Termpaper, 2006, 54 Pages
Authors: Michael Löhr, Christian Heins Lutz Wehlitz
Subject: Nursing / Foster Care Management / Social Services
Details
Institution/College: University of Applied Sciences Osnabrück
Tags: Beschwerdemanagement, Betriebswirschaftslehre
Year: 2006
Pages: 54
Grade: Keine
Bibliography: ~ 11 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-19505-3
File size: 2186 KB
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Abstract
In einem „enger“ werdenden Gesundheitsmarkt mit einer steigenden Konkurrenz durch die in den letzten Jahren voranschreitende Privatisierung der Krankenhäuser, ist es für jedes einzelne Krankenhaus erforderlich geworden Kunden zu gewinnen und diese im besonderen zu halten. Mit Kunden von Krankenhäusern sind vorrangig die Patienten gemeint aber natürlich im Besonderen auch die einweisenden Ärzte, Lieferanten sowie andere Leistungsabnehmer des Krankenhauses (z. B. Pflegedienste, Fachärzte, Partnerkliniken, Hospize etc.). Um diese Kunden im Unternehmen zu binden, ist ein Beschwerdemanagementsystem unserer Meinung nach ein gutes Mittel. Beschwerden sind „Artikulationen von Unzufriedenheit, die gegenüber Unternehmen oder auch Drittinstitutionen mit dem Zweck geäußert werden, auf ein subjektiv als schädigend empfundenes Verhalten eines Anbieters aufmerksam zu machen, Wiedergutmachung für erlittene Beeinträchtigungen zu Erreichen und/oder eine Änderung des kritisierten Verhaltens zu bewirken.“ Im folgenden wird unter einer Beschwerde „jede schriftliche, telefonische oder persönliche Unzufriedenheitsäußerung eines potenziellen oder tatsächlichen Kunden gegenüber dem Hersteller oder einem Absatzmittler verstanden, die sich auf ein wahrgenommenes Problem mit der Kernleistung, der Zusatzleistung und/oder dem Verhalten von Mitarbeitern eines Anbieters vor, während oder nach dem Kauf bezieht und die darauf abzielt, auf Basis eines vorhandenen oder nicht vorhandenen kaufrechtlichen Anspruchs Wiedergutmachung zu erreichen, auf diese Problem aufmerksam zu machen, ein solches Problem mit dem Anbieter nicht noch einmal zu erleben und/oder dem Ärger über das Problem Luft zu machen.“ Durch ein Beschwerdemanagement sollen Unzufriedenheiten aufgedeckt und abgestellt werden. Ein Beschwerdemanagement umfasst die „Planung, Durchführung und Kontrolle aller Maßnahmen (…) die ein Untenehmen im Zusammenhang mit Beschwerden ergreift.“ Im weiteren werden wir den Beschwerdemanagementprozess in seinen einzelnen Schritten darstellen und zu jedem Teilschritt einen Praxisbezug, soweit vorhanden, zu einem Beispielkrankenhaus (Westfälische Klinik Gütersloh) auf-zeigen. Der Beschwerdemanagementprozess ist unterteilt in einen direkten und einen indirekten Beschwerdemanagementprozess.
Excerpt (computer-generated)
Beschwerdemanagement
Hausarbeit im Fach Betriebswirtschaftslehre
Fachhochschule Osnabrück
Diplomstudiengang Pflege- und Gesundheitsmanagement
Wintersemester 2005 / 2006
Verfasser: Christian Heins
Lutz Wehlitz
Michael Löhr
Datum der Abgabe: 26. März 2006
1. Einleitung 4
2. Praxisbeispiele 5
3. Beschreibung der Westfälischen Klinik G 5
4. Direkter Beschwerdemanagementprozess 7
4.1. Beschwerdestimulierung 7
4.2. Beschwerde Stimulierung in der Bernhard-Salzmann-Klinik 11
4.3. Beschwerdeannahme 15
4.4. Beschwerdewege und Beschwerdeannahme in der
Bernhard-Salzmann-Klinik 17
4.4.1. Kliniksprecher 17
4.4.2. Patientenverabschiedung 17
4.4.3. Beschwerdekasten 19
4.4.4. Beschwerden und Anregungen an die Klinikleitung 19
4.4.5. Beschwerdekommission LWL 19
4.4.6. Schriftliche Patientenbeschwerden an die Leistungsträger 19
4.5. Beschwerdebearbeitung 19
4.5.1. Der Prozess Owner 22
4.5.2. Der Complaint Owner 22
4.5.3 Der Task Owner 23
4.6. Beschwerdebearbeitung und Prozessverantwortliche in der Bernhard-
Salzmann-Klinik 26
