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Netzwerk?

Subtitle: Versuch einer Annäherung an einen unscharfen Begriff durch die Beobachtung von Alltäglichem

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 23 Pages
Author: Henning Mertens
Subject: Sociology - Miscellaneous

Details

Institution/College: http://www.uni-jena.de/
Tags: Netzwerk
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2008
Pages: 23
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 13  Entries
Language: German
Archive No.: V94551
ISBN (E-book): 978-3-640-10115-3

File size: 139 KB

Abstract

Der Begriff Netzwerk ist in der heutigen Zeit omnipräsent. Aber kaum jemand weiß, was er eigentlich bedeutet. Auf der Suche nach einer brauchbaren Definition werden alltägliche Dinge und Geschehnisse - vom Computer bis zur Werbung - analysiert, die sich entweder selbst als Netzwerk bezeichnen oder aber als ein solches gesehen werden können. Das Ergebnis dieser Untersuchung, die sich bewußt mit den grundsätzlichen Schwierigkeiten der Findung von Definitionen (etwa willkürliche Festsetzung, übermäßige Abbildung von Zeitgeistattitüden) auseinandersetzt, ist eine allgemeine und dabei flexibel, sowie respezifizierbar gehaltene Definition von Netzwerk.


Excerpt (computer-generated)

Friedrich-Schiller-Universität

WiSe 07/08

Lehrstuhl für allgemeine und theoretische Soziologie

Hauptseminar: Netzwerke in der Gesellschaft - Gesellschaft als Netzwerk

Netzwerk? ­

Versuch einer Annäherung an einen unscharfen

Begriff durch die Beobachtung von Alltäglichem

vorgelegt von:

Henning Mertens

Studiengang: WB LaGym Sozialkunde

Abgabedatum: 20.06.2008


Inhalt

1 Einleitung

2

2 Methodik

3

3 Der Morgen

4

4 Das Telefongespräch

5

5 Der Netzwerkbegriff in der Werbung ­ das Beispiel TeleSon ,Nullsensation`

9

6 Fähigkeit zum

networking

­ Notwendigkeit für moderne Arbeitnehmer ?!

11

7 Exkurs: Überlegungen zu einem System der Erfassung von Be-

13

kanntschaftsgraden in personenbezogenen (sozialen) Netzwerken

8 Computernetzwerke

15

9 Zusammenfassung und Definition

18

10 Schlussbetrachtung

19

Literatur


1 Einleitung

In unserem Seminar ,,Netzwerke in der Gesellschaft - Gesellschaft als Netzwerk" ist

unzählige Male der Begriff Netzwerk gefallen. Und auch wenn das den geneigten Leser

überraschen mag, ist der Autor dem Begriff allenfalls marginal näher gekommen. Im

Gegenteil scheint es so, als ob das Seminar in diesem Zusammenhang mehr für Verwir-

rung als für Aufklärung gesorgt hätte. Dazu haben wesentlich zwei Dinge beigetragen.

Zum einen der inflationäre Gebrauch des Begriffs im Alltagsleben und zum anderen die

nicht beendete Diskussion um den Begriff im Seminar selbst. Zwar wurde versucht Be-

griffe zu finden, die subjektiv eine gewisse Ähnlichkeit mit ,Netz` oder ,Netzwerk`

aufweisen ­ es wurde vom Sieb über die Hängematte bis hin zum Kescher alles mögli-

che genannt ­ aber spätestens wenn es darum ging genau zu benennen, warum diese

Begriffe als ähnlich empfunden wurden, kam die Diskussion ins Stocken. Ein Kommili-

tone gab zu bedenken, dass man sich dem Begriff ,Netzwerk` semantisch nähern müss-

te; vor allem die Silbe ,werk` dürfe nicht vergessen werden. Sie würde bedeuten, dass

ein Netzwerk immer in irgendeiner Form ,gemacht` sei, also durch menschliches Han-

deln produziert.

