Personzentrierter Ansatz als Unterrichtsform. Zehn Merkmale guten Unterrichts


Hausarbeit, 2018

16 Seiten, Note: 2,0

Dan Norben (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der personenzentrierte Ansatz in der Psychotherapie

3. Der personzentrierte Ansatz als Unterrichtsform

4. Die zehn Merkmale guten Unterrichts
4.1 Klare Strukturierung des Unterrichts
4.2 Hoher Anteil echter Lernzeit
4.3 Lernförderliches Klima
4.4 Inhaltliche Klarheit
4.5 Sinnstiftendes Kommunizieren
4.6 Methodenvielfalt
4.7 Individuelles Fördern
4.8 Intelligentes Üben
4.9 Transparente Leistungserwartungen
4.10 Vorbereitete Umgebung

5. Diskussion

6. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Innerhalb der Psychotherapie gilt Rogers als Revolutionär und sein personzentrierter Ansatz ist ein längst etablierter mit „Gang-und-Gebe-Charakter". Auch in der Beratung der Sozialen Arbeit ist der personzentrierte Ansatz keine Unbekannte. Umso wunderlicher ist es, dass in der (Schul-)Pädagogik, die sich der Psychologie, als eine ihrer Teildisziplinen gerne bedient, dieser Ansatz so zögerlich diskutiert wird. Wo doch das Wort „Person", dicht gefolgt von dem Wort „zentriert" jede*n Pädagog*in hellhörig machen und dessen*deren Herz höherschlagen lassen sollte.

Diese Verwunderung bietet den Anlass für diese Hausarbeit, die den Versuch wagt, Argumente für und gegen den personzentrierten Ansatz als Unterrichtsform zu suchen und aufzuzeigen. Wenn gleich bewusst ist, dass damit die Frage warum der Ansatz so wenig diskutiert wird nicht beantwortet werden kann und auch nicht in vollem Umfang und aus allen Perspektiven betrachtet Argumente gesammelt und aufgezeigt werden können. So kann dennoch eine Sichtweise erleuchtet werden, die den Blick in das Geschehen, genauer in den Unterricht selbst wirft und dort Ansatzpunkte für die Diskussion sucht, unter der Frage, ob und wie sinnvoll der personzentrierte Ansatz als Unterrichtsform, unter Betrachtung der zehn Merkmale guten Unterrichts nach H. Meyer sein kann.

Um dieser Frage nachgehen zu können wird im ersten Schritt ein Blick auf den personzentrierten Ansatz als Psychotherapie nach Rogers geworfen, um ihn in seiner ursprünglichen Form betrachten und kennenlerne zu können, bevor er als Ansatz für den schulischen Unterricht in Deutschland definiert durch Tausch, R. und Tausch, A.-M. dargestellt wird. Im Anschluss daran werden die zehn Merkmale guten Unterrichts nach H. Meyer beschrieben als Vergleichsgegenstand für die anschließende Diskussion, die sich den Argumenten für und wider den Ansatz als Unterrichtsform aus einer praxisnahen Perspektive widmen. Im letzten Schritt wird der Konsens der Diskussion in wenigen Worten beschrieben und dargestellt was, begründet in den Rahmenbedingungen dieser Hausarbeit, nicht betrachtet wurde bzw. nicht betrachtet werden konnte, was sich lohnen könnte zu betrachten. Ebenso werden Fragen, die für diese Diskussion gestellt werden könnten, angedeutet, wie auch dargestellt, was eine genaue Betrachtung des Ansatzes der Pädagogik der Schule nutzen könnte, in Hinblick auf aufkommende und bereits existierender Diskussionen im schulischen Kontext.

2. Der personenzentrierte Ansatz in der Psychotherapie

Auch wenn der Fokus dieser Hausarbeit auf der Diskussion zur Realisierung des personzentrierten Ansatzes in der Schule liegt, soll es in Form dieses Kapitels einen kurzen Umriss des psychotherapeutischen Ansatzes als Ursprungsform geben. Dazu werden die Voraussetzungen, sowie die Grundsätze die Rodgers beschrieben hat erläutert und dargestellt, um sie später transferieren zu können.

