Gentechnik - Verfahrensweisen in der Gentechnik und ihre Anwendung in der Pflanzenproduktion


Facharbeit (Schule), 1998

12 Seiten, Note: 2+


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Gliederung

0. Einleitung

1. Begriffsdefinition
1.1. Gen
1.2. Gentechnik

2. Notwendigkeit der Gentechnologie
2.1. Historische Entwicklung
2.2. Bedeutung der Gentechnik für die menschliche Ernährung
2.3. Bedeutung der Gentechnik für die Umwelt

3. Übertragung von Genen
3.1. Ti- Plasmide
3.1.1. Beispiel an Hand eines Experimentes
3.2. Gentransfer mit Partikelbeschuß
3.3. Gentransfer in Protoplasten
3.4. Weitere Methoden des Gentransfers
3.4.1. Mikroinjektion
3.4.2. Viren
3.4.3. UV- Laser

4. Praktische Anwendung
4.1. Resistenzen gegen Schädlingsbefall und Krankheiten
4.2. Resistenzen gegen abiotische Faktoren
4.3. Ertragssteigerung
4.4. Stickstoffixierung
4.5. Herbizidresistenz

5. Abschließende Zusammenfassung

6. Meinung

7. Anhang

8. Stichwortverzeichnis

9. Quellenverzeichnis

0. Einleitung

Die vorliegende Arbeit befaßt sich entsprechend des Themas, mit der Gentechnik, ihren Verfahrensweisen und ihrer Anwendung in der Pflanzenproduktion. Diese Arbeit erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aufgrund begrenzt vorhandener Unterlagen, Quellen und zur Verfügung stehender Informationen kann die Gentechnik nur relativ oberflächlich behandelt werden.

1. Begriffsdefinition

1.1. Gen

Gene sind die Erbanlagen, die in jeder Zelle eines lebenden Organismus enthalten sind. Die Ausbildung der Merkmale vollzieht sich in Wechselwirkung zwischen den Anlagen und den von außen einwirkenden Faktoren, durch Modifikation hervorgerufen. Hierunter versteht man eine nicht erbliche, durch bestimmte Umweltbedingungen entstandene Abänderung eines Merkmals im Phänotyp*. Diese Anpassung an die Umwelt ist für die Organismen lebensnotwendig.

Die Mehrzahl der Gene ist in den Chromosomen* des Zellkerns lokalisiert. Sie sind durch die Folge der Bausteine der Nucleinsäuren* verschlüsselt, die identisch reproduziert werden kann und die Aminosäurenfolge in einem Polypeptid* enthält. Die wissenschaftliche Bezeichnung für die langen Doppelhelix der Erbsubstanz lautet „Desoxyribonucleinsäure“ (DNA)*. Die Gesamtheit der Gene eines Organismus bezeichnet man als Genom. Je nach Entwicklungsstand einer Tier- oder Pflanzenart ist das Genom unterschiedlich groß. So enthält z.B. das Genom des Menschen mindestens 80 000 Gene (siehe Abb. 1, Anhang), das einer Kulturpflanze 25 000, wogegen Bakterien „nur“ ca. 2 000 Gene enthalten Gene können durch Mutation* verändert werden.

1.2. Gentechnik

Als Gentechnik bezeichnet man alle experimentellen Verfahren zur Verknüpfung von DNA - Molekülen unterschiedlicher Herkunft. Die Wissenschaft von der Gentechnik ist die Gentechnologie.

Die Gentechnik ist der jüngste Zweig der Biotechnologie.

