Bindungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Bindungstheorie in der Sozialen Arbeit


Hausarbeit, 2021

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung, Thema dieser Arbeit

2 Bindungstheorie
2.1 Der Bindungsbegriff
2.2 Grundlagen der Bindungstheorie
2.3 Abgrenzung zur Triebtheorie
2.4 Das innere Arbeitsmodell
2.5 Feinfühlige Interaktion
2.6 Bindungstypen
2.6.1 Die „Fremde Situation“
2.6.2 Die sichere Bindung
2.6.3 Die unsicher-vermeidende Bindung
2.6.4 Die unsicher-ambivalente Bindung
2.6.5 Die desorientierte/desorganisierte Bindung
2.7 Bindungsstörungen
2.7.1 Ursachen von Bindungsstörungen
2.7.2 Auswirkungen von Bindungsstörungen
2.7.3 Formen von Bindungsstörungen

3 Die Bedeutung einer bindungsorientierten Sozialen Arbeit

4 Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung, Thema dieser Arbeit

Diese wissenschaftliche Arbeit setzt sich mit dem Thema Bindung und Bindungsstörung auseinander. Dabei wird auch ein Bezug zur bindungsorientierten Sozialen Arbeit genommen, um ihre Bedeutung und ihren positiven Einfluss darzustellen.

Diese Arbeit lässt sich thematisch grob in drei Teile gliedern. Die Darstellung der Bindungstheorie und ihre Grundannahmen, die Bindungstypen und ihre Auswirkungen und die Rolle der Sozialen Arbeit in der Förderung einer Bindungssicherheit.

Im ersten Teil dieses Werkes geht es um die Darstellung der Bindungstheorie nach dem Begründer John Bowlby und später auch nach Mary Ainsworth. Ich beginne mit der Definition von Bindung und gehe dann auf das Konzept der Theorie ein. Dabei werde ich erst das System der Bindung erläutern und kurz auf die Abgrenzung zu der Triebtheorie eingehen. Folgen werde ich mit den verschiedenen Bindungstypen und ihre Auswirkungen auf die kindliche psychische Entwicklung. Zuerst jedoch thematisiere ich kurz mögliche Ursachen von Bindungsstörungen. Im letzten Teil dieser Hausarbeit beziehe ich mich auf das Arbeiten mit bindungsgestörten Kindern und Jugendlichen. Hier geht es um die Bedeutung und den positiven Einfluss der Sozialen Arbeit zur Förderung einer sicheren Bindung. Ich runde diese Hausarbeit mit einer kurzen Zusammenstellung der gewonnenen Erkenntnisse und einem Zitat von Karl Heinz Brisch ab.

2 Bindungstheorie

2.1 Der Bindungsbegriff

Die Bindungstheorie nach John Bowlby und Mary Ainsworth beschreibt die Bindung als ein genetisch verankertes Bedürfnis, enge und emotionale zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen. Die Bindungstheorie thematisiert vor allem auch die Auswirkungen einer Bindungsqualität auf die psychische und emotionale Gesundheit eines Individuums

(vgl. Brisch 2011, S. 19 f.; Stegmaier 2008, o.S).

Die Erkenntnisse der Bindungsforschung finden heute unter anderem Berücksichtigung in der Betreuung von Kindern in Heimen und Kliniken, aber auch im Kontext der pädagogischen und Sozialen Arbeit (vgl. ebd.).

2.2 Grundlagen der Bindungstheorie

Der Begründer der Bindungstheorie, John Bowlby, war ein britischer Psychoanalytiker und Kinder- und Jugendpsychiater. Er forschte in der Mitte des 20. Jahrhunderts unter anderem im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation, die psychische Entwicklung von Kriegsweisen und die Auswirkungen von fehlender mütterlichen Fürsorge (vgl. Spangler/Zimmermann 2009, S. 32 f.).

In der Regel ist die Mutter des Kindes auch die wesentliche Pflegeperson, weshalb die Bindungstheorie häufig von der Perspektive der Mutter-Kind-Bindung ausgeht. Allerdings kann auch eine andere Person, die Rolle der primären Bindungsperson einnehmen (vgl. Brisch 2011, S.19) .

