Die Branch Davidians und die Belagerung von Waco 1993

Eine Fallstudie organisierter Gewalt


Hausarbeit, 2018

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung

2 Methodik und Stand der Forschung

3 Theoretischer Rahmen

4 Ereginisrekonstruktion

5 Soziologische Analyse

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Es ist Montag, der 19. April des Jahres 1993. Wir befinden uns in Waco, einer Kleinstadt in Texas (USA). Eine FBI-Truppe umstellt einen allein stehenden Gebäudekomplex mitten im ländlichen Milieu. Darin sucht eine religiöse Gruppe von Menschen Zuflucht, – welche sich selbst als die ‚Davidianer’ bezeichnet – und sich weigert hinauszutreten. Rund 51 Tage belagern die Behörden das Gebäude, die Verhandlungen sind geprägt von Schüssen, hartnäckigen Gesprächen und psychologischer Kriegsführung. Dennoch wollen sich die ‚DavidianerInnen’ nicht ergeben.

Doch an diesem Tag geht alles anders als geplant. Plötzlich beginnt das gesamte Gebäude zu brennen und fällt stückchenweise zusammen. Der Rauch steigt in die Lungen der Beamten, während die Flammen stürmisch das gesamte Bauwerk in Schutt und Asche brennen. 76 Menschen sterben an diesem Tag, darunter auch unschuldige Kinder und schwangere Frauen.

In der Geschichte von Waco geht dieser Tag als der ‚Black Monday’ ein, welcher die BürgerInnen der Stadt noch heute in Trauer versetzt (Spiegel 2013). Doch was ist passiert? Warum musste die lange Belagerung in einer derartigen Tragödie enden? Welche Entscheidungen haben dazu geführt und welche Rolle spielte das FBI? Genauer gefragt: Wie konnte sich die Situationsdynamik dahingehend entwickeln, dass es zu einer derartigen Gewalteskalation kam? Diesen Fragen widmet sich die vorliegende Hausarbeit. Ich werde mich hierbei vor allem auf das Verhalten und die Entscheidungen des FBIs konzentrieren und diese auf mögliche Verursachung der Gewalteskalation untersuchen. Jedoch gehe ich auch kurz auf die totalen Strukturen der Sekte der Davidianer ein. Zu Beginn der Arbeit erläutere ich meine methodische Vorgehensweise während der Literatursuche. In der Ereignisrekonstruktion rekapituliere ich den Fall und stelle diesen schrittweise detailliert dar. Des Weiteren werden einige Strukturen und die Vorgehensweise des FBI im Zeitraum der 51 Tage – inklusive des ‚Schwarzen Montages’ (Black Monday) (Spiegel 2013) – analysiert. Die Handlungen und Beweggründe der Sektenmitglieder werden hier nur kurz angeschnitten.

Den theoretischen Rahmen bieten mir das ‚Attacking the Weak’-Prinzip (Collins 2009:11) sowie die Theorie von Goffman, zu totalen Institutionen (Goffman 1961), welches ich im Analyseteil auf den hier vorliegenden Fall anwende.

Im Anschluss versuche ich im Fazit einen plausiblen Lösungsansatz für die vorgestellte Frage zu finden