Wie der Titel der Therapieform bereits vermuten lässt, steht im personzentrierten Ansatz die Person im Mittelpunkt. Da es sich um eine Therapieform der Psychotherapie handelt, liegt der Verdacht nahe, der betreffende Personenkreis ist der der Klientinnen. Bei einem Blick in die Theorie jedoch stellt sich heraus, dass Rodgers die Interaktion und Beziehung zwischen Klientin und Therapeutin in den Vordergrund stellt. Dementsprechend hat der personzentrierte Ansatz eine Sichtweise inne, die nicht rein auf den*die Klientin gerichtet ist, sondern ebenfalls auch auf den*die Gesprächsführerin bzw. Therapeutin.

Deutlich wird dies zweifelsohne an der Empathie die Rodgers seitens des*der Thera- peuten*in fordert für den*die Klientin. Der*die Therapeutin muss in der Lage sein zu verstehen was der*die Klientin zum Ausdruck bringen möchte, was diese Person wirklich bewegt. Diese Empathie von der Rogers spricht, implementiert ein Ausbleiben einer positiven, wie auch negativen Wertung der Person, ihrer Haltung und ihrer Handlung gegenüber - zumindest in der direkten Kommunikation mit dieser Person. Rogers verleiht auch dem gegenseitigen Respekt einen hohen Wert. Die Wertschätzung gegenüber dem*der Klientin und der Akzeptanz gegenüber dieser Person sind unablässig für die Kommunikation des personzentierten Ansatzes. Am deutlichsten wird die doppelte Sichtweise an der Kongruenz und der Inkongruenz die Rogers in Sinne seiner Theorie erläutert. In Hinblick auf den*die Therapeutin bedeutet es, eine ehrliche und reale Präsenz gegenüber dem*der Klientin. Das Wort Präsenz ist an dieser Stelle bewusst gewählt, da der Begriff „auftreten" eine enorme Assoziation mit dem Schauspiel und ähnlichen Betätigungen hat, die in diesem Falle die falschen Akzente setzen und sich zu widersprüchlich lesen lassen würde. Die Kongruenz beschränkt Rogers allerdings auf den Moment der Therapiesitzung. Rogers betont ausdrücklich: „Wäre dies eine notwendige Bedingung, gäbe es keine Therapie."1 Es wird dem*der Therapeut*in nicht abverlangt in jeder Lebenssituation Kongruenz zu beweisen, sondern eben auch nicht kongruent zu sein, was wiederrum die geforderte Ehrlichkeit und Echtheit fördert und untermauert.2 Die im Moment der Therapiesitzung seitens des*der Therapeut*in geforderten Kongruenz setzt eine Inkongruenz seitens des*der Klient*in voraus. Inkongruenz bedeutet, der Definition der Kongruenz gegengestellt, dass die Person - sei es nun der*die Klient*in oder der*die Therapeut*in - in diesem Moment nicht authentisch, nicht ehrlich und nicht real ist. Die Person ist in diesem Moment nicht fähig ihre eigene Person und ihre gemachten Erfahrungen in Einklang zu bringen.

Wie bereits erwähnt, ist die Inkongruenz seitens des*der Klient*in eine Grundvoraussetzung für die Gesprächspsychotherapie, da durch die sie lediglich Inkongruenz abgebaut und somit die Symptome der psychischen Erkrankung dezimiert oder abklingen können.3 Um das zu erreichen bedarf es ein hohes Maß an Aktivität des*der Therapeutin und genau dieser Punkt ist es was den personzentrierten Ansatz von anderen unterscheidet bzw. abhebt. Denn einerseits hat die Aktivität, die Rogers als „nicht -di- rektiv" bezeichnete in der Vergangenheit zu begrifflichen Missverständnissen geführt und andererseits dem*der Therapeutin so viel abverlangt. Diese Art der Aktivität versteht die Einigung der bereits erwähnten Voraussetzungen (Empathie, Kongruenz und Respekt) unter Einbezug einer ganz bestimmten Verbalisierung. Der*die Therapeutin Wertet gesagtes nicht und gibt keine Zustimmungen. Stattdessen motiviert der*die Therapeutin den*die Klientin dazu um die Inkongruenz Sichtbar zu machen. Dabei ist darauf zu achten, dass der*die Therapeutin sich nicht als den*die Expertin für die Gefühlslage des*der Klientin ausgibt, sondern schafft einen Raum für den*die Klientin in welchem er*sie den*die Therapeutin einlädt den Ursachen auf den Grund zu gehen. Der*die Therapeutin gibt als nicht vor was zu tun ist, sondern erkundigt sich, ob er*sie das gesagte richtig verstanden hat. Die Kunst ist es, den inneren Drang zu Helfen zurückzustellen, um dem*der Klientin den Raum bieten zu können eigene Lösungen zu finden. Nur so wird sicher der*die Klient*in allmählich dem*der Therapeutin gegenüber (emotional) öffnen, um dem Kern des Problems näher zu kommen. Ebenso, wie der Dang zu Helfen muss die Neigung zu interpretieren Einhalt geboten werden, wenn es um mögliche Korrelationen von Aussagen des*der Klientin geht. Die Gefahr einer thematischen Einschränkung ist zu hoch, was eine Irreführung bezogen auf das eigentliche Problem zur Folge haben kann. Zusammenfassend lässt sich formulieren, dass die Aufgabe des*der Therapeutin darin besteht den*die Klientin in dessen*deren Eigenverantwortlichkeit zu stärken und unterstützen, mit allen Mitteln, die dafür in Frage kommen.4