Der Säugling bringt eine angeborene Motivation mit, sich an seine Mutter binden zu wollen, da es als überlebenssichernde Funktion agiert (vgl. Grossmann/Grossmann 2003, S. 42). Die Mutter stellt eine Art „sicheren emotionalen Hafen“ (Brisch 2011, S. 19) in Situationen der Angst, des Schmerzes, der Krankheit oder der Gefahr, dar. Befindet sich das Kind in so einer Situation, wird das Bindungssystem aktiviert, also das Bedürfnis nach Bindung zu seiner Mutter. Es fängt an zu weinen, zu schreien oder nach seiner Mutter zu rufen, um bei ihr Schutz, Trost und Geborgenheit zu finden (vgl. Grossmann/Grossmann 2003, S. 31). Durch sanften Körperkontakt und feinfühlige Reaktion der Mutter, kann sich das Kind schnell beruhigen, da es sich wieder sicher fühlt und das Bindungssystem wird wieder deaktiviert (vgl. Brisch 2011, S. 19 f.). Jetzt kann sich das Kind wieder voll und ganz neugierig auf die Erkundung seiner Umwelt einlassen, durch das Spiel. Dieses neugierige Verhalten führt dazu, dass das Kind die Umwelt besser kennenlernt und sie erkundet (vgl. Grossmann/Grossmann 2003, S. 43 f.). Dieses Verhalten wird auch Explorationsverhalten genannt. Das Explorationsverhalten befindet sich im Wechselspiel zu dem Bindungsverhalten; sie agieren komplementär. Das bedeutet, dass entweder das eine oder das andere stattfindet und nicht gleichzeitig. Das Bindungsverhalten ist dem Explorationsverhalten vorrangig, da das Kind sein Umfeld nicht effizient explorieren kann, wenn sein Bindungssystem aktiviert ist, weil es beispielsweise Angst hat oder sich überfordert fühlt mit einem Spiel. Unter diesem Unwohlsein kann das Kind sich nicht frei dem Spiel begeben, da das aktivierte Bindungssystem dazu führt, dass es die Beruhigung und Zärtlichkeit der Mutter fordert (vgl. Brisch 2010, S. 38 f.; Brisch 2011, S. 19).

2.3 Abgrenzung zur Triebtheorie

Bowlby formuliert diese Bindung zu der Mutter als primäres Bedürfnis und grenzt sich dadurch klar von dem Verständnis der Objektbeziehung ab, welche vereinfacht postuliert, dass ein Individuum ein Interesse an Beziehungen zu anderen Individuen hat, da es von diesen Befriedigung der primären Trieben erwarten kann. Dies würde bedeuten, dass die Motivation eines Säuglings sich an seine Mutter binden zu wollen darin besteht, dass es von ihr das Bedürfnis nach Nahrung befriedigt bekommen kann. Demnach wäre die orale Befriedigung durch das Stillen die Erklärung der Mutter-Kind-Bindung. John Bowlby jedoch sieht das Bindungsbedürfnis als ein eigenständiges Primärbedürfnis mit einem eigenständigen inneren Arbeitssystem an (vgl. Brisch 2010, S. 32; Grossmann/Grossmann 2003, S. 22 f., 41 f., 51).

2.4 Das innere Arbeitsmodell

Das innere Arbeitsmodell wird als organisatorisches Konstrukt beschrieben, welches gespeicherte Informationen über die bisherigen Interaktionserfahrungen eines Bindungspartners beinhaltet. Bei Aktivierung des Bindungsbedürfnisses wird das Bindungsverhalten des Kindes durch dieses innere Arbeitsmodell gesteuert. Aus den zuvor gemachten Erfahrungen in bindungsrelevanten Situationen wird eine Art Verhaltensmuster entwickelt, auf das das Kind in der nächsten bindungsrelevanten Situation zurückgreifen kann. Diese Bindungserfahrungen werden neuronal im Gehirn abgespeichert. Es dient dem Kind als Vorwissen oder Erwartungswissen, welches es an sein eigenes Verhalten und an das Verhalten des Bindungspartners hat. Das Kind lernt, ob und wie die Bindungsperson auf seine Bedürfnisse eingehen wird, was sein Bindungsverhalten vorhersehbar macht (vgl. Brisch 2010, S. 37 f.; Grossmann/Grossmann 2003, S. 61 ff.).