2 Methodik und Stand der Forschung

Methodik und Stand der Forschung: Nach einem kurzen Brainstorming, bei dem ich die einzelnen Stichpunkte ermittelte, welche zur Beantwortung der Fragestellung notwendig waren, arbeitete ich mit dem Schneeballsystem (Stykow 2014), um ausstehende Aspekte abzudecken. Hierbei fand ich eine Vielzahl an hilfreicher Literatur. Neben einer großen Anzahl an journalistischen Artikeln, wie zum Beispiel im Spiegel (Spiegel 2013), fanden sich auch diverse wissenschaftliche Ermittlungen und Analysen zum Fall ‚Waco’. Hierbei wurden diverse Ansätze diskutiert. Bei meiner Literaturrecherche ließ sich ein Buch von Hans Kippenberg auffinden: ‚Gewalt als Gottesdienst’. Dieses analysiert die gewaltverherrlichende Erziehung in verschiedenen Sekten und erwähnt dabei auch den Fall ‚Waco’ (Kippenberg 2008), was wiederum eine intensivere Analyse des gewaltvollen Handelns der Davidianer ermöglichen würde. Des Weiteren ließ sich eine Vielzahl von allgemeiner ereignis-beschreibender Literatur vorfinden, wie zum Beispiel von Stuart Wright ‚Armaggedon in Waco’ (Wright 1995) und Kenneth Newport ‚The Branch Davidians of Waco’ (Newport 2006). Vor allem aber das Buch ‚The Ashes of Waco’ von Reavis Dick im Jahre 1995 (Dick 1995) bot eine umfangreiche Untersuchung und Berichterstattung der Geschehnisse und ihrer Zusammenhänge. In seinem Buch möchte Dick ebenfalls die Frage, wie es zu einer Gewalteskalation kommen konnte, beantworten. Hierbei erläutert er vor allem die Sicht der Davidianer und äußert sich vorwiegend kritisch gegenüber den Handlungen des FBIs und der US-amerikanischen Regierung (Dick 1995). Ein detaillierter Bericht der ATF (dt. Amt für Alkohol, Tabak, Schusswaffen und Sprengstoffe) (DTBATF 1993) bietet mir wiederum ein besseres Verständnis für die Handlungen der beteiligten Behörden, da hier ausschließlich die Wahrnehmungen dieser dargelegt werden, während die Beweggründe der Sektenmitglieder nicht weiter ausgeführt werden. Es ließen sich des Weiteren auch Dokumentationen zu diesem Thema finden, in denen beide Parteien ihre Wahrnehmung über die Situation erklären konnten (NGC Networks 2012). Ich arbeitete mich von einer Partei zur nächsten und versuchte die Denkweisen und Handlungen beider Akteure besser nachzuvollziehen. Während meiner Literaturrecherche entdeckte ich einen Diskurs, bei dem nach wie vor Uneinigkeit darüber präsent ist, welche Entscheidungen die Situationsdynamik zur Eskalation brachten. Schließlich entschied ich mich für eine Analyse der Handlungen des FBIs und nicht der Davidianer. Hier lagen bewiesene Informationen und Analysen vor, welche weniger von Spekulationen geprägt waren. Den theoretischen Rahmen für meine Analyse bot mir ein Text, den wir im Seminar behandelt hatten: ‚Micro and Macro Causes of Violence’ von Randall Collins (Collins 2009). In diesem werden verschiedene Ansätze über die Entstehung von Gewalt und die Überwindung einen anderen Menschen zu verletzten, genauer erläutert. Dabei half mir vor allem der Abschnitt ‚Angriff auf den Schwächeren’ (Attacking the Weak) bei der Frage, wie die menschlichen Hemmungen – einem Menschen Gewalt anzutun – in diesem Fall überwunden werden konnten und welche Bedingungen gegeben waren, um dem FBI das Anwenden von Gewalt zu erleichtern.

3 Theoretischer Rahmen

3.1) ‚Angriff auf den Schwächeren’

Der ‚Angriff auf den Schwächeren’ (Attacking the Weak) ist ‚die häufigste Art der Gewalt’ (Collings 2009:11). Das Prinzip basiert sieht vor, dass sich in einem fortlaufenden Konflikt eine Partei – ob durch einen Fehltritt oder aufgrund von unfairen Kampfbedingungen – als die schwächere Partei herausstellt. Daraufhin erfährt die stärkere Partei eine Art ‚vorwärts Panik’ (forward panic), welche sie dazu drängt den schwächeren Gegner gewaltvoll zu unterdrücken.

