Der Prophet Muhammed als Dramenfigur. Ein Vergleich des Voltairischen "Mahomet" und der Übertragung Goethes


Hausarbeit (Hauptseminar), 2021

15 Seiten, Note: 1,7


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zeitgeist: Das Islam- und Prophetenbild in Europa im 18. und 19. Jh.

3. Das Prophetenbild Voltaires

4. Goethes Prophetenbild in der Übertragung des Voltairischen „Mahomet“

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

» […] mehr als irgendeine andere historische Gestalt hat Muhammed in der christlichen Welt Furcht, Haß, ja Verachtung erregt, und wenn Dante ihn in seiner Göttlichen Komödie in den tiefsten Höllenpfuhl verdammt, so drückt er damit nur das Gefühl ungezählter mittelalterlichen Christen aus […] «1

(Annemarie Schimmel: Und Muhammed ist Sein Prophet)

1. Einleitung

Nicht zuletzt haben die jüngsten entsetzlichen Anschläge in Frankreich erneut den islamisch verbrämten Terror in unser Bewusstsein gedrängt. Gleichzeitig mit dem grausamen Mord an den Lehrer Samuel Paty, durch Angreifer, die im Namen einer extrem gewalttätigen Vision des Islams handelten, wurde der Prophet Muhammed im Rahmen des Karikaturen-Streits auf der Weltbühne in Szene gesetzt: Der Mann, den einst der amerikanische Historiker Micheal H. Hart in seinem Buch „100“2 als die einflussreichste Persönlichkeit der Menschheitsgeschichte auszeichnete, wird heute von radikal-islamistischen Terroristen und insbesondere von rechtspopulistischen Gruppierungen und Parteien in einem verzerrten Bild präsentiert und instrumentalisiert, um soziale Gefüge zu zerreißen und Hass und Ignoranz in die Gesellschaft zu streuen. Dass diese Verzerrungen nicht erst seit dem 11. September auftraten, hat Edward Said in seinem monumentalen Werk „Orientalismus“3 ausführlich belegt. Damit wir das heutige Islam- und Prophetenbild in der westlichen Welt, deren Werte und Normen auf der philosophischen Grundlage des Zeitalters der Aufklärung beruhen, besser verstehen, ist es zwingend notwendig, die Sicht und Perspektiven der einflussreichsten und bedeutendsten Dichter und Denker dieser Epoche zu beleuchten. In der folgenden Arbeit werde ich mich mit dem Islam- und Prophetenbild zwei der wichtigsten Intellektuellen Europas – die beiden Nationaldichter Goethe und Voltaire – auseinandersetzen. Das Ziel ist es darzulegen, wie und warum sich ihr Blick auf den Islam und den Propheten Muhammed unterscheiden. Aufgrund des begrenzten Umfanges der Arbeit werde ich mich auf die Voltairische Verstragödie „Le Fanatisme ou Mahomet le Prophète“ fokussieren, die 1800 Goethe ins Deutsche übertrug. Im ersten Kapitel der Arbeit wird der Zeitgeist und das Verständnis für den Islam im Europa des 18. und 19. Jh. skizziert, um die geistesgeschichtlichen Voraussetzungen der Literaten rückwirkend zu erfassen, die unwillkürlich auf sie gewirkt haben. In den nächsten beiden Kapiteln wird auf Grundlage des Dramenstücks „Mahomet“ das Islam- und Prophetenbild Voltaires und Goethes charakterisiert, wobei aufgrund der umfangreicheren Quellenlage der Schwerpunkt bei Goethe liegen wird. Die Hauptquellen der Arbeit basieren auf das französische Stück „Le Fanatisme ou Mahomet le Prophète“ von Voltaire, dessen Übertragung ins Deutsche durch Goethe sowie auf die umfangreichen Untersuchungen der Goethe-Expertin Katharina Mommsen, die Pionierarbeit in Bezug auf Goethes Verhältnis zum Islam leistete. Insbesondere ihre 1988 erschienene Gesamtdarstellung „Goethe und die arabische Welt“4 zählt heute zu den einschlägigen Standardwerken in der Goethe-Forschung.

