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Der Konsum von Cannabis und Kokain und sein Zusammenhang mit Merkmalen des Krankheitserlebens, der Behandlungsvoraussetzungen, der Konflikt- und Persönlichkeitsstruktur: Eine empirische Studie mit Operationalisierter Psychodynamischer Diagnostik

Doktorarbeit / Dissertation, 2006, 79 Seiten
Autor: Dr.med. Maya May Sian Oei
Fach: Medizin

Details

Kategorie: Doktorarbeit / Dissertation
Jahr: 2006
Seiten: 79
Note: magna cum laude
Literaturverzeichnis: ~ 65  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V94035
ISBN (E-Book): 978-3-638-06775-1

Dateigröße: 445 KB

Zusammenfassung / Abstract

Aufgrund der steigenden Prävalenz des Cannabiskonsums und - auf deutlich geringerem Niveau - des Kokainkonsums gewinnt das Wissen über die Persönlichkeit der Konsumenten an Bedeutung. Dennoch existieren bisher kaum empirische Forschungsarbeiten und keine, die Methoden auf tiefenpsychologischer Basis einsetzen. Die vorliegende Arbeit untersucht mit der Methode der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik (OPD) eine Stichprobe von jeweils 21 Cannabiskonsumenten (43 % Frauen, mittleres Alter 23 Jahre), 21 Kokainkonsumenten (52 % Frauen, mittleres Alter 23 Jahre) sowie 30 Probanden der Kontrollgruppe ohne jeglichen Drogenkonsum (50 % Frauen, mittleres Alter 23 Jahre). Grundlage der Untersuchung waren 4 Gruppen, die im Rahmen der Ecstasy- Studie, die vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) unterstützt wurde und im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf durchgeführt worden ist. Erst im Anschluss daran wurden diese in der vorliegenden Arbeit in 3 Gruppen eingeteilt. Zu der Gruppe der Cannabiskonsumenten zählen die Probanden, die in den letzten 6 Monaten vor der Untersuchung ausschließlich Cannabis konsumierten und zu der Gruppe der Kokainkonsumenten Probanden, die sowohl Kokain als auch Cannabis in den letzten 6 Monaten vor der Untersuchung zu sich nahmen. Beide Untersuchungsgruppen enthalten zu gleichen Teilen ehemalige Ecstasykonsumenten. Die Untersuchungen umfassen einfaktorielle univariate und zweifaktorielle multivariate Varianzanalysen mit den Faktoren auf Gruppeneinteilung, Geschlecht und Bildung, eine logistische Regression sowie Korrelationen bezüglich der kumulierten Dosen unterschiedlicher Drogen jeweils im Hinblick auf die Achsen „Krankheitserleben und Behandlungsvoraussetzung“, „Konflikt-“ sowie „Persönlichkeitsstruktur“ der OPD.


Textauszug (computergeneriert)

Aus der Abteilung für Persönlichkeitsstörungen

(Leitung: Prof. Dr. R. Thomasius)

der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

des Universitätsklinikums Hamburg- Eppendorf

(Direktor: Prof. Dr. D. Naber)

in Hamburg

____________________________________________________________________

Der Konsum von Cannabis und Kokain und sein Zusammenhang

mit Merkmalen des Krankheitserlebens, der Behandlungsvoraussetzungen, der Konflikt-

und Persönlichkeitsstruktur:

Eine empirische Studie mit Operationalisierter Psychodynamischer Diagnostik

Dissertation

zur Erlangung des Grades eines Doktors der Medizin

dem Fachbereich Medizin der Universität Hamburg vorgelegt von

Maya May Sian Oei

aus Hamburg

Hamburg 2006


Angenommen vom Fachbereich Medizin

der Universität Hamburg am: 05.10.2006

Veröffentlicht mit Genehmigung des Fachbereichs

Medizin der Universität Hamburg

Prüfungsausschuss, der/die Vorsitzende: Prof. Dr. R. Thomasius

Prüfungsausschuss: 2. Gutachter/in: Prof. Dr. M. Schulte-Markwort

Prüfungsausschuss: 3. Gutachter/in: Prof. Dr. D. Schoon


I

0

Zusammenfassung der Arbeit

Aufgrund der steigenden Prävalenz des Cannabiskonsums und - auf deutlich geringerem Ni-

veau - des Kokainkonsums gewinnt das Wissen über die Persönlichkeit der Konsumenten an

Bedeutung. Dennoch existieren bisher kaum empirische Forschungsarbeiten und keine, die

Methoden auf tiefenpsychologischer Basis einsetzen.