Hier ist es aber auch wichtig zu betonen, dass der Säugling oder das Kleinkind neben der Mutter auch weitere Bindungen eingehen wird, beispielsweise mit den Geschwistern oder Großeltern und dem Vater. Diese ergänzen die mütterliche Bindung. Deshalb erkennt Bowlby, dass ein Individuum multiple Arbeitsmodelle entwickelt (vgl. Jungmann 2019, o. S.).

Dies bedeutet, dass das Kind bei unterschiedlichen Bindungen auch unterschiedliche innere Arbeitsmuster entwickelt, da sich die Interaktionen zu den verschiedenen Bindungspartnern auch unterschieden können. Demnach bedarf das Kind noch weitere Arbeitsschemata, welches sich durch die Beziehungserfahrungen mit anderen Bindungspersonen internalisiert (vgl. ebd.).

Ebenfalls ist wichtig zu ergänzen, dass innere Arbeitsmodelle einem Entwicklungsprozess unterliegen und sich das Verhaltensrepertoire mit dem Erwerb von sprachlichen Kompetenzen verändert. Das Kind ist dann in der Lage seine Bedürfnisse immer spezifischer durch die Sprache auszudrücken, während es im Säuglingsalter seine Bedürfnisse über das Weinen oder Schreien nur sehr unspezifisch äußern kann. Diese Arbeitsmodelle sind in der frühen Kindheit noch sehr flexibel, werden im Laufe der Entwicklung jedoch immer stabiler. Diese Stabilität trägt bei einer sicheren Bindung zu einer stabilen psychischen Entwicklung bei oder im Falle einer unsicheren Bindung, zu einer Störung der psychischen Entwicklung (vgl. Brisch 2010, S. 38).

2.5 Feinfühlige Interaktion

Eine sichere Mutter-Kind-Bindung ist der Grundstein für die Entwicklung weiterer gesunder Bindungen des Kindes mit seinen Mitmenschen. Weil die Bindungspersonen hierarchisch, nach Abfolge der Präferenz und Verfügbarkeit angeordnet werden (vgl. Brisch 2010, S. 36f.), ist die primäre Bindungsperson sehr entscheidend für die psychische und emotionale Entwicklung des Kindes. Vor allem bleibt diese frühe Bindung meist über einen längeren Zeitraum bestehen und wird von intensiven Gefühlen begleitet. Deshalb ist es für das Kind von großer Bedeutung, dass mit diesen intensiven Gefühlen auch feinfühlig umgegangen wird (vgl. ebd., S. 20).

Zur Entwicklung einer sicheren Bindung lassen sich einige Merkmale zum Verhalten der Mutter zusammenfassen. Die folgenden Merkmale sind nicht nach Wichtigkeit geordnet.

- Dialogische Sprache und das Benennen der Affekte
- Prompte, richtige Interpretation der Bedürfnisse des Kindes
- Die angemessene Reaktion auf diese
- Vermitteln von Liebe, Sicherheit und Schutz

Insgesamt ist es essentiell, dass die Interaktion zwischen dem Kind und des Interaktionspartners, Feinfühligkeit auszeichnet. Diese Feinfühligkeit ist die Basis für die Entwicklung einer Bindungssicherheit.

Da Säuglinge ihre Bedürfnisse und Gefühle noch nicht spezifisch sprachlich äußern können, ist es eine Aufgabe der vertrauten Person, dem Säugling in seiner Entwicklung Differenziertheit dieser Affekte zu schaffen. Das einfache Benennen der Gefühle in dem konkreten Kontext ist eine Form der dialogischen Sprache, welches dem Kleinkind Sicherheit in seinem emotionalen Empfinden schafft und die Sprachentwicklung fördert (vgl. Brisch 2011, S. 20). Das Benennen der Affekte könnte von Seiten der Mutter zum Beispiel so aussehen:

„Das macht total viel Spaß mit diesem neuen Spielzeug zu spielen oder? Du freust dich bestimmt total und bist jetzt ganz neugierig.“ Oder: „Oh, du bist noch nicht satt geworden, hast du heute einen großen Hunger? Möchtest du noch etwas haben?“

Hier würde die Mutter die Freude und Neugier benennen, welches das Kind beim Spiel ausstrahlt. Oder im zweiten Beispiel benennt die Mutter den Hunger, weil das Kleinkind nach dem Essen oder Trinken weint oder auf die Nahrung oder die Brust der Mutter zeigt.