2. Die Notwendigkeit der Gentechnologie

2.1. Historische Entwicklung

Die Beeinflussung der Natur im Interesse des Menschen ist eine Tradition, die seit ca. 10 000 Jahren betrieben wird. Mit der quantitativen Entwicklung der Menschheit entstand die zwingende Notwendigkeit hinsichtlich der Ernährung neue Wege zu beschreiten. Die Versorgung über „Jäger und Sammler“ reichte nicht mehr aus. Insbesondere sind in dieser Hinsicht u.a. folgende Eckpfeiler zu nennen:

- Ackerbau und Viehzucht (Domestikation)*>siehe Abb.2, Anhang
- Konservierung von Lebensmitteln
- Herstellung von Brot, Yoghurt, Wein

Durch den sprunghaften Anstieg der Bevölkerung reichten die bekannten Methoden der Biotechnologie nicht mehr aus ( z.B. Züchtung; Prinzip der Neukombination, Auslese und Vermehrung sind keine zuverlässigen Verfahren, da sich das äußere Erscheinungsbild keineswegs auf die nächste Generation übertragen muß.).

Revolutionierende Erkenntnisse des Mönches GREGOR MENDEL in Hinsicht auf die Gesetzmäßigkeiten der Vererbung bei Pflanzen und Tieren führten dazu, daß ab Mitte des vorigen Jahrhunderts zielgerichtet auf das Erbgut Einfluß genommen werden konnte. Damit war die Methode der Züchtung auf eine wissenschaftliche Ebene gebracht. So können Eigenschaften, die zur gewünschten Veränderung im Rahmen der klassischen Zuchtmethoden 15-20 Jahre dauern, in weitaus kürzeren Zeitabständen realisiert werden. Mit dem wachsenden Erkenntnisstand bezüglich der Genomstruktur wurden die Anforderungen an die Forschung immer komplexer. Beredtes Zeugnis dafür ist die Tatsache, daß es 1953 den Wissenschaftlern WATSON und CRICK gelang, die DNA-Struktur zu entschlüsseln. Damit wurde die Voraussetzung geschaffen, intensiv zu forschen und somit die Geburtsstunde der Gentechnik 1972 vorzubereiten.

Wichtige Werkzeuge der Gentechnik sind Restriktionsenzyme*, welche die neuen Verfahren seit ihrer Entdeckung in den 60`er Jahren dieses Jahrhunderts die selbige erst ermöglichten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2. Bedeutung für die menschliche Ernährung

Die klassische Nutzung herkömmlicher Methoden zur Herstellung ausreichender Nahrungsmittel für die Weltbevölkerung wird in Zukunft nicht mehr genügen. Die Welternährung stellt sich prognostisch für das Jahr 2025 wie folgt dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hinzuzufügen wäre der oben gezeigten Grafik, daß die Veränderung des
Ernährungsangebotes in den nächsten 30 Jahren folgende Veränderung erfahren wird:

1. Die Ackerlandverluste werden um 1,25 Trillionen kcal/Jahr sinken.
2. Durch die Verbesserung der Anbautechnologien (Pflanzenschutz, Düngung, Wässerung) werden ein Zuwachs von 2,95 Trillionen kcal/Jahr realisiert.
3. Durch klassische Züchtung können 2,29 Trillionen kcal/Jahr bereitgestellt werden.
4. Die Biotechnologie ist mit einer Größenordnung von 2,13 Trillionen kcal/Jahr beteiligt.

Aus den prognostizierten Zahlen läßt sich schlußfolgern, daß 2025 die Welternährungslage gesichert sein könnte, da der Nachfrage von 10,6 Trillionen kcal/Jahr ein Angebot von 11,28 Trillionen kcal/Jahr gegenüberstehen.

Der Mehrbedarf kann zu fast 50% durch die Biotechnologie sowie der klassischen Züchtung gedeckt werden.

2.3. Die Bedeutung der Gentechnik für die Umwelt

In der Praxis wird immer deutlicher, daß mit Hilfe der Gentechnologie Pflanzen gezüchtet werden können, die den vorhandenen natürlichen Belastungen (Schädlingsbefall, Unk raut, Viren, Pilze ) Widerstand bieten können durch den beschränkten Einsatz von Pestiziden*.

