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Die Aunjetitzer Kultur - Eine Kultur der Bronzezeit vor etwa 2300 bis 1600/1500 ... close

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Die Aunjetitzer Kultur - Eine Kultur der Bronzezeit vor etwa 2300 bis 1600/1500 v. Chr.

Exzerpt, 1996, 53 Seiten
Autor: Ernst Probst
Fach: Archäologie

Details

Kategorie: Exzerpt
Jahr: 1996
Seiten: 53
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V93103
ISBN (E-Book): 978-3-638-07346-2
ISBN (Buch): 978-3-638-95752-6
Dateigröße: 568 KB

Zusammenfassung / Abstract

Die Bronzezeit vor mehr als 2000 bis 800 v. Chr. gilt als die erste und längere der Metallzeiten in Europa. In dieser Zeit wurden Werkzeuge, Waffen und Schmuck aus Bronze hergestellt. In einigen Gebieten hatte die Bronzezeit eine andere Zeitdauer. So begann sie in Süddeutschland schon vor etwa 2300 v. Chr. und endete um 800 v. Chr. In Norddeutschland dagegen währte sie von etwa 1600 bis 500 v. Chr. Zu den in Deutschland verbreiteten Kulturen der Bronzezeit gehört die Aunjetitzer Kultur vor etwa 2300 bis 1600/1500 v. Chr., die nach dem Gräberfeld von Unetice (Aunjetitz) in Böhmen (Tschechien) benannt ist. Sie war in der Frühstufe in Böhmen, Mähren, der Südwestslowakei, Schlesien, Niederösterreich, Thüringen, Sachsen-Anhalt und in der Spätstufe im östlichen Niedersachsen sowie in Brandenburg und im Südwesten Großpolens verbreitet. Der Text über die Aunjetitzer Kultur stammt aus dem vergriffenen Buch „Deutschland in der Bronzezeit“ (1996) des Wiesbadener Wissenschaftsautors Ernst Probst in alter deutscher Rechtschreibung und entspricht dem damaligen Wissensstand. Weitere Kulturen der Bronzezeit aus Deutschland werden ebenfalls in Einzelpublikationen vorgestellt.


Textauszug (computergeneriert)

Ernst Probst

Die Aunjetitzer Kultur

1


Meiner Ehefrau Doris gewidmet

2


Ernst Probst

Die

Aunjetitzer

Kultur

3


Bestattung eines älteren Mannes und ­

quer über ihm liegend ­ eines Kindes

aus der Zeit der Aunjetitzer Kultur

(etwa 2300­1600/1500 v. Chr.)

im ,,Fürstengrab" des Ortsteils Leubingen von Sömmerda

in Thüringen. Die Toten ruhen unter einer Totenhütte,

die von einem riesigen Grabhügel bedeckt ist.

Zeichnung: Friederike Hilscher-Ehlert, Königswinter

Aus: PROBST, Ernst: Deutschland in der Bronzezeit,

München 1996

4


Vorwort

Die Bronzezeit vor mehr als 2000 bis 800 v. Chr. gilt als die

erste und längere der Metallzeiten in Europa. In dieser Zeit

wurden Werkzeuge, Waffen und Schmuck aus Bronze her-

gestellt. In einigen Gebieten hatte die Bronzezeit eine andere

Zeitdauer. So begann sie in Süddeutschland schon vor etwa

2300 v. Chr. und endete um 800 v. Chr. In Norddeutschland

dagegen währte sie von etwa 1600 bis 500 v. Chr.

Zu den in Deutschland verbreiteten Kulturen der Bronze-

zeit gehört die Aunjetitzer Kultur vor etwa 2300 bis 1600/

1500 v. Chr., die nach dem Gräberfeld von Unetice (Aunjetitz)

in Böhmen (Tschechien) benannt ist. Sie war in der Frühstufe

in Böhmen, Mähren, der Südwestslowakei, Schlesien, Nie-

derösterreich, Thüringen, Sachsen-Anhalt und in der Spät-

stufe im östlichen Niedersachsen sowie in Brandenburg und

im Südwesten Großpolens verbreitet.

Der Text über die Aunjetitzer Kultur stammt aus dem vergrif-

fenen Buch ,,Deutschland in der Bronzezeit" (1996) des

Wiesbadener Wissenschaftsautors Ernst Probst in alter deut-

scher Rechtschreibung und entspricht dem damaligen Wis-

sensstand. Weitere Kulturen der Bronzezeit aus Deutschland

werden ebenfalls in Einzelpublikationen vorgestellt.

