Als aktiver Parkourtrainer möchte ich in der vorliegenden Arbeit nicht nur auf die Entstehung und die Entwicklung von Parkour bis hin zur anerkannten Sportart eingehen, sondern werde meinen Einfluss als Parkourtrainer nutzen, um empirische Untersuchungen in verschiedenen Feldern durchzuführen.
Meine erste Hypothese bezieht sich auf die erhöhte Attraktivität von Parkour, da es den Status einer Trendsportart genießt und durch Medien, TV und Internet als modern, cool und zeitgemäß interpretiert wird. Ob sich diese Annahme bestätigen lässt, möchte ich mithilfe einer Umfrage zur Beliebtheit von Parkour als Sportart selbst und im Vergleich zu anderen Sportarten feststellen.
Als weiteres Potenzial, was es zu überprüfen gilt, sehe ich den Lebensweltbezug der Sportart Parkour und deren Simplizität. Parkour kann im Vergleich zu anderen Sportarten überall durchgeführt werden, beinhaltet keine komplexen Regeln und bedarf keiner sportlichen Ausrüstung. Eine Befragung von Traceuren, die bereits die Sportart Parkour ausüben, soll bei der Klärung dieser Hypothese Abhilfe schaffen.
Die letzte Annahme könnte eines der größten Potenziale der Sportart Parkour bieten. Dabei handelt es sich um die spielerische Leistungssteigerung, die anhand einer Kontrollgruppe über einen Zeitraum von über 2 Monaten verglichen werden soll. Die Kontrollgruppe wird in dem Zeitraum einen Leichtathletikkurs besuchen, während die Parkourgruppe in den zwei Monaten ein normales Parkourtraining absolvieren wird. Sollte sich die Hypothese bestätigen, dass die motorischen und konditionellen Leistungssteigerungen signifikant höher sind als bei der klassischen Sportart Leichtathletik, wäre es für Sportlehrer eine Überlegung wert, Parkour stärker in ihren Sportunterricht zu integrieren.
Methoden und Vorschläge, wie Lehrer Parkour in ihren Unterricht integrieren können, gibt es bereits, aber ich möchte am Ende meiner Arbeit eine Lehrprobe für Lehrer erstellen, die es ihnen ermöglicht oben genannte Potenziale der Sportart Parkour voll auszuschöpfen. Meine Lehrprobe soll über die Dauer von 90 Minuten realisiert werden, damit Sportlehrer, sie trotz des straffen Rahmenplans, mit insgesamt nur einer Doppelstunde bewerkstelligen können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Parkour
2.1 Entstehung
2.1.1 Georges Hébert
2.1.2 Méthode Naturelle
2.1.3 Raymond Belle
2.1.4 David Belle
2.1.5 Yamakasi
2.2 Definition von Parkour
2.3 Philosophie
2.4 Entwicklung und Trends
2.4.1 Ableger
2.4.2 Mediale Inszenierung
2.4.3 Parkour als Extremsportart
2.4.4 Parkour als Trendsportart
3 Studie zu den Potenzialen der Trendsportart Parkour
3.1 Theoretische Konzeption der Studie
3.1.1 Begründung, Zielsetzung und Hypothesenfindung der Studie
3.1.2 Auswahl der Erhebungsmethoden und Fragebogenkonstruktion
3.1.3 Probandenauswahl
3.2 Hypothese zur Attraktivität von Parkour als Trendsportart
3.2.1 Methoden und Vorgehensweise
3.2.2 Statistische Analyse und Interpretation
3.2.3 Ergebnisse
3.3 Hypothese zum Lebensweltbezug und zur Simplizität von Parkour
3.3.1 Methoden und Vorgehensweise
3.3.2 Statistische Analyse und Interpretation
3.3.3 Ergebnisse
3.4 Hypothese zur spielerischen Leistungssteigerung im Parkourtraining
3.4.1 Methoden und Vorgehensweise
3.4.2 Statistische Analyse und Interpretation
3.4.3 Ergebnisse
4 Konzept für eine Lehrprobe zur Entfaltung der Potenziale
4.1 Stundeneinstieg
4.2 Erwärmung
4.3 Hauptteil
4.4 Präsentation der Ergebnisse
4.5 Kraftkreis
4.6 Zusammenfassung der Potenziale der Lehrprobe
5 Fazit
6 Quellenverzeichnis
6.1 Literaturangaben
6.2 Onlinedokumente
6.3 Internetseiten
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Potenziale der Trendsportart Parkour zur Legitimation im schulischen und außerschulischen Sportunterricht. Das zentrale Ziel ist es zu belegen, dass Parkour klassischen Schulsportarten ebenbürtig oder überlegen ist, indem seine Attraktivität, der Lebensweltbezug sowie sein Potenzial zur spielerischen Leistungssteigerung empirisch evaluiert werden.
