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Scholary Paper (Seminar), 2007, 27 Pages
Author: Susanne Simon
Subject: Theology - Biblical Theology
Details
Institution/College: Saarland University (Katholische Theologie)
Tags: Jesus, Frauen, Spiegel, Zeit, Bedeutung, Frauenordination, Gestalt, Jesu, Evangelien
Year: 2007
Pages: 27
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 31 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-03423-4
File size: 185 KB
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Abstract
Es wird wohl letztendlich immer ein Rätsel bleiben, eines mit mehr oder weniger schwerwiegenden Folgen für die Struktur der Kirche: Das Verhältnis Jesu zu den Frauen. Nicht ausschließlich, aber vor allem, ist es für die feministische Theologie nach wie vor ein bedeutendes und aktuelles Thema, da es für die Frauen letztendlich um ihr Selbstbild in der Kirche geht und um die Gleichberechtigung von Frauen und Männern, die ihnen von der katholischen Kirche immer noch verweigert wird. Und auch außerhalb der wissenschaftlichen Literatur ranken sich Legenden um die Rolle der Frauen an der Seite Jesu, ein Indiz dafür, dass die "Frauenfrage" auch unter den Laienchristen, durchaus noch von Interesse ist, gerade angesichts einer Kirche, die diese so weit es geht versucht auszuklammern und zu ignorieren. Weil ihnen von kirchlicher Seite viele Fragen unbeantwortet bleiben, versuchen vor allem Frauen, im Rückbezug auf den historischen Jesus, Antworten in der Bibel zu finden. Dies gestaltet sich insofern schwierig, als von dem historischen Jesus kaum etwas bekannt ist. Das Bild, das in den Evangelien von ihm gezeichnet wird, trägt bereits den ideologischen Pinselstrich des jeweiligen Verfassers und ist dementsprechend verfärbt. Nicht desto trotz möchte ich in der vorliegenden Arbeit das Verhältnis Jesu zu den Frauen, wie es in den drei synoptischen Evangelien dargestellt ist, etwas näher beleuchten. Dazu werde ich es in Bezug setzen, zu den verschiedenen kulturellen Einflüssen, denen die Menschen in Jesu Heimatregion, dem antiken Palästina, wohl ausgesetzt gewesen sind. Ausgehend von der Rolle der Frauen im Judentum, Hellenismus und bei den Römern, möchte ich also Vergleiche ziehen, inwiefern sich die Darstellungen Jesu in den Evangelien aus dem Rahmen ihrer Zeit gelöst haben und inwiefern sie alten Strukturen verhaftet blieben.Zum Schluss meiner Arbeit werde ich auf die aktuelle Diskussion zur Frauenordination eingehen, da für diese das Thema der Frauen in den Evangelien von entscheidender Bedeutung ist. Dabei werde ich zunächst kurz die Argumentation des katholischen Lehramtes gegen eine Frauenordination wiedergeben und diese dann anhand verschiedener Gegenargumentationen in Frage stellen.
Excerpt (computer-generated)
Universität des Saarlandes, Fachrichtung 3.3 Katholische Theologie
Seminar: Die Gestalt Jesu in den Evangelien
Sommersemester 2006
Das Verhältnis Jesu zu den Frauen im Spiegel seiner Zeit
und dessen Bedeutung für die Frauenordination
Susanne Simon
Spanisch, kath. Theologie; LaG
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
0. Einleitung: 3
1. Die Frauen zur Zeit Jesu 4
1.1 Problematisierung einer objektiven Analyse 4
1.2 Die Frauen im zeitgenössischen Judentum 6
1.3 Die Frauen in der hellenistischen Welt 9
1.4 Die römischen Frauen 10
2. Jesus und die Frauen in den synoptischen Evangelien 12
2.1 Markus Frauen als Dienerinnen Jesu oder der Sache Jesu? 13
2.2 Matthäus Emanzipatorischer oder patriarchaler Judenchrist? 15
2.3 Lukas - Evangelist der Frauen oder berechnender Pragmatiker? 16
3. Jesus Frauenfreund oder Menschenfreund? 18
4. Bedeutung für die Frauenfrage in der katholischen Kirche von heute 20
5. Schluss 23
6. Bibliografie 25
Monografien: 25
Aufsätze: 26
2
0. Einleitung:
Es wird wohl letztendlich immer ein Rätsel bleiben, eines mit mehr oder weniger
schwerwiegenden Folgen für die Struktur der Kirche: Das Verhältnis Jesu zu den Frauen.
