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"klein und allein"

Subtitle: Eine kritische Darstellung der Lebensrealität unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in Deutschland vor dem Hintergrund international anerkannter Standards und Rechte für Kinder

Termpaper, 2008, 28 Pages
Author: Vivien Urbach
Subject: Social Pedagogy / Social Work

Details

Event: Lebenslagen von ausländischen Kindern und Jugendlichen
Institution/College: University of Applied Sciences and Arts Hildesheim, Holzminden, Göttingen (Fachhochschule für Soziale Arbeit)
Tags: Lebenslagen, Kindern, Jugendlichen
Category: Termpaper
Year: 2008
Pages: 28
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V92144
ISBN (E-book): 978-3-638-05873-5
ISBN (Book): 978-3-638-94879-1
File size: 121 KB

Abstract

Das Flüchtlingsproblem ist ein weltweites, das fortbestehen wird, solang seine Ursachen - die Fluchtgründe - nicht behoben werden. Die Menschen fliehen vor Krieg, Gewalt, Verfolgung, Menschenrechtsverletzungen, vor Hunger und Perspektivlosigkeit, vor anderen lebensbedrohlichen Situationen, ökonomischen und ökologischen Katastrophen. Etwa jeder Zweite der weltweit 40 Millionen Vertriebenen ist ein Kind. Unter ihnen befinden sich nach Schätzungen von Flüchtlingsorganisationen sechs bis zehn Millionen elternlose Kinderflüchtlinge. Kinder unter 16 Jahren, die sich allein und ohne Betreuung fern von ihrer Heimat in Deutschland befinden, werden in der Fachsprache ‚unbegleitete minderjährige Flüchtlinge’ - kurz UMF - genannt. Anliegen dieser Arbeit ist es, die Lebensbedingungen und Zukunftschancen dieser Kinderflüchtlinge in Deutschland zu beleuchten, auf ihre fragwürdige asylpolitische Situation und Behandlung hinzuweisen, Defizite in Theorie und Praxis im Umgang mit diesen Kindern aufzuzeigen, aktuelle Projekte vor- und Forderungen darzustellen.


Excerpt (computer-generated)

Fachhochschule Holzminden/ Hildesheim/ Göttingen

Fakultät für Soziale Arbeit und Gesundheit

Seminar: Lebenslagen von ausländischen Kindern und Jugendlichen

Sommersemester 2006

,,klein und allein"

Eine kritische Darstellung der Lebensrealität unbegleiteter

minderjähriger Flüchtlinge in Deutschland vor dem

Hintergrund internationaler Standards und Rechte für

Kinder

Vivien Urbach

Soziale Arbeit

8. Fachsemester


,,Ihr wisst nicht, wie es da ist in Europa. Ihr habt keine Ahnung von Deutschland. Dort

leben die Menschen im Wohlstand, es geht allen gut. Niemand leidet Hunger. Dort könnt

ihr Schulen besuchen, Sprachen studieren, für euer Leben lernen. Es nützt auf Dauer

nichts, wenn ich euch hier unterrichte, ihr braucht Zeugnisse, Papiere. In Deutschland

könnt ihr das alles bekommen. Ihr könnt dort studieren, ihr findet dort einen guten

Mann für euch, ihr könnt euch später überall niederlassen. Wenn es eurem Vater

gelingt, euch nach Deutschland zu holen, seid ihr in Sicherheit. Ihr werdet alle ein gutes

Leben haben."(MEHARI: 204f.)

