgl. RUSS-
MOHL 2003: 28ff.). Ausgehend von PÜRERs Systematik der
Publizistikwissenschaft lässt sich vorliegende Arbeit in den Bereich der
Kommunikatorforschung unterordnen5 (Vgl. PÜRER 1993: 32ff.). Diese
Teildisziplin wird unter anderem durch folgende Fragen dominiert (ders.: 33):
· Der Frage nach den Arbeitsbedingungen der Kommunikatoren:
redaktionelle Gegebenheiten personaler, organisatorischer und
technischer Art.
· Nach persönlichen Merkmalen der Kommunikatoren: Alter, sozialer
Status, journalistische Laufbahn, Einstellung zum Beruf.
Die Redaktionsforschung selbst steckt nach RUSS-MOHL dabei immer noch
,,in den Kinderschuhen" (RUSS-MOHL 2003: 253). In Anhang B ist der Wandel
der Ansätze in der Kommunikatorforschung in einem kurzen Abriss dargestellt.6
2.1.1.3. Verortung des Problemfeldes ,,Redaktionsmanagement" im
System der Massenmedien
Auch wenn in der vorliegenden Untersuchung von einer systemtheoretischen
Fundierung Abstand genommen werden soll, ist es dennoch ratsam, zumindest
das Problemfeld ,,Redaktionsmanagement" in dem Rahmen des gängigen
Analysemodells zu positionieren. Nach WEISCHENBERG zielt Journalistik als
4 Eine detaillierte Beschreibung der Veränderungen in der Verwaltungsstruktur der neuen
Länder, vor allem auch von Sachsen und Sachsen-Anhalt findet sich in Schneider et al. (2000):
27ff. Derzeit wird in Sachsen jedoch bereits eine weitere Gebietsreform diskutiert, in Sachsen-
Anhalt wurde sie bereits im Herbst 2005 beschlossen.
5 PÜRER unterscheidet die Publizistikwissenschaft in die Teilbereiche ,,Kommunikator",
,,Aussage", ,,Medium" und ,,Rezipient/Wirkung" (Vgl. PÜRER 1993: 25f.).
6 Anhang B: 3ff.
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