Bitte warten
Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.
Untertitel: Anna Wuhrmann - Missionslehrerin und Fotografin
Hauptseminararbeit, 2001, 45 Seiten
Autor: Andrea Baumgartner-Makemba
Fach: Afrikawissenschaften
Details
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (Seminar für Afrikawissenschaften)
Tags: Afrika, Kamerun, Fotografie, Mission, Bamum, Njoya, Geschichte, Wuhrmann
Jahr: 2001
Seiten: 45
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 23 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-12426-8
ISBN (Buch): 978-3-640-36009-3
Dateigröße: 2673 KB
Andere Nutzer haben sich auch für folgende Titel interessiert:
Zusammenfassung / Abstract
Die Interpretation von Fotografien aus der Kolonialzeit hat einen wichtigen Stellenwert bei der postkolonialen Aufarbeitung dieser Epoche. Das Königreich Bamum in Kamerun war zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein beliebter Ort für Amateurfotografen mit unterschiedlichstem Hintergrund: Kaufleute, Verwaltungsbeamte und Missionsangehörige lichteten König Njoya und seinen Hofstaat ab. Die Fotografien von Anna Wuhrmann, die damals dort als Missionslehrerin tätig war, fallen auf: Sie sind anders als die meisten Bilder jener Zeit. Hier wird der Frage nachgegangen, welchen Kategorien (Ethnografische Fotografie, Missionsfotografie oder Porträtfotografie) die Bilder Anna Wuhrmanns zugeordnet werden können und was das Besondere daran ist. Unterstützt durch die Interpretation einiger ihrer Texte wird ihre Sicht des "Anderen" deutlich gemacht.
Textauszug (computergeneriert)
Humboldt-Universität zu Berlin
Seminar für Afrikawissenschaften
Hauptseminar ,,Visuelle Geschichte"
SS 2001
,,Der König und ich"
Anna Wuhrmann Missionslehrerin und Fotografin
Andrea Baumgartner-Ndiaye
20. Oktober 2001
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Anna Wuhrmann als Missionarin und Fotografin 4
2.1.1. Biografie 4
2.1.2. Bibliografie 5
2.1.3. Zeitgenossinnen und mögliche Vorbilder 5
2.1.4. Tradition der Fotografie in der Schweiz 5
2.2. Kategorien 6
2.2.1. Ethnografische Fotografie 6
2.2.2. Missionsfotografie 7
2.2.3. Porträtfotografie 7
3. Anna Wuhrmanns Sicht des ,,Anderen" 9
3.1. Veröffentlichungen 10
3.1.1. Verhältnis zur Missionsgemeinde 10
3.1.2. Verhältnis zu König Njoya 15
3.2. Fotografien 18
3.2.1. Wer sind die Fotografierten? 18
3.2.2. Was zeigen die Bilder? 20
3.2.3. Wie werden die Bilder konstruiert? 21
3.2.4. Welche Interessen verfolgen die Beteiligten? 23
3.2.5. Was macht die Kraft der Bilder aus? 26
3.2.6. Kontext 27
3. Zusammenfassung 29
4. Anhang 30
1. Ausgewählte Fotografien und Texte 31
2. Gegenüberstellung Anna Wuhrmann August Sander 34
3. Nachweis der Fotografien 36
Fotografien, auf denen Anna Wuhrmann abgebildet ist. 36
4. Textauszüge aus Rein-Wuhrmann Mein Bamumvold im Grasland von Kamerun (1925)
37
5. Bibliographie 43
1
,,Oft dachte ich, du könntest eigentlich im Bamumlande ein photographisches Atelier eröffnen, denn die
Leutchen ließen sich gar zu gern photographieren, und jeder, der den Wunsch hatte, sein Antlitz auf eine
Glasplatte festgebannt zu sehen, war auch der felsenfesten Überzeugung, er sei schön. Es war auch gar nicht
schwer, die Schwarzen aufzunehmen. Sie wussten meistens selber, wie sie das Bild haben wollten, bestimmten
Stellung und Hintergrund und machten das rechte Photographiergesicht. Ich habe viel Freude dabei gehabt und
schöne Bilder mit nach Hause gebracht."