Damit werden Hemmungen abgebaut, welche einen jeden gesunden menschlichen Verstand daran hindern Gewalt anzuwenden. Ausgelöst wird die ‚vorwärts Panik’ zum Beispiel durch ‚hinfallen’ oder die ‚Verwirrung des Gegners’, sowie durch die emotionale Dominanz des Stärkeren. Häufig geschieht das Attacking the Weak -Prinzip im Konflikt zwischen einer Gruppe und einem einzelnen isolierten Individuum, welches von vornherein eine geringere Chance auf den Sieg besitzt.

Der ‚Angriff auf den Schwächeren’ tritt in vielen Kontexten auf und kann von unterschiedlichen Akteuren gebraucht werden – wie zum Beispiel vom Staat, von Nationalsozialisten, Kriminellen, bei gegensätzlichen Interessensgruppierungen, Sportfanatikern oder auch bei Liebespaaren (Collins 2009:11). Auch Mobbing ist eine Form dieses Prinzips, in diesem Fall wirkt es sich für die Betroffenen überwiegend auf emotionaler Ebene gewalttätig aus. Emotionale und psychische Gewalt verursacht in vielen Fällen sogar mehr Schäden als physische Gewalt. Vor allem der Grad der Isolation einer Person ist hierbei von Bedeutung, eine sozial integrierte Person, ist ein stärkerer Gegner als eine isolierte (Collins 2009:11).

3.2) Totale Institutionen:

‚Totale Institutionen’ meint jene Institutionen, welche für die Lebensbereiche seiner Mitglieder allumfassend wirken. Der Zugang zur Außenwelt, außerhalb der Institution und der eigenen Mitgliedschaft ist stark beschränkt (Goffman 1961:15,16). Diese Abgrenzung kann beispielsweise durch physisch errichtete Barrieren – wie zum Beispiel durch Mauern, Wassergräben, Wälder und Stacheldrähten – erfolgen (Goffman 1961: 16). Es gibt diverse Arten von totalen Institutionen, mit verschiedenen Zwecken. Klöster und mönchische Wohngemeinschaften zählen unter anderem zu totalen Institutionen, welche den Zweck verfolgen den Mitgliedern einen Zufluchtsort vor der Außenwelt zu bieten und die eigenen religiösen Praktiken effektiver zu erlernen (Goffman 1961:16). Jedoch gibt es auch totale Institutionen – wie zum Beispiel Gefängnisse und Psychiatrien – welche primär den Schutz der öffentlichen Gemeinschaft durch die Abschottung der Mitglieder dieser Institutionen vorsehen. In diesem Fall ist nicht das Wohlergehen der Mitglieder (oder auch Insassen) der Zweck der Institution (Goffman 1961:16). Andere totale Institutionen wie beispielsweise Kasernen, Konzentrationslager und Internate (Goffman 1961:16), vergrößern die Vielfalt von totalen Institutionen, da diese unterschiedliche Zwecke verfolgen. Da eine genauere Betrachtung dieser Institutionen jedoch den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen würde, lassen wir diese aus unserer Analyse. Grob formuliert erfüllen totale Institutionen vier grundlegende Kriterien (Goffman 1961:17):

1.) Alle Tätigkeiten, welches ein Mitglied verrichtet, werden an einem Ort getätigt (zum Beispiel in einem Gebäudekomplex oder in einer Ortschaft), unter einer beständigen Autorität, welche die Tätigkeiten überwacht.
2.) Die Mitglieder sind Teil einer großen Gruppengemeinschaft, in der allen Mitgliedern die gleichen Tätigkeiten zugewiesen werden. Außerdem wird allen die gleiche Behandlung der Autorität zuteil.
3.) Jeder Tag wird von der Autorität strukturiert und hierarchisch von oben nach unten durch formale Regeln und einen Stab aus Funktionären geregelt und durchgesetzt.
4.) Die erzwungenen Tätigkeiten der Mitglieder werden von der Autorität vereinigt und als Beitrag zur Erfüllung der offiziellen Ziele der Institution dargestellt (Goffman 1961:17).

