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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 28 Pages
Author: Manfred Merkel
Subject: Romance Languages - French Literature
Details
Institution/College: University of Freiburg (Romanisches Seminar)
Tags: Rabelais, Gargantua, Theleme, Renaissance, Utopie, Französische Literatur
Year: 2002
Pages: 28
Grade: 1,3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-15701-8
File size: 333 KB
Die Thélème-Episode bildet den Abschluß des 1534 erschienen Romans Gargantua von Francois Rabelais. Gegenestand dieser Arbeit ist eine detaillierte Untersuchung jener Episode, die auf Grund ihrer zahlreichen Widersprüche, aber auch wegen ihrer utopischen, komischen, non-konformistischen, enigmatischen, zeitkritischen, theologischen und philosophischen Aspekte ein vielbeachteter text der französischen Renaissance ist.
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Excerpt (computer-generated)
Francois Rabelais: Garagantua LII-LVII: L Abbaye de Thélème
von Manfred Merkel
Inhalt :
1. Vorwort S.3
2. Kapitel LII:
Comment Gargantua feist bastir pour le moyne l′abbaye de Theleme
3. Kapitel LIII:
Comment feust bastie et dotée l′abbaye des Thelemites
4. Kapitel LIV:
L′inscription mise sur la grande porte de Thélème
5. Kapitel LV:
Comment estoit le manoir des Thelemites
6. Kapitel LVI:
Comment étaient vêtus les religieux et les religieuses de Thélème
7. Kapitel LVII:
Comment estoient reiglez les Thelemites à leur maniere de vivre
8. Kapitel LVIII:
Enigme de prohetie
9. Schlußbetrachtung
10. Literatur
1. Vorwort
Die Thélème-Episode (Garg.LII-LVIII) bildet den Abschluß des 1534 erschienen Romans Gargantua von François Rabelais. Gegenstand dieser Arbeit ist eine detaillierte Untersuchung jener Episode, die auf Grund ihrer zahlreichen Widersprüche, aber auch wegen ihrer utopischen, komischen, non-konformistischen, enigmatischen, zeitkritischen, theologischen und philosohischen Aspekte ein vielbeachteter Text der französischen Renaissance ist. Gemäß der im Gargantua-Prolog vorgeschlagenen Allegorese des Rabelais′schen Werks, soll sowohl der wörtliche als auch der übertragene Sinn des Textes im Mittelpunk stehen. Entlang der Kapitelabfolge der Thélème-Episode soll so möglichst die Vielschichtigkeit des Textes herausgearbeitet werden, soll auf intertextuelle Bezüge aufmerksam gemacht werden und verschiedene Interprätationsansätze verglichen werden. Die vorliegende Arbeit möchte keine generell neue Interpretation der Thélème-Episode liefern, sondern vielmehr bereits vorliegende Interpretationen dialogisch vergleichen und mit eigenen Betrachtungen relativieren. Es sollen weder real-historische noch didaktische oder komische Aspekte des Textes einseitig überbewertet werden; im Zentrum der eigenen Betrachtungen steht dennoch der Aspekt der allgemeinen Zeitkritik, der bislang v.a. in religiös-theologischer Hinsicht untersucht worden ist.