2. Zeitgeist: Das Islam- und Prophetenbild in Europa im 18. und 19. Jh.

Das menschliche Denken reagiert auf neue Lebensformen oft konservativ ablehnend. Dies erklärt die Abwehrreaktion der mittelalterlichen Christen in Europa, die den Islam zu einer bizarren Verzerrung des Christentums erklärten, um das Neue, womit sie sich konfrontiert sahen, in etwas Bekanntem umzuwandeln. In diesem Denkprozess setzte sich im Laufe der Zeit bei den christlichen Theologen und Forschern eine narzisstische Orientvorstellung durch, in welcher der Islam als eine arianische Häresie und ihr Prophet als skrupelloser Renegat und Betrüger gezeichnet wurden, um letztendlich die Vorstellung vom Islam „unter Kontrolle“ zu bekommen und die feindlich wahrgenommene Bedrohung zu dämpfen.5 Besonders Muhammed, auf dem eine ganze Reihe von Untugenden aller Art, wie Sodomie, Unzucht oder Betrug projiziert wurden, die logischer Weise aus seinem „Verrat“ am christlichen Glauben resultierten, musste unter diesem Feindbild für vieles herhalten.6 Für fast ein Jahrtausend standen der Islam und die arabische Welt für den gesamten Orient, das dem europäischen Orientalismus hauptsächlich dazu diente, sich von den „Anderen“ und „Fremden“ abzugrenzen und durch die Konstruktion eines Antagonismus das Bild der überlegenen europäischen Identität zu festigen. Geprägt wurde diese von den unzähligen militärischen Konflikten zwischen Islam und Christentum, deren Höhepunkte zweifellos in den Kreuzzügen und Wiener Türkenbelagerungen gipfelten, welche wiederum tiefe Furchen der Angst und Furcht in das kollektive Gedächtnis des Okzidents zogen. Hierbei ist der Orientalismus bzw. der Orient-Diskurs kein vages Trugbild, sondern eine ernst zu nehmende politische und kulturelle Realität, die unweigerlich einen produktiven Einfluss auf die Dichter und Denker des „christlichen Abendlandes“ ausübte und derweilen ausübt.7 Die ersten Koranübersetzungen in Europa, die von christlichen Missionären, Theologen und Apologeten erstellt wurden, waren durchtränkt von islamfeindlichen Polemiken, mit dem Zweck die „mohammedanische“8 Religion zu bekämpfen.9 Besonders die Titel dieser Koranübersetzungen liefern Kunde über die Folgen der bis zum 17. Jh. anhaltenden sogenannten „Türkenfurcht“, die sich in ganz Europa ausbreitete und einen fulminanten Einfluss auf die Beziehung zwischen Orient und Okzident ausübte, indem sie zu einer Vermischung der islamischen Religion mit der „Osmanischen Bedrohung“ geführt hat. Daher hieß die älteste Koranübersetzung ins Deutsche von Salomon Schweigger „Der Türcken Alcoran, Religion und Glaube“ (1616), die zweitälteste von Johann Lange „Vollständiges türkisches Gesetz-Buch oder Mahomets Alkoran“ (1688) und die auch von Goethe verwendete Übersetzung von Friedrich Megerlin, „Die türkische Bibel“ (1772).10 Eine wegen ihrer Genauigkeit in Europa für Jahrhunderte rezipierte Übersetzung und Kommentierung des Korans lieferte Ludovico Maracci 1698 in Latein, von der sich nachweislich erneut der junge Goethe inspirieren ließ. Maracci fügte seiner Übersetzung noch eine von ihm selbst angefertigte Biografie des Propheten Muhammed an, die kennzeichnend für seine Zeit nicht minder stark islamfeindliche Tendenzen aufwies und zur Widerlegung der Lehre des „Pseudopropheten“ entstand. Ähnliche, mit polemischer Absicht verfasste Biografien verbreiteten sich in Europa, wie auch das Werk von Pierre Bayle, das in seinem „Dictionnaire historique et critique“ erschien und durch die Übersetzung von Johann Gottsched weiten Anklang im deutschsprachigen Raum fand.11 Obwohl die Epoche der Aufklärung, deren größte Maxime die Achtung von Freiheit und Toleranz war, sich zur Aufgabe machte, „den Wert auch anderer, nichtchristlicher Religionen erkennbar zu machen“12 und dabei den Fokus hauptsächlich auf den Islam setzte, weil er von allen „orientalischen“ Religionen die in Europa bekannteste war, erhielt sich dennoch für lange Zeit ein vorurteilsbehaftetes Islambild. Das Urteil von William Muir, einem der bedeutendsten britischen Orientalisten im 19. Jahrhundert, belegt dies in seinem „Leben von Mahomet und das Kalifat“, in dem er den Islam als Feind des Christentums und des Fortschritts deklariert: „Das Schwert Mohammeds und der Koran […] sind die beiden schlimmsten Feinde der Zivilisation, der Freiheit und der Wahrheit, welche die Welt je gesehen hat“.13 An anderer Stelle führt Barthélemy d’Herbelot in seinem Magnus Opum, die „Bibliothèque orientale“, eine mit Vorurteilen gespickte Enzyklopädie über den Orient, welches auch Goethe in seiner Divan-Epoche intensiv benutzte, unter dem Eintrag „Mohammed“ an:

Der berühmte Schwindler Mohammed, Erfinder und Begründer einer Irrlehre, die sich als eine heute unter dem Namen Mohammedanismus bekannte Religion ausgab […] Die Interpreten des Koran und andere Deuter der Scharia haben diesem falschen Propheten alle Eigenschaften zugeschrieben, die Arianer, Paulizier oder Pauliner & dergleichen Häretiker Jesus Christus beilegten und ihm damit seine Göttlichkeit absprachen.14

In Deutschland traten entgegen der Tendenz, den Islam aus einer bornierten und vorurteilsbehafteten Perspektive entgegenzustehen, vereinzelte Schriftsteller und Philosophen wie Goethe, Lessing, Reiske, Niebuhr oder Herder auf, die im Rahmen ihrer religiösen Toleranz dem Islam teils Begeisterung, Neugierde und Ehrfurcht zollten sowie in Muhammed den Stifter einer vernunftgemäßen Religion sahen. So schrieb Herder, der Mentor des bedeutendsten deutschen Dichters, Goethe, in seinen Briefen zur Beförderung der Humanität, dass „an den Grenzen des arabischen Gebiets sowohl in Spanien [al-Andalus] als in Sizilien für ganz Europa die erste Aufklärung begann, ist merkwürdig [d.h. „des Merkens würdig“] und auch für einen großen Teil ihrer Folgen entscheidend.“15 Ein Paradebeispiel für den Toleranzgedanken der Aufklärung liefert ebenso die Ringparabel in Lessings Stück „Nathan der Weise“, worin der muslimische Sultan Saladin, der jüdische Weise Nathan und der christliche Tempelherr den Weg einer friedlich-harmonischen Koexistenz der Offenbarungsreligionen weisen. Ein Werk, das besonders Goethe den Weg zu einem positiven Prophetenbild ebnete, war die „De religione Mohammedica“ vom Orientalisten Adrianus Reland, der sich im Gegensatz zum Großteil der anderen Autoren bemühte, den Islam und seinen Propheten aus einer relativ objektiven Sicht zu betrachten.16 Eine ähnlich objektive Perspektive wie Reland, zeigte der englische Orientalist Georg Sale in seiner Koranübersetzung, zu der er die arabische Geschichte mithilfe von Originalquellen studierte und sogar Koranexegese von muslimischen Autoren heranzog.17 In Frankreich bemühte sich wiederum Henri de Boulainvilliers, ein französischer Historiker, mit seinem Werk „La vie de Mahomet“ eine Entlastung des zeitgenössischen Islam- und Prophetenbildes vorzunehmen, was sogar bei Voltaire einen bleibenden Eindruck hinterließ und sein Denken beeinflusste. So spricht Voltaire in seinem „Essai sur l´histoire générale est sur les moeurs et l´esprit des nations“ über Muhammed als einen großen Eroberer, Gesetzgeber und Religionsstifter, der eine der bedeutendsten Rollen in der Weltgeschichte einnahm. An einer anderen Stelle lässt er in seinem „Le diner du Comte de Boulainvilliers“ seine Figur zugunsten des Islam sagen, dass Muhammed den Mut eines Alexanders und den Geist eines Numas besaß.18 Freilich war dies für Voltaire kein Grund seine Religionsfeindlichkeit zu unterdrücken, wofür sein Stück „Mahomet“, dass er noch in seinen jüngeren Jahren schrieb, als exemplarisches Beispiel dient und im Folgenden näher analysiert werden soll.

3. Das Prophetenbild Voltaires

„Le Fanatisme ou Mahomet le Prophète“ ist eine in Dramenform verfasste Tragödie in fünf Akten des französischen Schriftstellers und Philosophen Voltaire, die 1739 konzipiert, 1740 zum größten Teil geschrieben und am 10. April 1741 in Lille erstmalig aufgeführt wurde.19

Der Schauplatz des Stücks ist Mekka um 630. Nach seiner Vertreibung aus Mekka durch seinen Erzwidersacher, dem Scherif Sopir, steht dem Propheten Mahomet nach einem erfolgreichen Eroberungszug nichts mehr im Wege: Er lagert mit seinen Truppen vor den Toren Mekkas und sendet seinen Feldherrn Omar als Unterhändler aus, um Sopir ein Friedensangebot zu unterbreiten. Falls sich Sopir zu den Lehren Mahomets bekehrt, ihn als König anerkennt und die junge Palmire herausgibt, die ihm bei einem früheren Gefecht in die Hände gefallen ist, bekäme er einen Anteil der Kriegsbeute und das sonst unaufhaltsame Blutvergießen würde verhindert werden. Sopir lehnt das Angebot ab, sodass Mahomet persönlich mit ihm verhandelt. Auch nach dem Angebot Mahomets, die totgeglaubten Kinder Sopirs freizulassen und sein Schwiegersohn zu werden, ist Sopir nicht bereit, sich Mahomet anzuschließen, da er sein persönliches Wohl nicht über das Allgemeinwohl stellen will. Palmire, die von klein auf von Mahomet aufgezogen wurde, möchte zu ihm zurück, weil sie ihn für ihren Ersatzvater hält. Jedoch weiß nur Mahomet, dass Palmire die leibliche Tochter von Sopir ist, da er sie als kleines Kind zusammen mit ihrem Bruder Séide von ihm raubte. Unwissend von ihrer Verwandtschaft verlieben sich Palmire und Séide ineinander, was Mahomet rasend vor Eifersucht macht, da er Palmire selbst zur Gattin begehrt. Um sich ihr zu bemächtigen, gibt Mahomet dem fanatischen Séide den Auftrag, Sopir zu ermorden und plant zeitgleich seinen Nebenbuhler zu vergiften. Nach dem Mord an Sopir müssen Séide und Palmire schmerzhaft erfahren, dass dieser ihr Vater war und sie selbst leibliche Geschwister sind, woraufhin Séide versucht, Mahomet zu erdolchen, was ihm jedoch aufgrund des verabreichten Gifts nicht mehr gelingt und er vor Palmires Augen stirbt. Mahomet nutzt den Augenblick des fehlgeschlagenen Meuchelmords, um es dem schon misstrauisch gewordenen Volk Mekkas als Fatum derer zu deuten, die sich gegen den Gottgesandten auflehnen. Kurz darauf nimmt sich Palmire das Leben.