Sicherlich wäre es ohne Schwierigkeiten möglich gewesen sich noch etliche Stunden

oder gar Tage mit der eigentlichen Bedeutung des Begriffes Netzwerk (und seiner Ab-

grenzung zu anderen Begriffen, seinem häufigen Gebrauch oder der Frage seiner

scheinbaren Konstruiertheit) zu beschäftigen. Da dies aber nicht das originäre Anliegen

des Seminars war, blieb zumindest bei einigen Teilnehmern die Frage nach den Eigen-

schaften eines Netzwerkes offen.

Nun ist eine offene Frage etwas, was den Studenten oder die Studentin gemeinhin

beschäftigen sollte und es ist anzunehmen, dass ­ um mit Max Weber zu sprechen ­

wenn man in unserer intellektualisierten Welt etwas nicht weiß, ,,man, wenn man nur

wollte

, es jederzeit erfahren

könnte

" (WEBER 1919:488).

Diesen wissenschaftlichen Grundsatz als Motivation annehmend ­ auch wenn sicher-

lich Situationen erdacht werden könnten, in denen er nicht bzw. noch nicht gilt ­ ist der

nächste Schritt eine geeignete Methode zu finden, mit welcher der jeweiligen Fragestel-

lung nachgegangen werden kann. Die aufgeworfene Frage nach einer Definition von

Netzwerk und seinen Eigenschaften, bietet unterschiedliche Ansatzmöglichkeiten. In

dieser Arbeit soll über die Beobachtung von Alltäglichem eine Annäherung an den Be-

griff des Netzwerks erfolgen. Daher mag an manchen Stellen eine eher umgangssprach-

lich-erzählende Schreibweise auffindbar sein. Dies ist im Sinne der gewählten Methodik

- 2 -


jedoch beabsichtigt, um den Gedankengang beim Interpretationsprozess der einzelnen

Situationen nachvollziehbarer zu machen.

2 Methodik

In dieser Arbeit werden Situationen bzw. Dinge beschrieben, denen der Autor im Ver-

lauf eines Tages begegnet ist. In diesen taucht entweder der Begriff Netzwerk oder

netzwerken (bzw. die entsprechenden englischen Äquivalente) auf oder der Autor ver-

sucht die Situation bzw. die Dinge als Netzwerk zu verstehen, ohne dass sie sich selbst

als solches darstellen. Denn wie BOMMES & TACKE (2006:37) dazu feststellen, bezeich-

nen sich ,,nicht alle Netzwerke [...] selbst als solche, und umgekehrt kann nicht unbese-

hen jede Selbstdarstellung als Netzwerk soziologisch für bare Münze genommen wer-

den ­ jedenfalls dann nicht, wenn man davon ausgeht, dass es wissenschaftlich möglich

ist, begrifflich genauer zu fassen und abzugrenzen, was als ein Netzwerk gelten kann

und was nicht." Bei dieser Methodik muss die ,,system- und konjunkturspezifische Be-

deutung" (BOMMES & TACKE 2006:38) des Netzwerkbegriffs beachtet werden, damit

dieser für unterschiedliche gesellschaftliche Kontexte respezifizierbar bleibt.

Der Autor hat versucht seinen Tagesablauf nicht unbewusst zu verändern, um mehr

oder weniger Möglichkeiten zu haben, den Netzwerkbegriff zu schärfen. Natürlich kann

ein Tag auch nicht für jeden Tag des Lebens stehen. So gäbe es sicher noch mehr Mög-

lichkeiten die jeweilige Situation als Netzwerk zu denken, wenn mehrere Tage beobach-

tet werden würden. Beispielsweise benutzt der Autor nicht jeden Tag das europäische

Fernstraßennetz. Diese Tatsache tut der hier vorgenommenen Untersuchung jedoch kei-

nen Abbruch, da die Intention dieser Arbeit ist, sich dem Netzwerkbegriff zu nähern

und nicht jede vorstellbare Alltagssituation daraufhin zu überprüfen, ob sie mit dem

Netzwerkbegriff passend beschrieben werden kann. Es wurde dem Autor im Laufe des

Tages sehr schnell klar, dass es sehr viele Möglichkeiten gibt ,Netze` oder ,Netzwerke`

zu denken ­ auch in Situationen in denen normalerweise keine Rede davon wäre, es sei

denn eine Beobachtung der hier vorgenommenen Art stünde an.