- Historische Entwicklung und philosophische Grundlagen von Parkour
- Analyse der Attraktivität von Parkour gegenüber klassischen Sportarten
- Untersuchung der Simplizität und des Transfereffekts auf den Alltag
- Evaluation der spielerischen Leistungssteigerung im Vergleich zur Leichtathletik
- Konzeption einer praxisnahen Lehrprobe für Sportlehrkräfte
Auszug aus dem Buch
2.4.3 Parkour als Extremsportart
„Eine Gesellschaft, die durch Bürokratisierung und Organisationsbildung Alltagsroutinen erzeugt und die Ungewißheit der Zukunft durch institutionelle Arrangements in den Griff zu nehmen versucht, ruft auf der Ebene ihrer Mitglieder spezifische Erlebniskorrelate hervor. Die Kehrseite von Sicherheit, Routine, Handlungsentlastung und Systemvertrauen heißt Langeweile und Leere.“ (Bette, 2004, S. 16)
Mit dieser treffenden Beschreibung unserer heutigen Gesellschaft wird schnell klar, warum der Extrem- und Risikosport in den letzten Jahren einen solchen Zulauf erlebt. Menschen, die die Bürokratisierung und Routinisierung ihres Lebensalltags erkennen, wollen aus dem Kreislauf ausbrechen, sich wieder lebendig fühlen und aktiv ein neues Wagnis eingehen. Extreme Hindernisläufe mit Freunden, Fallschirmsprünge, die man zum Geburtstag geschenkt bekommt und Wildwasser Rafting während eines Abenteuerurlaubs sind heute für jeden erschwinglich und liegen sehr im Trend. Dieser Trend führt natürlich auch Teilnehmer zu Parkourworkshops oder regelmäßigen Kursangeboten. Doch gilt Parkour als Extremsportart? Bis zum 25. März 2006 wurden Parkour und Freerunning im deutschen Wikipedia-Eintrag für Extremsport noch in der Liste der Extremsportarten aufgeführt. Nach Definition im deutschen Duden ist Extremsport ein „mit höchster körperlicher Beanspruchung“ und „mit besonderen Gefahren verbundener Sport“. Laut einer Studie entstehen während 1000 Stunden Parkourtrainings durchschnittlich nur 5,5 Verletzungen, wobei 70,3 Prozent davon nur Hautschürfungen sind. Diese Statistik und die Philosophie der Selbsteinschätzung und Nachhaltigkeit im Parkour widersprechen eindeutig der Kategorisierung als Extremsportart. Dennoch bezeichnen Medien und Zeitungen Parkour immer wieder als Extremsport. Mit 37,5 Verletzungen pro 1000 Spielstunden, wie eine Untersuchung im deutschen Profifußball zeigt, erfüllt dieser eher die Voraussetzung einer solchen Kategorisierung. Meine Parkourtrainererfahrung zeigt, dass Eltern Angst um ihre Kinder haben, wenn diese die ersten Male zum Parkourtraining kommen. Dabei handelt es sich jedoch um eine Fehlinformation, die einerseits durch die bereits beschriebene mediale Inszenierung als waghalsige und riskante Sportart entstanden ist und andererseits durch Traceure, die Parkour in eine Extremsportart uminterpretieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der persönlichen Motivation des Autors sowie der zentralen Hypothesen bezüglich Attraktivität, Lebensweltbezug und Leistungssteigerung von Parkour.
2 Parkour: Detaillierte Darstellung der Entstehung, Definition, Philosophie sowie der medialen und gesellschaftlichen Entwicklung von Parkour und seinen Trends.
3 Studie zu den Potenzialen der Trendsportart Parkour: Wissenschaftliche Untersuchung der drei aufgestellten Hypothesen mittels Fragebögen und Experimenten zur Attraktivität, Simplizität und Leistungssteigerung.
4 Konzept für eine Lehrprobe zur Entfaltung der Potenziale: Entwicklung eines praktischen Stundenkonzepts für den Sportunterricht inklusive Stundeneinstieg, Erwärmung mit dem Spiel „Lava“ und Stationstraining.
5 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Studienergebnisse und Plädoyer für die stärkere Integration von Trendsportarten in den schulischen Sportunterricht.
6 Quellenverzeichnis: Auflistung der verwendeten Literatur, Onlinedokumente und Internetseiten.
Schlüsselwörter
Parkour, Trendsportart, Sportunterricht, Leistungssteigerung, Lebensweltbezug, Simplizität, Didaktik, Körperwahrnehmung, Jugendkultur, Bewegungsphilosophie, empirische Studie, Lehrerrolle, Motivation, Extremsport, Traceur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Parkour als moderne Trendsportart für den Einsatz im schulischen und außerschulischen Sportunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung von Parkour, der wissenschaftlichen Evaluation seiner Potenziale bei Schülern und der praktischen Anwendung in Form von Lehrkonzepten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Hauptziel ist zu belegen, dass Parkour den klassischen Schulsportarten ebenbürtig ist und aufgrund seiner Eigenschaften (z.B. hohe intrinsische Motivation, geringe Kosten) einen wertvollen Beitrag zur sportlichen Bildung leisten kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor führt empirische Studien durch, darunter schriftliche Befragungen zur Beliebtheit, Online-Befragungen zum Lebensweltbezug und ein zweimonatiges Experiment zum Vergleich von motorischen Leistungssteigerungen zwischen einer Parkour-Testgruppe und einer Leichtathletik-Kontrollgruppe.
Was wird im umfangreichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Sportart, die Durchführung und statistische Analyse der drei Hauptstudien sowie die darauf aufbauende Konzeption einer 90-minütigen Lehrprobe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Parkour, Trendsportart, Schulsport, Leistungssteigerung, Lebensweltbezug, Simplizität, Körperwahrnehmung und Bewegungsphilosophie.
Welche Bedeutung hat das Erwärmungsspiel "Lava" in der Arbeit?
„Lava“ wird als motivierendes Spiel vorgestellt, das durch die spielerische Überwindung von Hindernissen signifikant zur Steigerung von Sprungkraft, Präzision und Umstellungsfähigkeit bei Schülern beiträgt.
Wie unterscheidet sich Parkour laut dem Autor von einer Extremsportart?
Der Autor betont, dass Parkour auf Selbsteinschätzung, Achtsamkeit und Nachhaltigkeit basiert, während Extremsportarten durch Gefahren und unnötiges Risiko charakterisiert sind; zudem belegen niedrige Verletzungsstatistiken den gesundheitsfördernden Charakter von Parkour.
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- Jakob Draeger (Author), 2017, Trendsportart Parkour im schulischen sowie außerschulischen Sportunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1001937