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Über Täuschung, Krieg und Frieden

Scholary Paper (Seminar), 2002, 36 Pages
Authors: Sven Damms, Jens Berger
Subject: Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)

Details

Event: Politische Philosophie
Institution/College: University of Rostock (Philosophie)
Tags: Rousseau, Marx, Krieg, Frieden, Gemeinwille, Sonderwille, Täuschung, Gesamtwille
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2002
Pages: 36
Grade: bestanden
Language: German
Archive No.: V8939
ISBN (E-book): 978-3-638-15773-5

File size: 1264 KB
Notes :
Sehr dichte Arbeit - einzeiliger Zeilenabstand. 1,4 MB



Excerpt (computer-generated)

Über Täuschung, Krieg und Frieden

Sven Damms/ Jens Berger

Politische Philosophie
Wintersemester 2000/ 01
01. Juli 2002

 

O. Einleitung

I. Jean Jacques Rousseau / Karl Heinrich Marx


A. Jean Jacques Rousseau
1. Ein kurze Biographie
2. Der vorstaatliche Naturzustand

B. Karl Heinrich Marx
1. Ein kurze Biographie
2. Überblick über die Werke

II. Die Täuschung


A. Die Täuschung bei Jean Jacques Rousseau
1. Was ist Gemeinwille?
2. Über den Gemeinwillen und den Sonderwillen.
3. Berieb die Kirche z.Z. Jean Jacques Rousseau Volkstäuschung?

B. Die Täuschung bei Marx
1. Steht die Wirtschaft dem Gemeinwillen gegenüber?
2. Kann die Wirtschaft ein Volk täuschen?
3. Betrieb die Wirtschaft Volkstäuschung zu Marx Zeiten?

III. Ist der Sonderwille Wirtschaft die Religion des 21 Jahrhunderts?


A. Sonderwille Religion vs. Sonderwille Wirtschaft
1. Betreiben Wirtschaft und Kirche noch heute Volkstäuschung?

B. Unterliegt das Volk einer Täuschung durch sich selbst oder nicht?
1. Verhältnis von Krieg durch Täuschung bei Rousseau und Marx
2. Frieden ohne Täuschung bei Rousseau und Marx

 

O. Einleitung

In dieser Arbeit soll die Befindlichkeit der Gemeinschaft im Staat und der nationalen Gesellschaft im Naturzustand untersucht werden. Die Betrachtung stützt sich dabei auf folgende Leitthese, die den Rahmen zu dieser Untersuchung bilden soll:

Wenn sich ein Volk in einem Staat, anstatt in Frieden1 zu leben in einem Kriegszustand2 befindet, unterliegt es einer Täuschung durch sich selbst. Um eine Argumentation aufzubauen und diese dann untermauern zu können, wird sich dieser Text auf zwei bekannte Philosophen aus der Vergangenheit beziehen. Namentlich soll es sich dabei um Jean Jacques Rousseau und Karl Heinrich Marx handeln, die im Verfolg genauer vorgestellt werden. Anhand ihrer Theorien möchten wir zeigen, wie solch eine Täuschung entstehen kann und welche Auswirkungen und Einflüsse, auf die Gemeinschaft, diese mit sich bringt. Ohne darauf jetzt schon genauer eingehen zu wollen, wird es vor der Betrachtung um die Erklärung des Gemeinwillens und des Sonderwillens gehen, um mögliche Ursachen und Anzeichen dafür zu finden. Sollte sich im weiteren Verlauf zeigen, dass Menschen einer solchen Täuschung durch sich selbst unterliegen können, werden wir als weiteres versuchen, eine Verbindung zur Gegenwart herzustellen, um nach der heutigen Gültigkeit dieser Theorien zu forschen.
Im Laufe dieser Arbeit soll auch deutlich werden, dass verschiedene Völker den von Rousseau beschriebenen Naturzustand noch nicht verlassen haben können, da sie sich nur durch Täuschung in einem Staat wähnen, weil der Kriegszustand noch nicht überwunden wurde.