4.6.1. Alleinbearbeitungsprozess 26
4.6.2. Einbeziehungsprozess 27
4.6.3. Abgabeprozess 27
4.6.4. Ownerships in der BSK 27
4.7. Beschwerdereaktion 27
4.8. Beschwerdereaktionen in der Bernhard-Salzmann-Klinik 31
4.8.1. Beschwerdereaktion über den Kliniksprecher BSK 31
4.8.2. Beschwerdereaktion Patientenverabschiedung BSK 31
4.8.3. Beschwerdereaktion Beschwerdekasten 31
4.8.4. Beschwerdereaktion Klinikleitung Westfälische Klinik G. 32
4.8.5. Beschwerdereaktion Beschwerdekommission LWL 32
4.8.6. Beschwerdereaktion schriftliche Patientenbeschwerde an den
Leistungsträger 33
2
5. Indirekter Beschwerdemanagementprozess 33
5.1 Quantitative Beschwerdeauswertung 33
5.2 Qualitative Beschwerdeauswertung 37
5.3 Ishikawa-Diagramm falsche Essensbestellung BSK 38
5.4 Beschwerdeinformationsnutzung 40
5.5 Beschwerdeinformationen im Einsatz von Qualitätsverbesserungsteams und
Qualitätszirkeln 41
5.6 Beschwerdeinformationen im Einsatz oder zur Einrichtung von Kundenforen 42
5.6.1 Einbindung von Patienten in der BSK 43
5.7 Beschwerdeinformationen in Verbindung mit dem
Kundenwissensmanagement. 43
5.8 Beschwerdemanagement-Controlling 44
5.9 Evidenz-Controlling 45
5.10 Beschwerdequote 46
5.11 Artikulationsquote 46
5.12 Beschwerde-Evidenzquote 47
5.13 Folgebeschwerde-Evidenzquote 47
5.14 Aufgaben-Conrolling 48
5.15 Kosten-Nutzen-Controlling 49
5.16 Beschwerdereporting 50
Quellenverzeichnis 52
3
1. Einleitung
In einem ,,enger" werdenden Gesundheitsmarkt mit einer steigenden Konkurrenz
durch die in den letzten Jahren voranschreitende Privatisierung der Krankenhäuser,
ist es für jedes einzelne Krankenhaus erforderlich geworden Kunden zu gewinnen
und diese im besonderen zu halten. Mit Kunden von Krankenhäusern sind vorrangig
die Patienten gemeint aber natürlich im Besonderen auch die einweisenden Ärzte,
Lieferanten sowie andere Leistungsabnehmer des Krankenhauses (z. B. Pflege-
dienste, Fachärzte, Partnerkliniken, Hospize etc.). Um diese Kunden im Unterneh-
men zu binden, ist ein Beschwerdemanagementsystem unserer Meinung nach ein
gutes Mittel.
Beschwerden sind ,,Artikulationen von Unzufriedenheit, die gegenüber Unternehmen
oder auch Drittinstitutionen mit dem Zweck geäußert werden, auf ein subjektiv als
schädigend empfundenes Verhalten eines Anbieters aufmerksam zu machen, Wie-
dergutmachung für erlittene Beeinträchtigungen zu Erreichen und/oder eine Ände-
rung des kritisierten Verhaltens zu bewirken."1 Im folgenden wird unter einer Be-
schwerde ,,jede schriftliche, telefonische oder persönliche Unzufriedenheitsäußerung
eines potenziellen oder tatsächlichen Kunden gegenüber dem Hersteller oder einem
Absatzmittler verstanden, die sich auf ein wahrgenommenes Problem mit der Kern-
leistung, der Zusatzleistung und/oder dem Verhalten von Mitarbeitern eines Anbie-
ters vor, während oder nach dem Kauf bezieht und die darauf abzielt, auf Basis eines
vorhandenen oder nicht vorhandenen kaufrechtlichen Anspruchs Wiedergutmachung
zu erreichen, auf diese Problem aufmerksam zu machen, ein solches Problem mit
dem Anbieter nicht noch einmal zu erleben und/oder dem Ärger über das Problem
Luft zu machen." 2 Durch ein Beschwerdemanagement sollen Unzufriedenheiten auf-
gedeckt und abgestellt werden. Ein Beschwerdemanagement umfasst die ,,Planung,
Durchführung und Kontrolle aller Maßnahmen (...) die ein Untenehmen im Zusam-
menhang mit Beschwerden ergreift."3 Im Weiteren werden wir den Beschwerdema-
nagementprozess in seinen einzelnen Schritten darstellen und zu jedem Teilschritt
einen Praxisbezug, soweit vorhanden, zu einem Beispielkrankenhaus (Westfälische
1 Stauss, Bernd Seidel, Wolfgang, 2002, S. 47
2 Fürst, Andereas, 2005, S. 10
3 Wimmer, F, 1985, S. 223
4
Klinik G.) aufzeigen. Der Beschwerdemanagementprozess ist unterteilt in einen di-
rekten und einen indirekten Beschwerdemanagementprozess.