5


KAREL BUCHTELA,

LUBOR NIEDERLE,

geboren am 6. März 1864

geboren am 20. Septem-

in Novy Pavlov, gestorben

ber 1865 in Klatovy,

am 19. März 1946 in

gestorben am 14. Juni

Prag. Er war Finanz-

1944 in Prag. Er habili-

oberrat und hatte von

tierte sich 1891 und war

1924 bis 1938 das Amt

von 1898 bis 1929 Profes-

des Direktors des Staatli-

sor der vorgeschichtlichen

chen Archäologischen

Archäologie und Ethnolo-

Instituts in Prag inne. Bei

gie an der Universität

seinen Forschungen

Prag. Später wurde er

arbeitete Buchtela mit

Rektor der Universität

dem tschechischen Ar-

Prag sowie Begründer

chäologen Lubor Niederle

und erster Direktor des

zusammen. Buchtela und

Archäologischen Instituts

Niederle haben 1910 den

in Prag. Niederle verwen-

Begriff Aunjetitzer Kultur

dete 1910 zusammen mit

verwendet und

Karel Buchtela den Be-

populär gemacht.

griff Aunjetitzer Kultur.

6


Bronzegießer, ,,Fürsten"

und Kannibalen

Die Aunjetitzer Kultur

von etwa 2300 bis 1600/1500 v. Chr.

Als Dr. med. Cenek Ryzner (1845­1923) in den 1870er

Jahren im böhmischen Unetice (Aunjetitz) ein

urgeschichtliches Gräberfeld untersuchte, ahnte er nicht,

welche Bedeutung dieses einmal erlangen würde. Denn nach

jenem Fundort mit 31 Gräbern hat man später eine der

bedeutendsten Kulturen der Frühbronzezeit benannt. Ryzner,

der Distriktsarzt von Roztoky bei Prag und Heimatforscher

war, publizierte 1880 seine Ausgrabungsergebnisse und ver-

zichtete dabei auf einen Kulturbegriff.

Ungeachtet dessen sprachen einige Archäologen am Ende

des 19. Jahrhunderts spontan von Funden oder Gräbern des

Typs Unetice. Der Name ,,Uneticer Kultur" tauchte erstmals

in dem 1910 erschienenen ,,Handbuch der Tschechischen

Archäologie" auf. Das Werk wurde von den Prager Archäo-

logen Karel Buchtela (1864­1946) und Lubor Niederle (1865­

1944) verfaßt. Der Ausdruck ,,Uneticer Kultur" ist heute

noch in Tschechien und in der Slowakei gebräuchlich. In

Deutschland und Österreich dagegen verwendet man den

deutschsprachigen Begriff ,,Aunjetitzer Kultur" oder ,,Aun-

jetitz-Kultur".

Es gab auch Versuche, noch andere Namen in die Fach-

literatur einzuführen. Doch der nach dem mährischen Fund-

ort Menín (Mönitz) geprägte Name ,,Mönitzer Kultur" konn-

7


te sich ebensowenig durchsetzen wie der auf einem mittel-

deutschen Fundort fußende Ausdruck ,,Leubinger Kultur".

Die Aunjetitzer Kultur ist gegen Ende der Jungsteinzeit aus

der Glockenbecher-Kultur und den Schnurkeramischen

Kulturen hervorgegangen. Weil die Aunjetitzer Leute die

Gewinnung und die Verarbeitung von Kupfer und Bronze

beherrschten, markiert ihre Kultur den Beginn der Früh-

bronzezeit.

Nach heutiger Kenntnis existierte die Aunjetitzer Kultur von

etwa 2300 bis 1600/1500 v. Chr.. Sie war in deren Frühstufe

in Böhmen, Mähren, der Südwestslowakei, Schlesien, Nie-

derösterreich, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und in

der Spätstufe im östlichen Niedersachsen sowie in Branden-

burg und im Südwesten Großpolens verbreitet.

Die ältesten Funde aus der Frühstufe in Mitteldeutschland

(Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt) sind etwas jünger als

die ältesten Hinterlassenschaften in Mähren, wo das Kern-

gebiet der Aunjetitzer Kultur lag. Nach Ansicht der Archäo-

logen sind die Aunjetitzer in Mitteldeutschland aber nicht

aus Mähren oder Böhmen eingewandert. Bei ihnen handelt

es sich vielmehr um heimische Stämme, welche die Errun-

genschaften der Aunjetitzer im Gebiet des heutigen Tsche-

chien übernahmen.

Im östlichen Niedersachsen sind die typischen Erzeugnisse

dieser Kultur erst in deren Spätstufe nachweisbar. In ihrer

Nachbarschaft behaupteten sich noch Stämme, die auf dem

Niveau der späten Jungsteinzeit standen. In Teilen von

Brandenburg (Altmark, Ober- und Niederlausitz, Oder-Nei-

ße-Gebiet, Uckermark) und von Mecklenburg wurden die

Errungenschaften der Aunjetitzer ­ wie deren Metallurgie,

Töpferei, Bestattungssitten und Religion ­ erst gegen Ende

der Spätstufe übernommen.

8



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