Diese Kriterien schaffen die Möglichkeit die Mitglieder zu kontrollieren. Diese unterscheiden sich hierbei jedoch in Insassen – welche der Autorität folgen und nicht in den größeren übergreifenden Plan dieser eingeweiht werden – und Wärter (oder auch Funktionäre) – welche einen größeren Zugang zur Außenwelt besitzen, in den größeren Plan der Führung (teilweise) eingeweiht werden und die Gehorsamkeit der Insassen überwachen und gegebenenfalls Regelverstöße melden (Goffman 1961:19,20). Diese Aufteilung sorgt primär für eine leichtere Führung einer größeren Menschengruppe und trägt sekundär zur Erfüllung der auferlegten Tätigkeiten und Arbeiten bei (Goffman 1961:20).

4 Ereginisrekonstruktion

Die ‚Branch Davidianer’ sind eine religiöse Gemeinschaft, welche nach ihrem Guru Vernon W. Howell alias David Koresh benannt wurde (Dienstbühl 2014:27). Dieser gab sich selbst als Reinkarnation Jesu Christi aus, predigte, interpretierte Bibeltexte und nannte seine ‚Gefolgsleute’ ‚Studenten des Siebten Siegels’ (Welt 2013). Koresh sprach in seinen Predigten wiederholt von einer Apokalypse und behauptete, dass er als Reinkarnation Jesu Christi diese einleiten musste (NGC Networks 2012:21:10).

Auf Grund der wachsenden Anhängerzahl errichten sich die Sektenmitglieder schließlich eine eigene Siedlung aus mehreren Gebäudekomplexen in der Nähe der Kleinstadt Waco in Texas (USA), welche sie das Mount Carmel Center nennen (Glotz 1998:2). Koresh und über 100 seiner Anhänger finden dort Zuflucht (DTBATF 1993). Die Abgeschiedenheit der religiösen Gruppe verursacht das Aufkommen von vielen Gerüchten über ‚bizarre Sexualpraktiken, Kindesmissbrauch und paramilitärische Aktivitäten’, weshalb ihre Zurückgezogenheit viele lokale und mediale Aufmerksamkeit auf sich zieht (Glotz 1998:3).

Während der Überprüfung jener Verdächte bringt das Kommando des ATF’s (dt. Amt für Alkohol, Tabak, Schusswaffen und Sprengstoffe) in Erfahrung, dass die Mitglieder der Davidianer in ihrer Siedlung den Ausbau von gefährlich eingestuften Schusswaffen betreiben, darunter auch Waffen wie die AK-47. Um der destruktiven Gruppe ihre Schusswaffen zu entwenden und den Schutz der missbrauchten Kinder zu gewährleisten, wird ein gewaltvolles Eindringen von insgesamt 76 ATF-Agenten geplant (DTBATF 1993) (Glotz 1998:3). Am 28. Februar 1993 versuchen die Beamten des ATF- Teams unbemerkt in das Gebäude einzudringen, jedoch waren die Davidianer bereits von der kommenden Razzia informiert worden, sie sind demnach vorbereitet (Reavis 1995:11). Beobachter des Geschehens beschreiben die Situation als ‚gewaltvollen Krieg in den die Beamten ziehen würden’ (Reavis 1995:11). Es kommt zu einer Schießerei (NGC Networks 2012) in Folge der vier Beamten und mehrere Sektenmitglieder ums Leben kommen (Schiller 1993). Um eine bessere Kontrolle über die Situation gewinnen zu können, wird das FBI eingeschaltet. Dieses stellt eine Geiselbefreiungstruppe zusammen und engagiert ein Team von Unterhändlern, welche sie bei den Verhandlungen unterstützen sollen (NGC Networks 2012:28:45).

