Benno Werlens handlungszentrierte Sozialgeographie und ihre Konsequenzen für die Sozialgeographie alltäglicher Regionalisierungen beinhalten wichtige Gedanken, die eine ausführliche Auseinandersetzung erfordern. Vor allem, weil eine raumorientierte Handlungswissenschaft angestrebt wird. Die Kernfrage lautet daher: Was bedeutet dies für die Sozialgeographie und wie kann es gelingen, der Handlung zugrunde liegende Gegebenheiten zu analysieren? Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, das Konzept kritisch zu diskutieren und ihren Mehrwert für die Sozialgeographie auszuarbeiten.
1. EINLEITUNG
2. DIE KERNIDEE DER SOZIALGEOGRAPHIE
2.1. Menschliches Handeln im Raum
2.2. Erkenntnistheoretischer Kontext
2.2.1. Kritischer Rationalismus
2.2.2. Die Phänomenologie
2.3. Wissenschaftliches Handeln - sozialwissenschaftliche Leitlinien
2.4. Sozialgeographie als raumorientierte Handlungswissenschaft
2.5. Handlungszentrierte Sozialgeographie
2.6. Eine kritische Ergänzung zu Benno Werlens Thesen
3. ONTOLOGISCHE GRUNDLAGEN
3.1. Ontologie gesellschaftlicher Tatsachen
3.2. Gesellschaften
3.2.1. Traditionelle Gesellschaften
3.2.2. Moderne / spätmoderne Gesellschaften
3.3. Raumontologie
3.3.1. Prämoderner Raum
3.3.2. Moderner Raum
3.4. Kritik der ontologischen Grundlagen
3.4.1. Methodologischer Individualismus in der Kritik
3.4.2. Was ist die Moderne und wann begann sie wo?
3.4.3. Gesellschaftsformen oder Gesellschaftsprozesse?
3.4.4. Raumkritik
4. KONSEQUENZEN FÜR DIE SOZIALGEOGRAPHIE ALLTÄGLICHER REGIONALISIERUNGEN
4.1. Region und Regionalisierung
4.2. Typen von Regionalisierungen
4.2.1. Produktiv-konsumtive Regionalisierungen
4.2.2. Normativ-politische Regionalisierungen
4.2.3. Informativ-signifikative Regionalisierungen
4.3. Alltägliche Regionalisierungen in der Kritik
5. DISKUSSION
6. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit setzt sich kritisch mit Benno Werlens handlungszentrierter Sozialgeographie auseinander, um deren Mehrwert für die Untersuchung alltäglicher Geographie-Machens zu evaluieren und die raumorientierte Handlungswissenschaft zu hinterfragen.
- Methodische Grundlagen der handlungszentrierten Sozialgeographie
- Ontologische Fundierung von Gesellschaft und Raum bei Werlen
- Kritische Reflexion der Konzepte durch Metatheorien und Sprachphilosophie
- Analyse der Typen von Regionalisierungen
- Diskussion des Potenzials für problemlösungsorientierte geographische Forschung
Auszug aus dem Buch
2.1. Menschliches Handeln im Raum
Werlen vertritt die These, dass die Sozialgeographie nur handlungstheoretisch ihr Ziel erlangen kann. Diese These betrifft das Verhältnis zwischen der von Dietrich Bartels (1931-1983) angesprochenen Handlungstheorie und der von Anne Buttimer (1938-2017) vorgeschlagenen Verhaltenstheorie (Werlen 2010: 240). Unter diesem Abschnitt wird versucht, modellhaft einen Handlungsablauf zu rekonstruieren (Abbildung 1).