Anna Wuhrmann 1
,,Wer immer sich porträtieren lässt er trägt ein bestimmtes Bild von sich in seinem Inneren. Dieses Bild ist
zwar sein persönlicher Besitz, doch es entspringt nur zu kleinen Teilen seinen eigenen Eingebungen. Es ist
vielmehr ein nach außen orientiertes, von außen inspiriertes Bild, in dem sich vorherrschend das Bild spiegelt,
das seine Mitmenschen sich von ihm machen sollen."
Klaus Honnef 2
1. Einleitung
Anfang des 20. Jahrhunderts war das Königreich Bamum in Kamerun ein beliebter Ort für
Amateurfotografen mit unterschiedlichstem Hintergrund: Kaufleute, Verwaltungsbeamte und
Missionsangehörige lichteten König Njoya und seinen Hofstaat ab. Er selbst, der allem Neuen
aufgeschlossen gegenüberstand, lernte mit der Kamera umzugehen und setzte sich und seine
Ehefrauen in die richtige Pose. Er ist der meistfotografierte König jener Zeit.
In der postkolonialen Aufarbeitung dieser Periode afrikanischer Geschichte hat die
Interpretation von Fotografien einen wichtigen Stellenwert. Sie gibt uns z.B. Aufschluss
darüber, wie Europäer in jener Zeit Afrikaner sahen: wie wird der oder die ,,Andere"
betrachtet und mit welchen ästhetischen Mitteln wird dies umgesetzt. Hierzu stehen uns
verschiedene Kategorisierungen der Bilder zur Verfügung: Handelt es sich um eine
anthropologische oder ethnographische Sichtweise, sind die Fotos in den Bereich der
Missionsfotografie einzuordnen oder handelt es sich um Porträtfotografie in der europäischen
Tradition?
Die Fotografien von Anna Wuhrmann, die in der Zeit von 1911-1916 und 1920-1922 in
Bamum als Missionslehrerin tätig war, fallen auf: Sie sind anders als die meisten Bilder jener
Zeit und lassen sich nicht eindeutig einer der genannten Kategorien zuordnen.
Ich möchte mich hier mit der Frage beschäftigen, was das Besondere dieser Fotografien
ausmacht. Hierzu werde ich mich mit der Person Anna Wuhrmann auseinandersetzen, mit
ihrer Geschichte und den zeitgenössischen Einflüssen, die sie möglicherweise geprägt haben
1 Rein-Wuhrmann, A. (1931), S. 132
2 Honnef, K. (1982), S. 62
2
sowie ihre Sicht des ,,Anderen" untersuchen. Ich werde darstellen, wie ihre Sicht des
,,Anderen" ihren fotografischen Stil bestimmt.
Als Quellen standen mir Bücher und Texte von Anna Wuhrmann zur Verfügung (s. S. 4)
sowie Aufsätze von Christraud Geary, die sich (meiner Kenntnis nach) als einzige bisher mit
ihrer Arbeit auseinandergesetzt hat. Die mir vorliegenden Fotografien Anna Wuhrmanns
stammen ebenfalls aus den Veröffentlichungen Christraud Gearys (1985, 1988) und Anna
Wuhrmanns (1931). Weitere Quellen sind zeitgenössische Texte und Fotografien aus der Zeit
Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Fotografien August Sanders (1876-1964) sind dem Katalog
zur Ausstellung ,,In der Photographie gibt es keine ungeklärten Schatten!" entnommen.
Im ersten Teil werde ich auf Anna Wuhrmanns Biografie und Bibliografie eingehen, daran
anschließend auf Zeitgenossinnen und mögliche Vorbilder sowie auf die Tradition der
Fotografie in der Schweiz. In einem weiteren Abschnitt werde ich verschiedene Kategorien
von Fotografien erläutern (Ethnografische Fotografie, Missionsfotografie, Porträtfotografie).
Im zweiten Teil werde ich anhand der schriftlichen und visuellen Quellen Anna Wuhrmanns
Sicht des ,,Anderen" darstellen. Hier gehe ich zuerst anhand der schriftlichen Quellen - auf
ihr Verhältnis zu den Bamum ein (Missionsgemeinde und König Njoya) um daran
anschließend ihre Fotografien zu erläutern.