Es folgen sieben Wochen der Belagerung, in denen mit Koresh über die Zukunft seiner Sekte verhandelt wird (Reavis 1995:11). Die Verhandlungen verlaufen anfangs erfolgreich, das FBI erzielt die Freilassung von 14 Erwachsenen und 21 Kindern. Nichtsdestotrotz weigert sich ein Großteil der Sektenmitglieder die Ranch zu verlassen (NGC Networks 2012). In Folge der Auseinandersetzung lässt der damals zuständige FBI-Chef Byron Sage den Davidianern eine Kamera zukommen, um sich ein besseres Bild von Koresh und den Lebenseinstellungen der Davidianern machen zu können (NGC Networks 2012:13:10). Des Weiterhin werden Pappkartons mit Milchflaschen gefüllt und vor die Tür der Davidianer gestellt, in der Hoffnung, dass sie diese hinein bringen. Die Pappkartons sind mit Wanzen präpariert, um die Intentionen der Sektenmitglieder zu belauschen (NGC Networks 2012:26:45). Hauptziel der Beamten ist die Rettung der Kinder. Jedoch weigert sich Koresh die übriggebliebenen Kinder freizulassen, er bezeichnet diese als ‚seine Kinder’ (NGC Networks 2012). Im weiteren Verlauf der Verhandlungen greift das FBI zu gewaltvolleren Mitteln. Der Strom wird im Mount Carmel Center abgeschaltet, womit die Mitglieder weder Heizung, Licht oder Wasser haben. Schließlich verwenden die Behörden Methoden der psychologischen Kriegsführung - die Strategie des Schlafentzugs. Hierbei spielen die Polizisten den Sektenmitgliedern nachts laute Geräusche, wie zum Beispiel klingelnde Telefone, tief fliegende Flugzeuge oder Trompeten, vor. Für die Mitglieder ist es nun unmöglich sich zur Ruhe zu setzen, was den psychischen Druck verstärkt (NGC Networks 2012). Diese Strategie wird mehrere Tage genutzt, jedoch sind keine genaueren Zeitangaben gegeben.

Nach 51 Tagen erfolgloser Kommunikation mit Koresh und seinen Gefolgsleuten findet die Verhandlungsbereitschaft der FBI ein Ende, nun wird lediglich eine Kapitulation seitens der Davidianer akzeptiert (Spiegel 2013). Am Morgen des 19. April 1993, welcher in die Geschichte von Waco als der ‚Black Monday’ eingeht, ändert sich die Strategie der FBI-Beamten. Um 06:05 Uhr Morgens beginnen die Beamten mithilfe von Tankern Löcher in das Gebäude einzureißen und CS- Nervengas zu verteilen. Ziel ist es die Sektenmitglieder mittels Bedrängung und Furchteinflößung aus ihrem Versteck herauszulocken. Die Davidianer sind mit Gasmasken darauf vorbereitet, wobei sie jedoch nicht genügend Masken besitzen. Die Kinder werden in feuchte Tücher eingewickelt, doch das ätzende Gas dringt dennoch in die Lungen ein. Die Luftzufuhr ist durch das Gas versperrt und es brennt sich in die Haut der Betroffenen ein, wogegen die Gasmasken keine Hilfe sind (NGC Networks 2012:09:30). Sechs Stunden lang dauert dieser CS-Gasangriff (NGC Networks 2012:33:15). Um sich zu verteidigen, greifen einige Davidianer die Polizisten mit Schusswaffen an, woraufhin das FBI mit einigen CS-Granaten antwortet. 06:31 Uhr: Erneut die Verhandlungen aufgreifend, versucht das FBI wieder Kontakt zu dem Sektenführer aufzunehmen. Sie schlagen eine Kapitulation seitens der Davidianer vor, um weitere Verletzte und Todesfälle zu vermeiden. Allerdings wird ihnen nicht geantwortet. Mit mehreren ‚gepanzerten Rammfahrzeugen’ reißt das FBI Löcher in die Holzwände und Fenster der Ranch (Spiegel 2013). Da sich nun das CS-Gas besser im Gebäude verteilen konnte, suchen die Mitglieder Zuflucht in einem Bunker. Dieser befindet sich im tiefsten Inneren des Mt. Carmel Centers, weshalb das Gas nicht hinein dringen kann (NGC Networks 2012:13:15).

