Privatinteresse, unsichtbare Hand und laissez faire. Zum Verhältnis von Staat und Markt bei Adam Smith


Hausarbeit, 2002
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Vom Prinzip der Arbeitsteilung als Grundvoraussetzung zur Entstehung von Marktwirtschaft
1.1 Historische Herausbildung von Arbeitsteilung
1.2 Triebfeder des Handelns und Entstehung von Märkten
1.3 Abhängigkeit von Angebot und Nachfrage
1.4 Arbeitsteilung – Weg zur Volksverdummung?

2. „Laissez-Faire“ als Wegweiser für effiziente Ökonomie
2.1 Kritik an bestehenden Systemen
2.2 Forderung des „Laissez-Faire“
2.3 Begriff der „unsichtbaren Hand“: theologische Argumentationen im Text eines empirisch analytischen Theoretikers?
2.4 Smith der Moralapostel: harter Ökonom mit sozialer Ader

3. Die Aufgaben des Staates
3.1 Armee als Garant der Freiheit
3.2 Der Staat als Schutzmechanismus der Besitzenden?
3.3 Untermauerung von Konkurrenzkampf auch in staatlichen Institutionen
3.4 Nachtwächterstaat?

Abschließende Betrachtung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Adam Smith, geboren 1723 in der schottischen Stadt Kirkcaldy, gilt in heutiger Zeit als der Begründer der modernen Nationalökonomie. Er studierte an den renommierten Universitäten von Glasgow und Oxford, von 1748 bis 1751 hielt er Vorlesungen über Rhetorik und Belletristik in Edinburgh. 1751 wird er zum Professor für Logik und 1752 zum Professor für Moralphilosophie an der Universität Glasgow ernannt. Nachdem er 1763 seine Professuren niederlegte, traf er auf einer 18-monatigen Reise durch Frankreich führende Physiokraten, insbesondere Francois Quesnay und Anne Robert Jacques Turgot, die ihn in seinem Denken stark beeinflussen konnten. 1779 wird er Zollkontrolleur in Edinburgh, 1790 schließlich verstirbt der bedeutende Philosoph.

Zwei seiner Werke erlangten besondere Bedeutung für die Nachwelt. Seine erste große Arbeit „The theory of moral sentiments“ (Theorie der ethischen Gefühle) verfasste er während seiner Professorenzeit 1759. Mit dem 1776 veröffentlichten „An inquiry into the nature and causes of the wealth of nations“ (Untersuchung der Natur und Ursachen von Nationalreichtümern) legte er den Grundstein für die klassische Ökonomie.

Mit dem letzten Werk befasst sich diese Arbeit. Es ist grundsätzlich in zwei Bände aufgeteilt. Während der erste eine umfassende Analyse der Wirtschaft darstellt, beinhaltet der zweite seine politische Empfehlung des „Laissez-Faire“. Das Werk beschränkt sich nicht einzig auf die Beschreibung eines wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systems, es zeigt auf, wie durch dieses eine anhaltende Akkumulation von Wohlstand erzeugt werden kann.

Ähnlich verhält es sich mit dieser Arbeit. Sie legt einen Großteil der Ideen von Adam Smith dar, beschreibt seine Auffassung des Menschenbildes, der Forderung des „Laissez-Faire“ und der Rolle des Staates in der Gesellschaft. Darüber hinaus analysiert sie die einzelnen Aspekte kritisch auf logischen Zusammenhang und soziale Verträglichkeit. Hat Smith in allen Punkten weit genug gedacht? Ergibt sein Gesellschaftsbild einen sinnvollen Zusammenhang?

Unter Zuhilfenahme von Sekundärliteratur anerkannter Wissenschaftler, versucht die Arbeit diese Fragen zu beantworten und ein umfassendes Bild von Smith Theorien wiederzugeben.

1. Vom Prinzip der Arbeitsteilung als Grundvoraussetzung zur Entstehung von Marktwirtschaft

1.1 Historische Herausbildung von Arbeitsteilung

Als Grundvoraussetzung für die von ihm entworfene ökonomische und gesellschaftliche Theorie, führt Smith im ersten Band von „Der Reichtum der Nationen“ die Arbeitsteilung ein. Er ist der Überzeugung, sie sei der bedeutsamste und gewichtigste Aspekt des Wirtschaftslebens, der entscheidende Ausgangspunkt für jegliches wirtschaftliches Wachstum.[1] Er begründet ihre Entstehung damit, dass sie die „notwendige Folge der menschlichen Natur“ sei, eine „Neigung zum Tausch, zum Tauschhandel und zum Umtausch einer Sache gegen eine andere“.[2] Diese sieht der bedeutende Ökonom als gegeben, eine weitere Untersuchung dieser Prämisse führt er nicht an, da sie nicht zur gegenwärtigen Untersuchung gehöre. Er vermute, dass sie eine „notwendige Folge der Vernunft“ sei. Allen Menschen sei diese Neigung zu Eigen, das unterscheide sie grundlegend von der Tierwelt. In dieser sei jedes Individuum in erfahrenem Alter unabhängig, „der Mensch dagegen braucht fortwährend die Hilfe seiner Mitmenschen“. Dieses Element leitet Smith empirisch ab, es beruht allein auf Beobachtungen der Vergangenheit.