Da insbesondere durch den Verzicht von Insektiziden* weniger ins biologische Gleichgewicht eingegriffen wird, entsteht eine Entlastung bzw. keine Neubelastung der Umwelt. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird auf einige ausgewählte Verfahren eingegangen (siehe Punkt 4.1.).

3. Übertragung von Genen

3.1. Ti- Plasmide

In den bereits seit 1907 bekannten Agrobacterium tumefaciens (einem Bodenbakterium) wurden die Ti-Plasmide entdeckt. Sie werden nur zur Genübertragung bei Pflanzen verwendet. Ihre Funktion besteht darin, daß sie ihre Erbinformationen teilweise in das pflanzliche Genom einbauen.

Der Name Ti-Plasmid (tumorinduzierendes Plasmid) leitet sich aus der Tatsache ab, daß dieses Agrobacterium tumefaciens die Wurzelhalsgalle* hervorrufen kann und das bei fast allen Dicotyledonen*, wobei die Gallenbildung auf einer krebsartigen Wucherung des Pflanzengewebes beruht.

Die rein biochemischen Operationen des Verfahrens werden durch spaltende

(Restriktionsendonucleasen) und verbindende (Ligasen) Enzyme vorgenommen, sie sind dem Arsenal natürlich vorkommender Biokatalysatoren* entlehnt.

Dem Transport in die lebende Zelle hinein und der sicheren Insertion* und Expression* der neu kombinierten Erbsubstanz kommt die gleiche Bedeutung zu.

Der entscheidende Abschnitt der Plasmide umfaßt drei Funktionen (Einsatz als Transportvehikel* für fremde Gene):

1. Die Induzierung des Tumors
2. Die Unterdrückung der Zelldifferenzierung
3. Die Produktion bestimmter Aminosäuren(Opine), die dem Bakterium als Stickstoff- und Kohlenstoffquelle dienen.

Wenn jetzt ein fremdes Gen in den T-DNA-Bereich integriert wird und das so neu kombinierte Plasmid sich in dem Agrobacterium tumefaciens vermehrt, so wird durch die Infektion der Pflanzenzelle Wurzelhalsgalle hervorgerufen, deren Zellen dann auch das fremde Gen in ihrer DNA enthalten.

Für die praktische Verwertung sind jedoch weitere Schritte notwendig.

Als Erstes ist eine komplette Pflanze aus den Gallenzellen, über in- vitro-Kulturen zu regenerieren. Zweitens ist Bedingung, daß die neue Pflanze das übertragene Gen mit dem T- DNA-Abschnitt im Genom jeder ihrer Zellen trägt. Dadurch wird die Möglichkeit der Genübertragung wirtschaftlich relevant.

Die hier aufgeführte Methode wird besonders bei der kommerziellen Erzeugung von Blumen und Gemüsepflanzen angewendet.

3.1.1. Beispiel an Hand eines Experimentes

Die Zielstellung des Experimentes besteht darin, eine Pflanze zu schaffen, die von Schmetterlingsraupen nicht befressen wird. Es ist also ein Gen für die Insektizidresistenz zu entwickeln bzw. zu übertragen. Ein solches Gen wurde im Bazillus thuringiensis entdeckt. Bevor dieses Gen jedoch in die Pflanze infiziert werden kann, bedarf es einiger anderer Schritte.

Wie bereits im Punkt 3.1. dargelegt, muß eine Fremd-DNA hergestellt und im Vektor angezüchtet oder bereitgestellt werden.

Der entstehende Kallus ist ein aus Pflanzenteilen oder Zellkulturen gezogener Keimling. Dieser wird in eine Petri-Schale gegeben und entwickelt sich in einer Nährlösung zur in- vitro-Kultur.

In dieser in-vitro-Kultur entwickelt sich der Kallus in einem bestimmten Zeitraum zur vollständigen Pflanze. Die Übertragung auf den natürlichen Boden, um zu überleben ist dabei eine äußerst kritische Entwicklungsphase.

