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Die älteste Minorität in den USA - American Indians

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1993, 22 Pages
Author: Marcus Knoche
Subject: American Studies - Linguistics

Details

Event: Languages in Multicultural Societies. The USA
Institution/College: University of Wuppertal
Tags: Minorität, American, Indians, Languages, Multicultural, Societies
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 1993
Pages: 22
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 19  Entries
Language: German
Archive No.: V92070
ISBN (E-book): 978-3-638-05334-1

File size: 193 KB
Notes :
Es werden keine "neuen linguistischen Erkenntnisse" beschrieben, die Arbeit ist eher landeskundlicher/historischer Natur. Alte Rechtschreibung, Kommafehler, etc.


Abstract

Während der Lektüre von Büchern über Gegenwart und Vergangenheit der amerikanischen Ureinwohner bin auf sehr viele Punkte gestoßen , die einer näheren Erläuterung wert gewesen wären , gerade weil mir etwaige Vorkenntnisse des Lesers oder der Leserin nicht bekannt sind , ich selbst mich jedoch auch vorher schon lange mit diesem Themenkomplex auseinandergesetzt habe ; deshalb war mir bei manchen Ereignissen nicht klar , ob sie als Allgemeinwissen vorausgesetzt werden können oder nur Interessierten bekannt sind. Ich habe jedoch die wichtigsten Ereignisse, die mir zum Verständnis der Situation der indigenen Bevölkerung Nordamerikas als notwendig erscheinen, wenigstens kurz erläutert. Besonders Ereignisse in der Anfangszeit der Kolonialisierung Amerikas konnten von mir aufgrund des immensen Platzes, den eine angemessene Schilderung beanspruchen würde, nicht in ihrer Fülle von mir erwähnt werden. Deshalb habe ich mich in meiner Arbeit auf die notwendigsten Details konzentriert. Wer jedoch eine bequeme Lösung des Problems, wie verschiedene Kulturen in einem Land friedlich koexistieren können, erwartet, muß enttäuscht werden. Viele Ansätze zur Eingliederung der amerikanischen Indianer stecken noch in den Kinderschuhen, und nicht zuletzt deshalb ist in diesem besonderen Fall eine Assimilation problematisch, weil traditionalistisch eingestellte Teile der indianischen Bevölkerung die Eingliederung in ein Gesellschaftssystem, das von ihnen abgelehnt wird , überhaupt nicht wünschen (wofür ich in meiner Arbeit auch Verständnis zu erwecken hoffe). Wie wahrscheinlich oft bei der Beschäftigung mit dem Thema Minoritäten/ Muiltikulturelle Gesellschaften stehen am Ende mehr Probleme als Lösungsmöglichkeiten. Dies sollte aber nicht von einer notwendigen Beschäftigung mit diesem Problem abschrecken; nur weil es keine einfachen Lösungen gibt, heißt das noch lange nicht, daß es überhaupt keine gibt. Viele Lösungsansätze (bes. die von mir beschriebenen 'Cultural Retention Programs) benötigen auch einfach einen bestimmten Zeitraum, um greifen zu können. Ich habe mich in einem Teil meiner Arbeit mit der zwangsweisen Einführung der englischen Sprache als Mittel zur Assimilation beschäftigt, weil gerade hier gezeigt wird , wie auf den ersten Blick negative Auswirkungen später zu einem Vorteil für die Betroffenen werden können.


Excerpt (computer-generated)

Wintersemester 1992/93

Hauptseminar Fachdidaktik : Languages in Multicultural Societies. The USA






Die älteste Minorität in den USA : American Indians

Marcus Knoche

Abgabedatum : 1. 4. 1993



Inhaltsverzeichnis

Einleitung 3

Die indianische Minorität in der USA: Eine kurze Beschreibung der US - Politik 4

Englisch als Mittel zur "forced assimilation" 8

Erste Verbesserungen , Urbanisierung und Selbstorganisation 11

Situation der Indian students und ′Minority Studies Programs′ 14

Linguistische Projekte und ′Cultural Retention Programs′ 17

Literaturverzeichnis 19

2


Einleitung

Während der Lektüre von Büchern über Gegenwart und Vergangenheit der amerikanischen

Ureinwohner bin auf sehr viele Punkte gestoßen , die einer näheren Erläuterung wert gewesen

wären , gerade weil mir etwaige Vorkenntnisse des Lesers oder der Leserin nicht bekannt sind