3. Der personzentrierte Ansatz als Unterrichtsform

Der personzentrierte Ansatz beschreibt, wie auch in der Ursprungsform der Psychotherapie, die Fokussierung der Person und ihrer Probleme auf emotionaler Ebene durch eine verbale Realisierung. Einzig die Begriffe unterscheiden sich. So sprechen Tausch und Tausch, als die präsentesten Vertreterinnen des personzentrierte Ansatz als Unterrichtsform in Deutschland5, nicht von Empathie, Kongruenz und Wertschätzung bzw. Respekt, sondern von den drei personzentrierten Haltungen „Achtung-positive Zuwendung", „Einfühlendes nicht-bewertendes Verstehen" und „AufrichtigkeitEchtheit". Verglichen an den Definitionen der drei Begriffe die Rogers in seinem Ansatz für die Psychotherapie beschreibt (siehe Kapitel 2) und den Benennungen der drei personzentrierten Haltungen wird schnell deutlich, dass es sich auch hierbei um einen direkten Transfer handelt.6 Dennoch sollen die drei Haltungen an dieser Stelle in Hinblick auf die Lehrer*in-Schüler*in-interaktion beschrieben werden, um sie im später folgenden Schritt im schulischen Kontext diskutieren zu können. „Achtung-positive Zuwendung" meint vor allem das verbale und nonverbale respektieren der Kinder bzw. Jugendlichen als gleichwertige Menschen. Das bedeutet konkret, dass der*die Lehrerin dem*der Schülerin gegenüber keine Formulierungen oder Gestikulation nutzt, die er*sie selbst als unangebracht oder beleidigend empfinden würde.7 Außerdem ist der*die Lehrer*in darum bemüht, sich den Schülerinnen gegenüber empathisch zu verhalten. Das meint, sich emotional und seelisch auf die Schülerinnen einzulassen, ihre Gefühlslage nachvollziehen zu versuchen und ihre Sichtweise ernst zu nehmen. Der*die Lehrer*in soll, wie der*die Therapeutin auch, den Schülerinnen gegenüber authentisch und reflektiert sein.8 Eine weitere Parallele zu der psychotherapeutischen Form stellt die „Nicht-dirigierende förderliche Aktivität" dar. Hierbei handelt es sich um die Förderung der Schülerinnen in einer adressant*innengerechten Art und Weise, die beispielsweise durch vermehrte Bearbeitung von Aufgaben in Kleingruppen oder der Orientierung an der Lebenswelt der Schülerinnen realisiert werden soll.9 Diese Beispiele machen deutlich, dass die nicht-dirigierende Verhaltensform mit den personzentrierten Haltungen vereinbar ist und ein direkter Zusammenhang besteht.

4. Die zehn Merkmale guten Unterrichts

Bevor im nächsten Schritt über die für und wider des personzentrierten Ansatzes diskutiert werden kann, bedarf es eines Gegenstands zum Vergleich. Dieser Vergleichsgegenstand stellen in diesem Falle Meyers zehn Merkmale guten Unterrichts dar, die beschreiben woran gelingende Unterrichtssequenzen auszumachen sind uns wie Unterricht realisiert werden sollte. Die Wahl fiel bewusst auf Meyers Merkmale, da diese ein weites Spektrum an Kriterien für den Unterricht mitdenkt und versucht, diese aus den Perspektiven der Lehrerinnen und der Schülerinnen zu betrachten. Die ersten Überlegungen, nur jene Merkmale differenziert darzustellen, die mit dem personzentrierten Ansatz vergleichbar sind, wurden verworfen, da die Gesamtheit des Unterrichtens - zumindest soweit es innerhalb dieser Hausarbeit möglich ist - betrachtet werden soll, um eine glaubwürdige Diskussion führen zu können.

