Bei GRIN registrieren oder einloggen

Your e-mail-address or password is wrong
Jetzt registrieren
Für neue Autoren: kostenlos, einfach und schnell
Dies wird Ihr Benutzername, bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse an

Passwort vergessen

Your e-mail-address or password is wrong

Neues Passwort anfordern
Deixis und Raumreferenz close

Bitte warten

Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.

Deixis und Raumreferenz

Seminararbeit, 2004, 20 Seiten
Autor: Aydin Günbeyi
Fach: Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache

Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 20
Note: 2,7
Literaturverzeichnis: ~ 10  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V88503
ISBN (E-Book): 978-3-638-03595-8

Dateigröße: 226 KB

Zusammenfassung / Abstract

Karl Bühler entwickelte in seiner „Sprachteorie“ eine Theorie der Deixis, mit der sich die linguistische Forschung seit dem aus vielen Blickwinkeln befasst hat, wobei es bisher noch nicht zu einer einheitlichen Konzeption gekommen ist. Wolfgang Klein stellt seinen „Präliminarien zu einer Untersuchung der lokalen Deixis“ die Überlegung voran, dass Bühlers „klassische Betrachtungsweise“ die Funktionsweise hinweisender Ausdrücke in der Sprache zu sehr vereinfache. Er entwickelt in diesem Beitrag zur lokalen Deixis einen „Fragenkatalog“, aus dem weniger eine abschließende Theorie, als vielmehr eine „angemessene Strategie“ zur systematischen Erforschung des Hinweisens in der sprachlichen Äußerung hervorgehen soll. Entlang einiger Fragen, die Wolfgang Klein im Anschluss an seine Darstellung formuliert, sollen hier Lösungsansätze aus der neueren linguistischen Forschung zur Erklärung der Funktionsweise deiktischer Ausdrücke in der verbalen Kommunikation dargestellt werden. Schwerpunkt dieser Darstellung ist die „lokale Deixis“. In einem ersten Schritt hat diese Arbeit in Abschnitt I die Klärung zentraler Begriffe zur Beschreibung hinweisender Raumausdrücke zum Ziel. Dort soll neben einer allgemeinen Übersicht über die verschiedenen Arten der „Deixis“ der Versuch einer Abgrenzung zwischen lokaldeiktischen Ausdrücken und anderen Varianten der Raumreferenz unternommen werden. In Abschnitt II werden einige Probleme im Zusammenhang mit der deiktischen Raumreferenz aufgezeigt. Im Mittelpunkt stehen dabei – aus syntaktischer Sicht – Fragen nach den Grenzen der formalen Darstellbarkeit „deiktischer Eigenschaften“ von Ausdrücken, einige Aspekte der Semantik des Hinweisens (hier soll die Möglichkeit angerissen werden, das „Funktionieren“ der Ausdrücke in der Kommunikation aus den Denotaten der Begriffe selbst zu erklären) und schließlich wird im Versuch einer Darstellung der „Pragmatik der Deixis“ die starke Kontextabhängigkeit der Lokaldeixis diskutiert. Abschnitt III dieser Arbeit hat einen Vergleich der vorangestellten Lösungsvorschläge mit den Forderungen Kleins an eine praktikable Systematik zum Ziel.


Textauszug (computergeneriert)

Ruprecht ­ Karls ­ Universität Heidelberg

Institut für Deutsch als Fremdsprachenphilologie

Proseminar: Raumausdrücke

Deixis und Raumreferenz

Aydin Günbeyi

1. Hauptfach: Erziehungswissenschaft

2. Hauptfach: Sprachwissenschaft


Einleitung und Aufgabenstellung

I Zentrale Begriffe

1. Referenz

2. Deixis

3. Lokaldeixis

4. Kontext

II Probleme im Zusammenhang mit lokaldeiktischen Ausdrücken

1. Syntax

2. Semantik

3. Pragmatik

III Lösungsvorschläge

1. Formale Aspekte

2. Semantische Implikationen

3. Pragmatische Überlegungen zum Origo-Modell

Schlussfolgerungen

Verwendete Literatur


Einleitung und Aufgabenstellung

Karl Bühler entwickelte in seiner ,,Sprachteorie"1 eine Theorie der Deixis, mit der sich die

linguistische Forschung seit dem aus vielen Blickwinkeln befasst hat, wobei es bisher noch

nicht zu einer einheitlichen Konzeption gekommen ist.

Wolfgang Klein stellt seinen ,,Präliminarien zu einer Untersuchung der lokalen Deixis"2 die

Überlegung voran, dass Bühlers ,,klassische Betrachtungsweise" die Funktionsweise

hinweisender Ausdrücke in der Sprache zu sehr vereinfache. Er entwickelt in diesem

Beitrag zur lokalen Deixis einen ,,Fragenkatalog", aus dem weniger eine abschließende

Theorie, als vielmehr eine ,,angemessene Strategie" zur systematischen Erforschung des

Hinweisens in der sprachlichen Äußerung hervorgehen soll.

Entlang einiger Fragen, die Wolfgang Klein im Anschluss an seine Darstellung formuliert,

sollen hier Lösungsansätze aus der neueren linguistischen Forschung zur Erklärung der

Funktionsweise deiktischer Ausdrücke in der verbalen Kommunikation dargestellt werden.

Schwerpunkt dieser Darstellung ist die ,,lokale Deixis".

In einem ersten Schritt hat diese Arbeit in Abschnitt I die Klärung zentraler Begriffe zur

Beschreibung hinweisender Raumausdrücke zum Ziel. Dort soll neben einer allgemeinen

Übersicht über die verschiedenen Arten der ,,Deixis" der Versuch einer Abgrenzung

zwischen lokaldeiktischen Ausdrücken und anderen Varianten der Raumreferenz

unternommen werden. In Abschnitt II werden einige Probleme im Zusammenhang mit der

deiktischen Raumreferenz aufgezeigt. Im Mittelpunkt stehen dabei ­ aus syntaktischer

Sicht ­ Fragen nach den Grenzen der formalen Darstellbarkeit ,,deiktischer Eigenschaften"

von Ausdrücken, einige Aspekte der Semantik des Hinweisens (hier soll die Möglichkeit

angerissen werden, das ,,Funktionieren" der Ausdrücke in der Kommunikation aus den

Denotaten der Begriffe selbst zu erklären) und schließlich wird im Versuch einer

Darstellung der ,,Pragmatik der Deixis" die starke Kontextabhängigkeit der Lokaldeixis

diskutiert. Abschnitt III dieser Arbeit hat einen Vergleich der vorangestellten

Lösungsvorschläge mit den Forderungen Kleins an eine praktikable Systematik zum Ziel.

1

Karl Bühler,

Sprachtheorie. Die Darstel ungsfunktion der Sprache

, Stuttgart 1999

2

Wolfgang Klein,

Wo ist hier? Präliminarien zu einer Untersuchung der lokalen Deixis

, Linguistische

Berichte 58, Wiesbaden 1978


I Zentrale Begriffe

Der Begriff der Referenz bezeichnet das Verhältnis eines sprachlichen Ausdrucks zu

einem (gegenständlichen oder abstrakten) Objekt, und zwar im Allgemeinen in der

außersprachlichen Welt, den er innerhalb einer bestimmten Äußerung repräsentiert.

Daraus ergibt sich die pragmatische Funktion der Referenz im ,,Sprechakt", dessen

Bestandteil das ,,Referieren auf etwas" als ,,propositionale Handlung" ist. Wird die Referenz

mit einem ,,deiktischen" Ausdruck vollzogen, ist die Äußerungsbedeutung nur im Verhältnis

zur ,,Sprechsituation" (Kontext der Äußerung) zu verstehen. Ganz allgemein gesagt, gibt

es demzufolge eine Klasse sprachlicher Ausdrücke, die sozusagen Träger einer

,,virtuellen" Referenz sind; diese Ausdrücke haben unterschiedliche grammatische Formen

(präpositionalgruppen, Pronomen, Adverben), wobei einige der Ausdrücke einen

semantischen Gehalt haben, der die Referenz als Denotat anzeigt. Einige dieser

sogenannten ,,deiktischen" Ausdrücke repräsentieren einen ,,Ort", d.h. sie indizieren einen

Aspekt innerhalb der Äußerungsumgebung. Im Folgenden sollen einige Besonderheiten

der Referenz, der Deixis und der Sprechsituation hinsichtlich ihrer Bedeutung für

räumliche Verweise dargestellt werden.

1. Referenz

Die Referenz ist nicht notwendigerweise der sprachliche Bezug auf einen physischen

Gegenstand in der außersprachlichen Realität, sondern sie ist vielmehr Ausdruck einer

Beziehung zwischen einem Ausdruck und einem ,,Modell" der Wirklichkeit, wie sie in einer

bestimmten Sprechsituation (im besten Fall) von Sprecher

und

Rezipient antizipiert wird.