Er verdeutlicht das Entstehen der Arbeitsteilung anhand eines griffigen Beispiels, der Beschreibung eines Jägerstammes.[3] Während zunächst jedes Individuum selbst sein Wild erlegt, ob in Gemeinschaft oder allein, wird sich im Laufe der Zeit eine Teilung der Arbeit entwickeln. Ein Jäger, der geschickt in der Anfertigung von Pfeil und Bogen ist, wird sich auf diese Aufgabe spezialisieren und nur noch mit deren Herstellung beschäftigt sein. Er tauscht in der Folge seine Produkte mit den anderen Jägern aus, die ihm Pfeil und Bogen mit Wild bezahlen. Eine weitere Spezialisierung in neue Bereiche wird folgen, jeder Jäger wird eine Aufgabe gemäß seines Geschickes und seiner Fähigkeiten annehmen.

„Unähnliche Anlagen“ seien den Menschen von Nutzen. Dabei seien diese sowohl „Grund als auch die Folge der Arbeitsteilung“. Smith ist der Meinung, menschliches Können sei überwiegend angelernt, es entwickle sich vor allem durch die Ausführung verschiedener Tätigkeiten.

1.2 Triebfeder des Handelns und Entstehung von Märkten

Nicht auf Wohlwollen gründen sich Tauschpraxis und Arbeitsteilung beim Menschen, sondern der „Egoismus“ treibe ihn, der Bedacht auf „eigenen Nutzen“.

„Nicht von dem Wohlwollen des Fleischers, Brauers oder Bäckers erwarten wir unsere Mahlzeit, sondern von ihrer Bedachtnahme auf ihr eigenes Interesse.“[4]

Der Gedanke, den Smith abermals aus Beobachtung ableitet, ist das Kernargument für viele der Vorschläge, die er im weiteren Verlauf seiner Theorie ausführen wird. Dies bleibe hier zunächst als unkommentierte Wiedergabe aus dem Text stehen, auf das Menschenbild des Philosophen wird noch später in dieser Arbeit eingegangen.

Was genau bewirkt nun die Arbeitsteilung? Findet sie nur in kleinen Gruppen statt, auf Basis von Subsistenzwirtschaft? Smith denkt weiter. Tausch führt bei ihm zwangsweise zu einem Markt, auf dem die Menschen „überschüssige Erzeugnisse“ anbieten. Dies setzt voraus, dass eine Produktion entsteht, die über den eigenen Bedarf hinausgeht. Die Gesetze des Marktes möchte Smith aufdecken, beschreiben und optimieren. Er betrachtet in seiner Abhandlung sowohl regionale als auch internationale Märkte. Diese werden von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Ihre Größe hängt nicht allein von der Anzahl der Menschen ab, die in ihrer Nähe leben und Waren verbrauchen.[5] Stattdessen sind Verkehrsverbindungen zu potentiellen Verkäufern und Käufern bestimmend, soll nicht nur sehr beschränkt regionaler Handel entstehen. Märkte werden bestimmt von Angebot und Nachfrage. Sie sind gezwungen, beständig zu wachsen, denn wirtschaftliches Wachstum beruht nach der Theorie des Autors auf Arbeitsteilung, deren Grad wiederum von der Größe des Marktes abhängt.

1.3 Abhängigkeit von Angebot und Nachfrage

Jedes Produkt verfügt nach Smith über einen „natürlichen Preis“[6]. Dieser setzt sich aus drei Grundkomponenten zusammen: den Löhnen der an der Produktion beteiligten Arbeiter, dem Gewinn des Eigentümers, der sein Kapital für die Produktion bereitstellt, sowie der Bodenrente, die von den Landbesitzern verlangt wird, auf deren Grund- und Boden die Fertigung stattfindet. Am Markt gebe es zwei Methoden zur Bewertung von Preisen, zum einen den „Real“- sowie den „Nominalpreis“[7]. Smith unterscheidet zwischen dem natürlichen Gebrauchswert einer Ware, der hier kein weiterer Bestandteil der Erörterung ist, und dem Geldpreis, der sich auf dem Markt damit erzielen lässt. Der „natürliche Preis“ ist im „Nominalpreises“ bereits enthalten.