2. Kapitel LII: Comment Gargantua feist bastir pour le moyne l′abbaye de Theleme
Im ersten Kapitel der Thélème-Episode werden die wesentlichen Merkmale des Rablais′schen Utopie festgelegt. Nach der Schlacht gegen Pichrochole belohnt Gargantua die Beteiligten mit Land und Geld; es stand nur noch die Belohnung für Frère Jean des Entommeures (Bruder Jahn vom Kopffleisch) aus, der im pikrocholinischen Krieg seine Abtei standhaft verteidigte. Gargantua bietet ihm mehrere Abteien in seinem Reich an, Frère Jean lehnt diese Würden jedoch dankend ab . Bemerkenswert ist hierbei, wie er seine ablehnende Haltung begründet: "Car comment (disoit il) pourray je gouverner aultruy, qui moymesmes gouverner ne scaurois?" (Grag.LII,S.350) . Der Mönch möchte viel lieber ein Kloster nach seinen eigenen Vorstellungen gründen. Gargantua, der großzügige Sieger des pikrocholinischen Krieges ist einverstanden, und gibt ihm sein "pays de Thélème" an der Loire. Frère Jean möchte sein Kloster so errichte haben, daß es sich von allen anderen Klöstern grundsätzlich unterscheidet: in den folgenden Kapiteln bestimmt jedoch Gargantua, nicht Frère Jean , die Ausgestaltung der Abbaye de Thélème . Frère Jean tritt in den folgenden Kapiteln der Thélème-Episode in den Hintergrund. Die Abtei soll keine Mauern haben, bestimmt Gargantua, und dem stimmt der Mönch, wohl aus eigener Erfahrung, zu: "où mur y a et devant et derriere, y a force murmur, envie et conspiration mutue." (Garg.LII,S.352). Hier und im Folgenden tritt die Funktion des Anti-Klosters in den Vordergrund. Indem Gargantua beschreibt wie Thélème nicht sein soll, grenzt er seine Klosterutopie gegen die Regeln des monastischen Lebens im Mittelalter und der Frühen Neuzeit ab. In Thélème soll das Leben nicht nach einem Zeitplan festgelegt, bestimmt oder geregelt werden - es soll keine Uhren geben . Auch dies begründet Gargantua mit scharfer Kritik am monastischen Leben: "Car [..] la plus vraye perte du temps qu′il sceust estoit de compter les heures - quel bien en vient-il? - et la plus grande resverie du monde estoit soy gouverner au son d′une cloche, et non au dicté de bon sens et entendement" (Garg.LII, S.352). Mit sarkastischem Ton beschließt Gargantua daß nur schöne und wohlgestaltete Frauen und Männer in Thélème aufgenommen werden - seine Begründung dafür hat elitären Charakter . Das Eintrittsalter für die Thelemiten soll bei Jungen und Mädchen zwischen 10 und 18 Jahren liegen . Es soll es keine Geschlechtertrennung geben, kein Zölibat, kein Noviziat und keine Gelübde . Hiermit werden die Grundprinzipien monastischen Lebens aufgehoben - das Leben in Thélème hat im Grunde keine Elemente mehr, die auf eine religiöse Lebensgemeinschaft schließen lassen. Mit jenen ersten Regelungen und Bestimmungen endet das 52. Kapitel des Gargantua und das erste Kapitel der Thélème-Episode. In diesem Kapitel herrscht noch das Postulat des Anti-Klosters vor - durch die Negierung aller monastischer Lebensregeln verliert Rabelais Darstellung in den folgenden Kapiteln den Bezug zu einer alternativen religiösen Lebensgemeinschaft und entwickelt sich eher zu einer utopischen Lebensgemeinschaft einer auserwählten Bildungsaristokratie. Das 52. Kapitel ist auch in sprachlicher Hinsicht ein Übergangskapitel: zu Beginn dominiert noch der dialogische Charakter des Romans (es unterhalten sich Gargantua und Frère Jean) - dann tritt aber an dessen Stelle eine viel unpersönlichere Diktion (fut ordonné..., fut decreté..., fut constitué...). Ab dem 53. Kapitel wirkt der Text deskriptiv und ungewohnt abstrakt, steht also in deutlichem Gegensatz zu den bisherigen Kapiteln . Womöglich hat Rabelais dieses Kapitel bewußt als sprachliche Schwelle konzipiert, an der das groteske Epos endet und die Utopie, die Gegenwelt von Thélème, Gestalt annimmt.
3. Kapitel 53: Comment feust bastie et dotée l′abbaye des Thelemites
[...]
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