3
2. Anna Wuhrmann als Missionarin und Fotografin
Lebensweg, Bibliografie und Einflüsse
2.1.1. Biografie
Anna Wuhrmann wurde 1881 in Marseille als Tochter einer begüterten Familie geboren. Sie
wuchs bis 1888 bei ihren Großeltern in Winterthur in der Schweiz auf, besuchte dann, als ihre
Eltern ebenfalls in die Schweiz zurückkehrten, die Schule in Basel. Anschließend kam sie in
ein Internat zur Lehrerausbildung in die französische Schweiz, wo sie 1902 ihr Examen
machte. Nach einer Zeit als Lehrerin von gehörlosen Kindern und Waisen hatte sie 1905 eine
feste Anstellung als Lehrerin. 1910 bewarb sie sich um eine Stelle bei der
Basler Mission
und
fuhr am 9. September 1911, 30 Jahre alt und unverheiratet, von Hamburg nach Douala. Im
November 1911 kam sie in Fumban an, wo sie die Mädchenschule der Missionsstation
übernahm. Im Dezember 1915, beim Einmarsch der Briten, wurde sie gefangengenommen
und Anfang 1916 wieder freigelassen, sodass sie dann von Fernando Póo mit dem Schiff
nach Barcelona fahren und in die Schweiz zurückkehren konnte. 1920 ging sie nach Kamerun
zurück und arbeitete für die
Mission de Paris
erneut in Fumban bis 1922. 1923 heiratete sie
Dr. Rein, einen 21 Jahre älteren Lehrer aus Sachsen. Sie starb 1971 89jährig in der Schweiz.3
3 vgl. Geary, Christraud M. (1988)
4
2.1.2. Bibliografie
Anna Wuhrmann schrieb mehrere Bücher und Aufsätze über Bamum und ihre Arbeit in der
Mission:
Vier Jahre im Grasland von Kamerun
(1917)
Mein Bamumvolk im Grasland von Kamerun (1925)
Lydia ein Frauenleben im Grasland von Kamerun (1927)
Liebes und Leides in Kamerun Erlebnisse im Missionsdienst (1931)
Fumban die Stadt auf dem Schutte Arbeit und Ernte im Missionsdienst in Kamerun (1948)
Njoya, der König von Bamum, in: Der Wanderer von Land zu Land (1949)
2.1.3. Zeitgenossinnen und mögliche Vorbilder
Bereits kurz nach Erfindung der Fotografie 1839 begannen Frauen sich in mehreren Ländern
mit dem neuen Medium zu beschäftigen.
Emilie Bieber (1810-1884) eröffnete am 16. September 1852 ihr Fotoatelier in Hamburg4 und
Anita Augspurg (1857-1943) ihres 1898 in München.
Gertrude Käsebier (geb. 1852 in Des Moines, Iowa, gestorben 1934 in New York) eröffnete
1897 ein Porträtstudio in New York5 .
Imogen Cunningham (geb. 12.4.1883 in Portland, Oregon, gestorben 24. Juni 1976) schrieb
1913 einen Artikel über ,,Photographie als Frauenberuf"6.
Julia Margaret Cameron (geb. 11. Juni 1815 in Kalkutta, gest. 26.1.1879 in Ceylon) war die
Großmutter von Virginia Woolf und begann im Alter von fast 49 Jahren zu fotografieren, als
sie von ihrer Tochter eine Fotoausrüstung geschenkt bekam. Sie war eine Pionierin der
Porträtfotografie.7
2.1.4. Tradition der Fotografie in der Schweiz
Nach der Erfindung der Fotografie im Jahre 1839 durch Daguerre (die ihm von dem
Schweizer Andreas Friedrich Gerber (1797-1872) streitig gemacht wurde8), bekam die
Fotografie in der Schweiz durch den St. Galler Maler Johann Baptist Isenring (1796-1860)
4 Kempe, F.(1982), S. 26
5 Gretter, S. u. Pusch, Luise F. (1999), S. 66
6 a.a.O., S. 77
7 vgl. Gretter, S. u. Pusch, Luise.F.(1999), S. 56
8 vgl. Tillmanns, U.(1992), S. 20
5
große Bedeutung. Er organisierte mit seinen Aufnahmen von Stadtansichten,
Gemäldereproduktionen und 38 Porträtaufnahmen vom 13. bis 27. August 1840 in seinem
Atelier die erste öffentliche Photoausstellung der Welt.9 Im Juli 1841 eröffnete er das erste
photographische Atelier Deutschlands in München10. Eine der ersten Frauen, die sich mit der
Fototechnik befasste, kam ebenfalls aus der Schweiz: Franziska Möllinger (1817-1880)11 .
