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Die Zuspitzung der Grausamkeit in Fassbinders "Martha"

Termpaper, 2006, 21 Pages
Author: Kristin Reichenbächer
Subject: Communications: Movies and Television

Details

Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 21
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V90108
ISBN (E-book): 978-3-638-04146-1
ISBN (Book): 978-3-640-40993-8
File size: 97 KB

Abstract

„Die Ehe als Vampirgeschichte“ - so lautet eine der zahlreichen Kritiken zu Fassbinders „Martha“ aus dem Jahre 1973. Diese Bewertung ist ganz in seinem Sinne, da er genau das, die Liebe als Utopie und den Wunsch der Frauen unterdrückt zu werden, darstellen wollte. Fassbinder schreibt ein Drehbuch voller Emotionen, psychischer und physischer Gewalt. Es entsteht ein Drama, indem Fassbinder seiner zutiefst skeptischen Haltung zur Liebe, wie in keinem seiner anderen Filme, Ausdruck verleiht. Diese Arbeit setzt sich mit der im Film klar erkennbaren Steigerung der Grausamkeit auseinander, analysiert diese auf der inhaltlichen Ebene und betrachtet die filmischen Mittel, die der Unterstreichung der grausamen Elemente dienen. Der Begriff der Grausamkeit dient als Oberbegriff für jegliche Art der körperlichen und seelischen Gewalt, der Martha, die Hauptdarstellerin, ausgeliefert ist oder der sie ausgesetzt werden will. Die Gewalt und auch die Isolation zur Aussenwelt intensivieren sich im Verlauf ihrer Ehe mit Helmut zunehmend, werden unerträglich und enden tragisch. Der Begriff der Zuspitzung umschreibt diese dramatische Entwicklung. Nach einer kurzen Inhaltsangabe des Films „Martha“ von Fassbinder, beginnt diese Arbeit mit einer vertiefenden, chronologischen Betrachtung der Sequenzen, welche die Steigerung der Grausamkeit besonders bekräftigen. Diese Sequenzen werden zunächst inhaltlich analysiert und im Anschluss folgt eine kurze Betrachtung, wie die filmischen Mittel zur Verstärkung der inhaltlichen Seite eingesetzt werden. Die Darstellung wird abschließend durch einen Vergleich zu Cornell Woolrichs Kurzgeschichte „For the rest of her life“ ergänzt. Dieser Vergleich hat einerseits das Ziel, auch hier die prägnantesten Stufen der Gewalt aufzuzeigen. Gleichzeitig werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem Film „Martha“ und der Kurzgeschichte „Für den Rest ihres Lebens“ herausgestellt.


Excerpt (computer-generated)

Pädagogische Hochschule Freiburg

Institut für deutsche Sprache und Literatur

Seminar: Rainer Werner Fassbinder

Wintersemester 2005/2006

Die Zuspitzung der Grausamkeit

in Fassbinders ,,Martha"