Andererseits mag die Tatsache, dass sich der Autor vorgenommen hatte explizit dar-

auf zu achten, welche Dinge oder Situationen des Alltags für die Definition des Netz-

werks gewinnbringend sein könnten, dazu geführt haben, dass manche Beobachtung

etwas konstruiert oder überspitzt erscheint. Das ist aber nicht als Schwäche zu sehen,

- 3 -


sondern vielmehr als der Versuch möglichst keine Situation zu verpassen, dem Netz-

werkbegriff seine Unschärfe zu nehmen. Alle Namen von Bekannten wurden durch

,Person Buchstabe` ersetzt.

3 Der Morgen

Der Wecker klingelt, ich stehe auf. Ich erinnere mich, dass heute der Tag ist, an dem ich

meinen Alltag beobachten wollte, um Situationen aufzuspüren, die geeignet sind sich

dem Netzwerkbegriff anzunähern. So taste ich nach meinem Wecker um dem Klingeln

ein Ende zu machen und gehe ins Bad. Mein Wecker ist batteriebetrieben, ist also nicht

vom Stromnetz abhängig. Nur einen Moment später fällt mir jedoch ein, dass es ein

Funkwecker ist und somit doch vielleicht Teil eines Netzwerkes. Diesen Gedanken auf-

greifend, versuchte ich mir vorzustellen, wie genau ein elektronisches Gerät mit dem

was gemeinhin als Stromnetz bezeichnet wird, verbunden ist.

Ein elektronisches Gerät, bspw. ein Bügeleisen, hat genau eine Verbindung über die

es kommunizieren könnte ­ den Netzstecker. Gleiches gilt für den Toaster, die Kaffee-

maschine und den Wasserkocher. Ich blieb gedanklich beim Toaster hängen. Betrachtet

man den Toaster genauer, kann man dann sagen, dass er Teil eines Netzwerkes ist? Eher

nicht, da er wie schon erwähnt nur eine Verbindung hat mit dem er bspw. mit dem Um-

spannwerk kommunizieren kann. Aber stimmt das eigentlich? Schließlich kommuniziert

der Toaster mit mir; er zeigt mir an wann mein Toast den gewünschten Bräunungsgrad

erreicht hat. Und ich kann mit ihm kommunizieren, denn ich zeige ihm wie lange er

toasten soll ­ bei meinem Toaster durch das Drehen eines Rädchens. Aber ist es mög-

lich dies als Netzwerk zu betrachten, also mich, den Toaster und das Umspannwerk? Ich

denke nicht. Die Teilnehmer dieses Netzwerkes hätten nicht die Möglichkeit autark zu

kommunizieren oder sich bewusst aus diesem Netzwerk zu entfernen. Der Toaster ist

nur Teil meines Netzwerkes (und Teil des Stromnetzes), wenn ich das möchte und er

kann nicht kommunizieren, ohne dass ich ihn dazu auffordere.

Es ist also nicht von einem Netzwerk zu sprechen, wenn die Teilnehmer sich nicht

entscheiden können, aus diesem auszutreten oder wenn sie über stark unterschiedliche

Möglichkeiten der Kommunikation verfügen bzw. in ihrer Möglichkeit zur Kommuni-

kation von anderen abhängig sind ­ wie z.B. in einer Hierarchie (vgl. POWELL

1990:300-301).

- 4 -



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