Der ,,Träger der Referenz" (der referierende Ausdruck) indiziert einen distinkten Aspekt der

vom Sprecher wahrgenommenen, vorgestellten oder erinnerten Welt. Es ist wichtig zu

berücksichtigen, dass mit der Referenz offenbar in der jeweiligen Sprechsituation die

Existenz des Objekts sprachlich impliziert wird ­ und zwar entweder im Sinne einer

physischen Existenz oder als Fiktion, wie beispielsweise in der ,,uneigentlichen" Rede oder

in Modalkonstruktionen. Bühler ergänzt diese beiden Formen der Referenz um eine

Weitere, und zwar den anaphorischen Rückbezug eines Ausdrucks auf eine andere Stelle

innerhalb des textimmanenten Bezugsrahmens3. Auf diese besondere Form der Referenz

wird im Folgenden nicht ausführlich eingegangen, wobei grundsätzlich auf die Möglichkei

3

Vgl. Karl Bühler 1999, a.a.O., S. 102 ff.


hinzuweisen ist, dass die Deixis in einer syntaktischen Ellipse vollzogen wird: In diesem

Fall würde die deiktische Komponente nicht dem ,,Gehalt" des Ausdrucks selbst, sondern

dem quasi fehlenden Satzteil zugewiesen.

Die sogenannte ,,Raumreferenz" beschreibt insofern eine besondere Form der

Objektbeziehung, als das Objekt der Referenz ein Aspekt innerhalb der

Kommunikationssituation ist, der in der Regel keinen gegenständlichen Charakter hat.

Dieser indizierte Ort wird beispielsweise durch präpositionale Ergänzungen angezeigt,

oder durch sogenannte ,,Lokaladverbien", die entweder einen statischen Aspekt innerhalb

des virtuellen Koordinatensystems (mit einer zeitlichen Achse, einer räumlichen Achse und

einer Schnittstelle, die die zeiträumliche Sprecherposition bestimmt) oder eine

,,Bewegungsrichtung" in diesem System ausdrücken können.

2. Deixis

Als ,,traditionelle" deiktische Kategorien identifiziert Levinson Angaben über ,,Person", ,,Ort"

und ,,Zeit" als Objekt der Referenz in einer Äußerung.4 Personaldeiktische Ausdrücke sind

in der Regel Personalpronomen, die ,,Objektdeixis" (als Variante der Personaldeixis) wird

durch Demonstrativpronomen angezeigt. Wie die Raumreferenz kann auch die

Tempusform beispielsweise in einer Präpositionalgruppe realisiert werden, in diesem Fall

finden wir keinen deiktischen Ausdruck im engeren Sinne vor (der ,,weite Begriff" der

Deixis, der alle Formen des Hinweisens umfasst, wird hier nicht diskutiert).

Als deiktische Ausdrücke werden hier Lexeme behandelt, die sich ohne präpositionale

Ergänzung (,,an sich") auf personale, zeitliche oder räumliche Objekte beziehen. Diese

Ausdrücke sind, wie später noch ausführlicher gezeigt werden soll, in hohem Maße

kontextabhängig:

,,Die Beziehung zwischen Sprache und Kontext spiegelt sich in den Strukturen der

Sprachen am deutlichsten in der Deixis wider. Der Begriff leitet sich von dem griechischen

Wort für Zeigen oder Hinweisen ab; seine prototypischen oder zentralen Verwendungen

betreffen Demonstrativpronomen, Pronomen der ersten und zweiten Person, Tempus,

bestimmte Adverbien für Ort und Zeit wie hier und jetzt und eine Vielzahl anderer

grammatischer Phänomene, die in direktem Zusammengang mit den Umständen der

Äußerung stehen."5

4

Vgl. Stephen C. Levinson,

Pragmatik

, Tübingen 2000, S. 67 f.; die dort von ihm genannten weiteren

deiktische Formen, die ,,Diskurs- oder Textdeixis" und die ,,Sozialdeixis" werden hier nicht behandelt.

5

Levinson 2000, a.a.O., S. 59



Kommentare

Bisher keine Kommentare

Kommentar hinzufügen
Ihr Kommentar wird redaktionell geprüft und dann freigeschaltet

Andere Nutzer haben sich auch für folgende Titel interessiert:

Aufbau einer Szeneninterpretation

Autor: Kathleen Wünsch
Deutsch - Grammatik, Stil, Arbeitstechnik, 2001

Abwarten und Tee trinken...

Autor: Sebastian Loitsch
Ernährungswissenschaft / Ökotrophologie, 1998

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/88503/deixis-und-raumreferenz
please wait Bitte warten