Die Fotografie beschäftigte im ausgehenden 19. Jahrhundert bereits eine beträchtliche Anzahl
von Personen in der Schweiz. Im ,,Volkswirtschafts-Lexikon" von 1889 steht: ,,Es bestehen
über 200 Geschäfte mit ca. 600 Arbeitern. Die eidg. Berufsstatistk vom 1. Dezember 1880
gibt die Zahl der Photographen und Retoucheurs auf 539 an"12.
Im Bereich der Reisefotografie jener Zeit ist u.a. die aus einer Berner Patrizierfamilie
stammende Cäcilie von Roth (1855-1929) zu erwähnen. Sie unternahm als Journalistin
zahlreiche Reisen in alle fünf Erdteile und hielt ihre Erlebnisse unter anderem in ,,Reise einer
Schweizerin im die Welt" (1903) und ,,Aus Central- und Südamerika" (1907) fest13.
2.2. Kategorien
2.2.1. Ethnografische Fotografie
Ethnografische Fotografie entstand wie die anthropologische Fotografie im 19. Jahrhundert.
Die anthropologische Forschung dokumentierte - ausgehend von der Theorie Charles
Darwins - typische Formen der menschlichen Gestalt, um den naturgeschichtlichen
Entwicklungsgang des Menschen darzustellen. ,,Den Anthropologen ging es (...) darum, die
entpersönlichte Charakteristik, das Typische einer ganzen ethnischen Gruppe mit Hilfe der
Fotografie in den Gesichtszügen eines Individuums herauszufinden."14 Im Stil von
Polizeifotografien wurden Menschen von vorne, von der Seite, von hinten fotografiert um
anhand von Vergleichen der Maße und typischen Merkmale sie einer bestimmten ,,Rasse"
zuordnen zu können.
Ethnografische Fotografie hingegen befasst sich im Wesentlichen mit folgenden Themen:
- Landschaftsaufnahmen
- Habitus der fremden Menschen, ihre Körperhaltung, Kleidung, Schmuck, Waffen
9 a.a.O., S. 21
10 Kempe, F. (1982), S. 26
11 Tillmanns, U., 26
12 a.a.O., S. 51, 52
13 Hürlimann, A.(1992), S. 109
14 Theye, Th. (1984), S. 92
6
Kommentare
Bisher keine Kommentare
Andere Nutzer haben sich auch für folgende Titel interessiert:
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit - Formatvorlage / Vorlage für eine Hausarbeit für Microsoft Word
Autor: GRIN VerlagVorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren, 2005 Als PDF-Datei downloaden für 6,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit - Formatvorlage / Vorlage für eine Hausarbeit für OpenOffice.org
Autor: GRIN VerlagVorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren, 2005 Als PDF-Datei downloaden für 9,99 EUR
Formatvorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit / Vorlage zur Erstellung einer Hausarbeit
Autor: Marco FeindlerVorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren, 2005 Als PDF-Datei downloaden für 6,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Autor: GRIN VerlagVorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren, 2008 Als PDF-Datei downloaden für 6,99 EUR
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit
Autor: Zoran ZivkovicVorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren, 2004 Als PDF-Datei downloaden für 5,99 EUR
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Autor: Claudia NickelVorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren, 2006 Als PDF-Datei downloaden für 4,99 EUR
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Autor: Maik PhilippVorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren, 2004 Als PDF-Datei downloaden für 5,99 EUR
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - Hausarbeiten - Seminararbeiten
Autor: Mark RichterVorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren, 2008
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: