In dieser Arbeit wird versucht, Aufschluss über die Anwendbarkeit des Konzeptes „soziales Kapital“ für die klinische Sozialarbeit zu gewinnen. Es stellt sich die Frage, inwiefern die Überwindung sozialer Problemlagen mit diesem Konzept stattfinden kann oder ob es zur Exklusion von benachteiligten Gruppen beiträgt. Hierfür wird im zweiten Kapitel untersucht, wie der Begriff bei verschiedenen Autoren definiert wird und welche inhaltlichen Aspekte dabei berücksichtigt werden.
Soziale Arbeit ist von der Sozialpolitik geprägt, sodass sie sich neo-sozialen und ökonomischen Ideen stellen muss, die den Begriff des Sozialkapitals gerne dazu nutzen, die individuelle Eigenverantwortung des Menschen, das bürgerschaftliche Engagement und die Netzwerkarbeit hervorzuheben und die Verantwortlichkeiten von Politik und Staat zurückzustellen. Es ist fraglich, inwiefern dies mit der Sozialen Arbeit vereinbar ist. Im dritten Kapitel wird daher die Anwendbarkeit des Konzeptes für die klinische Sozialarbeit und insbesondere für die Gesundheitsgerontologie untersucht unter Betrachtung von positiven und negativen Effekten.
Das Thema "soziales Kapital" hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung in sozialwissenschaftlichen Publikationen gewonnen. Interesse weckten vor allem die verschiedenen Dimensionen des sozialen Kapitals sowie dessen positive Effekte auf Netzwerke und die Einbeziehung von Ressourcen im Sinne sozialer Beziehungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ideengeschichte des sozialen Kapitals
2.1 Was ist soziales Kapital?
2.1.1 Sozialkapital nach Pierre Bourdieu
2.1.2 Sozialkapital nach James S. Coleman
2.1.3 Sozialkapital nach Robert D. Putnam
2.2 Zusammenfassung
3. Das Konzept des sozialen Kapitals in der klinischen Sozialarbeit
3.1. Anwendungsfelder und Adressaten Sozialer Arbeit
3.2. Gesundheitsgerontologie
3.3. Sozialkapital in der klinischen Sozialarbeit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Anwendbarkeit des Konzepts "soziales Kapital" im Kontext der klinischen Sozialarbeit, um Wege aufzuzeigen, wie die Überwindung sozialer Problemlagen bei benachteiligten Gruppen gefördert werden kann.
- Historische Entwicklung und theoretische Definitionen des sozialen Kapitals
- Bedeutung des sozialen Kapitals für die klinische Sozialarbeit
- Prävention und Gesundheitsförderung bei älteren Menschen
- Praktische Anwendungsbeispiele und Netzwerkbildungen
- Diskussion der Potenziale und Risiken des Konzepts
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Sozialkapital nach Pierre Bourdieu
Ideengeschichtlich stammt die erste Nennung des sozialen Kapitals von Pierre Bourdieu (1983), der das Sozialkapital als „individuelle Ressource neben ökonomischem, kulturellem und symbolischem Kapital“ (Zwingerberger 2003:23) beschreibt. Kapital wird gemäß Bourdieu (1983) als „akkumulierte Arbeit, entweder in Form von Material oder in verinnerlichter, ‚inkorporierter‘ Form“ (ebd.:183) verstanden und es differenziert sich in drei Arten: das ökonomische, das kulturelle und das soziale Kapital. Bourdieu entwirft soziales Kapital als individuelle Ressource. Diese Ressource konzipiert er auf theoretischer Ebene als eigenständige Kapitalsorte. Soziales Kapital wird von Bourdieu beschrieben als „(...) die Summe der aktuellen oder virtuellen Ressourcen, die einem Individuum aufgrund der Tatsache zukommen, dass sie über ein dauerhaftes Netz von Beziehungen, einer – mehr oder weniger institutionalisierten – wechselseitigen Kenntnis und Anerkenntnis verfügen; es ist also die Summe allen Kapitals und aller Macht, die über ein solches Netz mobilisierbar sind“ (Bourdieu/Wacquant 1996:151f.), oder anders ausgedrückt, „es handelt sich dabei um Ressourcen, die auf der Zugehörigkeit zu einer Gruppe beruhen“ (Bourdieu 1983:190f).