Das Ziel des Experimentes ist erreicht, wenn der Biotest erfolgreich verläuft. Der Biotest wird wie folgt durchgeführt:

Schmetterlingsraupen werden sowohl auf unbehandelte als auch auf gentechnisch behandelte Pflanzen gebracht. Setzt ein Sterben der Schmetterlingsraupen ein, die die behandelten Pflanzen gefressen haben, ist der Erfolgt bewiesen und eine insektizidresistente Pflanze geschaffen worden. Ein derartiges Experiment ist erstmals 1988 in den Niederlanden und den USA an Tabak und Tomaten durchgeführt worden.

3.2. Gentransfer mit Partikelbeschuß

Diese Methode mußte entwickelt werden, weil bei den einkeimblättrigen Pflanzen der Gentransfer mit den Agrobacterien nicht funktionierte. Hierbei lassen sich die Gene nämlich nicht über Vektoren übertragen.

Beim Gentransfer mit Partikelbeschuß wird die DNA zunächst um winzige Gold- oder Wolframkügelchen gewickelt. Diese Kügelchen werden dann in die Pflanzenzelle geschossen. Ein wichtiges Nahrungsmittel, wie Mais konnte durch diese Verfahren erfolgreich verändert werden.

3.3. Gentransfer in Protoplasten

Protoplasten sind zellwandlose Pflanzenzellen die man aus z.B. Blättern durch enzymatischen Abbau der starren Zellwände gewinnt.

Die Protoplasten werden in ein Glasgefäß gefüllt, wo auch DNA- Lösung hineingegeben wird. Beides wird nun einem Elektroporator, einem kurzen Stromschlag ausgesetzt, wodurch viele DNA-Moleküle in die Protoplasten übertragen. Die DNA-Moleküle verlieren dabei nicht die Fähigkeit zur Zellteilung und zur Regeneration. Aus den Protoplasten werden wieder intakte Pflanzen gewonnen, die gentechnisch verändert sind (zu den Übertragungsmethoden siehe Abb. 3, Anhang).

3.4. Weitere Methoden des Gentransfers

3.4.1. Mikroinjektion

Dabei werden Zell- und Kernmembran mit einer feinen Kanüle durchstochen und die Fremd- DNA wird direkt in den Kern injiziert. Diese Methode wird bei der Tierzüchtung angewendet.

3.4.2. Viren

Hierbei wird das Fremdgen in einen wirtsspezifischen Virus eingebaut. Wenn nun die Zelle vom Virus infiziert wird, schleust dieser dabei die Fremd-DNA ein. Diese Übertragung wird bei den Bakterien ausgenutzt.

3.4.3. UV-Laser

Ein UV-Laser brennt Löcher in die Zellwand und -membran wobei die Fremd-DNA in die Zelle eindringt. Durch das eigenständige Schließen der entstandenen Löcher ist begrenzter Zeitraum von 5 Sekunden gegeben.

4. Praktische Anwendung

4.1. Resistenz gegen Schädlingsbefall und Krankheiten

Um die Pflanzen vor Krankheiten und Schädlingen zu schützen, sowie eine genügend große Bereitstellung von Nahrungsmitteln sind unter heutigen Bedingungen der Einsatz von Mischkulturen bzw. der Fruchtfolge nicht mehr ausreichend.

Unter den Voraussetzungen des Schutzes der Umwelt und der Sicherung des Bedarfs liegt das Augenmerk der Wissenschaft vorrangig auf die Produktion und den gezielten Einsatz natürlicher Toxine*. Damit entfällt immer mehr die Anwendung künstlich entwickelter Gifte. Als Beispiel sei hier der unter Punkt 3.1. angeführte Komplex der Ti-Plasmide genannt. Durch die praktische Anwendung der Gentechnologie entsteht jedoch eine Kehrseite, die sehr genau untersucht werden muß. So besteht die Möglichkeit bzw. die Gefahr, daß im Ergebnis der gebilligten Dezimierung nützliche und notwendige Insekten oder Bodenorganismen vernichtet werden. Damit wäre wieder ein ungerechtfertigtes Eingreifen in das biologische Gleichgewicht gegeben.