Nicht ausschließlich, aber vor allem, ist es für die feministische Theologie nach wie vor ein
bedeutendes und aktuelles Thema, da es für die Frauen letztendlich um ihr Selbstbild in der
Kirche geht und um die Gleichberechtigung von Frauen und Männern, die ihnen von der
katholischen Kirche immer noch verweigert wird. Und auch außerhalb der wissenschaftlichen
Literatur ranken sich Legenden um die Rolle der Frauen an der Seite Jesu, ein Indiz dafür,
dass die "Frauenfrage" auch unter den Laienchristen, durchaus noch von Interesse ist, gerade
angesichts einer Kirche, die diese so weit es geht versucht auszuklammern und zu ignorieren.
Weil ihnen von kirchlicher Seite viele Fragen unbeantwortet bleiben, versuchen vor allem
Frauen, im Rückbezug auf den historischen Jesus, Antworten in der Bibel zu finden. Dies
gestaltet sich insofern schwierig, als von dem historischen Jesus kaum etwas bekannt ist. Das
Bild, das in den Evangelien von ihm gezeichnet wird, trägt bereits den ideologischen
Pinselstrich des jeweiligen Verfassers und ist dementsprechend verfärbt. Nicht desto trotz
möchte ich in der vorliegenden Arbeit das Verhältnis Jesu zu den Frauen, wie es in den drei
synoptischen Evangelien dargestellt ist, etwas näher beleuchten. Dazu werde ich es in Bezug
setzen, zu den verschiedenen kulturellen Einflüssen, denen die Menschen in Jesu
Heimatregion, dem antiken Palästina, wohl ausgesetzt gewesen sind. Ausgehend von der
Rolle der Frauen im Judentum, Hellenismus und bei den Römern, möchte ich also Vergleiche
ziehen, inwiefern sich die Darstellungen Jesu in den Evangelien aus dem Rahmen ihrer Zeit
gelöst haben und inwiefern sie alten Strukturen verhaftet blieben.
Im Anschluss möchte ich die Ergebnisse in einer Deutung Jesu als Menschenfreund
zusammenfassen. Zum Schluss meiner Arbeit werde ich auf die aktuelle Diskussion zur
Frauenordination eingehen, da für diese das Thema der Frauen in den Evangelien von
entscheidender Bedeutung ist. Dabei werde ich zunächst kurz die Argumentation des
katholischen Lehramtes gegen eine Frauenordination wiedergeben und diese dann anhand
verschiedener Gegenargumentationen in Frage stellen.
An den Anfang meiner Arbeit möchte ich die Thematisierung einiger kritischer Punkte setzen,
die mit der Literatur zum meinem Thema zusammenhängen und darauf hinweisen, dass eine
objektive Analyse, was die Frauenfrage angeht, immer problematisch ist.
3
1. Die Frauen zur Zeit Jesu
1.1 Problematisierung einer objektiven Analyse
Würde ich es mir zur Aufgabe machen, die Rolle der Frau im 21. Jahrhundert in Deutschland
zu definieren, so dürfte dies sicherlich mit gewissen Schwierigkeiten verbunden sein, da es
weder "die Frau" noch eine bestimmte Rolle für diese gibt, angesichts der Pluralität unserer
Kultur und der Koexistenz verschiedener kultureller und religiöser Lebensentwürfe. Mein
tatsächliches Thema, die Rolle der Frauen zur Zeit Jesu, gestaltet sich allerdings noch
schwieriger. Zum einen, weil das damalige Palästina in kultureller und religiöser Hinsicht eine
ebenso plurale Gesellschaft war wie das heutige Deutschland. Zum anderen weil die
Quellenlage naturgemäß schlechter ist und wir uns auf das verlassen müssen, was uns von fast
ausschließlich männlichen Zeitgenossen überliefert worden ist, ohne dass wir es objektiv
überprüfen könnten. Es stellt ein allgemeines Defizit und gleichzeitig die größte
Gemeinsamkeit erhaltener geschichtlicher Quellen dar, dass ihre Autoren zu jeder Zeit und
jedem Ort einem minimalen Prozentsatz der gebildeten, zumeist männlichen, Oberschicht
angehörten. Dieser hatte einerseits die Macht, Geschichte zu schreiben, andererseits, darüber
zu entscheiden, auf welche Art und Weise diese für die Nachwelt erhalten bleiben sollte.