Das FBI Team wartet erneut auf eine mögliche Reaktion von Koresh, als plötzlich der Gebäudekomplex zu brennen beginnt. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich immer noch rund 75 Mitglieder der Sekte und Koresh selbst im Gebäude. Beobachter erkennen drei Flammenherde, welche sich durch den starken Wind schneller verbreiten. Es sind die Davidianer selbst, die ihren Fluchtort angezündet haben. In diesem Moment wendet sich Byron Sage um 12:13 Uhr erneut an den Sektenführer, doch er erhält immer noch keine Antwort (NGC Networks 2012:15:15). Um dem qualvollen Tod im Feuer zu entgehen, erschießen sich Koresh und einige seiner Anhänger, mit den letzten vorhandenen Schusspatronen. Die restlichen Davidianer sterben an ihren Brandverletzungen (Dienstbühl 2014:27). Neun Davidianern gelingt die Flucht aus dem Höllenfeuer. Sobald sie aus dem brennenden Haus herauskommen, werden sie vom FBI gewaltvoll auf den Boden gedrückt, und wiederholend nach den restlichen Kindern gefragt. ‚Wo sind die Kinder? Wo sind die Kinder? Das wiederholten sie die ganze Zeit.’, so ein überlebender Davidianer (NGC Networks 2012:16:45). Sie antworten, dass sie seit einiger Zeit keine Kinder mehr gesehen hätten (NGC Networks 2012:17:02). Während des gesamten Zeitraums befinden sich Journalisten von verschiedenen Medienkanälen am Tatort, welche den Selbstmord der Sektenmitglieder dokumentieren (Reavis 1995:11). Obwohl die Feuerwehr kontaktiert wird, können diese den Opfern des Brandes nicht helfen, da sie auf Grund des enormen Ausmaßes der Flammen befürchten, ihr eigenes Leben zu riskieren (Spiegel 2013). 76 Davidianer, darunter ca. 21 Kinder und mehrere schwangere Frauen sterben durch das Feuer. Lediglich neun Erwachsene, welche das Gebäude vor Ausbruch des Brandes verlassen, überleben (Welt 2013). Insgesamt sterben während der gesamten Belagerung rund 86 Davidianer und vier ATF Beamte (Dienstbühl 2014:27). Dem FBI wird unüberlegtes Handeln vorgeworfen, da sie die Umstände und die Psyche des Sektenführers David Koresh nicht ausreichend berücksichtigten. Am Tag der Tragödie zeichnet die eingeschmuggelte Wanze einige Gesprächsfetzen auf, unter anderem: ‚David hat gesagt, wir sollen Benzin holen’ und ‚Wir legen das Feuer erst wenn sie mit den Panzern kommen, oder?’. Dies beweist später, dass das Feuer tatsächlich von den Davidianern selbst gelegt wurde (NGC Networks 2012:22:05).

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Branch Davidians und die Belagerung von Waco 1993
Untertitel
Eine Fallstudie organisierter Gewalt
Hochschule
Universität Potsdam
Veranstaltung
Fallstudien organisierter Gewaltsituationen
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V1000986
ISBN (eBook)
9783346374035
ISBN (Buch)
9783346374042
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Organisationssoziologie, Waco, Black Monday, Davidianer, Sekte, Polizeigewalt
Arbeit zitieren
Salonika Hutidi (Autor:in), 2018, Die Branch Davidians und die Belagerung von Waco 1993, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1000986

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