Die vorliegende Arbeit untersucht mit der Methode der Operationalisierten Psychodynami-

schen Diagnostik (OPD) eine Stichprobe von jeweils 21 Cannabiskonsumenten (43 % Frauen,

mittleres Alter 23 Jahre), 21 Kokainkonsumenten (52 % Frauen, mittleres Alter 23 Jahre) so-

wie 30 Probanden der Kontrollgruppe ohne jeglichen Drogenkonsum (50 % Frauen, mittleres

Alter 23 Jahre). Grundlage der Untersuchung waren 4 Gruppen, die im Rahmen der Ecstasy-

Studie, die vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) unterstützt

wurde und im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf durchgeführt worden ist. Erst im

Anschluss daran wurden diese in der vorliegenden Arbeit in 3 Gruppen eingeteilt. Zu der

Gruppe der Cannabiskonsumenten zählen die Probanden, die in den letzten 6 Monaten vor der

Untersuchung ausschließlich Cannabis konsumierten und zu der Gruppe der Kokainkonsu-

menten Probanden, die sowohl Kokain als auch Cannabis in den letzten 6 Monaten vor der

Untersuchung zu sich nahmen. Beide Untersuchungsgruppen enthalten zu gleichen Teilen

ehemalige Ecstasykonsumenten. Die Untersuchungen umfassen einfaktorielle univariate und

zweifaktorielle multivariate Varianzanalysen mit den Faktoren auf Gruppeneinteilung, Ge-

schlecht und Bildung, eine logistische Regression sowie Korrelationen bezüglich der kumu-

lierten Dosen unterschiedlicher Drogen jeweils im Hinblick auf die Achsen ,,Krankheitserle-

ben und Behandlungsvoraussetzung", ,,Konflikt-" sowie ,,Persönlichkeitsstruktur" der OPD.

In der Varianzanalyse weisen sowohl die Cannabiskonsumenten als auch die Kokainkonsu-

menten im Vergleich zu den Abstinenten signifikant höhere Unterschiede in den Skalen

,,Schweregrad des psychischen Befundes" sowie in der Skala ,,Psychische Symptomdarbie-

tung" auf. In der Konfliktachse werden im Vergleich zu den abstinenten Kontrollgruppen je-

weils signifikant niedrigere Ergebnisse bei den Cannabiskonsumenten ausschließlich in der

Skala ,,Fehlende Konflikt-/ und Gefühlswahrnehmung" und signifikant höhere Ergebnisse bei

den Kokainkonsumenten in den Skalen ,,Autonomie versus Abhängigkeit" und ,,Ödipal-

sexuelle Konflikte" verzeichnet. Die Cannabis- und auch die Kokainkonsumenten erzielten

I


II

im Vergleich zu den Abstinenten hoch signifikant höhere Werte der Desintegration in der

Skala ,,Selbststeuerung". Die Kokainkonsumenten zeigen im Vergleich zu den Abstinenten

signifikante niedrigere Skalenwerte der ,,Psychosozialen Integration" und ,,Sozialen Unter-

stützung". Die Strukturachse weist in der Varianzanalyse in fast allen Skalen signifikante Un-

terschiede bei den Kokainkonsumenten im Vergleich zu den Abstinenten auf. Signifikante

Korrelationen mit den Drogenkonsumdaten sind besonders bezüglich der Strukturachse auf-

fällig. In den zweifaktoriellen multivariaten Varianzanalysen ergaben sich keine Bildungsef-

fekte in den Konflikt- und Strukturachsen, jedoch Geschlechtseffekte in der Konfliktachse.

