Subtitle: Die symbolische Bedeutung von Nahrung
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 17 Pages
Author: Caroline Dorsch
Subject: Ethnology / Cultural Anthropology
Details
Institution/College: University of Heidelberg (Institut für Ethnologie)
Tags: Essen, Sozialität, Personenkonzepte, Ozeanien
Year: 2006
Pages: 17
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 4 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-03931-4
File size: 132 KB
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Abstract
Nahrung und soziale Beziehungen stellen für die menschliche Existenz essentielle Faktoren dar. Der Mensch braucht Nahrung, um biologisch am Leben bleiben zu können, soziale Kontakte sind in psychologischer Hinsicht aber ebenso wichtig. Dies sind sicherlich Universalien, die für nahezu alle Menschen auf der Welt gelten können. Es gibt nun aber dennoch Unterschiede, wie Nahrung innerhalb einer Gesellschaft gewichtet wird. Das westliche Konzept sieht in Nahrung weitestgehend den biologischen Aspekt, den Menschen mit lebensnotwendigen Stoffen zu versorgen und am Leben zu erhalten. In der westlichen schnelllebigen Gesellschaft, in der Nahrung und die Nahrungsaufnahme mehr und mehr in die Kategorie Fast Food eingeordnet werden können, verliert Essen im Alltag zunehmend die soziale Dimension. Im Gegensatz zu unserer westlichen Gesellschaft nimmt Essen in verschiedenen Gesellschaften in Ozeanien unterschiedliche Stellenwerte ein. Nahrung dient hier nicht nur dem Erhalt der biologischen Funktionen des menschlichen Körpers, sondern ist vielmehr wichtiger Bestandteil des sozialen Lebens. In dieser Hausarbeit sollen verschiedene Aspekte von Nahrung in unterschiedlichen Gesellschaften näher betrachtet werden und im Schlussteil mit westlichen Vorstellungen bzw. Praktiken verglichen werden. Welche unterschiedlichen symbolischen Bedeutungen dem Essen bzw. der Nahrung zugeschrieben werden können, soll im ersten Teil dieser Hausarbeit verdeutlich werden. Somit eröffnet das erste Kapitel mit einem Beispiel der Cook Insulaner. Migration stellt in vielen Teilen Ozeaniens ein probates Mittel dar, um verschiedene Aspekte des Lebens in einem anderen Land zu verbessern – eine bessere schulische Ausbildung für die Kinder, höhere Chancen einen Beruf zu finden, der adäquat bezahlt wird usw. Deshalb sind Migration, die Bildung von Diasporas und die Kontakte der Migranten zum Heimatland ein immer wichtigeres Thema. Häufig werden hierbei Zahlungen, die Migranten an in der Heimat gebliebene Angehörige leisten, betont. Es wird zum Teil aber übersehen, dass das Verhältnis zwischen Migranten und Familienangehörigen in der Heimat von einem reziproken Charakter geprägt ist. Um dies zu veranschaulichen und als Beispiel dafür, wie es Migranten gelingt, ihre Verbundenheit mit dem Heimatland und ihre sozialen Kontakte mit ihren Familienangehörigen aufrechtzuerhalten, soll das Beispiel der Cook Insulaner näher besprochen werden.
Excerpt (computer-generated)
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Institut für Ethnologie
Fakultät für Verhaltens- und Empirische Kulturwissenschaften
Hauptseminar: Personenkonzepte in Ozeanien
SS 2006
Hausarbeit
Essen und Sozialität
Die symbolische Bedeutung von Nahrung
abgegeben am 21.09.2006
vorgelegt von:
Caroline Dorsch
8. Fachsemester
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung 3
2
Der besondere Stellenwert von Essen aus der Heimat für Migranten 4
3
Zusammenhänge zwischen Arbeit, Anerkennung und Nahrung 6
4
Erziehung bzw. die Vermittlung der Zusammenhänge zwischen Arbeit, Anerkennung
und Nahrung 6
5
Unerfüllte Erwartungen 7
6
Das Zeigen von Gefühlen durch Nahrung 8
a) Bereitstellen bzw. Weitergeben von Nahrungsmitteln 8
b) Verweigern bzw. Ablehnen von Nahrungsmitteln 9
7
Nahrungstabus als Kennzeichen für die soziale, familiäre Struktur 10
7.1
Nahrungstabus 10
7.2
spezielle Rituale, bei denen die Nahrungstabus außer Kraft gesetzt sind 11
8
Zusammenfassung 12
Literaturverzeichnis 16
2
1 Einleitung
Nahrung und soziale Beziehungen stellen für die menschliche Existenz essentielle
Faktoren dar.
Der Mensch braucht Nahrung, um biologisch am Leben bleiben zu können, soziale
Kontakte sind in psychologischer Hinsicht aber ebenso wichtig. Dies sind sicherlich
Universalien, die für nahezu alle Menschen auf der Welt gelten können.
Es gibt nun aber dennoch Unterschiede, wie Nahrung innerhalb einer Gesellschaft
gewichtet wird.