Der Umfang des für Personen aktivierbaren sozialen Kapitals und damit sein persönliches soziales Kapital hängt nach Bourdieu „sowohl von der Ausdehnung des Netzes von Beziehungen ab, die er tatsächlich mobilisieren kann, als auch vom Umfang des (ökonomischen, kulturellen oder symbolischen) Kapitals, das diejenigen besitzen, mit denen er in Beziehung steht“ (Bourdieu 1992:67). Allerdings hält er das Vorhandensein einer oder mehrerer sozialen Beziehungen als keine gegebene und fortbestehende Tatsache. Beziehungen und persönliche soziale Netzwerke sind vielmehr das Ergebnis von Beziehungsarbeit unter dem Einsatz von Zeit und/oder (im-)materiellen Gütern. Bourdieu geht weiter von einer Korrelation zwischen der Höhe des sozialen Kapitals und der zu leistenden Beziehungsarbeit aus. Demnach sei die Investition in die „Akkumulation und Unterhaltung von sozialem Kapital [...] um so größer, je größer das Kapital ist“ (Bourdieu 1992:67).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz des Begriffs soziales Kapital ein und stellt die Forschungsfrage nach dessen Anwendbarkeit in der klinischen Sozialarbeit.
2. Ideengeschichte des sozialen Kapitals: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Fundamente des Konzepts durch die Ansätze von Bourdieu, Coleman und Putnam.
3. Das Konzept des sozialen Kapitals in der klinischen Sozialarbeit: Der Hauptteil überträgt die theoretischen Erkenntnisse auf praktische Handlungsfelder der Sozialarbeit, insbesondere in der Gerontologie.
Schlüsselwörter
Soziales Kapital, Klinische Sozialarbeit, Pierre Bourdieu, James S. Coleman, Robert D. Putnam, Gesundheitsgerontologie, Soziale Netzwerke, Ressourcenmobilisierung, Beziehungsarbeit, Gesundheitsförderung, Soziale Exklusion, Bürgerschaftliches Engagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Konzept des sozialen Kapitals und prüft dessen theoretische Herleitung sowie die praktische Relevanz für den Bereich der klinischen Sozialarbeit.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die soziologischen Definitionen des sozialen Kapitals, deren Übertragbarkeit auf die soziale Arbeit mit benachteiligten Gruppen und die Anwendung im gerontologischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin herauszuarbeiten, inwiefern das Konzept des sozialen Kapitals helfen kann, soziale Problemlagen zu überwinden und Ressourcen bei Klienten zu aktivieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit genutzt?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung und Literaturanalyse, die zentrale Autoren der Soziologie sowie aktuelle Diskurse der sozialen Arbeit zusammenführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der ideengeschichtlichen Entwicklung durch maßgebliche Theoretiker und die praktische Anwendung in spezifischen Feldern wie der Altenhilfe.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind soziales Kapital, klinische Sozialarbeit, soziale Netzwerke, Ressourcenaktivierung und Gesundheitsgerontologie.
Wie unterscheidet sich der Ansatz von Bourdieu von dem von Coleman?
Während Bourdieu soziales Kapital stark als individuelle Ressource und Produkt von Beziehungsarbeit interpretiert, sieht Coleman es stärker als öffentliches Gut und soziales Geflecht, das individuelles Handeln begünstigt.
Welche Rolle spielen soziale Netzwerke in der Gesundheitsgerontologie laut der Autorin?
Soziale Netzwerke sind laut Arbeit entscheidend, um den Folgen von Alterungsprozessen und dem Rückzug aus gesellschaftlichen Teilhabebereichen entgegenzuwirken und die Gesundheit älterer Menschen zu stützen.
- Quote paper
- Marie Adler (Author), 2017, Soziales Kapital in der klinischen Sozialarbeit. Ideengeschichte und die Anwendung des Konzeptes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1005026