Für den Unterschied zwischen Cannabis- und Kokainkonsumenten sind nach den berichteten

Auswertungen der logistischen Regression die eher höheren Ausprägungen der ,,Ödipal-

sexuellen Konflikte" und der ,,Fehlenden Konflikt-/ Gefühlswahrnehmung" der Kokainkon-

sumenten besonders bedeutsam.

In der Konflikt- sowie Persönlichkeitsstruktur sind die Cannabiskonsumenten im Vergleich zu

den Abstinenten weitgehend unauffällig, so dass eine Diskussion entfallen kann. Die geringe-

re soziale Unterstützung sowie psychosoziale Integration der Kokainkonsumenten könnte auf

bereits vor dem Drogenkonsum bestehende Defizite und ihren Kompensationsversuch hin-

weisen. Es ist allerdings auch denkbar, dass sich der Kokainkonsum auf die Person und ihr

Verhalten derart ausgewirkt hat, dass es zu einer Verminderung der sozialen Kontakte kom-

men konnte. Die strukturellen Defizite der Kokainkonsumenten, die einen Zusammenhang zu

der kumulierten Kokaindosis aufweisen, lassen vermuten, dass im Sinne eines Entwicklungs-

rückstandes bestimmte strukturelle Differenzierungen und Integrationsschritte nicht erfolgt

sind bzw. diese durch Drogenkonsum zusätzlich behindert werden können. Die höhere Aus-

prägung des ,,Ödipal-sexuellen Konflikts", der im aktiven Modus als eine intensive Reizsuche

in sexuellen Bereichen angesehen werden kann, ist möglicherweise ein Faktor, der zum Kon-

sum motiviert hat, da Kokain einerseits eine aphrodisiernde Wirkung zugeschrieben wird und

andererseits in der Literatur als erhöhte ,,sensation seeking" der Kokainkonsumenten belegt

ist. Warum die erhobene kumulierte Drogendosis deutlich stärker mit den Strukturmerkmalen

als mit den Konfliktmerkmalen im Zusammenhang steht, muss weiterhin untersucht werden.

Im Rahmen einer querschnittlichen Arbeit kann nicht entschieden werden, ob die berichteten

Ergebnisse besser als substanzinduzierte psychische Beeinträchtigungen oder als Versuche

der Kompensation bereits vorhandener psychischer Defizite durch Drogenkonsum erklärt

werden können.

II


III

0.1

Danksagung

Ich möchte mich recht herzlich bei meinem Doktorvater Prof. Dr. Thomasius für seine Unter-

stützung meiner Arbeit und das Ermöglichen meiner Dissertation bedanken.

Ganz besonderer Dank gilt meinem Betreuer Dr. Kay Petersen, ohne dessen sehr gute Betreu-

ung und die vielen wertvollen Hinweise diese Arbeit nicht entstanden wäre.

Zusätzlich möchte ich mich besonders bei meinem Lebenspartner Arne Kristott für seine Ge-

duld, für sein Verständnis und für seine Hilfe bei aufgetretenen Problemen am PC bedanken.

Besonderer Dank gilt auch meinen Eltern und meiner lieben Schwester May Lin, die immer

ein ,,offenes Ohr" und hilfreiche Ratschläge für meine Probleme während dieser Zeit hatten.

Letzten Endes danke ich noch den Probanden und Mitdoktoranden, ohne die diese Ergebnisse

nicht zustande gekommen wären.

III


Einleitung

1

1

Einleitung

1.1

Einführung in die Arbeit

1.1.1

Zur Prävalenz der Cannabis- und Kokainkonsumenten

Cannabis ist ,,... nach wie vor die am meisten konsumierte illegale Droge in allen EU- Län-

dern" (Simon et al., 2002, S. 11) und wird ,,... mittlerweile von jedem Zweiten in einer Grup-

pe von 18- bis 25-Jährigen für probierfähig gehalten..." (Töppich, 2002, S. 63).

Der Kokainkonsum ,,... hat in den 90er Jahren deutlich zugenommen..."(Simon et al.,2002, S.

77) und ,,..., bei dem sich der Anteil der Probierenden von 3 % auf 6 % verdoppelte,..." (Töp-

pich, 2002, S. 63).