Das westliche Konzept sieht in Nahrung weitestgehend den biologischen Aspekt, den
Menschen mit lebensnotwendigen Stoffen zu versorgen und am Leben zu erhalten. In der
westlichen schnelllebigen Gesellschaft, in der Nahrung und die Nahrungsaufnahme mehr
und mehr in die Kategorie Fast Food eingeordnet werden können, verliert Essen im Alltag
zunehmend die soziale Dimension.
Im Gegensatz zu unserer westlichen Gesellschaft nimmt Essen in verschiedenen
Gesellschaften in Ozeanien unterschiedliche Stellenwerte ein. Nahrung dient hier nicht
nur dem Erhalt der biologischen Funktionen des menschlichen Körpers, sondern ist
vielmehr wichtiger Bestandteil des sozialen Lebens.
Anhand der hier kurz vorgestellten verwendeten Literatur sollen in dieser Hausarbeit
verschiedene Aspekte von Nahrung in unterschiedlichen Gesellschaften näher betrachtet
werden und im Schlussteil mit westlichen Vorstellungen bzw. Praktiken verglichen
werden.
In dem Artikel ,,Love Food: Exchange and Sustenance in the Cook Island Diaspora"
beschreibt Kalissa Alexeyeff, wie es Migranten der Cook Inseln durch Nahrung bzw.
Nahrungsaustausch gelingt, weiter mit ihrem Heimatland verbunden zu bleiben und die
sozialen Kontakte mit ihren Familienangehörigen und Bekannten aufrechtzuerhalten.
,,Working Mothers and the Work of Culture in a Papua New Guinea Society", ein Artikel
von Kathleen Barlow, behandelt den Zusammenhang zwischen Arbeit, Nahrung und
Anerkennung innerhalb der Gesellschaft der Murik mit besonderem Interesse an der
Aufgabe der Mütter, die den Kindern eben diese Zusammenhänge in der Erziehung
vermitteln.
Der Buchbeitrag Fighting Hierarchy. Relations of Egality and Hierarchy among the May
River Iwam of Papua New Guinea von Rune Paulsen geht auf die soziale Struktur der
May River Iwam ein, innerhalb derer Nahrungstabus eine hierarchisch klassifikatorische
Bedeutung innehaben.
3
Welche unterschiedlichen symbolischen Bedeutungen dem Essen bzw. der Nahrung
zugeschrieben werden können, soll im ersten Teil dieser Hausarbeit verdeutlich werden.
Somit eröffnet das erste Kapitel mit einem Beispiel der Cook Insulaner.
2 Der besondere Stellenwert von Essen aus der Heimat für Migranten
Migration stellt in vielen Teilen Ozeaniens ein probates Mittel dar, um verschiedene
Aspekte des Lebens in einem anderen Land zu verbessern eine bessere schulische
Ausbildung für die Kinder, höhere Chancen einen Beruf zu finden, der adäquat bezahlt
wird usw. Deshalb sind Migration, die Bildung von Diasporas und die Kontakte der
Migranten zum Heimatland ein immer wichtigeres Thema.
Häufig werden hierbei Zahlungen, die Migranten an in der Heimat gebliebene Angehörige
leisten, betont. Es wird zum Teil aber übersehen, dass das Verhältnis zwischen Migranten
und Familienangehörigen in der Heimat von einem reziproken Charakter geprägt ist. Um
dies zu veranschaulichen und als Beispiel dafür, wie es Migranten gelingt, ihre
Verbundenheit mit dem Heimatland und ihre sozialen Kontakte mit ihren
Familienangehörigen aufrechtzuerhalten, soll das Beispiel der Cook Insulaner näher
besprochen werden.
Als wichtiges Hilfsmittel hierbei dienen vor allem Nahrung und deren Austausch. Dies
erklärt die Tatsache, dass Nahrungsmittel aus der Heimat für Cook Insulaner einen
höheren Stellenwert einnehmen als das Essen, das im Einwanderungsland erhältlich ist.
(vgl. Alexeyeff 2004: 72). Sie erachten Nahrung nicht nur als lebensnotwendig für den
Körper, sondern sehen darin eine weitaus wichtigere symbolische Bedeutung. Eine in
Neuseeland lebende Cook Insulanerin beschreibt dies wie folgt: Food nurtures not just
our bodies but also our kinship ties and spiritual ties to homeland. (Alexeyeff 2004: 69).
Die symbolische Bedeutung wird durch die Assoziation von Essen mit Liebe verständlich.
Um dies zu verstehen, muss man wissen, dass es in der Sprache der Cook Insulaner weder
ein Wort für Liebe noch die Möglichkeit, ,,Ich liebe dich" zu sagen, gibt (vgl. Alexeyeff
2004: 71).
Durch Nahrungsmittel werden also Gefühle vermittelt, die normalerweise mit Worten
nicht ausgedrückt werden können.
Als Beispiel dafür, welch besondere Bedeutung Nahrung aus dem Heimatland für
Migranten hat, sei das Beispiel einer Frau erwähnt, die das von den Cook Inseln
mitgebrachte Essen nicht nach Neuseeland einführen durfte. Als ihr am Flughafen die
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