Als zweiter Punkt aufgelistet ist die prompte und richtige Interpretation der Bedürfnisse des Kindes. Dies geht mit dem ersten Punkt und den nächsten Punkten einher. Die Mutter erkennt das Weinen des Säuglings an und reagiert prompt und angemessen darauf, dem Kontext der Situation entsprechend. Sie zögert ihre Reaktion nicht heraus, sondern reagiert dementsprechend prompt. Je älter das Kind wird, desto toleranter ist es bei einer verzögerten Reaktion der Mutter (vgl. Brisch 2010, S. 43 ff.). Sie zeigt durch eine schnelle Reaktion, dass sie verfügbar für das Kind ist, emotional sowie physisch. Die Verfügbarkeit und die Zuverlässigkeit der Mutter vermittelt dem Kind, dass es sich bei ihr geborgen und geliebt fühlen kann. Es kann der Mutter in bindungsrelevanten Situationen, wenn es zum Beispiel Angst hat, vertrauen und bei ihr Sicherheit und Trost finden.

2.6 Bindungstypen

2.6.1 Die „Fremde Situation“

Mary Ainsworth analysiert, basierend auf Bowlbys Erkenntnissen, ebenfalls die Mutter-Kind-Bindung, belegte seine Arbeit empirisch und erweiterte sie schließlich (vgl. Brisch 2010, S. 33). In ihrer standardisierten Laborsituation, dem „Fremde-Situations-Test“, stellt sie fest, dass das Bindungsverhalten der zwischen 12-18 Monate alten Kinder zu ihren Müttern unterschiedlich sind und sich in drei Bindungstypen klassifizieren lassen: Die sichere Bindung, die unsicher- vermeidende Bindung und die unsicher-ambivalente Bindung. Später entdeckten Main und Salomon noch die desorientierte/desorganisierte Bindung (vgl. Stegmaier 2008, o.S.)

Es handelt sich in diesem Test, um kurze Trennungen zwischen dem Kleinkind und seiner Mutter. Entscheidend dabei ist die Reaktion des Kindes auf die Abwesenheit der Mutter, in der Anwesenheit einer fremden Person, welche das Kind zu trösten versucht und die Art und Weise, wie das Kind auf die Mutter reagiert, wenn sie wieder zurückkehrt (vgl. Brisch 2010, S. 50 f.). Nach M. Ainsworth gibt die Reaktion und das Verhalten des Kindes in dieser Trennungssituation Aufschluss über die Bindungsqualität, die sich zwischen dem Kind und seiner Mutter bis zu diesem Zeitpunkt etabliert hat.

Folgend stelle ich die vier Bindungsmuster dar, indem ich die verschiedenen Verhaltensweisen der Kleinkinder in dieser Test-Situation beschreibe.

2.6.2 Die sichere Bindung

Protestiert das Kind in diesem Versuch mit Weinen und Rufen nach der Mutter, wenn diese den Raum verlässt und lässt es sich auch nicht von der fremden Person beruhigen, hat es sich sehr wahrscheinlich sicher an seine Mutter gebunden. Das Bindungssystem ist in dieser für das Kind stressigen Situation aktiviert. Es sucht die körperliche Nähe der Mutter und möchte von ihr getröstet werden, wenn diese den Raum nach wenigen Minuten wieder betritt. Das Kind lässt sich durch die Interaktion mit der Mutter wieder beruhigen und freut sich über ihre Rückkehr. In ihrer Anwesenheit begibt sich das Kind wieder sicher dem Spiel und der Exploration des Umfeldes. Das Bindungssystem ist wieder deaktiviert und das Explorationsverhalten äußert sich, indem das Kind wieder spielt. Es fühlt sich in der Anwesenheit der Mutter sicher und geschützt und traut sich deshalb zu, sich wieder mit seiner Umwelt auseinander zu setzten. Die Mutter des Kindes ist der „sichere Hafen“ und das Kind kann sich auf ihre emotionale und physische Verfügbarkeit verlassen (vgl. Brisch 2011, S. 20 f.).