2


Gliederung

Gliederung 3

Einleitung 4

1. Problembeschreibung 5

1.1 Definition: ,Unbegleiteter minderjähriger Flüchtling (UMF)′ 5

1.2 Fluchtursachen und -motive 5

1.3 Die Flucht 6

1.4 Nach der Flucht 7

2. Die Rechtslage in Deutschland 8

2.1 Altersfestlegung 8

2.2 Abschiebehaft 9

2.3 Das Zuwanderungsgesetz 9

2.4 Asylverfahren 10

3. Internationale Kinderrechte 12

3.1 Charta des Kindes 12

3.2 UN - Kinderrechtskonvention 12

3.2.1 Deutschlands Vorbehalt 12

3.3 Statement of good practice 13

3.4.1 Grundlegende Prinzipien 14

3.4.2 Die Standards 14

4. Lebensrealität 15

4.1 Psychische Belastungen 16

4.2 Clearingverfahren 17

4.3 Jugendhilfe 18

4.3.1 Vormundschaft 18

4.4 Bildung 19

4.4.1 Schule 20

4.4.2 Ausbildung 21

5. Schlussfolgerung 21

5.1 Beanstandungen 21

5.2 Forderungen 22

6. Lichtblicke 24

Abkürzungsverzeichnis 26

Quellenverzeichnis 26

3


Einleitung

Das Flüchtlingsproblem ist ein weltweites, das fortbestehen wird, solang seine Ursachen - die

Fluchtgründe - nicht behoben werden. Die Menschen fliehen vor Krieg, Gewalt, Verfolgung,

Menschenrechtsverletzungen, vor Hunger und Perspektivlosigkeit, vor anderen

lebensbedrohlichen Situationen, ökonomischen und ökologischen Katastrophen.

Etwa jeder Zweite der weltweit 40 Millionen Vertriebenen ist ein Kind. Unter ihnen befinden

sich nach Schätzungen von Flüchtlingsorganisationen sechs bis zehn Millionen elternlose

Kinderflüchtlinge. Kinder unter 16 Jahren, die sich allein und ohne Betreuung fern von ihrer

Heimat in Deutschland befinden, werden in der Fachsprache ,unbegleitete minderjährige

Flüchtlinge′ - kurz UMF - genannt. (vgl. TDH)

Anliegen dieser Arbeit ist es, die Lebensbedingungen und Zukunftschancen dieser

Kinderflüchtlinge in Deutschland zu beleuchten, auf ihre fragwürdige asylpolitische Situation

und Behandlung hinzuweisen, Defizite in Theorie und Praxis im Umgang mit diesen Kindern

aufzuzeigen, aktuelle Projekte vor- und Forderungen darzustellen.

Am Ende wird sich zeigen, dass es sich bei der Darstellung im Eingangszitat um eine Utopie

handelt, die den Glauben und die Hoffnung der Flüchtlinge beschreibt, die aus Gründen,

denen sie ohnmächtig gegenüber stehen, ihre Heimat verlassen müssen. Damit sollte unser

Bemühen um eine verbesserte Lebenssituation dieser Kinder geweckt sein, denn: ,,Es gibt

keine großen Entdeckungen und Fortschritte, solange es ein unglückliches Kind auf Erden

gibt." (Albert Einstein)

4


1. Problembeschreibung

Nach Schätzungen des Hohen Flüchtlingsrates der Vereinten Nationen (UNHCR)1 gibt es

weltweit 25 Millionen Kinderflüchtlinge. Von ihnen sind sechs bis zehn Millionen ohne

Begleitung unterwegs - viele im eigenen Land. Etwa 100.000 von ihnen erreichen jährlich die

Grenzen Westeuropas. Ihre Herkunftsländer sind je nach aktueller Lage unterschiedlich. Viele

kommen aus: Afghanistan, Angola, Bangladesch, Eritrea, Irak, Iran, Jugoslawien/ Kosovo,

Kongo, Libanon, Ruanda, Rumänien, Sierra Leone, Sri Lanka, Sudan, Türkei, Türkisch-

Kurdistan und Vietnam. (vgl. FLÜCHTLINGSRAT)

Von diesen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen leben sechs bis zehntausend in der

Bundesrepublik Deutschland - davon wiederum ca. 2.500 in Berlin (vgl. RÖHNSCH). Nur

zwei Prozent von ihnen sind Mädchen. (vgl. TDH) Allein im Jahr 1994 kommen von den

1.354 in der Zentralen Aufnahmestelle für Asylsuchende in Berlin registrierten UMF nur

1.205 in den Clearingstellen an. (vgl. POLLMANN: 197ff.) In Hamburg sind 1995 über 100

Kinderflüchtlinge unter 16 Jahren obdachlos. Es ist demnach davon auszugehen, dass die

Dunkelziffer der illegal in Deutschland lebenden UMF zwischen mehreren Hundert und

Tausenden liegt.