Kristin Reichenbächer


3. Semester

Schwerpunkt Grundschule

Deutsch, Haushalt/Textil, Mathematik


Inhalt

1. Einleitung _______________________________________________________________ 3

2. Inhaltsangabe zu ,,Martha" von Rainer Werner Fassbinder_______________________ 4

3. Zuspitzung der Grausamkeit und ihre Darstellung in ,,Martha" ___________________ 4

3.1 Wiedersehen von Martha und Helmut __________________________________________ 5

3.1.1 Betrachtung der inhaltlichen Ebene __________________________________________________ 5

3.1.2 Auffälligkeiten in der filmischen Umsetzung___________________________________________ 5

3.2 Achterbahnfahrt ____________________________________________________________ 6

3.2.1 Betrachtung der inhaltlichen Ebene __________________________________________________ 6

3.2.2 Auffälligkeiten in der filmischen Umsetzung___________________________________________ 6

3.3 Sonnenbrand _______________________________________________________________ 7

3.3.1 Betrachtung der inhaltlichen Ebene __________________________________________________ 7

3.3.2 Auffälligkeiten in der filmischen Umsetzung___________________________________________ 8

3.4 Zunehmende Isolierung und Missbrauch Marthas ________________________________ 9

3.4.1 Betrachtung der inhaltlichen Ebene __________________________________________________ 9

3.4.2 Auffälligkeiten in der filmischen Umsetzung__________________________________________ 11

3.5 Marthas Flucht und ihre Folgen ______________________________________________ 12

3.5.1 Betrachtung der inhaltlichen Ebene _________________________________________________ 12

3.5.2 Auffälligkeiten in der filmischen Umsetzung__________________________________________ 13

4. Vergleich der Zuspitzung zwischen Fassbinders ,,Martha" und Woolrichs ,,Für den Rest

ihres Lebens" _____________________________________________________________ 14

4.1 Grundlegende Informationen ________________________________________________ 14

4.2 Gemeinsamkeiten und Unterschiede ___________________________________________ 14

4.2.1 Entscheidende Vorüberlegung _____________________________________________________ 14

4.2.2 Flitterwochen __________________________________________________________________ 15

4.2.3 Donnerstagnacht ________________________________________________________________ 15

4.2.4 Folgen des Missbrauchs __________________________________________________________ 16

4.2.5 Sadismus______________________________________________________________________ 16

4.2.6 Todesangst ____________________________________________________________________ 17

4.2.7 Im Krankenhaus ________________________________________________________________ 18

5. Schlusswort_____________________________________________________________ 19

Quellenverzeichnis _________________________________________________________ 20

2


1. Einleitung

,,Die Ehe als Vampirgeschichte"1 - so lautet eine der zahlreichen Kritiken zu Fassbinders

,,Martha" aus dem Jahre 1973. Diese Bewertung ist ganz in seinem Sinne, da er genau das, die

Liebe als Utopie2 und den Wunsch der Frauen unterdrückt zu werden, darstellen wollte.

Fassbinder schreibt ein Drehbuch voller Emotionen, psychischer und physischer Gewalt. Es

entsteht ein Drama, indem Fassbinder seiner zutiefst skeptischen Haltung zur Liebe, wie in

keinem seiner anderen Filme, Ausdruck verleiht.3

Diese Arbeit setzt sich mit der im Film klar erkennbaren Steigerung der Grausamkeit

auseinander, analysiert diese auf der inhaltlichen Ebene und betrachtet die filmischen Mittel,

die der Unterstreichung der grausamen Elemente dienen. Der Begriff der Grausamkeit dient

als Oberbegriff für jegliche Art der körperlichen und seelischen Gewalt, der Martha, die

Hauptdarstellerin, ausgeliefert ist oder der sie ausgesetzt werden will. Die Gewalt und auch

die Isolation zur Aussenwelt intensivieren sich im Verlauf ihrer Ehe mit Helmut zunehmend,

werden unerträglich und enden tragisch. Der Begriff der Zuspitzung umschreibt diese

dramatische Entwicklung.

Nach einer kurzen Inhaltsangabe des Films ,,Martha" von Fassbinder, beginnt diese Arbeit mit

einer vertiefenden, chronologischen Betrachtung der Sequenzen, welche die Steigerung der

Grausamkeit besonders bekräftigen. Diese Sequenzen werden zunächst inhaltlich analysiert

und im Anschluss folgt eine kurze Betrachtung, wie die filmischen Mittel zur Verstärkung der

inhaltlichen Seite eingesetzt werden. Die Darstellung wird abschließend durch einen

Vergleich zu Cornell Woolrichs Kurzgeschichte ,,For the rest of her life"4 ergänzt. Dieser

Vergleich hat einerseits das Ziel, auch hier die prägnantesten Stufen der Gewalt aufzuzeigen.

Gleichzeitig werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem Film ,,Martha" und

der Kurzgeschichte ,,Für den Rest ihres Lebens" herausgestellt.

1 Jeremias, Brigitte: Die Ehe als Vampirgeschichte. FAZ vom 30.05.1974. Aus: Limmer, Wolfgang: Rainer

Werner Fassbinder, Filmemacher. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1981. S. 165.

2 Vgl. Jansen, Peter W. und Schütte, Wolfgang: Rainer Werner Fassbinder. Frankfurt am Main: Fischer-

Taschenbuch-Verlag, 1992. S.47.

3 Vgl. www.filmstarts.de/kritiken/klassiker/Martha.html (Stand: 28.02.2006).

4 deutsche Übersetzung: ,,Für den Rest ihres Lebens"

3


2. Inhaltsangabe zu ,,Martha" von Rainer Werner Fassbinder

Rainer Werner Fassbinder schreibt im Jahre 1973 das Drehbuch zum Film und im gleichen

Jahr wird das Drama unter seiner Regie produziert.

Die etwa 30-jährige Martha Hyer, Angestellte einer Bibliothek, verliert auf einer Italienreise

ihren verehrten Vater. Auf dieser Reise begegnet sie auch Helmut Salomon, dem Mann ihres

Lebens.5 Einige Zeit später treffen sie sich zufällig auf der Hochzeit ihrer Freundin und seines

Bruders. Martha, die noch Jungfrau ist, glaubt in Helmut, dessen Dominanz sie als anziehend

empfindet, das große Glück gefunden zu haben. Sie heiraten schnell. Doch das anfängliche

Glück und die Faszination Marthas entwickeln sich allmählich und in zunehmender Intensität

zu Furchtsamkeit und Qual. Der herrschsüchtige Helmut beginnt, sie immer mehr zu

unterdrücken und von der Aussenwelt abzuschotten. Anfangs fühlt sich Martha noch durch

seine starke sadistische Ader in ihren fast schon masochistischen Bedürfnissen befriedigt,

doch im Laufe der Ehe leidet sie zunehmend an seinen perversen Machtspielchen und