In seiner Verstragödie stellt Voltaire – sichtlich beeinflusst vom zeitgenössischen negativen Islambild – Muhammed als skrupellosen und fanatischen Massenverführer dar, der gewillt ist, seine Glaubenslehre notfalls mit perfiden Mitteln, Intrigen und Gewalt zu verbreiten. Obwohl Voltaire massenhaft Vorurteile aus seiner protestantisch-christlichen Herkunftswelt übernahm und sich keinen Hehl aus seiner Islamophobie machte20, benutzte er gleichzeitig den Islam und den orientalischen Propheten aus Zensurgründen als Deckmantel, um den religiösen Fanatismus und die geistige Intoleranz der römischen Kirche zu kritisieren. Untermauern tut dies die Absetzung des Stückes nach nur drei Aufführungen auf Anordnung des Generalstaatsanwaltes Kardinal Fleury, worauf Voltaire in einem gewitzten Gegenzug 1745 sein Stück mit einer Widmung an Papst Benedikt XIV. sendete, der ihm darauf in diplomatischer Weise als Dank mit zwei Medaillen antwortete.21 Voltaire verwirft in seinem Stück gezielt historische Fakten: So präsentiert er Mahomet als einen gebürtigen Sklaven, obwohl dieser aus einen der hochangesehensten und mächtigsten Stämme Mekkas, den Quraisch, entstammte.22 Die Figur des Sopirs, die bis zu seiner Ermordung durch den eigenen Sohn als verbitterter Gegner Mahomets erscheint, ist in Wahrheit eine Anspielung auf das Clan-Oberhaupt Abū Sufyān ibn Harb, der bei der friedlichen Einnahme Mekkas selbst zum Islam übertrat und dessen Sohn Muʿāwiya I. zu späterem Zeitpunkt als einer der bedeutendsten Herrscher in die islamische Geschichtsschreibung einging.23 Die Rolle des Séide, der als Stereotyp religiösen Fanatismus vorgeführt wird, indem Mahomet ihn zum Vatermord aufstachelt, ist das eigentliche Pendant zu Zaid ibn Hāritha, dem Diener Muhammeds, einem der ersten zum Islam übergetretenen Muslime und gleichzeitig der einzige unter seinen Gefährten, der namentlich im Koran erwähnt worden ist.24 Noch willkürlicher werden die Schilderungen Voltaires über die attraktive Palmire, die eine Anspielung auf die spätere Ehegattin von Muhammed, Zainab bint Dschahsch, darstellen soll. Besonders die Umstände der Trennung von Zainab und Zaid sowie die danach eingegangene Ehe zwischen ihr und Muhammed dienten den christlichen Apologeten im Mittelalter zur anti-islamischen Desinformationskampagne und Geschichtsklitterungen.25 Voltaire nutzt diese, um Mahomet als pervertierten und sexuell zügellosen Lüstling zu charakterisieren, der gleichzeitig gewillt ist, für die Befriedigung seiner sinnlichen Bedürfnisse über Leichen zu gehen.26 Das extrem negative Islam- und Prophetenbild in Voltaires Pamphlet entspricht damit ganz genau den zeitgenössischen islamophobischen Tendenzen, Muhammed als einen Zyniker und listigen Betrüger erscheinen zu lassen, der selbst nicht an die Wahrheit seiner Botschaft glaubt, dafür die Leichtgläubigkeit seines Volkes ausnutzt, um sie zu manipulieren und zu täuschen.