2.6.3 Die unsicher-vermeidende Bindung

Verlässt die Mutter den Raum und das Kind reagiert überhaupt nicht mit einem Bindungsverhalten darauf und spielt stattdessen unbekümmert weiter, ist das Kind wahrscheinlich unsicher-vermeidend zu seiner Mutter gebunden. Es macht den Eindruck, dass die Trennung von der Mutter ihm nichts ausmacht und bei ihrer Rückkehr sucht es auch nicht ihre emotionale oder körperliche Nähe. Allerdings konnte im Blut und im Speichel des Kindes nachgewiesen werden, dass der Cortisolspiegel sehr hoch war. Dieses Stresshormon deutet darauf hin, dass das Kind sehr wohl innerlich aufgewühlt und gestresst war, jedoch hat es seine Emotionen nicht offen gelegt und nicht gegen die Trennung protestiert, da es sich nicht darauf verlassen konnte, dass seine Mutter auch auf seine Gefühle und Bedürfnisse eingehen wird. Das Kind hat den inneren Stress nicht über die Bezugsperson reguliert, sondern wahrscheinlich mit dem Weiterspielen kompensiert. Der Kontakt zu der Mutter wird vermieden und häufig wird die fremde Person als Tröster*in bevorzugt. Diese Kinder haben oft Zurückweisung der eigenen Bedürfnisse und Wünsche erlebt (vgl. Brisch 2011, S. 21).

2.6.4 Die unsicher-ambivalente Bindung

Bei einer Mutter, welche sehr unzuverlässig/inkonsistent oder stets unvorhersehbar auf die Gefühle und Bedürfnisse des Säuglings eingeht, kann sich eine unsicher-ambivalente Bindung etablieren. Bei dieser Bindung reagiert der Säugling auf die Trennung von der Mutter mit einem sehr starken Protest, indem es lautstark weint, nach seiner Mutter schreit und extrem überwältigt von seinen Gefühlen scheint. Die fremde Person wird ignoriert und es lässt sich nicht durch diese trösten. Das Kind hat grundsätzlich Angst vor der fremden Person und vor dem fremden Raum. Kehrt die Mutter wieder zurück, verhält sich das Kind sehr anhänglich, wobei es sich gleichzeitig auch nicht beruhigen lässt, da es sich sehr über sie ärgert. Das Kind hat ambivalente Gefühle gegenüber seiner Mutter und ist deshalb mit seinem emotionalen Erleben überfordert und verunsichert über diese Gefühle. Das Stresshormon lässt sich auch noch nach Stunden in einem erhöhten Spiegel wiederfinden (vgl. Brisch 2011, S. 21 f.).

2.6.5 Die desorientierte/desorganisierte Bindung

Bei einem desorientierten/desorganisierten Bindungstyp lässt sich das Verhalten des Kindes in einer bindungsrelevanten Situation nicht vorhersagen. Das deutet darauf hin, dass das Kind keine typische Verhaltensstrategie oder ein inneres Arbeitsmodell entwickelt hat, wenn sich seine Bezugsperson von ihm trennt oder wieder zurückkehrt. Durch die Angst, fühlt es sich gelähmt und hat Gefühle der Ohnmacht und reagiert zum Beispiel mit völligem Erstarren, Emotionslosigkeit oder sich-im-Kreis drehen. Es erlebt einen Kontrollverlust und weiß überhaupt nicht mit der Situation umzugehen. Diese Kinder haben oft frühe traumatische Erlebnisse durch ihre Bindungsperson erlebt. Meistens wurde es mit Gewaltmisshandlungen und Drohungen konfrontiert und gleichzeitig war die Bindungsperson, die einzige Quelle der Versorgung. Es hat einerseits also Angst vor ihr, andererseits ist es vollkommen abhängig von dieser Bindungsperson. Das Kind befindet sich meist in einem dauerhaften Stresszustand, welches sich im Gehirn fixieren kann und psychische Schäden verursacht (vgl. Brisch 2011, S. 22).

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Bindungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Bindungstheorie in der Sozialen Arbeit
Veranstaltung
Kinder- und Jugendpsychiatrische Störungsbilder
Note
1,7
Autor
Jahr
2021
Seiten
13
Katalognummer
V1008438
ISBN (eBook)
9783346395986
ISBN (Buch)
9783346395993
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bindungsstörungen, kindern, jugendlichen, bindungstheorie, sozialen, arbeit, John Bowlby, Karl Heinz Brisch, Soziale Arbeit, Bindung, Mary Ainsworth
Arbeit zitieren
Maria Gerburger (Autor), 2021, Bindungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Bindungstheorie in der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1008438

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