Um dem entgegen zu wirken, ist gesetzlich vorgeschrieben, daß vor jeder Freisetzung gentechnisch behandelter Pflanzen einer Umweltverträglichkeitsprüfung zu unterziehen ist. Von großer praktischer Bedeutung ist die Resistenz der Pflanzen gegen Viren, da keinerlei chemische Bekämpfungsmöglichkeiten bekannt sind. Wegen der noch nicht aufgeklärten Wirkungsmechanismen natürlicher Virusresistenzen ist eine genetische Isolierung bzw. Übertragung nicht realisierbar. Gegenwärtig ist nur eine Präimmunisierung* möglich.

4.2. Resistenz gegen abiotische Faktoren

Abiotische Faktoren (Temperatur, Wasserangebot, Salzgehalt) setzen dem Anbau von Nutzpflanzen Grenzen.

Könnte man den genetischen Mechanismus der Anpassung an Extremstandorte auf Kulturpflanzen übertragen, würde dies als Folge zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit des Anbaus führen.

Da es auf diesem Gebiet noch keine praktischen Erfolge gibt, soll auf die indirekte Beeinflussung der Kälteresistenz eingegangen werden.

An der Oberfläche wird durch das Bakterium Pseudomonas syringae ein Lipoprotein* zur als Kristallisationskeim für Eiskristalle gebildet. Dies fördert die Eisbildung in Gefrierpunktnähe. Eine Eis- minus-Mutante wird erzeugt, durch die Inaktivierung des Lipoprotein codierenden Gens. Dadurch wird eine Eisbildung erst einige Grade unter dem Gefrierpunkt zugelassen. Man erhofft sich damit eine Frostschutz für empfindliche Kulturen, besonders in verfrühten Frostnächten.

4.3. Ertragssteigerung

Die im Punkt 2.2. dargestellte Mehrproduktion an Nahrungsmitteln führt zwingender Weise dazu, daß mit Hilfe der Gentechnologie eine quantitative und qualitative Verbesserung der Pflanzenproduktion erfolgen muß.

Es können qualitative Veränderungen relativ leicht durchgeführt werden. Z.B. die Einführung erwünschter Aminosäuren ist realistisch, da diese von einem Gen codiert sind. Es ist z.B. gelungen den Nährwert von Mais durch die Übertragung des für die Aminosäure Lysin codierenden Gens zu verbessern.

Bei der Sojabohne konnten experimentell ganze Genkomplexe zur Synthese vollständiger Eiweißkörper eingefügt werden.

Bemerkenswert ist der Gedanke, daß es nicht unbedingt um die Nährwertverbesserung geht, sondern auch um die industrielle Weiterverarbeitung pflanzlicher Rohstoffe geht.

4.4. Stickstoffixierung

In der Landwirtschaft ist die Verabreichung von Stickstoff als Düngemittel eine unbedingte Notwendigkeit.

Bekannt ist, daß einige Bodenbakterien, Blaualgen und Pilze die Fähigkeit besitzen, Stickstoff in energiereichen und wasserlöslichen Verbindungen zu fixieren. Praktische Anwendung findet diese Erkenntnis z.B. bei der „Gründüngung“ (unterpflügen von Leguminosen). Gentechnologisch gibt es drei Ansatzpunkte:

1. Die Ammoniumproduktion der Rhizobien* erhöhen (entweder verbesserte Nährstoffversorgung durch die Pflanze oder Effektivierung der katalytischen Synthese von Ammoniums aus Stickstoff.
2. Veränderung des Spektrums der Symbiosepartner*. Ein großer Teil der mineralische Stickstoffdünger könnten gespart werden, wenn z.B. eine Symbiose zwischen Mais und Rhizobium gelingen würde.
3. Als Fernziel wird angestrebt, daß sich die Pflanze mit Stickstoff direkt aus der Luft selbst versorgt. Damit würden ca. 75 Mio. Tonnen Stickstoffdünger jährlich überflüssig werden.