4. Goethes Prophetenbild in der Übertragung des Voltairischen „Mahomet“

Erst der französische Schauspieler François-Joseph Talma, der mit seiner Schauspielart eine neue Epoche in der dramatischen Kunst Frankreichs begründete, verhalf Voltaires Stück in der Rolle des Séide, in Frankreich und später in ganz Europa zum Durchbruch. Besonders die Bühnenerfolge des jungen Talmas regten den Herzog Carl August von Sachsen-Weimar an, das Stück ebenso im Weimarischen Hoftheater aufzuführen, woraufhin er 1799 Goethe zur Übersetzung des „Mahomets“ ins Deutsche beauftragte.27 Goethe, der den Propheten durch seine intensive Beschäftigung mit der islamischen Lehre – angeregt von seinem Mentor Herder –, „nie als einen Betrüger hätte ansehen können“28, sollte Voltaires polemische Schmähschrift übersetzen! Einzig seine Abhängigkeit zum Herzog, der ihm persönlich viele Freiheiten, Annehmlichkeiten und Vergünstigungen zur Verfügung stellte, führte dazu, dass Goethe praktisch unter Zwang genötigt wurde, das Stück zu übertragen.29 Es ist klar, dass die Darstellung und Wahrnehmung des Voltairischen Islam- und Prophetenbildes seiner eigenen Auffassung vehement widersprachen: Davon zeugt die Absicht des jungen Goethes, ein Jahr nach der Veröffentlichung des Voltairischen Mahomet, ein Gegendrama zu schreiben, von dem heute bedauerlicherweise nur wenige Fragmente erhalten sind. Darunter das berühmte Preislied „Mahomets Gesang“, in der Goethe „geheimnisvoll berührt ist von der Größe des Propheten“30 oder die unter dem Titel „Gestirnter Himmel“ bekannte Paraphrasierung von Koranversen (VI. Sure, Das Vieh, Vers 75 ff.), die Goethes Sympathie zur Einheitslehre, die Zeichen Gottes in der Natur, die Offenbarung durch Propheten sowie die feste Verzahnung von Glauben und guten Taten im Islam ausdrücken. Auch wenn es bei Goethe nicht an Kritik am Propheten gefehlt hat, – hauptsächlich an seinem Wirken als Prophet aus der Sicht des Poeten31 – bewunderte Goethe an Muhammed die Doppelseitigkeit von Religion und Weltzugewandheit, die für ihn das Kennzeichen eines echten religiösen Führers war. Sein innerer Widerstand Voltaires Stück anzunehmen, führte dazu, dass er vielmehr eine Übertragung statt einer Übersetzung ins Deutsche vornahm. Goethe fokussierte sich mehr auf die Erhebung der Liebeshandlung zwischen Palmire und Séide, womit er auch „dem Stück die rechte Seite“32 abgewann. Dies zeigt sich beispielhaft im Dialog zwischen der jungen Palmire und Mahomet, in der Goethe sie in schwungvoller Art von ihrer Liebe zu Séide sprechen lässt (III/3).33 Am deutlichsten wird dies in der Schlussszene des Stückes bemerkbar, indem Goethe Palmires letzten, verzweifelten Ruf „Réserve un avenir pour les coeurs innocent / Tu dois régner; le monde est fait pour les tyrans“34 (V/4) in einen Liebesruf gerichtet an Séides Leichnam, wie folgt umwandelt: „Veredelt und verbunden sehen wir / Uns wieder. (Sie ersticht sich.)“ (V/4). Neben der Erhebung der Liebeshandlung versucht Goethe den grausamen Charakter des Voltairischen Mahomets zu entschärfen. Im Dialog mit Sopir, in der Mahomet als skrupelloser Betrüger entlarvt wird, ändert Goethe die Verse „Oui; je connais ton peuple, il a besoin d’erreur / Ou véritable ou faux, mon culteest nécessaire.“ (II/5) in „Wer Sie und ihr Bedürfnis kennt / Und dies befriedigt, der betrügt sie nicht. / Sie sehnen sich nach neuem Gottesdienst; / Der meine wird ihr Herz erheben. Das / Bedürfen sie.“ (II/5) und lässt den Propheten damit als Menschenkenner erscheinen, der bemüht ist, das Verständnisvermögen der Angesprochenen zu berücksichtigen. In der nächsten Szene pointiert Goethe den Starrsinn und die Unnachgiebigkeit Sopirs, um die Reaktionen Mahomets aus psychologischer Sicht verständlicher erscheinen zu lassen: So wandelt er „Fier citoyen, vieillard inexorable, / Je serai plus que toi cruel, impitoyable.“ (II/5) zu „Geh, stolzer Bürger, eigensinn´ger Greis! / Du forderst Selbst zur Grausamkeit mich auf, / zur unbezwungenen Härte“ (II/5) um. An anderen Stellen streicht Goethe kompromittierende Verse komplett heraus, wie die Forderung Mahomets an Sopir, ihm beim Betrug an der Welt zu helfen: „Non, mais il faut m’aider à tromper l’univers;“ (II/5) und sogar den ganzen letzten Sprechakt Mahomets nach Palmires Tod, in dem er unter anderem seinen Gefährten Omar befiehlt: „Et toi, de tant de honte étouffe la mémoire; / Cache au moins ma faiblesse, et sauve encor ma gloire: / Je dois régir en dieu l’univers prévenu; / Mon empire est détruit si l’homme est reconnu.“ (V/4). Den Höhepunkt der Skrupellosigkeit Mahomets, die sich in der Intrige manifestiert, Sopir durch seinen eigenen Sohn ermorden zu lassen und diesen anschließend zu vergiften, vermindert Goethe durch die Verlagerung der Schuld auf Omar, der damit als eigentlicher Initiator und Verantwortlicher präsentiert wird.35 Goethes letztendlich vergeblicher Versuch, das Stück „islamfreundlicher“ zu gestalten, endete trotzdem mit einer erheblichen Entlastung des Propheten, vor allem durch die Konzentration auf die Liebeshandlung zwischen Palmire und Seide, dem Tilgen und Vermindern von extrem maliziösen Versen, die Verlagerung der Intrige auf den Gefährten Omar und durch die Ergänzung von psychologisch plausibleren Motiven. Freilich konnte damit der islamfeindliche Tenor des Stücks nicht vollends aufgelöst werden, aufgrund der Unmöglichkeit für Goethe, den Handlungsverlauf des Stückes komplett zu verändern, da dies der Herzog niemals gebilligt hätte.36 Entsprechend fielen auch die Reaktionen derer aus, die wie Goethe den Propheten mit Hochachtung verehrten, aber die Leistung in seiner Übertragung nicht erkannten: So schrieb Karoline Herder, am Tag nach der Uraufführung am 30.01.1800 an Karl Ludwig von Knebel:

„[…] so wurde man durch den Inhalt von Scene zu Scene empört. Eine solche Versündigung gegen die Historie (er machte den Mahomet zum groben platten Betrüger, Mörder und Wollüstling) und gegen die Menschheit habe ich Goethe nicht zugetraut. Die platte grobe Tyrannei, Macht, Betrug und Wollust wird gefeiert!“37