Seien es in der Antike die römischen Geschichtsschreiber und die Autoren der Bibel oder im
postmodernen Deutschland beispielsweise die Verantwortlichen des Axel Springer Verlags.
Jeder Autor färbt seinen Text gemäß seiner Überzeugung oder der seines Auftraggebers,
zumeist unbewusst und reinen Gewissens, oft aber auch explizit in Form von Übertreibungen,
Auslassungen und Geschichtsverfälschungen. Für mein Thema bedeutet dies, dass Frauen
zwar Gegenstand der Texte sind, jedoch in den meisten Fällen keine Urheber. Die zugrunde
liegenden Schriftstücke sind ,,Produkt einer androzentrischen patriarchalen Kultur und
Geschichte"1. Dementsprechend müssen die Texte mit gewisser Vorsicht gelesen werden, da
die Verfasser im spätantiken, beziehungsweise frühchristlichen Israel mit einer einseitigen
Darstellung der Rolle der Frauen oder sogar ihres vollständigen Ignorierens gewisse Ziele
1
Schüssler-Fiorenza, Elisabeth: Zu ihrem Gedächtnis... - eine feministisch-theologische Rekonstruktion
der christlichen Ursprünge, München, Mainz 1988, S.14.
4
verfolgten. ,,Das Verdrängen, Vergessen und Unsichtbarmachen von Frauen und ihren
Leistungen war ein bewußt oder unbewusst eingesetztes Mittel, Frauen von Macht
fernzuhalten oder sie ihnen wieder zu nehmen"1, wirft Anne Jensen zum Beispiel solchen
Texten vor. Sie sieht es dementsprechend als Herausforderung und Aufgabe der
Frauenforschung an, ,,eine andere Wahrnehmung der gesamten historischen Realität in einer
neuen Gewichtung und Wertordnung"2 zu erwirken. Darin liegt die zweite Gefahr der
Literaturrezeption, denn nicht nur die zeitgenössische Primärliteratur, sondern auch die
postmoderne Sekundärliteratur ist autorspezifisch gefärbt und verfolgt gewisse Ziele. Bei
meiner Literaturrecherche stieß ich fast ausschließlich auf feministische Theologinnen, die
sich dem vorliegenden Thema angenommen haben. Zum einen ist ihre Position zwar sehr gut
verständlich, denn es ist Fakt, dass Frauen in der Institution der katholischen Kirche an den
Rand gedrängt werden. Zum anderen sollte frau allerdings vorsichtig damit sein, in dem
historischen Jesus einen verkappten Feministen entdecken zu wollen, weil dies wohl kaum
dem Zeitgeist des spätantiken Palästina entsprochen haben kann. Eine weitere Problematik der
feministischen Theologie ergibt sich daraus, das patriarchalische System des Judentums zur
Zeit Jesu so negativ wie möglich darstellen zu müssen, um im Gegensatz dazu die
Veränderung und Verbesserung durch Jesus hervorheben zu können.3 Vielen Feministinnen
wurde deshalb, von meist jüdischer Seite aus, ein latenter Antijudaismus vorgeworfen, der
zwar nicht explizit gewollt sei, aber implizit in der Argumentation mitschwinge. Elisabeth
Schüssler-Fiorenza weist aus diesem Grund darauf hin, ,,die Jesusbewegung als innerjüdische
Erneuerungsbewegung"4 zu sehen und nicht als Gegenbewegung zum Judentum. ,,Nicht ob
Jesus das Patriarchat gestürzt hat oder nicht, ist der springende Punkt, sondern ob das
Judentum Elemente kritisch-feministischer Impulse in sich barg, die in Vision und Dienst Jesu
zum Zuge kamen."5 Sie verweist also auf das Christentum und Jesu Umgang mit den Frauen
als "innerjüdische Alternative".1 Außerdem müssen wir uns vor Augen halten, dass das
damalige Judentum nicht abgeschottet war von dem restlichen kulturellen Umfeld. Aus der
Bibel wissen wir, dass die Gruppe um Jesus durchaus auch mit so genannten Heiden in
Berührung kam, denn schließlich war Palästina zur Zeit Jesu von den Römern besetzt und
1 Jensen, Anne: Die ersten Christinnen der Spätantike, in: Straub, Veronika: Auch wir sind die Kirche Frauen
in der Kirche zwischen Tradition und Aufbruch, München 1991, S. 39.