Im folgenden wird die Verbreitung der beiden Drogen in der Bundesrepublik Deutschland

anhand aktueller Repräsentativbefragungen untersucht. Nach nationalen sowie lokalen demo-

grafischen Erhebungen und Befragungen unter Wehrpflichtigen und Schülern, ist der Canna-

biskonsum während der 90er Jahre besonders unter Jugendlichen gestiegen. Nach neueren

Repräsentativumfragen hat etwa ein Viertel der deutschen Jugendlichen zwischen 15 und 24

Jahren Cannabiserfahrung (Lebenszeitprävalenz 25.6%; EORG, 2002, S.6), noch deutlich

unter dem europäischen Durchschnitt von fast 30%. Laut Kraus und Augustin (2001) haben in

den letzten 12 Monaten 6,2 % der 18- bis 59-Jährigen im Westen sowie 4,9 % in den neuen

Bundsländern konsumiert. Die Prävalenzen liegen bei Jugendlichen und in der Gruppe der

jungen Erwachsenen höher. In den 12 Monaten (,,jüngster Drogenkonsum") vor der Befra-

gung (BZgA, 2001) konsumierten 10 % der 12- bis 18-Jährigen Cannabis, 19,7 % von den 21-

bis 24-Jährigen im Westen und 11,6 % im Osten Deutschlands. 24 % der Deutschen, die Can-

nabis als Hauptdroge konsumieren, suchen eine ambulante Beratung und Behandlung auf.

Cannabisbezogenen Störungen waren nach einer Befragung im Jahre 2000 die zweithäufigste

Ursache zur Behandlungsaufnahme in Westdeutschland und die häufigste Ursache in Ost-

deutschland (Simon et al., 2001, S. 55). Ferner beobachtet man eine Zunahme des Beikon-

sums von Cannabis als Sekundärdroge neben einer Hauptdroge (insbesondere bei Opiatkon-

sumenten).

1


Einleitung

2

Laut einer Studie von Simon et al. (2001, S. 77) ist sowohl die Lebenszeitprävalenz als auch

der aktuelle Konsum von Kokain in den 90er Jahren in Deutschland stetig angestiegen. Laut

Kraus & Augustin (2001) ist die Personenanzahl, die mindestens einmal in ihrem Leben Ko-

kain konsumiert haben, von 1997 (2.2 %) nach 2000 (3.6 %) deutlich angestiegen. Die Le-

benszeitprävalenz von Kokain der 15- bis 64-Jährigen der Bundesrepublik Deutschland liegt

den Berichten der EBDD (2002, S. 12) zufolge zwischen 0.5 und 4.5 %. Für die Prävalenz der

letzten 12 Monate ergaben sich bei den jungen Erwachsenen (15- bis 34-Jährige) mit 0.5 bis

3.5 % höhere Werte als bei der gesamten erwachsenen Bevölkerung (< 1 %). Im Westen

Deutschlands weisen die Menschen (2.4 %) eine höhere Konsumerfahrung mit Kokain auf als

im Osten (1.6 %; in der Altersgruppe 18- bis 59-Jährige). Bei Jugendlichen und in der Gruppe

der jungen Erwachsenen sind Prävalenzen größer. Laut Simon et al. (2001, S. 38) weisen 2.9

% der 18- bis 39-Jährigen in den neuen Bundesländern sowie 3 % in den alten Bundesländern

Erfahrungen im Kokainkonsum auf. Sowohl Die Probierbereitschaft der 18- bis 25-Jährigen

hat sich laut einer Studie von Jahre 1997 (3 %) bis 2001 (6 %) verdoppelt. Ferner beobachtet

man auch eine Zunahme des Beikonsums von Kokain, das insbesondere häufig mit Opiaten,

aber auch mit anderen Substanzen konsumiert wird (Vogt et al., 2000; Thane & Thiel, 2000).

Im Großen und Ganzen konzentriert sich also der allgemeine Konsum illegaler Drogen auf

junge Erwachsene (15- bis 34-Jährige), wobei sich die Männer in der Überzahl befinden (Si-

mon et al., 2001, S. 00).