Knebel hingegen bemerkte die Verbesserungen und erkannte Goethes Absicht, das Islam- und Prophetenbild positiver darzustellen, woraufhin Goethe ihm am 10.01.1800 schrieb:

„Es ist mir sehr angenehm daß du meinem Mahomet ein gutes Zeugniß giebst. Die Gelegenheit zur Vergleichung mit dem Original sollte den denkenden Deutschen auffordern über das Verhältniß der Kunst beyder Nationen nachzudenken. Gebe mir der Himmel mehr solche Leser wie du bist.“38

5. Fazit

Mit dieser Hausarbeit sollte die Darstellung und Wahrnehmung des Propheten Muhammed in Voltaires Verstragödie „Le Fanatisme ou Mahomet le Prophète“ und in der Übertragung des Stückes von Goethe im Kontext ihrer historischen Voraussetzungen gezeichnet werden. Die Analyse der geistesgeschichtlichen Voraussetzungen führte zur Tatsache, dass der Islam gegenüber dem „Westen“ aus 1000 vergangenen Jahren einen Antagonismus erbte, dessen Tiefe und Dauerhaftigkeit nur wenige richtig einschätzen. Die politische und militärische Übermacht der Muslime in ihrer anfänglichen Expansionszeit lösten in der christlichen Welt eine derartige Furcht und Angst aus, dass sich diese tief in das kollektive Gedächtnis einbrannten und durch das Schüren von gewaltigem Hass mithilfe martialischster Propaganda gegen den Islam und seinen Propheten Muhammed ihren Ausdruck fand. Diese Einstellung spiegelt sich deutlich in Voltaires Dramenstück wider: So diskreditiert Voltaire seinen Mahomet als einen zynischen Machtpolitiker, der zur Befriedigung seiner Gelüste nicht nur auf verbrecherische Mittel zurückgreift, sondern auch seine Mitmenschen missbraucht und manipuliert. Damit dient er Voltaire praktisch als Folie für seine polemische Religionskritik. Im Gegensatz dazu versucht Goethe in seiner Übertragung des Stücks ein differenzierteres Islam- und Prophetenbild zu vermitteln. Goethe, der anders als die meisten seiner Zeitgenossen nicht den Einfluss islamischer Kultur und Geistesgeschichte auf die eigene Kultur leugnete, sich von der islamischen Lehre und dem Propheten inspirieren ließ, welches seine früheren Mahomet-Fragmente genügend belegen, konnte die islam- und prophetenfeindliche Seite des Stücks nicht komplett auflösen, jedoch vermochte er sie erheblich zu vermindern. Im Rahmen dieser Arbeit konnten zur Analyse der geistesgeschichtlichen Voraussetzungen keine umfangreichen Untersuchungen der Geschichte des Islam- und Prophetenbildes in Europa vorgenommen werden, sondern nur die Berücksichtigung einiger der wichtigsten historischen Ereignisse und Werke. Außerdem wurden zur Zeichnung der Darstellung und Wahrnehmung von Voltaire und Goethe größtenteils nur die beiden Dramen herangezogen: So konnte ein möglicher Perspektivwechsel Voltaires mit einigen seiner späteren Aussagen zum Propheten Muhammed lediglich angedeutet werden. Weitere Untersuchungen und Interpretationen zum Verständnis des Islam- und Prophetenbilds – vor allem aus „östlicher“ Sicht – in Bezug auf die späteren Werke Voltaires und Goethes, wären für die Zukunft lohnenswert und möglicherweise eine Chance, Brücken zwischen der angeschlagenen Beziehung von Okzident und Orient zu bauen.

6. Literaturverzeichnis

Primärliteratur

- Die Botschaft des Koran: Übersetzung und Kommentar von Muhammed Asad. Aus dem Englischen übersetzt von Ahmad von Denffer und Yusuf Kuhn. 2. Aufl. Ostfildern 2011.
- Goethe, Johann Wolfgang: Aus meinem Leben Dichtung und Wahrheit. In: Ders.: Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, hg. von Dieter Borchmeyer et al. Abt. I, Bd. 14: Aus meinem Leben Dichtung und Wahrheit, hg. von Klaus-Detlef Müller. Frankfurt am Main 1986.
- Goethe, Johann Wolfgang: West-östlicher Divan. In: Ders.: Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, hg. von Dieter Borchmeyer et al. Abt. I, Bd. 3, Teil 1: West-östlicher Divan, hg. von Hendrik Birus. Frankfurt am Main 1994.
- Goethes Werke. Weimarer Ausgabe, IV. Abteilung, Bd. 14.
- Goethes Werke. Weimarer Ausgabe, IV. Abteilung, Bd. 15.
- Herder, Johann Gottfried: Briefe zur Beförderung der Humanität. 2 Bände, Band 2, Berlin und Weimar 1971.
- Voltaire: Le fanatisme, ou Mahomet le prophète, tragédie par M. de Voltaire. Amsterdam 1752. URL: https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k723899/f3.item (Stand 06.01.21).
- Voltaire: Mahomet. Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen. In der Übers. und Bearb. Von Johann Wolfgang Goethe, Cotta, Tübingen 1802. Vollständiger, durchgesehener Neusatz bearbeitet und eingerichtet von Michael Holzinger. Berlin 2015.