Letzterer ist vom Angebot sowie der Nachfrage unmittelbar abhängig, er ergibt sich aus ihrem Verhältnis. Es entsteht eine Diskrepanz, wenn die beiden Faktoren nicht mehr im Gleichgewicht sind. Gibt es ein größeres Angebot einer Ware als diese nachgefragt wird, sinkt der Preis. Er wird damit unter den „natürlichen Preis“ fallen.[8] Der Produzent kann nicht mehr mit den bisherigen Kosten kalkulieren, er muss seine Produktion zurückfahren, möchte er weiterhin rentabel arbeiten.

Was passiert im umgekehrten Fall? Der Produzent wird bemerken, dass er mit einer Ware mehr Profit machen kann, diese deshalb zu einer höheren Anzahl als bisher produzieren. Daraufhin sinkt allerdings der Nominalpreis, da nach kurzer Zeit das Angebot die Nachfrage wieder übersteigen wird. Er nähert sich erneut dem „natürlichen Preis“ an.

Günther Nonnenmacher, heute Verleger der überregionalen Tageszeitung „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, folgert aus diesem Sachverhalt: „Der Markt wirkt als sich selbst steuernder Regulierungsmechanismus, der die ihn angeschlossenen Individuen lenkt.“

1.4 Arbeitsteilung – Weg zur Volksverdummung?

Auch wenn Adam Smith die Arbeitsteilung zur unablässigen Grundvoraussetzung für seine Theorie macht, sieht er neben ihren Vorteilen die negativen Seiten. Diese treffen vor allem das gemeine Volk, die Lohnarbeiter. Je weiter die Teilung der Arbeit voranschreite, umso mehr werden die Tätigkeiten der Arbeiter auf wenige primitive Handgriffe reduziert.[9] Im Rückschluss auf seine Überlegungen bezüglich angelernter Fähigkeiten, die hier in 1.1 formuliert worden sind, ergibt sich die Problemstellung der Volksverdummung. Die Arbeiter haben keine Möglichkeiten, „ihren Verstand zu üben“. Sie verlieren dadurch „ihre natürliche Fähigkeit zu solchen Übungen“ und werden am Ende „unwissend und dumm, als es nur ein menschliches Wesen werden kann“. In diesen Zustand müsse die Masse der Arbeiter „notwendigerweise“ fallen, wenn keine Gegenvorkehrungen getroffen würden. Der Autor geht so weit, eine allgemeine Schulpflicht vor der Ausbildung zu fordern und die Grundbildung in Lesen, Schreiben und Rechnen zur „unerlässlichen Bedingung“ zu machen. Smith, der sich auch als Moralphilosoph[10] hervorgetan hat, bemerkbar unter anderem an der Forderung, Lohnarbeiter zumindest mit allem Lebensnotwendigen zu versorgen, sieht allerdings die Schulpflicht mechanisch und instrumentalistisch. Es geht ihm keinesfalls darum, Individuen die freie Persönlichkeitsentfaltung zuzugestehen. Viel mehr seien unterrichtete Arbeiter weniger „den Verführungen und der Schwärmerei des Aberglaubens preisgegeben“, zudem benähmen sie sich besser. Am wichtigsten ist Smith die Fähigkeit zur Landesverteidigung, die er bei einer ungebildeten Masse als nicht mehr vorhanden ansieht.[11] Es ist also festzustellen, dass der Philosoph hier keinesfalls von einem moralischen, sondern einzig und allein objektiv sachlichen Standpunkt argumentiert.

[...]


[1] D.D. Raphael, Adam Smith, Frankfurt 1991, Seite 58

[2] Adam Smith, Der Reichtum der Nationen, Leipzig 1910, Bd.1, Seite 8

[3] Ebd., Seite 9

[4] Ebd., Seite 9

[5] Raphael, Adam Smith, Seite 64

[6] Günther Nonnenmacher, Die Ordnung der Gesellschaft, Weinheim 1989, Seite 157

[7] Raphael, Adam Smith, Seite 65

[8] Nonnemacher, Die Ordnung der Gesellschaft, Seite 157

[9] Smith, Der Reichtum der Nationen, Bd. 2, Seite 215

[10] Siehe 2.4

[11] Ebd., Seite 218ff

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Privatinteresse, unsichtbare Hand und laissez faire. Zum Verhältnis von Staat und Markt bei Adam Smith
Hochschule
Universität Osnabrück  (Fachbereich Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Herausbildung und Entwicklung des ökonomischen und politischen Liberalismus
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
19
Katalognummer
V10027
ISBN (eBook)
9783638165860
ISBN (Buch)
9783668162983
Dateigröße
730 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Privatinteresse, Hand, Verhältnis, Staat, Markt, Adam, Smith, Herausbildung, Entwicklung, Liberalismus
Arbeit zitieren
Christian Pfeiffer (Autor), 2002, Privatinteresse, unsichtbare Hand und laissez faire. Zum Verhältnis von Staat und Markt bei Adam Smith, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10027

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