4.5. Herbizidresistenz

Herbizide sind Stoffe die unerwünschte Pflanzen in Nutzkulturen vernichten sollen. Sie wirken nicht selektiv gegen bestimmte Unkräuter, sondern greifen auch Kulturpflanzen an. Zur Lösung dieses Problems wurden herbizidresistente Kulturpflanzen gezüchtet. Das entsprechende Gen ist in einem Bodenbakterium enthalten. Es veranlaßt die Pflanze zur Synthese von Proteinen, die das Herbizid zu einem ungefährlichen Produkt umwandeln. Anschaulich läßt sich darstellen, daß die Herbizidresistenz besondere Bedeutung zukommt, wenn man sich folgende Zahlen vor Augen führt:

1983 wurden in der Bundesrepublik 30900 t Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe abgesetzt. Davon waren 60% Herbizide die auf 75% der Flächen verbracht wurden. Bei Mais und Zuckerrüben waren 90% und bei Getreidekulturen 70-80% der Anbaufläche. Der Einsatz der Herbizide bringt eine Reihe von Nachteilen:

- Das Wachstum der Kulturpflanzen kann gemindert sein.
- Die Anwendung ist auf einen engen Zeitraum begrenzt.
- Einige Unkräuter breiten sich bei wiederholter Anwendung desselben Herbizids auf einer

Anbaufläche stark aus und erzwingen einen alternierenden Einsatz verschiedener Herbizide.

Als weiterer Gefahrenpunkt ist anzusehen, daß herbizidresistente Wildkrautmutanten entstehen bzw. sich ausbreiten. Weltweit sind 38 Arten bekannt.

5. Abschließende Zusammenfassung

Zusammenfassend ist festzustellen, daß

- zur Sicherung des Weltbedarfs an Nahrungsmitteln
- zum Schutz der Umwelt
- zur effektiven Gestaltung der Nahrungsmittelproduktion

die Gentechnik ein unbedingt notwendiges Instrument darstellt.

Sie birgt jedoch Gefahren, die es notwendig machen, entsprechende Sicherungen zu installieren.

Die Gefahren liegen darin, die Gentechnik wirtschaftlich von sehr großer Bedeutung ist und es auch „schwarze Schafe“ in dieser Branche gibt. Um die Verbraucher nun vor diesem Mißbrauch zu schützen, hat der Staat einen gesetzlichen Rahmen geschaffen, der Fragen der Erzeugung und des Handels mit gentechnisch veränderten Produkten regelt. Die Prüfung einer gentechnisch veränderten Pflanze, zum Schutz der Verbraucher dauert fünf bis sechs Jahre. Das ist nicht in allen Ländern so.

In Deutschland gibt es das Saatgutgesetz, das Sortenschutzgesetz, sowie das Lebensmittelund Bedarfsgegenständegesetz. Diese Gesetze und andere kontrollieren unter anderem das Saatgut, die Züchtung und die Gewinnung landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Weiterhin werden von der Zusatzstoff- Zulassungsverordnung und der Lebensmittelkennzeichnungsverordnung die gewerbliche Be- und Verarbeitung, sowie verzehrfertig zubereitete Lebensmittel überprüft.

Darüber hinaus regelt das Gentechnikgesetz die Erzeugung, die Freisetzung und den Handel mit gentechnische veränderten Produkten, insofern diese in einem vermehrungsfähigen Zustand sind.

Die Grenzen der Gentechnik liegen einerseits in dem vorhandenen Wissen, welches natürlich stetig wächst und andererseits im Bereich, wo selbige sinnlos ist.