Sekundärliteratur

- Bamarni, Jotiar: Muhammed. Sein Leben und Wirken. Köln 2014.
- Goethe und der Islam, hg. und mit e. Nachw. von Peter Anton von Arnim. 4. Aufl. Frankfurt am Main 2015.
- Hart, Micheal: The 100. A Ranking of the Most Influential Persons in History. Revised Edition. New York 1992.
- Hofmann, Murad: Der Islam als Alternative. München 1992.
- Hofmann, Murad: Der Islam im 3. Jahrtausend. Eine Religion im Aufbruch. München 2000.
- Meier, Albert: Voltaires und Goethes Mahomet. Vortrag vor der Goethe-Gesellschaft Kiel. URL: http://publikationen.ub.unifrankfurt.de/frontdoor/index/index/year/2010/docId/20005 (05.01.2021).
- Said, Edward: Orientalismus. 6. Aufl. Frankfurt am Main 2019.
- Schimmel, Annemarie: Goethe und der Islam. In: Al-Fadschr 16 (1999) H. 95.
- Schimmel, Annemarie: Und Muhammed ist Sein Prophet. Die Verehrung des Propheten in der islamischen Frömmigkeit. 3. Aufl. München 1995.
- Soltani, Zakariae: Orientalische Spiegelungen. Alteritätskonstruktionen in der deutschsprachigen Literatur am Beispiel des Orients vom Spätmittelalter bis zur Klassischen Moderne. Berlin 2016.

[...]


1 Schimmel, Annemarie: Und Muhammed ist Sein Prophet. Die Verehrung des Propheten in der islamischen Frömmigkeit. 3. Aufl. München 1995, S. 7.

2 Vgl. Hart, Micheal: The 100. A Ranking of the Most Influential Persons in History. Revised Edition. New York 1992, S. 3ff.

3 Said, Edward: Orientalismus. 6. Aufl. Frankfurt am Main 2019.

4 In der vorliegenden Arbeit wird die herausgegebene Edition von Peter-Anton von Arnim verwendet: Mommsen, Katharina: Goethe und der Islam, hg. und mit e. Nachw. von Peter Anton von Arnim. 4. Aufl. Frankfurt am Main 2015.

5 Vgl. Orientalismus (Anm. 3), S. 75ff.

6 Eine unter den vielen Legenden, war die Vorstellung, dass der Prophet ein abtrünniger Kardinal war, der enttäuscht von der Papstwahl gewesen sei (Vgl. Hofmann, Murad: Der Islam als Alternative. München 1992, S. 9).

7 Vgl. Orientalismus (Anm. 3), S. 24ff.

8 Der Begriff Mohammedaner bzw. Mohammedanismus ist durch eine falsche Analogie der christlichen Islamforscher entstanden, die den Schluss zogen, dass Muhammed im Islam eine ähnliche Stellung einnahm wie Jesus im Christentum (Vgl. Orientalismus (Anm. 3), S. 77).

9 Vgl. Goethe und der Islam (Anm. 4), S. 12 – 13.

10 Vgl. Hofmann, Murad: Der Islam im 3. Jahrtausend. Eine Religion im Aufbruch. München 2000, S. 69.

11 Vgl. Goethe und der Islam (Anm. 4), S. 12ff.

12 Ebd., S. 12.

13 William Muir, The Life of Mahomet and History of Islam, 1861, zitiert nach Orientalismus (Anm. 3), S. 178.

14 Barthélemy d’Herbelot de Molainville, Bibliothèque orientale, 1697, zitiert nach ebd., S. 82.

15 Herder, Johann Gottfried: Briefe zur Beförderung der Humanität. 2 Bände, Band 2, Berlin und Weimar 1971, S. 117.

16 Vgl. Goethe und der Islam (Anm. 4), S. 14.

17 Vgl. Orientalismus (Anm. 3), S. 142.

18 Vgl. Soltani, Zakariae: Orientalische Spiegelungen. Alteritätskonstruktionen in der deutschsprachigen Literatur am Beispiel des Orients vom Spätmittelalter bis zur Klassischen Moderne. Berlin 2016, S. 202ff.

19 Vgl. ebd., S. 206.

20 Was insbesondere aus einem seiner Briefe vom Dezember 1740 an Friedrich II. deutlich wird: „Doch dass ein Kamelhändler in seinem Nest Aufruhr entfacht, dass er seine Mitbürger glauben machen will, dass er sich mit dem Erzengel Gabriel unterhielte; dass er sich damit brüstet, in den Himmel entrückt worden zu sein und dort einen Teil jenes unverständlichen Buches empfangen zu haben, das bei jeder Seite den gesunden Menschenverstand erbeben lässt, dass er, um diesem Werke Respekt zu verschaffen, sein Vaterland mit Feuer und Eisen überzieht, dass er Väter erwürgt, Töchter fortschleift, dass er den Geschlagenen die freie Wahl zwischen Tod und seinem Glauben lässt: Das ist nun mit Sicherheit etwas, das kein Mensch entschuldigen kann, es sei denn, er ist als Türke in die Welt gekommen, es sei denn, der Aberglaube hat ihm jedes natürliche Licht (des Verstandes) erstickt.“ (Zitiert nach Meier, Albert: Voltaires und Goethes Mahomet. Vortrag vor der Goethe-Gesellschaft Kiel. URL: http://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/frontdoor/index/index/year/2010/docId/20005 (05.01.2021), S. 13).