Misshandlungen. Er bestimmt über ihr Leben und sie lässt das zu. ,,Beide ergänzen sich in

ihrem Willen zu quälen und zu leiden."6

Schließlich sucht Martha Zuflucht bei einem ehemaligen Arbeitskollegen, Herrn Kaiser. Von

Helmut bis zur Todesangst getrieben, bittet Martha Herrn Kaiser sie von dem seelischen und

körperlichen Terror ihres Mannes zu befreien. Dieser Befreiungsversuch wird Beiden zum

Schicksal. Martha verursacht durch ihre Phobien und ihre Hysterie einen Autounfall, der für

Herrn Kaiser tödlich und für Martha in einer Querschnittlähmung endet. Von nun an, an den

Rollstuhl gefesselt, ist Martha für den Rest ihres Lebens ganz ihrem Mann ausgeliefert.7

3. Zuspitzung der Grausamkeit und ihre Darstellung in ,,Martha"

Die nachstehenden Analysen zeigen die Steigerung der Grausamkeit, der Martha ausgeliefert

ist. Die Darstellung beginnt in der Sequenz, in der sich Martha und Helmut das erste mal,

nach der kurzen Begegnung in Rom, wieder sehen.

5 Vgl. Limmer, Wolfgang: Rainer Werner Fassbinder, Filmemacher. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1981. S.

165.

6 www.filmstarts.de/kritiken/klassiker/Martha.html (Stand: 28.02.2006).

7 Vgl. Limmer, W.: Rainer Werner Fassbinder, Filmemacher. S. 165.

4


3.1 Wiedersehen von Martha und Helmut

Die folgenden Überlegungen beziehen sich auf die Szenen in Kapitel 5 von 0:25:27 bis

0:32:30.

3.1.1 Betrachtung der inhaltlichen Ebene

Martha und Helmut treffen sich zufällig auf der Hochzeit ihrer Freundin und seines Bruders

wieder. Martha leugnet zunächst ihn zu kennen, vermutlich aus Scham vor den anderen

Gästen und um ihre Faszination an Helmut, ihrem zukünftigen Mann, zu verdecken. Helmut

hat sichtlich ihr Interesse geweckt und ihr Vertrauen gewonnen. Doch ihre Gutgläubigkeit

wird missbraucht. Sehr bedeutungsvoll ist Helmuts Verhalten, da dieses bereits in der

Kennlernphase der Beiden erkennen lässt, welchen Lauf die Zukunft nehmen wird. Er

beschämt sie beispielsweise als sie zugibt, ihn seit ihrer kurzen Begegnung in Rom, nicht

mehr vergessen zu haben aber er entgegen bringt, dieses nicht ausgesagt zu haben. Ausserdem

sagt Helmut, dass sie weder attraktiv noch schön wäre. Die größte Erniedrigung erlebt sie hier

jedoch, als er sie herablassend fragt, ob sie noch Jungfrau wäre. Dies verweist auf den

Stellenwert von Sex in ihrer zukünftigen Ehe und darauf, dass er ihre Gefühlswelt nicht

akzeptiert. Martha bejaht seine Frage. Nicht nur seine Wortwahl bei all diesen verbalen

Verletzungen hat demütigenden Charakter, sondern vor allem seine musternden und gierigen

Blicke, sein bösartiges Lachen, seine Gestik und seine Intonation. Helmut ist grob zu ihr und

fasst sie lieblos an ihre Brust. Er zieht sie energisch an sich und küsst sie derb auf Dekolletee

und Hals. Hier wird zum ersten Mal seine vampirische Sonderbarkeit deutlich.

Schon diese Sequenz macht auf Grausamkeiten in mildem Sinne aufmerksam und lässt

durchblicken, welche Entwicklung die Beziehung der Beiden nimmt. Helmut verletzt Marthas

Gefühle und trotzdem, oder gerade deswegen, lässt sie sich auf ihn ein. Dies verweist auf ihre

masochistische Ader.

3.1.2 Auffälligkeiten in der filmischen Umsetzung

Alle Hochzeitsgäste sitzen an einer langen Tafel und Helmut spricht Martha direkt darauf an,

dass sie sich ja schon einmal begegnet wären. Martha weist dies ab und während dieses

kurzen Dialogs ist die komplette Tafel im Bild, die Gäste rechts daran sitzend. Auffällig ist,

dass Martha ganz am Ende der Tafel bzw. des Raumes sichtbar wird und Helmut in der Mitte.

Die Einstellung bewirkt einen emotionalen Zugang der Zuschauer zu Martha. Denn nicht nur

die Enge und Marthas Stellenwert in der zukünftigen Ehe werden ausgedrückt sondern auch,

dass sie sich in diesem Moment alleine fühlt und völlig überrumpelt ist in ihren Gefühlen. In

den darauf folgenden Dialogen sind die beiden Hauptdarsteller überwiegend aus der

5



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