In der Forstwirtschaft spielt die Gentechnik keine entscheidende Rolle, da die Bäume relativ alt werden. Darüber hinaus sind im Wald sehr viele Genotypen*.

Die langlebige Stabilität des Waldes ist an eine große Anzahl von verschiedenen Genotypen gebunden, da sich Umweltfaktoren in diesen langen Zeiträumen vielfach ändern. Praktisch lassen sich durch die Gentechnik aber nur vergleichsweise wenige Genotypenverändern, die möglicherweise der natürlichen Selektion zum Opfer fallen. Zum Zeitpunkt der möglichen Manipulation weiß niemand, welche genetischen Eigenschaften in den nächsten 150-200 Jahren benötigt werden.

Die Meinungen im Bezug auf die Gentechnik gehen immer noch in zwei Richtungen. Die einen fragen sich, ob wir Gentechnik überhaupt benötigen, was mit dieser Arbeit hoffentlich beantwortet wurde, andere wollen das Gebiet der Gentechnik ohne Hindernisse und gesetzlich vorgegebene Schranken betreten. Ob das nun aus rein ideellen Vorstellungen herausgeht oder auf einer provitgewinnenden Basis stattfinden soll, bleibt fraglich. Sicher ist jedoch, daß wir die Gentechnik nicht nur in der Landwirtschaft brauchen, auch für die Forschung bei vielen Krankheiten ist sie von sehr großer Bedeutung.

Über die Möglichkeiten der Genmanipulation im humanen Bereich kann und soll im Rahmen dieser Arbeit keine Betrachtung erfolgen.

6. Meinung

Aus dem Wissen, welches ich durch die Beschäftigung mit der Thematik zur Erstellung dieser Arbeit erlangt habe, bildet sich meine Meinung, die ein wenig zwiespältig ist. Einerseits denke ich, daß wir ohne die Gentechnik die Weltbevölkerung nicht ernähren können. Andererseits habe ich Bedenken, daß mit den Möglichkeiten der Gentechnologie im kommerziellen bzw. weltherrschaftlichen Interesse Mißbrauch betrieben werden kann. Ich denke, daß im Interesse der Welternährung, des Umweltschutzes und der Effektivität der Nahrungsmittelproduktion die Genforschung unbedingt forciert werden muß, gleichzeitig aber auch der Schutz der Menschheit vor Mißbrauch zu sichern ist.

Professor Dr. Klaus- Dieter Jany „ Die Verbraucher haben ein klares Recht darauf, daß Risiken aus der Gentechnik und ihre möglichen Auswirkungen auf die Gesundheit analysiert werden. “

Abschließend möchte ich folgendes Zitat anführen:

„ Man sollte sich von der Illusion lösen, daß eines Tages die „Super- Pflanze“ ... zur Verfügung stünde; vielmehr ist zu erwarten, daß unterschiedliche Sorten- je nach lokaler Nachfrage- mit unterschiedlichen Eigenschaften angeboten werden, ...“

8. Stichwortverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

9.Quellenverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Privatunterlagen Dr. Kätzel Eberswalde Eigene Aufzeichnungen Schulunterricht

Danksagung

Für die mir bei der Erstellung dieser Arbeit zuteil gewordene Unterstützung durch Herrn Dr. Kätzel, von der Landesforstanstalt Eberswalde möchte ich mich herzlich bedanken.

12 von 12 Seiten

Details

Titel
Gentechnik - Verfahrensweisen in der Gentechnik und ihre Anwendung in der Pflanzenproduktion
Note
2+
Autor
Jahr
1998
Seiten
12
Katalognummer
V100325
ISBN (eBook)
9783638987530
Dateigröße
368 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gentechnik, Verfahrensweisen, Gentechnik, Anwendung, Pflanzenproduktion
Arbeit zitieren
Andrea Lauzat (Autor:in), 1998, Gentechnik - Verfahrensweisen in der Gentechnik und ihre Anwendung in der Pflanzenproduktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100325

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