21 Vgl. Goethe und der Islam (Anm. 4), S. 80.

22 Vgl. Bamarni, Jotiar: Muhammed. Sein Leben und Wirken. Köln 2014, S. 17.

23 Vgl. Muhammed (Anm. 22), S. 212.

24 Die Botschaft des Koran: Übersetzung und Kommentar von Muhammed Asad. Aus dem Englischen übersetzt von Ahmad von Denffer und Yusuf Kuhn. 2. Aufl. Ostfildern 2011, Sure 33:37.

25 Muhammed vermittelte zunächst die Ehe zwischen seinem Diener Zaid und seiner Cousine Zainab, die aber aufgrund ihrer Standesunterschiede unglücklich verlief (Für eine ausführliche Analyse: Vgl. ebd., Sure 33:37, Kommentare 44, 45, 46 & 47).

26 Vgl. Goethe und der Islam (Anm. 4), S. 84.

27 Vgl. ebd., S. 81ff.

28 Goethe, Johann Wolfgang: Aus meinem Leben Dichtung und Wahrheit. In: Ders.: Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, hg. von Dieter Borchmeyer et al. Abt. I, Bd. 14: Aus meinem Leben Dichtung und Wahrheit, hg. von Klaus-Detlef Müller. Frankfurt am Main 1986, S. 685.

29 Siehe Goethes Brief vom 03.01.1800 an Prinz August von Gotha: „Zu dem, vielleicht manchem sonderbar scheinenden Unternehmen, den Voltairischen Mahomet zu übersetzen, hat mich der Wunsch meines Fürsten gleichsam hingedrängt. Ich bin ihm so unendlich viel schuldig, indem ich ihm eine Existenz verdanke, ganz nach meinen Wünschen, ja über meine Wünsche, welches bey einer wunderlichen Natur wie die meinige nicht wenig sagen will, daß ich es für Pflicht hielt so gut ich konnte sein Verlangen zu erfüllen.“ (Goethes Werke. Weimarer Ausgabe, IV. Abteilung, Bd. 15, S. 8).

30 Schimmel, Annemarie: Goethe und der Islam. In: Al-Fadschr 16 (1999) H. 95, S. 4.

31 Siehe dazu das Mahomet-Kapitel in den Noten und Abhandlungen des West-östlichen Divan (Vgl. Goethe, Johann Wolfgang: West-östlicher Divan. In: Ders.: Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, hg. von Dieter Borchmeyer et al. Abt. I, Bd. 3, Teil 1: West-östlicher Divan, hg. von Hendrik Birus. Frankfurt am Main 1994, S. 157-161).

32 Goethes Werke. Weimarer Ausgabe, IV. Abteilung, Bd. 14, S. 196.

33 Vgl. Voltaire: Mahomet. Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen. In der Übers. und Bearb. Von Johann Wolfgang Goethe, Cotta, Tübingen 1802. Vollständiger, durchgesehener Neusatz bearbeitet und eingerichtet von Michael Holzinger. Berlin 2015.

34 Voltaire: Le fanatisme, ou Mahomet le prophète, tragédie par M. de Voltaire. Amsterdam 1752. URL: https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k723899/f3.item (Stand 06.01.21).

35 Vgl. Goethe und der Islam (Anm. 4), S. 90. Umar ibn al-Khattab gilt als einer der aufrichtigsten Gefährten Muhammeds und wird von der sunnitischen Mehrheit der Muslime zum zweiten der vier „rechtgeleiteten“ Kalifen gezählt (Vgl. The 100 (Anm. 2), S. 261ff. Hart stellt in seiner Rangliste der 100 einflussreichsten Menschen der Weltgeschichte Umar ibn al-Khattab auf Platz 52).

36 Vgl. Goethe und der Islam (Anm. 4), S. 90.

37 Zitiert nach Goethe und der Islam (Anm. 5), S. 91-92.

38 Goethes Werke. Weimarer Ausgabe, IV. Abteilung, Bd. 15, S. 14.

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Details

Titel
Der Prophet Muhammed als Dramenfigur. Ein Vergleich des Voltairischen "Mahomet" und der Übertragung Goethes
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
1,7
Autor
Jahr
2021
Seiten
15
Katalognummer
V1005442
ISBN (Buch)
9783346384706
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Islam, Germanistik, Goethe, Voltaire, Prophet, Muhammed, Mahomet, Islambild, Prophetenbild, Zeitgeist, Orientalismus, Orient, Feindbild, Westen, Osten, Westöstlicher-Divan, Divan, Annemarie Schimmel, Karikatur, Mommsen, Goethe und der Islam, Knebel, Herder, Le Fanatisme ou Mahomet, Verstragödie, Mohammed, Muslime, Muslim, Europa
Arbeit zitieren
Abdullah Sencan (Autor), 2021, Der Prophet Muhammed als Dramenfigur. Ein Vergleich des Voltairischen "Mahomet" und der Übertragung Goethes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1005442

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