Im Sinne der klassischen Handlungstheorie wird „Handeln“ und „Handlung“ als intentionale Tätigkeit beschrieben. Damit ist gemeint, dass es zusätzlich zu dem in den kognitiven Verhaltenstheorien berücksichtigten Aspekt der Reflexivität auch die Intentionalität als konstitutives Element zu berücksichtigen gilt. Handeln kann demnach als eine menschliche Tätigkeit bezeichnet werden, die bewusst und zielorientiert abläuft. Sie ist nicht determiniert, sondern auf ein Ziel hin entworfener Akt, welcher vom Handelnden äußerlich (beobachtbare Muskeltätigkeit), innerlich (geistige Tätigkeit) aktiv herbeigeführt wird. Alfred Schütz (1899-1959), Philosoph und Begründer der phänomenologischen Soziologie, betrachtet das Ergebnis des ablaufenden Prozesses, also das vollzogene Handeln, als Handlung (Schütz 1971a: 77). Die Prozesselemente des Handlungsablaufs werden hier rein analytisch erörtert. Sie helfen, das „alltägliche Handeln beschreib- und analysierbar“ (Werlen 2000: 317) zu machen. In analytischer Hinsicht ist davon auszugehen, dass »Handeln« in Motive, Gründe usw. zerlegt werden kann. Es bedeutet jedoch nicht, dass dies die Art und Weise ist, wie Handelnde ihr Tun erörtern oder unterscheiden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung umreißt die kritische Auseinandersetzung mit Werlens handlungszentrierter Sozialgeographie und definiert das Ziel, deren Mehrwert für das Fach auszuarbeiten.
2. DIE KERNIDEE DER SOZIALGEOGRAPHIE: Dieses Kapitel erläutert Werlens Ansatz der handlungszentrierten Sozialgeographie im Kontext von Handlungstheorie und Erkenntnistheorie.
3. ONTOLOGISCHE GRUNDLAGEN: Es werden die Grundlagen nach Giddens’ Strukturationstheorie dargelegt, insbesondere die Ontologie gesellschaftlicher Tatsachen und die Raumontologie.
4. KONSEQUENZEN FÜR DIE SOZIALGEOGRAPHIE ALLTÄGLICHER REGIONALISIERUNGEN: Hier werden die praktischen Konsequenzen für die Forschung, insbesondere die verschiedenen Typen von Regionalisierungen, detailliert erörtert.
5. DISKUSSION: Die Diskussion reflektiert die Stärken und Schwächen des Gesamtkonzepts und bringt ergänzende sozialpsychologische Perspektiven von Erich Fromm ein.
6. FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass trotz der Komplexität und Kritikpunkte der handlungszentrierte Ansatz wertvolle Impulse für eine problemlösungsorientierte Sozialgeographie liefert.
Schlüsselwörter
Sozialgeographie, Benno Werlen, Handlungstheorie, Strukturationstheorie, alltägliche Regionalisierungen, Gesellschaft, Raum, Phänomenologie, Kritischer Rationalismus, Handeln, Geographie-Machen, Globalisierung, Ontologie, Sozialpsychologie, Reflexivität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Auseinandersetzung und Bewertung von Benno Werlens Ansatz der handlungszentrierten Sozialgeographie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die handlungstheoretische Fundierung der Sozialgeographie, das Verhältnis von Struktur und Handeln sowie die Frage, wie alltägliche Regionalisierungen wissenschaftlich erfasst werden können.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, das Konzept von Werlen kritisch zu diskutieren und den spezifischen Mehrwert seiner handlungszentrierten Sichtweise für die geographische Forschung herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine theoretische Auseinandersetzung mit handlungs- und sozialwissenschaftlichen Theorien sowie deren kritische Reflexion anhand fachwissenschaftlicher Debatten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die erkenntnistheoretischen Kontexte (Kritischer Rationalismus, Phänomenologie), die ontologischen Grundlagen nach Giddens und deren Übertragung auf die Geographie sowie eine Differenzierung der verschiedenen Regionalisierungstypen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sozialgeographie, Handlungstheorie, Strukturationstheorie, alltägliche Regionalisierungen und Ontologie maßgeblich charakterisiert.
Wie bewertet der Autor Werlens Verzicht auf traditionelle Raumbegriffe?
Der Autor steht diesem Verzicht kritisch gegenüber und hinterfragt, ob eine Sozialgeographie ohne explizite Raumkonzepte tatsächlich die notwendige wissenschaftliche Reichweite erzielen kann.
Warum wird Erich Fromm als Ergänzung herangezogen?
Fromm dient dazu, die psychologischen Motive und den Sozialcharakter von Individuen in die Analyse einzubinden, um die Ursachen hinter Handlungsweisen – auch in der Moderne – tiefergehend zu erklären.
- Arbeit zitieren
- Güllü Kisa (Autor:in), 2020, Benno Werlens handlungszentrierte Sozialgeographie. Konsequenzen für die Sozialgeographie alltäglicher Regionalisierungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1003018