2. Praxisbeispiele
Für die bessere Beschreibung des direkten und indirekten
Beschwerdemanagements, wird die Theorie anhand eines Praxisbeispiels (wenn
vorhanden) der Westfälischen Klinik G. erläutert und beschrieben.
An dieser Stelle wird nun die Einrichtung vorgestellt.
3. Beschreibung der Westfälischen Klinik G.
Krankenhausträger der Westfälische Klinik G. ist der Landschaftsverband Westfalen
Lippe. Geführt wird die Klinik als organisatorisch und wirtschaftlich eigenständige
Einrichtung, nach Maßgabe des Krankenhausgesetztes Nordrhein Westfalens und
der Betriebssatzung für Krankenhäuser des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.
Führung durch die Betriebsleitung: Ärztliche Direktorin, Prof. Dr. med. I. B. sowie
durch die Pflegedirektorin, R. E. und den Kaufmännischen Direktor, R. L..
Die Westfälische Klinik G. hat folgende Aufgabengebiete:
· Ambulante, teilstationäre und stationäre Behandlung in der Fachdisziplin
Psychiatrie und Psychotherapie; insbesondere Gewährleistung der
psychiatrischen Pflichtversorgung
· Stationäre Behandlung in den Fachdisziplinen Neurologie und Innere
Medizin/Psychosomatik
· Medizinische Rehabilitation Abhängigkeitserkrankter
· Ambulante, teilstationäre und stationäre Pflege
· Ambulante
und
teilstationäre Eingliederungshilfe
Im folgendem werden die Abteilungen mit Ihren Bettenkapazitäten bzw. Plätze der
Krankenhausbehandlung und der ambulanten Dienste dargestellt.
Fachdisziplin Psychiatrie,
Allgemeine Psychiatrie
113 Betten stationär
40
tagesklinische
Plätze
Suchtkrankenbehandlung
56 Betten stationär
10
tagesklinische
Plätze
5
Qualifizierte Entgiftung
12 Betten stationär
Gerontopsychiatrie
41 Betten stationär
29
tagesklinische
Betten
Fachdisziplin Neurologie
60 Betten stationär
Fachdisziplin Innere Med./Psychoso.
60 Betten stationär
Gesamt:
421
Betten und Plätze
Rehabilitation
Medizinische Rehabilitation
Abhängigkeitserkrankter Abteilung
Bernhard-Salzmann-Klinik
126 Plätze (7 Therapiegruppen)
Pflege
Westfälisches Pflegezentrum G.
Tages-, Kurzzeit- und stationäre Pflege,
ambulanter Dienst
40 Plätze
Eingliederung behinderter Menschen
Westfälischer Wohnverbund G.
Förderung, Ambulante Betreuung,
Familienpflege
25
Plätze
Betreutes Wohnen
60 Plätze
Die ambulante Behandlung wird durch eine Institutsambulanz nach § 118 SBG V
gewährleistet.
Die Westfälische Klinik G. hat zurzeit 610 Personalstellen.
Ein geregeltes Beschwerdemanagement erfolgt zurzeit in der medizinischen
Rehabilitation Abhängigkeitserkranter. Diese Abteilung wird in der Westfälischen
Klinik G. unter der Bezeichnung Bernhard-Salzmann-Klinik (im folgenden BSK)
geführt. Wenn möglich werden die theoretisch ausgearbeiteten Abschnitte durch
Praxisbeispiele ergänzt.
6
4. Direkter Beschwerdemanagementprozess
Der direkte Beschwerdemanagementprozess versucht auf die individuelle Situation
des einzelnen Kunden ausgerichtet Maßnahmen zu treffen, um dessen Unzufrieden-
heit zu beseitigen und eine Beschwerdezufriedenheit zu bewirken. Bei den verschie-
denen Teilaufgaben stehen die Mitarbeiter eines Unternehmens in direktem Kontakt
mit dem Beschwerdeführer. Dieser erwartet vom Auftreten eines Problems bis zu
dessen Lösung eine angemessene Reaktion des Unternehmens. Aus Unterneh-
menssicht sind sämtliche Teilprozesse des direkten Beschwerdemanagementpro-
zesses von der Beschwerdestimulierung, über die Beschwerdeannahme, bis zur
Beschwerdebearbeitung und Beschwerdereaktion immer Kundenbezogen ausgerich-
tet.