I. Jean Jacques Rousseau und Karl Heinrich Marx
A. Jean Jacques Rousseau
1. Eine kurze Biographie

„Der Mensch ist frei und überall liegt er in Ketten“ (I1)

Jean Jacques Rousseau war französischer Schriftsteller und Philosoph schweizerischer Herkunft. Er wurde am 28.Juni 1712 in Genf geboren und starb am 2.Juli 1778 in Ermenonville. Er führte ein stetes Wanderleben, das er in den „Confessions“ 1782 beschrieb. Rousseau gehörte zum Kreis der Enzyklopädisten3 und wurde 1750 durch seine Preisschrift über den (negativen) Einfluss der Künste und Wissenschaften auf die Sitten berühmt („Discours sur les sciences et les arts“ 1750). Die darin erhobene Anklage gegen die Kultur, dass sie den Menschen einem naturnahen, glücklichen Urzustand entfremdet und ihm Unschuld, Freiheit und Tugend geraubt habe, ist der Beginn der modernen Kulturkritik. Die Schrift „der Gesellschaftsvertrag“ von 1762 betrachtet den Staat als eine freiwillige Vereinigung der Einzelwillen zu einem „Gesamtwillen“. Zusammengenommen war Rousseau ein Vorbereiter des Gefühlstandpunktes der Romantik. Er nahm weiteren Einfluss auf die moderne Pädagogik mit seinem Erziehungsroman „Emil oder über die Erziehung“ von 1762. Ebenso war er Wegbereiter der Französischen Revolution und der Demokratie durch seine idealistische Aufklärungsphilosophie und bedeutenden Staatstheorie. Er vertrat den Standpunkt einer natürlichen Religion, die keiner Vermittlung zwischen Gott und Menschen bedarf und die Erbsünde leugnet4.

2. Der vorstaatliche Naturzustand

In den folgenden Teilen wird die Grundlage jeder Auseinandersetzung der Staat sein. Ein solcher ist nicht schon immer da, er muss erst gegründet werden. Wie und woraus entsteht ein Staat? Diese Fragen möchten wir nun als erstes beantworten. Im zweiten Diskurs „Über die Ungleichheit“ (1755), von Jean Jacques Rousseau, wird gezeigt aus welchem Zustand der Staat hervorgeht. Um einen kurzen Überblick dazu zu ermöglichen, werden wir nun eine kurze Zusammenfassung dessen geben. Der Naturzustand in dem alle Gesellschaft entsteht, wird bei Rousseau in drei Stufen unterteilt. Dadurch ist eine Entwicklung des Menschen im vorstaatlichen Zustand ermöglicht. Es gibt also keinen einfachen Naturzustand, wie er in Hobbes oder Locke´s Theorien beschrieben wird.

[...]

1 Mit Frieden ist hier der staatliche Zustand gemeint, den Jean Jacques Rousseau mit dem Wirksamwerden des Gesellschaftsvertrages erreichen will. Der begründete Gemeinwille führt die Menschen aus dem Naturzustand, mithin aus dem Kriegszustand.
2 Als Kriegszustand wird hier der Naturzustand, der im folgendem erklärt wird, bezeichnet. Für den Fall der vorliegenden Existenz eines Staates, handelt es sich um einen getäuschten Gesamtwillen, somit um einen „Scheinstaat“, also wiederum um den Naturzustand.
3 die Mitarbeiter an der von Diderot angeregten, von ihm und d′ Alembert herausgegebenen „Encyclopédie“, dem großen, maßgebenden Werk der französischen Aufklärung; u. a. J.-J. Rousseau, Voltaire, Baron Holbach, Montesquieu, E. B. de Condillac.
4 Aus: Bertelsmann Electronic Publishing – Verlagsprogramm


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