2 Ebd., S. 39.
3 Vgl. Schüssler-Fiorenza: Zu ihrem Gedächtnis, S.145.
4 Ebd., S. 147
5 Ebd., S. 147.
5
gehörte dem Kulturraum des Hellenismus an. Innerhalb dieses religiös-pluralen Umfeldes
haben sich also auch die verschiedenen Verständnisse von Geschlechterrollen vermischt. Zu
diesen gehörte auch eine gewisse antike Frauenemanzipation, wie wir später noch sehen
werden. Anne Jensen weist deshalb darauf hin, dass ,,die relative Frauenfreundlichkeit der
Frühzeit [...] sich also keineswegs nur von der Botschaft Jesu her, sondern mindestens ebenso
sehr vom sozialen Umfeld"2 erklärt. Dennoch werde ich im Folgenden, zur besseren
Differenzierung, die verschiedenen Kulturen und deren Umgang mit den Frauen getrennt
voneinander aufführen und mit dem Judentum beginnen, welches den Juden Jesus wohl am
meisten geprägt haben mag.
1.2 Die Frauen im zeitgenössischen Judentum
Wie bereits erwähnt, war die grundlegende Gesellschaftsform der Spätantike das Patriarchat.
Nicht nur im Judentum, sondern auch im Hellenismus und bei den Römern war also der Mann
in seiner Rolle als Vater, Mittelpunkt und Oberhaupt der Familie und des ganzen politischen,
religiösen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens. Von Flavius Josephus ist der Ausspruch
überliefert, dass ,,das Weib [...] in jeder Beziehung minderwertiger als der Mann"3 sei, was
auf eine weit verbreitete Geringschätzung der Frau in der jüdischen Gesellschaft schließen
lässt. Die Aufgaben der Frau waren dementsprechend dahingehend definiert, ihren Mann in
seiner Vormachtstellung zu akzeptieren und zu unterstützen und ihm eine gehorsame
Partnerin und Mutter seiner Kinder zu sein. Die Erziehung derselben, die Hausarbeit, die
Arbeit am Webstuhl oder Spinnrad zur wirtschaftlichen Unterstützung der Familie, sowie das
allgemeine leibliche Wohlergehen des Ehemannes waren ihre Hauptbetätigungsfelder.4 Die
größte Würde der Frau lag in ihrer Stellung als Mutter und auch die Mutterliebe war ein
allgemein hoch angesehenes Gut. Die Ermahnung zur Achtung der Eltern und insbesondere
auch der Mutter, konnte ein jeder Jude nicht nur in der Tora an verschiedenen Stellen
nachlesen. Auch im Dekalog war die Ehrerweisung gegenüber Vater und Mutter als viertes
Gebot, und damit erstes, das sich auf die Beziehung der Menschen untereinander bezieht,
allseits gegenwärtig und verbindlich gemacht. Das Sprichwort ,,Haus und Habe sind das Erbe
1 Ebd. S.147.
2 Jensen: Die ersten Christinnen der Spätantike, S. 36.
3 Ketter, Peter: Christus und die Frauen, Trier 1935, S. 49.
4 Ruckstuhl, Eugen: Jesus Freund und Anwalt der Frauen, Stuttgart 1996, S. 57.
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