4.1 Klare Strukturierung des Unterrichts

Laut Meyer besitzt die klare Strukturierung sowohl ein inneres als auch ein äußeres. Damit sind die didaktisch-methodische Linienführung, die sich für den*die Lehrerin als auch für die Schülerinnen wie ein ,„roter Faden' durch die Stunde zieh[en]“10 soll, und das Unterrichtsmanagement gemeint. Als didaktisch-methodische Linienführung sind der Einklang der Ziele mit den Inhalten der Stunde und der gewählten Methode, das sinnvolle aufeinander aufbauen der einzelnen methodischen Schritte und der „methodische Grundrhythmus“11 12 13 zu verstehen. Als methodischen Grundrhythmus definiert Meyer den Aufbau einer Unterrichtsstunde in dem Einteilungsschema ,Einstieg/Erar- beitung/Ergebnissicherung'1213, welchen er allen (Quer-/) Einsteiger*innen empfiehlt. Das Unterrichtsmanagement macht Meyer an drei Arten der Klarheit fest; die Aufgaben-, Regel- und Rollenklarheit. Erstere zielt darauf ab, dass die Schülerinnen dem Unterrichtsgeschehen problemlos folgen können, wobei die Regelklarheit den*die Lehrerin in der Verantwortung sieht für die Aufstellung und Einhaltung von Regeln Sorge zu tragen, auch wenn die Regeln gemeinschaftlich aufgestellt werden. Innerhalb einer Unterrichtsstunde kann jeder Mensch verschiedene Rollen wie beispielsweise die des*der Moderatorin oder des*der Organisatoren. Dabei ist es von Bedeutung, dass die Rollen erkenntlich sind und angenommen werden. Das ist unter der Rollenklarheit zu verstehen.14 4.2 Hoher Anteil echter Lernzeit Dass Unterricht nicht per se Lernzeit wiederspiegelt weiß jede*r, der*die zur Schule gegangen ist. So definiert Meyer die echte Lernzeit als „die vom Schüler tatsächlich aufgewendete Zeit für das Erreichen der angestrebten Ziele.“15 Organisatorische Aufgaben, wie sie oft Klassenlehrerinnen zukommen, beispielsweise das Einsammeln von Geldern für Exkursionen oder das Kontrollieren der Hausaufgaben jedes*jeder einzelnen Schülerin zählen hierbei nicht zu. Dazu zählen kann allerdings auch lehrerzentrierte Phasen unter der Prämisse, dass die Phase durch den*die Schülerin aktiv genutzt wird.16

[...]


1 Rogers zitiert nach: Eckert et al. 2012, S. 108

2 vgl.Eckert et al. 2012, S. 108f

3 vgl. ebd., S. 107f

4 vgl. ebd., S. 22ff

5 vgl.Fleischer 1997, S. 7-19

6 Vgl. Tausch, R. in: Schweer 2017, S. 162f

7 Vgl. ebd., S. 162f

8 vgl., ebd., S. 163

9 vgl.Schweer 2017, S. 164

10 vgl.Meyer 2008, S. 26

11 ebd., S. 27

12 ebd., S. 27

13 An dieser Stelle kann auf den Aufbau mit den entsprechenden Begriffen nur hingewiesen werden, da die Erläuterungen für die spätere Diskussion keinen erheblichen Wert besitzen.

14 vgl. Meyer 2008, S. 28 - 29

15 ebd., S. 40

16 ebd., S. 39f

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Personzentrierter Ansatz als Unterrichtsform. Zehn Merkmale guten Unterrichts
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
16
Katalognummer
V1006135
ISBN (eBook)
9783346387059
ISBN (Buch)
9783346387066
Sprache
Deutsch
Schlagworte
personzentrierter, ansatz, unterrichtsform, zehn, merkmale, unterrichts
Arbeit zitieren
Dan Norben (Autor), 2018, Personzentrierter Ansatz als Unterrichtsform. Zehn Merkmale guten Unterrichts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1006135

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