1.1 Definition: ,Unbegleiteter minderjähriger Flüchtling (UMF)′

Bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen handelt es sich um Kinder und Jugendliche

unter 16 Jahren, die ohne Begleitung ihrer Eltern oder erwachsener Verwandter in der

Bundesrepublik Deutschland einreisen und hier keine Angehörigen haben.

1.2 Fluchtursachen und -motive

Die Gründe für eine Flucht aus dem eigenen Land sind sehr vielfältig. Dabei ist zu bedenken,

dass diese für Kinder intensiver und nachhaltiger in Wirkung und Konsequenz sind und sich

durch kinderspezifische Varianten erweitern. So bildet bspw. die Rekrutierung von Kindern

für den Militärsdienst eine besondere Gefahr. Kinder werden zu Opfern von Minen, Sklaverei

und Prostitution, von Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen oder anderer Ausbeutung.

Die Kinder fliehen aufgrund von Macht- und Verteilungskonflikten verschiedener Volks-

1 Der UNHCR (Hoher Flüchtlingsrat der Vereinten Nationen) setzt sich für die Belange der Vertriebenen und

Fliehenden auf der ganzen Welt ein. Er finanziert sich durch Beiträge seiner Mitgliedsstaaten, zu denen auch

Deutschland gehört.

5


gruppen in ihrem Heimatland. Sie suchen Asyl aus Angst vor Verfolgung, Hunger und

bewaffneten Konflikten in ihrer Heimat.

Weitere Fluchtgründe sind: politische und religiöse Verfolgung, Traumatisierung durch

Verhaftung, Folter und Hinrichtung von Angehörigen, Verlust der Familie sowie schulische

und berufliche Perspektivlosigkeit. Selten ist das Fluchtmotiv die Hoffnung auf einen höheren

Lebensstandard. Manchmal werden die Kinder von ihren Eltern auf die Reise geschickt, weil

sie die Hoffnung haben, ihnen so ein besseres Leben zu ermöglichen. In diesen Fällen wird

den Kindern der Fluchtgrund nicht mitgeteilt, damit sie nicht zusätzlicher Gefährdung

unterliegen. Sie erhalten Aufträge von den Eltern im Sinne von: ,Nutz das Exil und bau dir

ein besseres Leben auf!′ (vgl. RÖHNSCH)

Flüchtlingskinder stammen überwiegend aus mittelständischen Familien, die die städtische

Lebensweise kennen gelernt haben. Sie leben oft gemeinsam mit mindestens zwei

Generationen in einem Haus, wo ein Teil der Mütter selbst arbeiten. Diese Fakten lassen

darauf schließen, dass UMF in ihrem sozialen Gefüge nicht die typische Zusammenstellung

ihrer heimatlichen Gesellschaft widerspiegeln. Es ist wichtig mit den Fragen nach

Fluchtursachen, dem gegenwärtigem Erleben und Zukunftsplanung von Flüchtlingen sachlich

umzugehen. Tatsächlich stehen aber die Erhebung und Bearbeitung der Fluchtursachen hinter

den politischen Asylrechtsdebatten zurück. Wichtige Fragen sollten sein:

· Welche Erlebnisse und Erfahrungen haben die Flüchtlinge?

· Wie war ihr Leben in Kriegs- und Bürgerkriegssituationen?

· Was hat sie kulturell und religiös geprägt?

· Welche schulischen Förderungen haben sie erfahren?

· Werden sie jemals in Freiheit in ihrer Heimat leben können?

(vgl.: HEUN/ ALLERT/ BACHERL)

1.3 Die Flucht

Über die Flucht selbst ist in der Literatur nicht allzu viel zu finden, da sich die Schilderungen

darauf beschränken, wie das Leben vor der Flucht aussah, mit welchen Hoffnungen die Flucht

verbunden war und wie sich später die Realität darstellt. Dennoch wissen wir aufgrund der

(gesetzlichen) Gegebenheiten, dass es sich in den wenigsten Fällen um eine reibungslose

Reise handelt.

Bis Ende 1990 benötigen unter 16-jährige lediglich eine Aufenthaltserlaubnis, um in

Deutschland einzureisen. Seit dem 1. Januar 1991 herrscht Visumspflicht für alle. Ohne

6



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