Hohe Prävalenzen der genannten Drogen erhöhen die Relevanz für die Präventions-

einrichtungen, um die Zielgruppen gezielter ansprechen zu können. Der Forschungsstand zur

psychologischen bzw. psychiatrischen Beschreibung von Cannabis- bzw. Kokainkonsumen-

ten außerhalb eines Behandlungskontextes ist unbefriedigend. In diesem Zusammenhang kann

nicht überraschen, dass eine empirische tiefenpsychologische Beschreibung der Persönlich-

keitsstruktur von Cannabis- und Kokainkonsumenten bisher noch nicht versucht worden ist.

Befunde zu den Effekten des Cannabiskonsum entstammen zum Teil als Beiprodukt der

Ecstasy-Forschung (vergleiche Morgan et al., 2002).

Auch die vorliegenden Daten dieser Arbeit wurden im Rahmen der Ecstasy-Studie, die vom

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) unterstützt wurde, im Univer-

sitätsklinikum Hamburg-Eppendorf erhoben.

2


Einleitung

3

1.2

Stand der Forschung

1.2.1

Begriffsdefinition Cannabis

Als Cannabis bezeichnet man eine psychoaktive Substanz der Hanfpflanze (Cannabis sativa

var. indica), deren Hauptwirkstoff das Delta-9-Tetrahydrocannbinol (THC) darstellt (Ashton,

2001). Drei verschiedene Arten von Cannabisprodukten werden bezüglich ihrer Gewinnungs-

art unterschieden: Das Marihuana (,,Gras", ,,Pot"), welches aus getrockneten Pflanzenteilen,

besonders aus den Spitzentriebe, der weiblichen Cannabispflanze entsteht und als Haschisch

(,,Hasch", ,,Shit") wird das Harz der Blütenstände, das als bräunliche gepresste Substanz in

den Umlauf gebracht wird bezeichnet. Bei dem Haschischöl handelt es sich um einen stark

konzentrierten Auszug von Marihuana und Haschisch, das durch ein Destillationsverfahren

mit Hilfe von organischen Lösungsmitteln gewonnen wird (Köhler, 2000, S. 136). Die Can-

nabisprodukte werden typischerweise als Zigarette (,,Joint") oder in einer speziellen Pfeife

geraucht, in Verbindung von fetthaltigen Nahrungsmitteln (z.B. Kekse) sowie als Haschischöl

in Speisen, Getränken oder auf eine Zigarette aufgeträufelt angewendet.

1.2.2

Wirkungen des Cannabiskonsums

Laut Lingford-Hughes (2003, S. 98) existieren zwei verschiedene Arten von Cannabisbin-

dungsstellen im menschlichen Organismus. Ein vornehmlich zentralnervös lokalisierter Re-

zeptor (CB1-Rezeptor), der im Gehirn, aber hauptsächlich im frontalen Kortex, Hippocampus,

Kleinhirn, Thalamus und in den Basalganglien vorzufinden ist (Iversen, 2003, S.1254), sowie

ein peripher lokalisierter Rezeptor (CB2-Rezeptor), der hauptsächlich in lymphatischen Orga-

nen (Milz, Lymphknoten und in den Peyer-Plaques des Dünndarms), also sich in vorwiegend

dem Immunsystem zuzuordnenden Strukturen befindet (Köhler, 2000, S. 138-139). Laut Iver-

sen (2003) sind sogenannte Endocannabinoide in menschlichem Gewebe in geringen Mengen

vorhanden und werden wohl nach Bedarf produziert und verursachen subtile, lokale sowie nur

kurzfristige Effekte. Im Gegensatz dazu aktivieren THC und exogene Cannabinoide CB1-

Rezeptorem längerfristig und unterbinden daher einige Aktionen der Endocannabinoide, die

sie selbst nicht auslösen können (Iversen, 2003, S. 1256).

Als unmittelbare Wirkung, die relativ schnell nach dem Cannabiskonsum auftritt, wird eine

milde Euphorisierung, die sich als sogenannte angenehme Zufriedenheit charakterisieren

3



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