, ich selbst mich jedoch auch vorher schon lange mit diesem Themenkomplex

auseinandergesetzt habe ; deshalb war mir bei manchen Ereignissen nicht klar , ob sie als

Allgemeinwissen vorausgesetzt werden können oder nur Interessierten bekannt sind. Ich habe

jedoch die wichtigsten Ereignisse, die mir zum Verständnis der Situation der indigenen

Bevölkerung Nordamerikas als notwendig erscheinen, wenigstens kurz erläutert. Besonders

Ereignisse in der Anfangszeit der Kolonialisierung Amerikas konnten von mir aufgrund des

immensen Platzes, den eine angemessene Schilderung beanspruchen würde, nicht in ihrer

Fülle von mir erwähnt werden. Deshalb habe ich mich in meiner Arbeit auf die notwendigsten

Details konzentriert. Wer jedoch eine bequeme Lösung des Problems, wie verschiedene

Kulturen in einem Land friedlich koexistieren können, erwartet, muß enttäuscht werden. Viele

Ansätze zur Eingliederung der amerikanischen Indianer stecken noch in den Kinderschuhen,

und nicht zuletzt deshalb ist in diesem besonderen Fall eine Assimilation problematisch, weil

traditionalistisch eingestellte Teile der indianischen Bevölkerung die Eingliederung in ein

Gesellschaftssystem, das von ihnen abgelehnt wird , überhaupt nicht wünschen (wofür ich in

meiner Arbeit auch Verständnis zu erwecken hoffe).

Wie wahrscheinlich oft bei der Beschäftigung mit dem Thema Minoritäten/ Muiltikulturelle

Gesellschaften stehen am Ende mehr Probleme als Lösungsmöglichkeiten. Dies sollte aber

nicht von einer notwendigen Beschäftigung mit diesem Problem abschrecken; nur weil es

keine einfachen Lösungen gibt, heißt das noch lange nicht, daß es überhaupt keine gibt. Viele

Lösungsansätze (bes. die von mir beschriebenen ′Cultural Retention Programs) benötigen

auch einfach einen bestimmten Zeitraum, um greifen zu können.

Ich habe mich in einem Teil meiner Arbeit mit der zwangsweisen Einführung der englischen

Sprache als Mittel zur Assimilation beschäftigt, weil gerade hier gezeigt wird , wie auf den

ersten Blick negative Auswirkungen später zu einem Vorteil für die Betroffenen werden

können.

Die amerikanische Urbevölkerung, allgemein im Deutschen ,,Indianer genannt", bevorzugt

selbst die Bezeichnung ′American Indians′, da ′Native Americans′ auch die Urbevölkerung

Hawaiis und Alaskas mit einbeziehen würde. Einige betrachten sogar diese Bezeichnung als

im Ansatz rassistisch , da sie sich aufgrund der Verschiedenartigkeit der einzelnen Stämme

3


als eigenes Volk betrachten , genau wie z. B. Holländer und Spanier als ′Weiße′ bezeichnet

werden , trotz ihrer unterschiedlichen Kulturen.

Es bleibt abzuwarten , wie die Zukunft dieser Minderheit sich gestalten wird ; ich hoffe

jedenfalls, daß das momentane Interesse an diesem Thema nicht nur eine Modeerscheinung

ist, und ihr besonderes Anliegen nicht unter den ebenfalls berechtigten Forderungen anderer

Minderheiten in den USA untergeht.

Die indianische Minorität in der USA: Eine kurze Beschreibung der US - Politik

Die Politik der US-Regierung gegenüber der indigenen Bevölkerung Amerikas war stets von

einem Überlegenheitsgefühl der weißen Kultur ausgegangen. Dies zeigt sich bereits in der

auch von offiziellen Behörden verwandten Bezeichnung "The Great Father" für den

jeweiligen Präsidenten, der immer etwas Abstraktes im Hintergrund blieb.

"The best term for this persistent atttitude is

paternalism,

a determination to do what was

best for the Indian according to white norms, which translated into protection, subsistence

of the destitute, punishment of the unruly, and eventually taking the Indians by the hand

and leading them along the path to white civilisation and Christianity. The relationship

was sometimes described, as it was by Chief Justice John Marshall in 1832, as resembling

that of a ward and its guardian" (Prucha x).