4.1. Beschwerdestimulierung
Die Erwartung, dass in ein Unternehmen mit einer geringen Anzahl an eingegange-
nen Beschwerden die Kundenzufriedenheit besonders hoch ist, trifft nicht unbedingt
zu. Eine geringe Beschwerdeanzahl kann auch bedeuten, dass die Beschwerden
teuer, schwierig und unangenehm für den Kunden sind.4 Wenn man davon ausgeht,
dass sich in einem Dienstleistungsunternehmen 26 von 27 unzufriedenen Kunden
nicht beschweren5, kommt es vielmehr darauf an, den Teil der unzufriedenen Kunden
und nicht den der Beschwerden zu minimieren. Unzufriedene Kunden werden für das
Unternehmen trotzdem ,,wirksam". Sie wechseln zu einem anderen Anbieter, geben
ihre Negativerfahrungen im Freundes-, Kollegen- und Familienkreis weiter oder tei-
len ihre Erfahrungen sogar Medien und Drittinstitutionen mit. Eine Untersuchung der
Volkwagen AG ergab, dass unzufriedene Kunden ihre Erfahrungen an 9 bis 10 Per-
sonen weitergeben.6
Ein Unternehmen muss demzufolge daran interessiert sein, möglichst viele
Beschwerden von Unzufriedenen Kunden zu erfassen, um Ansatzpunkte für
Qualitätsverbesserungen zu erhalten. Der Anteil der unausgesprochenen
4 Fornell 1982, S.473
5 Barlow, Möller 1996, S. 39
6 Kerres, Falk, Seeberger 1999, S. 253
7
Beschwerden muss minimiert werden. Dazu ist es notwendig vorhandene Barrieren
zu beseitigen, die den Kunden daran hindern könnten sich zu beschweren7. Hierzu
gehört insbesondere den finanziellen und zeitlichen Aufwand der
beschwerdeführenden Kunden zu minimieren und geeignete Beschwerdewege oder
Beschwerdekanäle zu schaffen. Dem Kunden wird signalisiert, dass er mit seinem
Anliegen ernstgenommen wird und das Unternehmen sich auch bei kleineren
Vorfällen durch klar geregelte Verantwortlichkeiten um die Beseitigung von
Unannehmlichkeiten kümmert. Es hat sich gezeigt, dass auch bei weniger
gravierenden Unzufriedenheiten, Kunden einen Anlass haben abzuwandern. Die
Einrichtung von Beschwerdekanälen bietet dem Kunden die Möglichkeit seine
Unzufriedenheit in der von ihm gewünschten Form zu äußern, z. B. mündlich,
schriftlich (z. B. über Kundenbefragung, Meinungskarten), telefonisch oder
elektronisch (E-Mail, Internet, Touchscreen).
In schriftlicher Form kann neben dem Beschwerdebrief über Meinungskarten eine
Rückmeldung an das Unternehmen erfolgen. Diese wirken beschwerdestimulierend
und erlauben je nach Gestaltung mehr oder weniger differenzierte Aussagen
darüber, wie Service, Freundlichkeit, Zuverlässigkeit empfunden werden.
Umfangreicher und aufwendiger ist eine Kundenbefragung, die über Fragebogen ein
breiteres Spektrum der Kundenzufriedenheit erfasst. Durch ein genaueres Bild des
Unternehmens aus der Sicht des Kunden ergeben sich mehr Möglichkeiten
Konfliktquellen und Problemfelder zu erkennen . Sie werden sich bei gegebener
Anonymität wahrscheinlich auch offen äußern . Die Kunden ihrerseits haben einen
höheren zeitlichen Aufwand, so dass ein etwas geringerer Rücklauf als etwa bei
Meinungskarten erwartet werden kann. Durch Vorankündigungen der Befragung
lässt sich die Rücklauf verbessern.
Damit der Kunde im Krankenhaus alle Beschwerdekanäle nutzen kann, sollte schon
im Aufnahmegespräch auf diese hingewiesen werden. Dieses kann zusätzlich durch
eine Informationsbroschüre geschehen, die dem Kunden ausgehändigt und erläutert
wird. Da der Kontakt zwischen Kunden und Pflegepersonal häufig sehr eng ist,
werden viele Beschwerden des Kunden zuerst an das Pflegepersonal gerichtet, d. h.
das Pflegepersonal fungiert in einer solchen Situation als Beschwerdekanal. Die
Aufgabe der Pflegefachkraft im mittleren Leitungsbereich (Stationsleitung, im
Folgenden abgekürzt: SL) ist, ihre Mitarbeiter für das Thema
7 Stauss, Seidel 2002, S.96
8
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