Die Geschichte des Kulturkampfs zwischen Staat und Kirche in Deutschland


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

2 Seiten, Note: 13


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Der Kulturkampf (1871 - 1878)

Diese Bezeichnung für die Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche geht aus der Frage hervor, wer die kulturellen Grundzüge der Gesellschaft bestimmen sollte.

Ursachen

Schon seit der Französischen Revolution wird der Einfluß der Kirche auf Staat und Gesellschaft mehr und mehr zurückgedrängt. Um sich dieser Bestrebungen zu erwehren richteten sich viele Katholiken nach den Anweisungen des Vatikans. Dieser hatte aufgrund der italienischen Einigung einen entscheidenden Machtverlust zu verkraften und reagierte darauf zunächst mit der sogenannten „Syllabus errorum“1, deren Inhalt als eine Provokation für den Liberalismus und als Angriff auf den Staat gedeutet wurde. Das 1870 folgende päpstliche Unfehlbarkeitsdogma erweckte nicht nur die Furcht vieler Politiker vor Übergriffen der Kirche in die Belange des Staates, sondern es bewirkte auch die Lossagung der Altkatholiken vom Papst. Die Forderung der Entlassung solcher Staatsbeamter nutzte Bismarck um seine Innenpolitik zu koordinieren. Für ihn stellte das Zentrum, eine katholische Partei, einen staatsgefährdenden Feind dar, schließlich pflegte sie die Zusammenarbeit mit den Minderheiten die gegen ihren Willen in das deutsche Reich eingegliedert worden sind. Unterstützung erhielt Bismarck durch die Liberalen, die sich davon einerseits Zugeständnisse von seiten des Reichskanzlers versprachen und andererseits die Gelegenheit nutzten die Gegenaufklärung in Form der Zentrumspartei zu bekämpfen. Um das Zentrum seiner politischen Bedeutung zu berauben wollte Bismarck, dass der Papst sich von der Partei distanziert. Als dieser ablehnte nahm Bismarck den Kampf gegen den „Ultramontanismus“2 auf.

Verlauf

Bismarcks Ziel ist es das Zentrum als politische Macht und den Einfluß der Kirche auf die Politik ausschalten.

Schon 1871 drohte er Geistlichen mit dem „Kanzelparagraphen“ Strafen an, wenn sie „Staatliche Angelegenheiten in aufwieglerischer Weise im Amt [...]3 “ behandelten. Im Jahr darauf ersetzte Bismarck die geistige Schulaufsicht durch eine staatliche, verbot den Jesuitenorden, und regelte in den „Maigesetzen“ 1873 die Einstellung Geistlicher. So musste vorher ein „Kulturexamen“ in Philosophie, in Geschichte und in deutscher Literatur bestanden werden. Aufgrund dieser Maßnahmen rief der Papst mit Erfolg alle Gläubigen zur Nichtbeachtung auf, worauf der Staat mit Geld- und Haftstrafen reagierte. Zu einer weiteren Verschärfung der Gesetze kam es 1875, als Papst Pius IX. die staatlichen Bestimmungen des Kulturkampfes für ungültig erklärte und allen die sich daran hielten mit Kirchenausschluß drohte. So wurde als Folge die „Zivilehe“4 eingeführt, alle finanziellen Zuwendungen an die Kirche gestrichen und bis auf die sanitären Orden alle anderen aufgelöst.

Aufgrund von politischen Differenzen in der Zollpolitik5 musste Bismarck auf die Konservativen zurückgreifen um die benötigte Unterstützung der Mehrheit des Parlaments zu erhalten. Dies machte aber eine Aussöhnung, also eine

1.[griech. ‘Verzeichnis‘] / Enzyklika über 80 Irrtümern in Fragen der Religion, der Politik und der Wirtschaft / veröffentlicht im Jahre 1864 unter Papst Pius IX.
2. [lat. ultra montes ‘jenseits der Berge‘], Bezeichnung für dt. polit. Katholizismus, der die Ansprüche des Papstes über die der eigenen Nation stellt.
3. Berg, Rudolf: Wege durch die Geschichte: Grundkurs Geschichte 12. Berlin: Cornelson 1993.
4. Einführung von Standesämtern, kirchliche Trauung freiwillig
5. Ausarbeitung der Bestimmungen über die Art der Schutzzölle aufgrund der Gründerkrise

Kompromißbildung mit dem Zentrum, zur Bedingung, denn die Konservativen betrachteten die Kirche nicht als Gegner, sondern als Halt für die Gesellschaft und somit auch als Stütze für den Staat.

Folgen

Auch Bismarck musste den Mißerfolg seiner Maßnahmen einsehen, denn nichts hatte die Katholiken wirklich getroffen. Zwar waren alle preußischen Bischöfe verhaftet oder ausgewiesen und viele Pfarreien gar nicht mehr besetzt, aber das Zentrum erhielt immer mehr Stimmen in den Reichstagswahlen und war auf dem besten Weg die Mehrheit zu erlangen. Deswegen musste Bismarck, dessen Zusammenarbeit mit den Liberalen nicht mehr der von ihm gewünschten Richtung folgte, die Konservativen für sich gewinnen. Sehr gelegen kam ihm daher 1878 der Tod Pius IX., denn dessen Nachfolger Papst Leo XIII. war an einer Aufhebung der Streitigkeiten interessiert. So einigte man sich dann in einem Kompromiß: Viele der Gesetze des Kulturkampfes wurden wieder rückgängig gemacht, aber die staatliche Schulaufsicht, der „Kanzelparagraph“ und die „Zivilehe“ blieben bestehen.

Die Liberalen wurden durch die Niederlage im Kulturkampf und nicht zuletzt auch aufgrund des Bündniswechsels Bismarcks stark geschwächt.

Das Zentrum ging gestärkt aus dem Kulturkampf hervor, es gewann 1881 die Mehrheit der Sitze im Reichstag und blieb dies für die nächsten dreißig Jahre. Aber durch den Konflikt war neben den nationalen Minderheiten und den Arbeitern mit den Katholiken eine weitere Gruppe entstanden, die sich nicht mit dem deutschen Kaiserreich identifizieren konnte.

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Details

Titel
Die Geschichte des Kulturkampfs zwischen Staat und Kirche in Deutschland
Note
13
Autor
Jahr
2001
Seiten
2
Katalognummer
V101045
Dateigröße
347 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kulturkampf
Arbeit zitieren
Sebastian Plappert (Autor), 2001, Die Geschichte des Kulturkampfs zwischen Staat und Kirche in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101045

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