Diese Einstellung zeigt sich auch in einem Bericht des Commissioner of Indian Affairs, Elbert

Herring, der im gleichen Jahr schreibt:

"If there by any human means of directing the intelligence of the Indian from its narrow

and contracted sphere, to enlarged and comprehensive views, it must exist in the

cultivation of knowledge, operating to expand and improve the mental faculties. [...] The

benighted regions of other parts of the earth have become gradually enlighted by the

prosecution of similar means, long continued; and the Picts of England, and Vandals and

Goths of continental Europe remain standing monuments of savage habits and heathenish

darkness, subdued and irridiated by the light of knowledge and the sun of Cristianity" (zit.

in Washburn Vol. I ,22).

Dabei war die Einstellung besonders der Weißen, die gewöhnlich keinen Kontakt zur

Urbevölkerung hatten, oftmals durchaus zwiespältig; auf der einen Seite der Indianer als

unverdorbener Naturmensch, der "edle Wilde", wie ihn auch J.F. Cooper in der Person des

Uncas in "The Last of the Mohicans" verewigt hat ; man bedauerte sein "unausweichliches"

4


Verschwinden , ohne sich über die eigene Beteiligung an diesem Prozeß bewußt zu sein. Auf

der anderen Seite war die von offenem Rassismus geprägte Vorstellung

"the only good Indian

is a dead one", was zur selben Zeit als geflügeltes Wort kursierte. Die von pathologischem

Hass gekennzeichneten Kolumnen eines "Humoristen" wie Bill Nye, der zwischen 1876 und

1883 als Journalist in Wyoming arbeitete, geben davon eine Vorstellung:

"Somehow live Indians do not look so picturesque as the steel engraving does. The smell is

not the same, either," he commented in one sketch. "A dead Indian is a pleasing picture...The

picture of a wild free Indian chasing the buffalo may suit some, but I still like life in art. I like

the picture of a broad-shouldered, well-formed brave as he lies with his nerveless hand across

a large hole in the pit of his stomach" (zit. in Dippie 134).

Dennoch stimmten beide Seiten darin überein, daß der Indianer zum Untergang verurteilt war,

mag man es persönlich bedauern oder bejubeln; zu stark war der Druck der weißen

Zivilisation gegenüber einer altertümlichen und überholten Lebensweise. Deshalb auch

versuchte man , besonders die Plains-Indianer zu einer seßhaften Lebensweise zu zwingen:

"The Indian must be presented with the alternative of survival as a farmer or extinction as a

huntsman." [...] "The Indian will never be reclaimed till he ceases to be a communist," George

Ellis stated. "He will be a vagabond and a pauper so long as he is not an individual proprietor

and possessor, with a piece of land held by him in fee..."(Dippie 108)

In der Zeit vor 1880 versuchte man in einem Wechselspiel von diplomatischen

Verhandlungen und militärischem Druck mehr und mehr Land abzutrotzen; die letzte große

Auseinandersetzung , die von indianischer Seite gewonnen wurde, war die Schlacht am Little

Big Horn 1876, bei der von einer Übermacht von vereinigten Plains-Stämmen unter Führung

der Sioux (Dakota) die gesamte 7. Kavallerie von Custer vernichtet

wurde. Kurze Auseinandersetzungen danach waren nur noch ein letztes Aufflackern, und

jeder weitere Widerstand war zum Scheitern verurteilt. Der einzige Ort, an dem man danach

noch verschiedene Stämme an einem Ort antreffen konnte, waren Wild West-Shows und

Indian exhibitions. Auch in diese Zeit der intensivsten Unterdrückung indianischer

Lebensweise fällt das Aufkommen der Ghost-Dance- Bewegung des Paiute-Propheten

Wovoka (ca. 1856-1932). Die zentrale Aussage war , daß wenn nur genügend Indianer sich an

diesemTanz und den religiösen Riten beteiligen würden, die Weißen vom Kontinent

verschwinden würden , die Büffel und längst verstorbene Krieger zurückkehren würden und

das Land wieder in die Hände der Urbevölkerung zurückfallen würde. Obwohl diese

besonders in Reservationen verbreitete Bewegung völlig gewaltfrei war , wurde sie brutal

unterdrückt ; trauriger Höhepunkt war das Massaker am Wounded Knee 1890, bei dem

5



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